Testbericht: Super Paper Mario

Seit April 2007 warten wir Europäer schon auf dieses Spiel – Super Paper Mario, welches nicht nur zwei unterschiedliche Genres verbindet, sondern auch einen Wechsel zwischen der 2D- und 3D-Ansicht in Echtzeit schafft. Das verspricht natürlich einiges an Innovation. Von Nintendo und Intelligent Systems ist man hohe Qualität gewohnt. Kann das Spiel der Vorfreude gerecht werden? Wir haben für euch wieder fleißig getestet…

Die Geschichte aus einer anderen Dimension

Ruhig ist es bei den italienischen Brüdern, bis plötzlich ein kleiner Pilzkopf auftaucht und berichtet, dass die Prinzessin Peach „mal wieder“ entführt wurde. Schnell machen sich Mario und Luigi auf den Weg in Bowsers Schloss um nach dem Rechten zu sehen.
Allerdings wartet dort eine unangenehme Überraschung auf sie: Eine mysteriöse Gestalt mit dem Namen Graf Knickwitz versucht alle Welten zu zerstören. Zumindest hält er sich an die Prophezeiungen aus dem Dunklen Prognosticon, welche er bei sich führt. Der Graf entführt nach seinem Auftritt alle Gäste außer Mario in eine andere Dimension.

Mario wird anschließend von dem kleinen, digitalen Schmetterling Tippi in die Flipstadt geführt, wo er laut dem Lichten Prognosticon auf die Beschreibung des legendären Helden passt, der die Welten retten soll. So erklärt es ihm Merlon, der um seine Hilfe bittet. Marios Aufgabe ist es dann letztendlich in verschiedenen Welten die „reinen Herzen“ zu finden.

Der Umfang ist überschaubar: Es gibt nur den Einzelspielermodus, der mit sieben Kapiteln a vier Level, also insgesamt 28 Kapitel, auf sich warten lässt. Zahlreiche Dialoge, Rätsel und Jump’n’Run-Passagen schmücken die Spielzeit mit passender Abwechslung. Zum Ende hin zieht sich das Spiel jedoch ein wenig, aber das ist insgesamt alles ganz gut ausgeglichen.

Die Dialoge sind eine bunte Packung: Einige Passagen lassen laut auflachen und sind prall gefüllt mit schönem Situationshumor, andere fallen komplett aus dem Rahmen und werden in völlig verrückter Art und Weise präsentiert (Gespräch zwischen dem Nerd und Princess Peach) und dann gibt es noch diese langen Monologe, die selbst Mario im Spiel zum Einschlafen bringen.
Letztere trüben dann auch etwas das Gesamterlebnis. Das Gleichgewicht zwischen Jump’n’Run-Passagen und Rollenspielelementen wäre nämlich ideal, hätten die Entwickler einige Dialoge nicht etwas zu sehr in die Länge gezogen. Vielleicht liegt das auch in der Natur der Textdialoge – denn bis auf ein paar Laute und einzelnen Wörtern wie „Okay“ gibt es keine Sprachausgabe. Überspringen lassen sich die Sequenzen nicht und somit darf man auch beim erneuten Durchspielen alle Dialoge nocheinmal lesen oder nach jedem Satz blind wegdrücken.
Allerdings soll erwähnt werden, dass der Großteil der Dialoge sehr unterhaltsam und von hoher Qualität ist und eigentlich nur einige Passagen aufgrund ihres simplen Inhalts negativ auffallen. Gebremst fühlen sich eigentlich nur die Action Fans, die von einem Level zum anderen rasen, denn wer genug Zeit zum Spielen mitbringt und in die witzige Welt eintauchen will, wird sich allerdings kaum dran stören.

Wie spielt es sich?

Sicherlich revolutioniert Super Paper Mario weder das Jump’n’Run- noch das RPG-Genre, aber es wird wohl für eine lange Zeit als eines der Spiele in Erinnerung bleiben, dass so mutig war, jederzeit einen Wechsel zwischen der 2D- und der 3D-Ansicht auf der Taste A zu erlauben.

Das Problem von 2D Jump’n’Runs ist, dass so gut wie jedes Rätsel und jede Passage schon einmal irgendwie da gewesen ist. Durch die zeitlich begrenzte Ansicht in der dritten Dimension sind jedoch plötzlich ganz neue Rätsel und Aufgaben möglich! Das gibt dem Spiel einen ganz frischen Eindruck und es überrascht immer und immer wieder mit neuen, cleveren Ideen und Geheimnissen. Das tut dem Gameplay sehr gut und lädt überall dazu ein, viel rumzuprobieren und zu forschen.

Allerdings kann nur Mario diesen Wechsel der Dimensionen. Womit wir schon zu einer weiteren, netten Idee kommen: Im Laufe des Spiels schließen sich immer mehr Helden dem Mario an und so hat man zum Ende hin die Auswahl zwischen vier Helden mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Das macht einige Passagen und Rätsel umso knackiger, da man die unterschiedlichen Fähigkeiten miteinander kombinieren muss. Allerdings teilen sich die Charaktere die gleiche Energie, womit diese Gruppenarbeit gar nicht so rollenspielüblich ausfällt, wie man jetzt denken könnte.

Für die Heldenauswahl haben Intelligent Systems sich diesmal auch einiges Einfallen lassen und sehr beliebte Charaktere gewählt und ihnen Motive und Charakterzüge gegeben, die man zuvor noch gar nicht kannte. So erfährt man zum Beispiel, dass Princess Peach auch durchaus Probleme selber in die Hand nehmen kann und gar nicht so schüchtern ist, wie man immer denkt.

Die klassische Steuerung

Klassisch, wie die Jump’n’Run-Passagen sind, spielt sich das Spiel mit quer gehaltener WiiMote. Auf dem Digitalkreuz bewegt der Spieler den bärtigen Mario und mit der Taste 2 springt er wie gewohnt. Alles fühlt sich gut und präzise an, wie eh und je. Die fehlende Lauffunktion vermisst man allerdings als langjähriger Fan der Mariospiele.

Wenn man über mehrere Stunden mit der WiiMote in den Händen so ein klassisches Gameplay spielt, sehnt man sich allerdings auch schon mal nach dem Classic Controller. Man merkt, dass Super Paper Mario ursprünglich für den GAMECUBE erscheinen sollte. Allerdings wurden dem Spiel noch einige Wii Features gegeben: So kann man jederzeit mit der WiiMote auf den Bildschirm zeigen, um Informationen, Spieltipps und versteckte Geheimnisse zu entdecken.

Auf der Plus-Taste öffnet man ein Menü, welches recht umfangreich ausfällt: So findet man neben dem aktuellen Status auch wichtige Spielelemente wie Helden-, Item- und Pixlauswahl. Eine ganze Sammelkarten- und Rezeptsammlung lässt sich auch von hier aus anschauen.
Während des Spiels ist der Spieler relativ oft auf das Menü angewiesen, sodass man mit gleichzeitigem Drücken von Taste 1 und 2 das Quickmenü aufruft, welches einen schnellen Zugriff auf die Helden, Items und Pixl zulässt und dem Spielfluss etwas zu Gute kommt.

Was sind denn eigentlich diese Pixl? Anders als in anderen Mariospielen, gibt es hier Aktionen wie die altbekannte „Stampfattacke“ erst im Laufe des Spieles. Durch das Sammeln von Pixl, das sind kleine, verrückte Wesen, die sich gern in großen Truhen verstecken, erlangen Mario und seine Freunde diese neuen Fähigkeiten und können sie auf der Taste 1 ablegen. Man kann immer nur einen Pixl, der die Spielfigur dann auch im Spiel verfolgt, auswählen. Somit wird Mario im Spiel andauernd von dem Schmetterling und einem Pixl begleitet, was sehr ungewohnt aber witzig aussieht.

Items sind vielfältig und lassen sich wunderbar in vielen Situationen einsetzen. Allerdings können Mario & Co. nicht unendlich viele davon mitnehmen, was etwas taktisches Geschick erfordert. Notfalls kann man im Shop in Fliptown Gegenstände dort bunkern, abholen oder auch traditionell ver- und einkaufen.

Wunderschöne Welt

Der ganze 2D-Look im Spiel sieht sehr schön und rund aus. Die Charaktere sind niedlich gezeichnet und die Levels sind abwechslungsreich gestaltet und bieten neben altbekannten Super Mario Brothers-Elementen auch viele experimentelle Texturen und Hintergründe. Alles wirkt jedenfalls wie aus einem Guss und sorgt eigentlich niemals für Missverständnisse. Der Stil ist künstlerisch anspruchsvoll und dürfte dennoch jedem gefallen, der Cartoons und Comics mag.

Die 3D-Ansicht überrascht jedes Mal: Man läuft seit Minuten schon in einem Level rum und trotzdem wirkt das Spiel dann in 3D noch mal ganz anders.
So schön der Effekt auch ist, bekommt der Spieler leider einige Male auch so manche hässliche Landschaft zu sehen. Was in 2D noch richtig gut aussieht, verwandelt sich in der alternativen Perspektive dann schon mal in eine leere Wüstenlandschaft mit ein, zwei Steinen. Das ist der Nachteil an der herausragenden 2D-Grafik: Sie stellt die meisten 3D Passagen in den Schatten.

Technisch läuft das Spiel natürlich einwandfrei. Sehr flüssige Animationen, auch wenn sich plötzlich mal das ganze Level auf den Kopf dreht oder wenn ein riesiger Tintenfisch den Hintergrund füllt.
Ansonsten läuft das Spiel natürlich auch im sauberen 480p-Modus in 16:9.

Das einzige was auf einem LCD TV noch ein wenig auffällt ist dann die geringe Auflösung. Hätte die Wii einen vollwertigen HD-Ausgang würde das Spiel noch schärfer und knackiger aussehen können.

Sounds und Musik

Die Geräusche im Spiel stehen den verrückten Grafiken in nichts nach und geben den Charakteren mit ihrer witzig, überspitzten und auch teilweise albernen Art die nötige Tiefe. Sei es nun das Klacken der Schuhe von Princess Peach, das simple, jedes Mal zum Schmunzeln anregende „Yay“ Marios oder so manchen NES Soundeffekt, der in der knackigen Cartoon Landschaft plötzlich auftaucht – alles passt sehr gut und klingt sehr frisch. Einigen Spielern ist es aber auch vielleicht schon ein wenig zu albern. Das Geräusch der Texte, wie sie im Dialog geschrieben werden, kann nach einiger Zeit auch etwas nervig sein.

Die Musik verbreitet eine warme aber auch treibende Stimmung, die Mario und seine Freunde motiviert auf die Reise schickt. Für den Spieler heißt es in sonnigen Pianotönen baden, zu fast schon Dancemusik mitwippen oder auch zu mysteriös, hallenden Elektromelodien ein paar Rätsel lösen. Sogar einige ruhige Passagen geben den dunklen, traurigen Seiten der Geschichte ihre Glaubwürdigkeit. Was dem langjährigen Mariofan auch wieder bestens gefallen dürfte sind dann auch einige gewohnte Klassiker in neuer Form.

Allerdings gibt es wie gewohnt nur wieder MIDI-Musik und ernsthafte Ohrwürmer sind auch nicht dabei. Insgesamt aber eine sehr gut passende Musik.

Präsentation und Langzeitmotivation

Das Spiel macht einen soliden Eindruck. Jeder flüchtige Passant wird nicht drum herum kommen, für einen Moment stehen zu bleiben und sich das Spiel anzusehen. Das Spiel strahlt eine hohe Qualität aus: Jede Animation sitzt, das Zusammenspiel zwischen Grafik, Sound und Dialogen wirkt ausbalanciert und es gibt wie bei Nintendo üblich wieder keine Ladezeiten.

Mit um die 20 Stunden Spielzeit und dem eingebauten Kartensammelspiel dürfte der Spieler trotz fehlender Multiplayer Minispiel Sammlung oder einem Leveleditor, mit dem man Online Levels austauschen könnte, viel Spaß beim Durchspielen haben und garantiert auch in Zukunft wieder für ein zweites Durchspielen zu haben sein (dann allerdings mit intensiverer Suche nach Geheimnissen). Für ein klein wenig Langzeitmotivation ist also bereits gesorgt, aber ein Spiel, welches man immer wieder durchspielt, ist es leider nicht.

Wer allerdings auf Herausforderungen steht, ist mit diesem Spiel schlecht beraten: Der Schwierigkeitsgrad ist nämlich dermaßen leicht, dass der erfahrene Spieler das Spiel im ersten Durchgang wahrscheinlich ohne ein Game Over meistern wird. Allerdings war dieser Punkt noch nie so egal wie in Super Paper Mario, denn das clevere Leveldesign und die Rätsel beschäftigen auch den erfahrenen Spieler doch schließen Frustmomente so ziemlich aus. Dieses Spiel lebt einfach von dem, was man „gutes Gameplay“ nennt.

Fazit (Pietro D’Amore)

Die zweidimensionale 2D-Grafik haut mich einfach um! Das sage ich nicht nur als Illustrator, sondern auch als Fan von Cartoons und als Fan vom Mario Universum. Einigen könnte es zu abgedreht sein, aber ich liebe den Charme.

Was uns Intelligent Systems hier bietet ist eine grandiose Show, die sich mit ihrer Mischung aus gutem Humor, vielen Überraschungen und dank der gelungenen Musik sehr wohl zeigen kann und mit einem Look and Feel daherkommt, welchen ich in der Form in einem Videospiel noch nicht erlebt habe. Überraschungen gibt es viele, so kann es tatsächlich sogar passieren, dass man ein Game Over bekommt, wenn man die falschen Antworten nimmt (Das hat mich doch sehr erstaunt…)

Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, die alten Paper Mario-Teile zu spielen. Andererseits kann ich damit auch bezeugen, dass man die alten Folgen nicht kennen muss um hier voll und ganz in das Spiel zu versinken.

Im Prinzip ist das Spiel keine spielerische Herausforderung sondern eher ein Ort zum Abtauchen. Der Spielfluss, die Geschichte und die Musik haben einen schönen, angenehmen Flow. Wer sich nach dem x-ten Shooter und dem x-ten Rennspiel einfach mal in ein nettes Abenteuer wagen möchte, in dem es sehr freundlich zugeht und es ordentlich was zum Lachen gibt, wird überrascht sein, wie gut es tut etwas simples zu spielen, was allerdings spielerisch wie qualitativ weit über irgendwelchen Casual Games liegt.

Da das Spiel sogar schon ab drei Jahren freigegeben ist, kann ich es sowieso den meisten empfehlen. Am meisten Spaß werden dennoch wohl die Jüngeren und die ganzen Mario Fans aus der älteren Generation haben (allein schon wegen der ganzen 8bit-Anspielungen und dem gesamten dritten Kapitel).

Endlich ist es wieder da – dieses Nintendo Gefühl, welches ich auf der Wii in den letzen Monaten vermisst habe.

Fazit (Michael Caprani)

Das Spiel ist einfach der absolute Kult-Mix! Das Genre von Super Paper Mario ist eine geniale Mischung aus Jump’n’Run und RPG. Sowas habe ich noch nie gesehen! Der Humor des Spiels ist auf einem hohen Niveau, allerdings finde ich Mario & Luigi für den GBA bzw. den NDS etwas humorvoller.
Die grafische Darbietung ist zu 100 Prozent gelungen. Die Animationen und Levels wurden so noch nie zuvor gesehen. Auch hier gibt es wieder einen Mix – nämlich aus Super Mario Bros. und Paper Mario. Selbst die Rätsel im Spiel sind eine Mischung aus zwei Spielen: zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, Mario und Link in einem Spiel zu finden. Sogar die Story hat mich ein wenig an die von Twilight Princess erinnert.
Der Auftritt der diversen Pixls ist einfach nur cool und macht das Spiel interessanter.
Durch den eher einfachen Schwierigkeitsgrad ist das Spiel auch für Casual-Gamer geeignet. Aber Mario-Fans sollten dadurch jetzt nicht zurückschrecken, denn vor allem sie werden dieses Spiel durch seinen Charme lieben. Nintendo-Feeling is back!

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