Testbericht: Metroid Prime 3: Corruption

Nintendos Sci-Fi-Heldin Samus Aran erhält in Metroid Prime 3: Corruption den lang erwarteten Einstand auf der Wii-Konsole. Die Erwartungen der Core-Gamer sowie der Fans sind hoch – ob diese erfüllt oder gar übertroffen werden können, erfahrt ihr in unserem nachfolgenden Testbericht.

Story

Metroid Prime 3: Corruption stellt den letzten Teil der Trilogie dar, dessen zwei Vorgänger allesamt auf dem Gamecube erschienen sind. Im nunmehr letzten Teil spielt die Handlung ein halbes Jahr nach Metroid Prime 2. Ein Supercomputer der Föderation, Aurora-Einheit 242 genannt, wird von einem Virus befallen. Die Galaktische Föderation vermutet, dass es sich dabei um einen Sabotageakt der Weltraumpiraten handelt, die sich so Hilfe von extern holt. Eine Reihe Spitzen-Kopfgeldjäger, darunter auch die Hauptfigur Samus, werden zu einer Lagebesprechung geladen. Während dieser Sitzung starten die Weltraumpiraten einen Überraschungsangriff und in diesem Kampf werden die Kopfgeldjäger plötzlich von der tot geglaubten Dark Samus mit einer hohen Dosis Phazon verseucht. Nach diesem Angriff verschwindet Dark Samus wieder genauso plötzlich, wie sie zuvor aufgetaucht ist. Glücklicherweise kann die Medizinabteilung der Föderation die Kopfgeldjäger wiederbeleben und mit einem sogenannten PED (Phazon Enhancement Device) ausstatten. Mit diesem ist es möglich, die Phazon-Substanz in Offensivaktionen zu verwenden und somit in den Hypermodus zu gelangen.
Samus begibt sich direkt auf die Jagd nach Dark Samus, nachdem sie erfährt, welche dunklen Pläne diese geschmiedet hat. Mit der Hilfe von Phazon-Keimen, den Leviathanen, will sie die Phazon-Verseuchung auf die gesamte Galaxie ausbreiten. Jetzt liegt es an Samus, diese Pläne zu durchkreuzen und dabei auch die eigene Verseuchung zu stoppen.

Steuerung

Metroid Prime 3: Corruption bietet eine recht umfangreiche Steuerung. Im Standard-Modus steuert man Samus mit dem Control Stick des Nunchuk-Controllers, gesprungen wird mit dem B-Knopf. Die Pointer-Funktion der Wii-Remote dient dabei zur Bewegung der Waffe, sprich zum Zielen. Bewegt man dabei das Fadenkreuz an den Bildschirmrand, so dreht man zugleich Samus‘ Blickfeld in die entsprechende Richtung. Mit dem Z-Knopf lassen sich Objekte und Gegner anvisieren, wodurch diese fortan immer in der Mitte des Bildschirms sind. Das Fadenkreuz lässt sich weiterhin mit der Wii-Remote bewegen, jedoch ändert sich das Blickfeld nicht beim Erreichen des Bildschirmrandes. Um mit der Beam-Waffe einen Schuss abzugeben, betätigt man den A-Knopf. Hält man diesen gedrückt, so lässt sich ein wirkungsvollerer Schuss aufladen und bei Loslassen abfeuern. Ebenfalls zieht man alle in der näheren Umgebung befindlichen Items an, welche die erledigten Gegner eventuell hinterlassen haben. Durch einen Druck nach unten auf dem digitalen Steuerkreuz der Wii-Remote lassen sich Raketen abfeuern. Wurde zuvor ein Objekt oder ein Gegner mit dem Z-Button anvisiert, so steuern die Raketen ihr Ziel automatisch an. Um in den Hypermodus zu gelangen muss der Plus-Knopf länger gedrückt gehalten werden und der Minus-Knopf öffnet das Visor-Menü. Da die unterschiedlichen Schauplätze meist recht komplex sind, zaubert der 1-Knopf das oft hilfreiche Kartenmaterial auf den Schirm. Der 2-Knopf hingegen öffnet ein Hilfemenü mit einer Kartenlegende.
Wem Metroid nicht fremd ist, der kennt bereits die Morph Ball-Fähigkeiten von Samus. Mit dem C-Knopf des Nunchuks lässt sich Samus in eine solche Kugel verwandeln. Die Steuerung dieser erfolgt mit dem Analogstick. Mit einer Aufwärtsbewegung der Wii-Fernbedienung lässt sich ein Sprung ausführen. Drückt man den A-Knopf, so legt man Bomben aus. Im späteren Spielverlauf lässt sich mit dem B-Button der Ball aufladen, um einen kleinen Turbo einzulegen. Diese Energieentladung ist an mehreren Stellen des Spiels sehr hilfreich. Durch ein erneutes Drücken von C nimmt Samus wieder ihre ursprüngliche Gestalt an.
Die Beschleunigungssensorik des Nunchuks ist ebenfalls später von Gebrauch. Eine Art Lasso lässt sich damit nämlich auswerfen und wieder einholen. Die Bewegungssensoren der Remote hingegen kommen in vielen Situationen des Spiels vor, z.B. wenn Samus irgendeinen Hebel umlegen muss o.ä.

Das Spielprinzip

Das grundlegende Spielprinzip in Prime 3 besteht darin, in unterschiedlichen Schauplätzen diverse Gegner zu eliminieren, Objekte zu scannen und Wege zu finden, die in neue Territorien führen. Dabei wird oft schnell deutlich, dass manche Bereiche erst betreten werden können, wenn Samus ein Fähigkeits-Upgrade erlangt hat. Diese fallen übrigens auch wiederum sehr unterschiedlich aus. Zum einen kann Samus Waffen-Upgrades erhalten, die beispielsweise ein Schmelzen oder Erfrieren bestimmter Materialen verursachen, zum anderen gibt es aber auch neue Erweiterungen wie den X-Ray-Visor, um durch Materialien hindurch schauen und somit neue Dinge entdecken zu können.
Die Maps der einzelnen Locations sind teils recht weitläufig und komplex. Sehr nützlich dabei ist der Kartenausschnitt, der oben rechts dargestellt wird. Hierdurch fällt die Orientierung relativ leicht. Dennoch ist das Aufrufen der kompletten Karte an vielen Stellen unumgänglich, um möglichst nicht den falschen Weg einzuschlagen. Die Karte lässt sich dabei im Raum drehen und kippen. Besuchte Räume werden dunkelblau eingefärbt, unbetretene hingegen in einem helleren Blau-Grau. Allerdings werden diese unerforschten Räume erst dann in die Karte eingezeichnet, wenn Samus das komplette Kartenmaterial eingesammelt hat. Auch sehr praktisch ist die Möglichkeit, dass Samus‘ Raumgleiter an verschiedenen Stellen landen kann, sodass sich somit einige lange Laufwege erübrigen beim nochmaligen Betreten eines Planeten. Apropos Raumgleiter – in Prime 3 steht auch erstmals der so genannte „Command-Visor“ zur Auswahl. Hierdurch kann Samus ihr Fluggerät fernsteuern, um es an geeigneten Plätzen landen zu lassen. Auch lässt sich im Verlauf des Spiels das Raumschiff upgraden, sodass später dadurch Wege freigebombt oder gar schwere Teile transportiert werden können.
Anders als bei den Vorgängern lassen sich die Schusswaffen nicht einzeln auswählen, um damit die individuellen Fähigkeiten dieser zu nutzen, sondern Samus trägt eine einzige Waffe, die jedoch nach und nach mehr Funktionen erhält und all diese Features vereint.
Die Rätsel in Prime 3 sind teilweise offensichtlich und recht leicht zu lösen, aber auch gibt es Passagen, an denen ordentlich Gehirnschmalz gefragt ist. Die Bosskämpfe sind oft epischen Ausmaßes, sodass hier ein solches Duell gut und gerne eine halbe Stunde dauern kann.

Hyper, Hyper!

Der angesprochene Hypermodus stellt ein sehr wichtiges Feature im Spiel dar. Aktiviert man diesen, so färbt sich das Spielgeschehen in ein bläuliches Gewand und die Schusskraft wird um ein Vielfaches erhöht, sodass Gegner, die sich Samus in den Weg stellen, schnell dem Erboden gleich gemacht werden können. Aber Vorsicht ist geboten, denn überlädt sich das Phazon, so sollte man dieses ganz schnell loswerden, in dem man mit der Waffe so viel schießt, dass dies sich wieder entladen kann, ansonsten gehen Samus die Lichter aus und das berühmte „Game Over“ flackert über den Bildschirm.
Der Hypermodus beschränkt sich zu Beginn nur auf die Hauptwaffe. Später hingegen lassen sich ebenso Raketen in diesem Modus abfeuern und auch per Morphball können die Phazon-Eigenschaften effektiv genutzt werden, um einige Rätselpassagen zu lösen oder gewisse Gegner schneller und effektiver erledigen zu können.

Weiser Visor

Wie bereits erwähnt stehen Samus drei alternative Visoren zur Auswahl. Drückt man den Minus-Knopf, so legt sich ein Auswahlmenü über das Spielgeschehen und per Pointer-Fuktion kann nun der gewünschte Visor aktiviert werden. Der wohl am meisten gebrauchte ist dabei der Scan-Visor. Mit ihm lassen sich sämtliche Objekte und Gegner scannen. Hierzu muss lediglich das gewünschte Ziel per Z-Knopf anvisiert und schon können mitunter sehr wichtige Informationen abgelesen werden. Unter anderem lassen sich somit Schwachstellen der Gegner entlarven. An vielen Stellen des Spiels stehen allerdings auch Terminals o.ä. bereit, die beim Scannen Informationen preisgeben, die in einer Datenbank abgelegt werden und zum Lösen von Rätseln nicht unwichtig sein können. Werden Gegner gescannt, so werden auch diese Informationen kategorisch im System abgelegt.

Ein weiterer Visor ist der Command-Visor, mit dem Samus Raumgleiter an entsprechenden Stellen herbeigerufen werden kann. Aber auch Abtransporte schwerer Teile sowie das Abfeuern eines Bordgeschützes ist damit möglich, aber dies haben wir ja bereits oben erklärt.

Zuletzt steht der X-Ray-Visor zur Auswahl, mit dessen Hilfe ein Röntgenblick möglich ist. Ebenso lassen sich Schwachstellen der Gegner erkennen, um manche Bösewichte somit schneller zu bezwingen. Zudem ist der Gebrauch dieses Visors zum Lesen bestimmter Codes absolut notwendig, um im Spiel weiter zu kommen.

Metroids Bonusprogramm

Neben dem Lösen der Hauptstory bietet Prime 3 zudem ein Abzeichen-System. Dieses zeigt sich erkenntlich, wenn eine gewisse Anzahl an Gegnern erfolgreich erledigt wurde. Aber auch beim Lösen bestimmter Vorgaben, die nicht unbedingt mit der Hauptstory zwingend verbunden sind, können Abzeichen gesammelt werden. Das nette an diesem System ist, dass somit diverse Extras freigespielt werden können. Beispielsweise lassen sich später Screenshots anfertigen die sogar per WiiConnect24 an einen Freund gesickt werden können. Aber damit nicht genug, auch weitere Bonis wie einige Mod-Features für Samus Raumschiff können erspielt werden. Insgesamt sicherlich eine weitere Motivationsspritze, auch nach dem Durchspielen nochmals das Spiel in die Wii einzulegen.

Grafik und Sound

Metroid Prime 3: Corruption ist aktuell die absolute Grafik-Referenz auf der Wii. Im EDTV/HDTV-Modus, sprich 480p, präsentiert sich das Spiel von seiner schönsten Seite. Scharfe Texturen, detailiert gestaltete Landschaften und Objekte, hervorragende Animationen der Figuren – da wird man als Wii-Spieler einmal richtig verwöhnt. Aber auch kleinste Details wie beispielsweise Kondensationseffekte auf dem Visier von Samus, wenn sie durch Dampfausstöße geht, tragen einen großen Teil zur tollen Optik bei. Die unterschiedlichen Planeten, die Samus im Laufe des Spiels besucht, wurden thematisch sehr unterschiedlich gestaltet und jeder weist dadurch eine ganz eigene Atmosphäre auf. Aber auch die Gegner und vor allem die Obermotze sind optisch sehr schön gelungen. Metroid Prime 3: Corruption zeigt, was in der kleinen Konsole wirklich steckt und verdient hier zweifelsohne eine Top-Bewertung.

Nicht nur die Optik, auch die Soundkulisse wurde hervorragend gestaltet. Eine Sprachausgabe, wenn auch in englischer Sprache, sorgt für Stimmung. Die sonstigen Soundeffekte wie Explosionen, Schüsse oder Fluggeräusche Samus‘ Raumgleiters wirken allesamt sehr authentisch und auch die musikalische Untermalung von Kenji Yamamoto unterstreicht die Spannung des Spiels sehr effektiv. So ändert sich auch die Hintergrundmusik, wenn hinter einer Tür plötzlich Gegner auftauchen. Wurden diese ausgeschaltet, so erklingt wieder die ursprüngliche Levelmusik, wobei diese zu keiner Zeit auch nur annähernd eintönig oder nervend erscheint – ganz im Gegenteil. Durch entsprechende elektronische Instrumente gepaart mit Chorstimmen kommt eine wirklich tolle Sci-Fi-Atmosphäre herüber.

Fazit

Mit Metroid Prime 3: Corruption erklimmen die Retro Studios den aktuellen Thron der Wii-Spiele. Endlich zeigen die Entwickler, zu welcher beachtlichen grafischen Leistung die Wii im Stande ist. Und nein, die hervorragende Bewertung resultiert natürlich nicht nur daraus, denn zusammen mit der filmreifen Story des Spiels, den zahlreichen Rätselpassagen, dem hervorragenden Sound, den sehenswerten Cutscenes und der mehr als gelungenen Steuerung wird hier das Gesamtpaket dieses Top-Titels geschnürt. Einen klitzekleinen Punkteabzug gibt es lediglich für den fehlenden Multiplayer-Modus sowie den Umfang des Spiels, welches in 15 bis 20 Stunden durchgespielt ist. Auch manchmal ein wenig ärgerlich sind die Ladezeiten beim Öffnen von Türen, die in ein neues Areal führen. Aber ansonsten präsentiert Nintendo uns hier einen nahezu perfekten Titel, von dessen Qualität viele andere Hersteller sich bitte eine ganz große Scheibe abschneiden sollten.
Für Fans der Reihe ist Metroid Prime 3: Corruption sowieso ein absolutes Muss, aber auch für alle Metroid-Neulinge, sonstigen Core-Gamer sowie Ego-Shooter-Freunde definitiv ein Must-Have und ein absoluter Pflichtkauf!

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Packshot Metroid Prime 3: Corruption

Metroid Prime 3: Corruption

Release: 26.10.2007
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 1
USK: 16