Testbericht: Star Wars – The Clone Wars: Republic Heroes

Hilfe, es herrscht Krieg! Auf der Wii! Schon wieder! Bereits zum zweiten Mal jagt LucasArts seine Sternenkrieger im massentauglichen „Clone Wars“-Kostüm in die Schlacht um die Republik. „Star Wars The Clone Wars: Republic Heroes“ bietet anders als sein Vorgänger kein simples Beat’em’up-Gameplay, sondern ein waschechtes Action-Adventure. Die Frage ist nur … ist es ein Gutes?

Ein laaaanger Krieg

Dass Anakin irgendwann der dunklen Seite verfallen ist, kann man ihm eigentlich gar nicht so wirklich übel nehmen. Irgendwann ist schließlich genug! Denn der junge Jedi prügelt sich bereits seit gefühlten Jahrzehnten durch die Klonkriege, die erst 2002 begannen und schon drei Jahre später in „Die Rache der Sith“ auf dramatische Weise beendet wurden. Nun ja, eigentlich. Denn kein Ereignis der Star Wars-Saga wurde bislang mit so vielen Spin-Offs, Lizenzspielen, einem Kinofilm, zwei Serien und haufenweise Merchandising-Produkten gemolken, wie die in den Filmen eigentlich kaum gezeigten Klonkriege. Was hier zwischen den offiziellen Episoden II und III an Geschichten hinein erfunden wird, würde locker für eine neue Saga reichen und entfernt sich nicht nur stilistisch, sondern auch erzählerisch und atmosphärisch immer mehr vom Original. Aus einer sinnbildenden Ergänzung wurde ein völlig neues Franchise für die Pokémon-Generation, ohne inhaltlichen Anspruch, dafür mit unendlich viel Action, leichtgängigen Sprüchen und so dermaßen vielen Begegnungen mit den Hauptbösewichtern, dass die paar „richtigen“ Aufeinandertreffen in den Kinofilmen dadurch kaum noch von Bedeutung scheinen. Ob die Klonkriege diese umfangreiche Schilderung nötig gehabt hätten – darüber kann man sicher streiten. Tatsache ist jedoch, dass die Filmcharaktere, denen Lucas gerade in den Episoden II und III so mühevoll wieder mehr Tiefgang zugeschrieben hatte, hier zu eindimensionalen Actionfiguren verkommen.

Mehr will auch die neueste Spielumsetzung, Republic Heroes, eigentlich nicht sein. Das 1zu1-Abbild der Serie, also Kämpfen, Kämpfen und ein kleines bisschen Rätseln. Das ganze sowohl in der Haut der Klonkrieger, als auch der Jedi und als i-Tüpferl noch eine kooperative Kampagne. Wenn das hinhaut, könnte man vielleicht auch über die nicht gerade zeitgemäße Grafik hinwegsehen. Nun, zumindest eins kann an dieser Stelle schon bestätigt werden. Das Spiel ist der Serie tatsächlich enorm ähnlich …

Die Macht ist nicht überall

Ok, wer bis hier hin gelesen hat, hat es vielleicht schon gemerkt. Der Autor dieser Zeilen ist nicht unbedingt ein großer Fan des Clone Wars-Franchises. Zwar habe ich sowohl den Kinofilm als auch vereinzelte Folgen der ersten Staffel gesehen und wurde hier und da auch ganz passabel unterhalten, doch krankt die Marke für mich an einem ganz entscheidenden Punkt. Das ist kein Star Wars. Das Feeling kommt nicht mehr rüber, die Figuren werden zu kämpfenden Schatten ihrer selbst, kaum eine Folge erzählt eine wirklich interessante oder einfallsreiche Geschichte. Hier wird ein Mythos regelrecht demontiert! Und das sage ich als ein Fan, der auch die neue Trilogie des Sternenkriegs ins Herz geschlossen hat. Aber belassen wir das als Einstieg und kommen zum eigentlichen Spiel, dass sich erwartungsgemäß an die Fans der Serie richtet. Der Entwickler Krome-Studios hat sich alle Mühe gegeben, den Feldzug so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, je nach Mission spielt ihr abwechselnd Klonkrieger oder lichtschwertschwingende Jedi. Auch hier wechseln die Protagonisten alle Nase lang durch. So ziehen sowohl Anakin, seine Schülerin Ahsoka, Mace Windu, Obi-Wan und einige weitere Mitglieger des Rats in den Kampf gegen die Droiden. Dabei bieten die Klonabschnitte vor allem unkomplizierte Action, gezielt wird per Pointer, geballter unentwegt. Als Ritter der Macht steht dagegen vor allem schnelles Droidenzerhacken mit zahlreichen Kombos auf dem Programm, darüber hinaus müssen immer wieder leicht fummelige Sprungpassagen absolviert oder kleine Rätsel gelöst werden. Diese verlangen in der Regel den Einsatz der Macht, so muss mal ein entfernter Schalter telekinetisch umgelegt, oder ein feindlicher Droide kurzerhand übernommen und gegen seine Kameraden eingesetzt werden. All das macht zunächst durchaus Laune, allerdings bietet das Spiel im Laufe der Missionen zu oft gleiche oder ähnliche Herausforderungen, zudem spielen sich die Jedi allesamt ähnlich und die etwas unpräzise Steuerung macht auch so manchen Sprung unnötig kompliziert. Apropos kompliziert, so wirklich kompliziert ist das Spiel eigentlich nie, denn erstens sind die automatischen Checkpoints recht fair verteilt, und zweitens könnt ihr so oft sterben wie ihr wollt. Gerade für Einsteiger mag das eine willkommene Geste sein, erfahrenen Sternenkriegern mangelt es jedoch bald an Abwechslung und Anspruch.

Ein wenig Auflockerung bringt dafür das Level-up-System, mit dem im Kampf gewonnene oder eingesammelte Punkte gegen neue Attacken oder weitere Spielgegenstände eingetauscht werden können. So könnt ihr nach und nach diverse Masken und Moves freischalten, die euer Alter-Ego deutlich verbessern. Ein nettes Rollenspiel-Element, dass jedoch in dieser Form mittlerweile auch allzu gewöhnlich geworden ist.

Launigen Spaß bietet trotz allem der Koop-Modus, in dem zwei Jedi oder Klonkrieger gemeinsam die Abschnitte verwüsten und bei der Jagd nach den Jedi-Punkten sogar in gewisser Konkurrenz zueinander stehen. Zwar ist Teamplay an praktisch keiner Stelle erforderlich, Spaß macht das gemeinsame Gekloppe aber trotzdem. Zumindest, wenn nicht gerade die Kamera mal wieder ungünstig steht, oder man einen Sprung aufgrund der schwammigen Steuerung verpatzt. Aber dafür hat man ja auch unendlich viele Versuche. Gerade das Zielen per Pointer in den Klon-Abschnitten ist der Steuerung auf den übrigen Konsolen übrigens ein deutliches Stück voraus und geht angenehm locker von der Hand. Auch das simple Deckungssystem funktioniert recht ordentlich, so dass sich die schwer gepanzerten Krieger insgesamt ein wenig unkomplizierter spielen lassen, als ihre Jedi-Kollegen. Nichtsdestotrotz, zusammen mit einem Freund sorgt Republic Heroes durchaus für einige vergnügte Stunden und motiviert bis zum Abspann, der allerdings schon nach etwa sechs bis sieben Stunden über den Bildschirm flimmert.

Nicht nur Droiden sehen alt aus …

Auch in Sachen Präsentation bietet Republic Heroes keine nennenswerten Überraschungen und birgt im Grunde die selben Stärken und Schwächen, wie schon der Vorgänger. Die Grafik fällt insgesamt etwas polygonarm aus, der Wiedererkennungswert der, auch in der Serie kanntigen Figuren ist trotzdem hoch. Die krachenden Effekte sind zwar nicht von überragender Qualität, machen in der Masse aber trotzdem etwas her. Die grundlegende Level-Architektur ist zudem recht abwechslungsreich, krankt aber im Detail ebenfalls an Polygonarmut sowie etwas matschigen Texturen.
Zum Sound muss nicht viel gesagt werden. Die Originalsprecher der Serie sind allesamt wieder an Bord und machen einen guten Job. Die Musik bietet eine Mischung aus den bekannten Themen und eigenen Clone Wars-Kompositionen. Und auch die Effekte klingen, wie sie klingen sollen – akustisch also das erwartet volle Programm, hier kann man bei einem Star Wars-Spiel aber auch nicht soviel falsch machen.

Fazit

Star Wars The Clone Wars: Republic Heroes bietet so ziemlich das, was man von einer Umsetzung der Serie erwarten kann. Viel unkomplizierte Action, Gefechte mit Klonen und Jedi, kaum nennenswerte Handlung, dafür aber nette Zwischensequenzen mit kindgerechtem Humor. Die Darbietung sieht – wie auch in der Serie – nicht überragend gut aus, hört sich aber gut an. Zu alldem gesellt sich dann noch ein Koop-Modus, der zwar die Schwächen in Sachen Abwechslung und leicht schwammiger Steuerung nicht ausmerzen kann, aber dafür launiges Zwei-Spieler-Gemetzel bietet. Wer also die Serie gerne schaut und sich nicht daran stört, dass es dem Spiel ein wenig an Herausforderung und Innovation fehlt, kann durchaus zugreifen. Alle anderen und vor allem Fans des „echten“ Krieg der Sterne, sollten sich den Kauf aber wenigstens zweimal überlegen.

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