Testbericht: Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre

Dass man auf der Wii immer wieder Remakes und Portierungen alter Titel vorgesetzt bekommt, ist für alte Hasen keine Neuigkeit mehr. Man könnte im ersten Moment also nur ein müdes Lächeln auf den Lippen haben, sobald man erfährt, dass nun mit „Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre“ ein knapp drei Jahre altes Game eine Umsetzung auf Nintendos Bewegungskonsole gefunden hat. Ob einem beim Spielen tatsächlich das Lachen vergeht oder man vielleicht doch eher ein breites Grinsen im Gesicht hat, verraten euch die folgenden Zeilen.

Der perfekte Soldat

Es ist schon eine Weile her, dass die „Rebellion Studios“ ihre „Rogue Troopers“ ins Rennen schickten. 2006 brachte man die an einen mit Steroiden voll gepumpten Schlumpf erinnernde Kampfmaschine auf die PS2, die Xbox sowie den PC und sorgte dort für nette Baller-Action. Drei Jahre später nun feiert der blaue Klon-Söldner sein Debüt auf einer Nintendo-Konsole. Natürlich könnte man nun meinen, man hätte es mit einer billigen Portierung zu tun. Aber widmen wir uns dem Game am besten der Reihe nach und nehmen es genauer unter die Lupe. Die Story in Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre ist zwar nicht revolutionär, reicht für ein Game seiner Art jedoch durchaus aus, um für die notwendige Motivation zu sorgen: Der Spieler schlüpft in die Haut von Rogue, einem geklonten Kampfsoldaten. Bei einem Einsatz auf dem verseuchten Planeten Nu Earth gerät er mit seinen Kumpels Helm, Gunnar und Bagman in einen Hinterhalt. Seine Kumpane überleben den Angriff nicht, jedoch schnappt Rogue sich deren Bio-Chips und implantiert diese in seine Kampfutensilien. Gunnar landet in der Knarre, Bagman im Rucksack und Helm? Dreimal dürft ihr raten…

Nachdem die drei Sidekicks im ausführlichen Turotial nach und nach den Löffel abgegeben haben, finden sich ihre Stimmen fortan weiterhin im Spiel, denn eure Ausrüstung spricht ab diesem Zeitpunkt mit euch. Gunnar bejubelt tolle Schüsse, Bagman informiert euch über mögliche Upgrades und so weiter. Es bleibt auch nicht aus, dass euere Kumpane sich in gescripteten Events miteinander unterhalten und in die Wolle bekommen. Ihr seht also, dass Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre trotz geballter Action auf dem Screen eine gewisse Prise Humor nicht von der Hand weisen kann. Dies verleiht dem Titel ein ganz eigenes Flair, denn während ihr mit purer Waffengewalt eure Kontrahenten in Schutt und Asche legt, Granaten werft, Geschütztürme ausschaltet und im Nahmkampf Tötungsmoves anwendet, haben eure Kameraden aus dem Off den ein oder anderen lockeren Spruch auf den Lippen. Das eigentliche Ziel von Rogue gerät dabei schon bald außer Acht und man widmet sich eher seinem persönlichen Rachfeldzug gegen die Norts.

Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre basiert dabei auf den gleichnamigen Grafiknovellen, was dessen ungewöhnlichen Humor und leicht comicartigen Look erklärt. Im Grunde seines Herzens ist der Titel allerdings ein reinrassiger Actionshooter in Third Person-Manier, von dem es auf Nintendos weißer Kiste viel zu wenige ihrer Art gibt und nach dem sich Action-Freaks die Finger lecken dürften. Umso interessanter ist es, wie sich der drei Jahre alte Titel nun im Jahr 2009 schlägt. Überraschend gut, wenn ich schon einmal vorausgreifen darf. zwar bietet Rogue Trooper nichts, was man nicht in anderen Genrevertretern auch bereits gesehen hat, doch wurde alles in sich stimmig umgesetzt. Ihr entscheidet selbst, ob ihr mit wummernden Kanonen unter Dauerfeuer die gegnerischen Linien stürmt oder eure Feinde lieber mit gezielten Kopfschüssen außer Gefecht setzt. Geschickt eingebaut wurden auch diverse Stealth-Einlagen, mit denen sich die Kontrahenten lautlos ausknocken lassen. Eure Bewaffnung reicht dabei vom normalen Maschinengewehr über Pistolen und Sniper-Gewehre bis hin zu diversen Granaten. In den Levels verstreute Waffen sowie die Lazookas oder Flak-Geschütze können ebenfalls kontrolliert und gegen eure Feinde verwendet werden.

Die Mitführung eurer drei Klon-Kumpels in Form deren Bio-Chips bringt dabei einige Innovationen, die gut umgesetzt wurden: Gunnar könnt ihr beispielsweise wie eine kleine Gefechtsstation aufbauen und euren Feind unter Beschuss nehmen lassen, während ihr euch von hinten anschleicht und die Kontrahenten meuchelt. Ein Schalldämpfer lässt sich für lautlose Attacken ebenfalls verwenden. Zur Ablenkung eurer Gegner kann aber auch ein Hologramm eingesetzt werden. Bagman dagegen unterstützt euch mit dem Nachschub an Munition sowie Medipacks. Auch in diesem Punkt waren die Entwickler kreativ: Getötete Feinde und sporadisch auftauchende Metallobjekte bringen euch Altmetall-Punkte, wenn ihr sie aufsammelt. Mit diesen Punkten könnt ihr euch im entsprechenden Menü von Bagman nun Nachschub anfertigen lassen. Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre verzichtet also auf das klassische Sammeln von Munitionskisten und Medipacks, wenngleich die Verwertung des Altmetalls nur bedingt eine taktische Komponente mit sich bringt. Aufgrund des sehr moderat angesetzten Schwierigkeitsgrades sollte euch nämlich ohnehin stets genug Munition zur Verfügung stehen. Die Ansätze sind jedoch dennoch gelungen und verdienen ein Lob. Vor allem Profis werden von Rogue Trooper allerdings kaum gefordert werden. Wer nach dem ausführlichen Tutorial die Steuerung erlernt hat fühlt sich einer nur sehr langsam ansteigenden Kurve im Schwierigkeitsgrad gegenüber gestellt. Nach sieben bis acht Stunden sollten einigermaßen geübte Spieler die letzte Mission abgeschlossen haben, dürfen sich aber noch in zwei weiteren Schwierigkeitsgraden versuchen. Darüber hinaus werden mit jeder erfolgreich absolvierten Mission nicht nur Videos und Punkte aus der Nu Earth-Enzyklopädie frei geschaltet, sondern ihr erhaltet auch eine detaillierte Auflistung über euer eigenes Abschneiden, so dass eine gewisse Motivation zum Verbessern der eigenen Leistung vorhanden ist.

Wer nicht gerne alleine vor der Konsole sitzt, darf bis zu drei Freunde einladen und sich mit ihnen im lokalen Multiplayer von Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre vergnügen. Auf fünf verschiedenen Karten darf man dabei aus gerade einmal zwei Spielmodi wählen, was insgesamt recht mager ist. Auch der Verzicht auf einen Onlinemodus muss den Entwicklern angekreidet werden. Hier hätte man das ansonsten vom Spielprinzip her im Vergleich zum Original nicht geänderte Spiel ruhig aufwerten können, um dem Käufer einen entsprechenden Mehrwert zu bieten. So wirkt der Mehrspielermodus allerdings eher wie eine aufgesetzte Pflichtübung, aus der man viel mehr hätte machen können. Dass auch auf der Wii ein funktionierender Onlinemodus möglich ist, haben Titel wie Call of Duty: World at War ja mittlerweile eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Räche dich auf deine Art!

Auf der Packungsrückseite wird die erbarmungslose Mischung aus Schleich- und Sturmangriffen in Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre gelobt und besonders hervor gehoben. Doch die größte Vielfalt bringt dem Spieler nichts, wenn die Steuerung nur mangelhaft umgesetzt wurde. Zum Glück hat man sich in diesem Punkt seitens „Rebellion“ wirklich Mühe gegeben. Mit dem Analogstick des Nunchuk bewegt ihr Rogue über die Schlachtfelder, während ihr euch mittels der Pointerfunktion umsehen könnt. Die Empfindlichkeit des Pointers darf dabei kalibriert werden, so dass sich die anfangs sehr empfindliche Steuerung etwas regulieren lässt. Die wichtigsten Aktionen die Feuern, Klettern/Handlungen durchführen, in Deckung gehen sowie ein Ziel anvisieren wurden auf die Standardbuttons A, B, C und Z gelegt und gehen bald schon in Fleisch und Blut über. Die Tasten Plus und Minus aktiveren die Karte, bzw. das Menü und über das Steuerkreuz regelt ihr den Einsatz der Waffen, Granaten, Medipacks sowie des Scharfschützengewehrs.

Probleme verursacht eigentlich lediglich der Einsatz von Granaten, was mehr als kompliziert gelöst wurde. Indem ihr den Nunchuk nach oben haltet aktiviert ihr den Wurfmodus, wobei ihr nun mit dem Pointer oder dem Analogstick des Nunchuk die Flugbahn der Granate bestimmt. Eine Wurfbewegung mit dem Nunchuk lässt euch die Granate werfen, wollt ihr die Aktion abbrechen, müsst ihr das Nunchuk langsam nach unten senken. Zeitlich zündbare Minigranaten müssen zudem aktiviert werden, indem ihr das Nunchuk einige Sekunden auf die rechte Seite dreht und so haltet. Gerade im hitzigen Gefecht kann dies eher störend wirken und ermöglicht kaum einen präzisen Einsatz von Granaten. Dies ist allerdings der einzige Punkt, den es im Bezug auf die Steuerung zu bemängeln gilt. Ansonsten geht die Steuerung flüssig von der Hand und ist trotz der nahezu kompletten Belegung aller Buttons nicht überladen.

Billige Portierung?

Nun ist natürlich die Frage angebracht, ob man hier lediglich die Steuerung leicht angepasst und ansonsten den drei Jahre alten Titel 1:1 auf die Wii portiert hat. Zum Glück hat man es sich nicht so einfach wie Nintendo mit deren aktuellen Spielen der „New Play Control“-Reihe gemacht, sondern Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre auch in technischer Hinsicht etwas überarbeitet. Die Polygonmodelle hätten zwar noch etwas feiner modelliert werden können, überzeugen allerdings mit ihren sauberen und flüssigen Animationen. Die Umgebungen wirken teils etwas steril, doch sind die Areale in der Regel relativ groß gehalten und kommen ohne Ladezeiten aus, so dass dieser Punkt ebenfalls zu verkraften ist. Ein Lob haben sich die Entwickler dagegen für die verbesserten Effekte verdient. Neben überarbeiteten Raucheffekten sieht nun vor allem das Wasser richtig klasse aus und bestätigt, dass man das Game nicht nur simpel portiert hat, selbst wenn man dem Titel sein Alter trotzdem anmerkt. Das Spielgeschehen läuft jedoch meist flüssig ab, denn nur in wenigen Momenten geht die Engine in die Knie und verfällt in leichtes Ruckeln. Dem Spielspaß tut dies allerdings keinen Abbruch. Viele Zwischensequenzen sowie die Unterstützung des 60Hz- sowie des 480p-Modus runden den optisch guten Eindruck ab.

Der Sound wurde im Vergleich zum Original dagegen beibehalten, was jedoch nicht negativ zu sehen ist. Nach wie vor erwartet euch eine komplett deutsche Sprachausgabe, bei der vor allem die Dialoge zwischen euren Kumpanen für Unterhaltung sorgen. Zwar wiederholen sich deren Sprüche irgendwann, doch fällt dies nicht unbedingt negativ auf. Die musikalische Untermalung hält sich eher im Hintergrund, während dem Spieler während des Kampfgeschehens eher die martialischen Soundeffekte auffallen dürften, die rundum gelungen sind. Funksprüche aus der Basis untermauern den gelungenen Sound.

Fazit

Portierung müssen nicht immer schlecht, Third Person-Shooter nicht immer bockschwer und Actionspiele nicht immer ernst sein. Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre beweist, dass man mit einer leichten technischen Überarbeitung sowie einer größtenteils gut angepassten Steuerung unterhaltsame Action auf Nintendos Konsole bringen kann, die mit einer gewissen Portion Humor gepasst ist und dadurch für Unterhaltung sorgt. Punktabzug gibt es in erster Linie für den mageren Mehrspielermodus, aus dem man einfach mehr hätte machen können. Profis werden das Game zwar ohne große Probleme durchspielen, mangels Alternativen dürfen sie aber, sofern sie das Original nicht bereits kennen, dennoch zugreifen – und selbst Neulinge können aufgrund des ausführlichen Tutorials einen Blick riskieren. Nur absolute Actionmuffel können sich bei Rogue Trooper: Quartz Zone Massacre das Anspielen sparen.

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