Testbericht: Resident Evil

Jedes Kind weiß: Recycling ist wichtig! Recycling schont die Umwelt! Und Recycling spart Geld! Ganz offensichtlich ist man auch bei Capcom mit dieser Philosophie groß geworden, denn die Japaner wissen ganz genau, wie mit alten Spielen neues Geld gemacht wird. Doch haben die Resident Evil Zombies auch 13 Jahre nach ihrem ersten Auftritt immer noch den nötigen Biss?

Es ist angerichtet

Yamyamm, was für ein Festmahl. Da stolpern doch ganz zufällig vier frische Menschlinge in ein altes Herrenhaus voller Zombies. Die bedanken sich brav und machen sogleich auch Jagd auf das menschliche Quartett, bzw. die Helden machen Jagd auf die Untoten. Wie man’s auch sieht, an der Grundgeschichte von Resident Evil 1 hat sich seit dem ersten Erscheinen im Jahr 1996 nichts geändert. In Raccoon City geschehen mysteriöse Morde, das Bravo-Team der Spezialeinheit S.T.A.R.S. wird in den nahen Raccoon-Forrest entsandt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Nachdem der Kontakt abbricht, zieht die Alpha-Einheit los, um nach ihren Kollegen zu sehen. Als das Team jedoch im Wald von unheimlichen, verrotteten Hunden angegriffen wird, fliehen Jill Valentine, Chris Redfield, Berry Burton und Captain Albert Wesker in ein nahes Anwesen – die Spencer-Villa. Als sich die Kollegen jedoch aus den Augen verlieren, gibt es nur noch ein Ziel: Finde die anderen und entkomme aus der Villa.
1996 definierte Capcom mit Resident Evil das Wort Survival-Horror neu. Der Detailgrad der vorgerenderten Hintergründe, sowie die gruselige, blutige Action, zogen weltweit Millionen Spieler in ihren Bann. Vier Fortsetzungen und zahlreiche Spin-Offs erschienen, darunter auch ein Remake des ersten Teils für den GameCube. Diese Neufassung nutzte 2002 alle technischen Möglichkeiten des Cubes voll aus. Die gerenderten Hintergründe sahen beinahe fotorealistisch aus und wurden mit schicken Licht- und Schatteneffekten zum Leben erweckt. Dazu polierte Capcom hier und da das Leveldesign ein wenig auf, fügte viele neue Zwischensequenzen und Dialoge hinzu und voila – fertig war ein weiterer Blockbuster, based on faulige Zombies.
Jetzt – noch mal sieben Jahre später – braucht Capcom anscheinend frisches Kapital, denn abermals hat man sich dazu entschlossen, den ersten Teil der Resident Evil-Reihe neu zu veröffentlichen. Diesmal für die Wii und diesmal leider auch ohne separate Anpassungen. Aus alt mach neu… oder zumindest aus alt mach neues Geld.

Wenn ich ein Zombie wär…

Wie bereits anno 2002 und 1996 ist Resident Evil eigentlich gar nicht so sehr Actionspiel wie man es vermuten könnte, sondern fast eher ein Adventure. Ihr bewegt euch wahlweise mit Jill Valentine oder Chris Redfield durch die düsteren Hallen der Spencer-Villa, sammelt und kombiniert Gegenstände, löst Rätsel, trickst Fallen aus und pustet hin und wieder ein paar Zombies um. Das war bereits damals gut und ist es heute immer noch, was vor allem am gelungenen und sehr logischen Rätseldesign, sowie der dichten Atmosphäre liegt. Während Jill dabei einen eher rätsellastigen Weg geht, bekommt es Chris mit deutlich mehr verfaulten Widersachern zu tun. Die Wahl der Spielfigur beeinflusst auch den Spielverlauf, so dass nicht beide Charaktere alle Bereiche der Villa zu sehen bekommen. Zudem treffen sie im Laufe der Geschichte auch auf unterschiedliche Mitstreiter und Bossgegner, sodass die reine Solospielzeit von 5-8 Stunden beim ersten Durchlauf gerne noch verdoppelt werden kann.
Obwohl diverse Gameplay-Elemente 2002 eine Generalüberholung erfuhren, spielt sich Resident Evil im Grunde immer noch wie Mitte der 90er. Und das ist auch so beabsichtigt. Beim Betreten von neuen Räumen baut eine stets langsame Tür-öffnen-Animation Spannung auf (und kaschiert die Ladezeiten), die Protagonisten verfügen nur über wenig Munition, können nur im Stehen schießen, lediglich eine Handvoll Gegenstände im Inventar mitführen und nur gegen den Einsatz von gefundenen Farbpatronen an einer Schreibmaschine den Spielstand speichern. Dafür sind die Schockeffekte nach wie vor erste Sahne und profitieren von der verbesserten Grafik der GameCube-Fassung. Die fiesen Hunde, die in einem Gang urplötzlich durch die Fenster springen sind längst Kult geworden, doch hier und da seht ihr jetzt auch einfach nur einen großen Schatten ins Bild wanken, der euch die Gefahr lediglich erahnen lässt. Oftmals sind die festen Kamerawinkel nämlich so gewählt, dass ihr Teile des Raums nicht einsehen könnt und euch somit stets bedroht fühlt. Manchmal seht ihr einen Zombie auch nur im Spiegel und müsst somit nach Gefühl in die entsprechende Richtung schießen. Und wenn ihr einem der Gourmets mal nicht rechtzeitig die Kerzen auspustet und er euch anknabbern will, gibt es die Möglichkeit, ihn mit einem so genannten Verteidigungsgegenstand im Nahkampf auszuschalten. Hierbei bereitet ihr dem hungrigen Zombietreiben dann mit einem gezielten Dolchstoß oder per Elektroschocker ein schnelles Ende. Klingt alles gut, macht alles Spaß, ist aber alles nicht neu. Alle der hier erwähnten Features stammen entweder aus der Originalversion oder dem GameCube-Remake, denn für die Wii-Fassung, hat Capcom keinerlei Neuerungen vorgenommen. Resident Evil für Wii ist exakt das selbe Spiel, dass vor sieben Jahren bereits für den GameCube erschien. Das wäre nicht ganz so dreist, wenn es nicht bekanntermaßen die Möglichkeit gäbe, GameCube-Titel auch auf Wii abzuspielen. Da dies aber der Fall ist, sollte man sich schon sehr genau überlegen, ob man wirklich zur Wii-Version greifen muss.

Drumherum

Wenn man bei den frühen Resident Evil-Teilen etwas kritisieren konnte, dann war es die Steuerung. Anstatt einfach in die gedrückte Richtung zu laufen, drehen sich die Figuren lediglich in Abhängigkeit von ihrer eigenen Position, also um ihre eigene Achse. Zwar gibt es die Möglichkeit, per Z-Knopf eine schnelle 180°-Wende zu vollführen, unterm Strich fühlt die Steuerung aber etwas träge und langsam an. Das mag damals durchaus gewollt gewesen sein, um das Gefühl der Hilflosigkeit zu verstärken, ist heute aber einfach nicht mehr zeitgemäß. Zumal auch keinerlei Anpassung an die Features der Wii vorgenommen wurde, die Steuerung wurde lediglich auf die Knöpfe von Remote und Nunchuk gelegt, nicht mal einen Pointer gibt es im Menü. Dafür ist es auch möglich, den Titel mit GC-Pad oder Classic-Controller zu spielen, was aber irgendwie den Witz einer separaten Wii-Portierung zunichtemacht.
Ebenfalls nichts verändert hat sich im audiovisuellen Bereich. Die Hintergründe sind nach wie vor höchst detailverliebt, dynamische Echtzeitschatten schlängeln sich durch die Räume. Jeder Bodenbelag verursacht andere Trittgeräusche, der Wind säuselt, entfernte Zombies sind am Stöhnen zu erkennen und die Musik bildet einen dezenten, kaum auffälligen Klangteppich. Dafür gibt es keinen 480p-Modus und keine 16:9 Anpassung, sodass auf Breitbild-Fernsehern dicke schwarze Balken das Bild links und rechts beschneiden.

Fazit

Clever Capcom, wirklich clever. Der Name Resident Evil genießt einen guten Ruf, die Fangemeinde ist groß und die Qualität der Spiele hoch. Warum also nicht noch mal ein paar schnelle Rubel mit der alten Software machen. Grundsätzlich bin ich ein Fan gut gemachter Remakes, sodass dem Spiel an sich nichts vorzuwerfen ist. Das Remake des Original-Resident Evil fühlt sich spannend und gruselig an und spielt sich packend, wenn auch (durchaus gewollt) etwas steif. Allerdings kam dieses Spiel nun mal schon 2002 auf den Markt und die letzten sieben Jahre sind an der Spielebranche auch nicht ganz spurlos vorbeigegangen. Dazu kommt, dass man den GameCube-Teil hier und da gebraucht für zehn Euro bekommt, Capcom möchte für das selbe Spiel aber noch mal 30€ haben. Insofern muss sich jeder selbst überlegen, ob er diese Veröffentlichungspolitik unterstützt, und wie viel Geld ihm der Titel letztlich wert ist. Resident Evil ist im Kern ein gutes Spiel und bekommt deshalb auch heute noch eine gute Wertung, eine Kaufempfehlung kann für die Wii-Version aber nur eingeschränkt gegeben werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.