Testbericht: Rayman Raving Rabbids 2

„Rayman? Wer ist das? Ach so! Das ist der Typ aus dem Hasenspiel!“ Videospielneulinge haben die verrückten Hasen bereits vor einem Jahr kennen gelernt. Die haben doch glatt dem Firmenmaskottchen Rayman etwas die Show gestohlen. Teil eins wurde durch den Wii-Launch ein richtiger Hit und so ist es kein Wunder, dass Ubisoft uns bereits nach nur einem Jahr den Nachfolger beschert – diesmal sogar Nintendo-exklusiv! Wir haben uns einige Freunde eingeladen und etwas mit Wiimote und Nunchuk gefeiert…

Die Hasen sind wieder da!

Zur Story lässt sich nicht viel sagen, außer dass es keine gibt. Ein witziger Vorspann zeigt Rayman, wie er sich als Hase verkleidet und sich zwangsläufig unter die Langohren mischen muss. Der Plan der Hasen ist eindeutig: Sie wollen die Weltherrschaft! Auch wenn sie überhaupt nicht dafür geeignet sind…

Das Spiel beginnt in einem Kaufhaus, welches als Hauptmenü funktioniert, aus dem man verschiedene Weltreisen auswählen kann. Eine Reise trägt den Namen eines Kontinents und bietet einige Disziplinen an, die sich vorher in einem Trainingsmodus auch einzeln üben lassen. Anders als im Vorgänger stehen den Spielern die meisten Minispiele bereits von Anfang an zu Verfügung. Bis zu vier Spieler gleichzeitig können auf Reise gehen, was den Spielspaß ungemein anhebt. Eine erfolgreiche Reise schließt man mit einem Shooter-Level ab, die bereits in abgewandelter Form vom Vorgänger bekannt sein sollten.

Der Minispiel-Umfang ist ungefähr mit dem Vorgänger zu vergleichen. Es sind wieder viele lustige Spiele entstanden, die auch ziemlich abwechslungsreich ausgefallen sind. Es gibt nicht mehr ganz so viele Spiele, die nur aus Schütteln der Controller bestehen. Über die Funktionen der Wiimote haben die Entwickler gut nachgedacht und präsentieren teilweise witzige Ideen wie das Wiimote-Telefon, mit welchem man während einer Kino-Vorführung telefonieren muss.

In einem anderen Spiel gilt es Wäsche zu waschen: Dazu senkt man das Controllerpaar und reinigt die Wäsche mit einer „Schrubb“-Bewegung. Hebt man anschließend die Controller, holen die Hasen die Klamotten aus dem verseuchten Fluss, indem sie die Sachen waschen, und schauen ob die Teile bereits sauber sind.

Das es immer noch simpler geht zeigt das Bürospiel: Hier muss man, solange der Chef nicht hinsieht, Unsinn machen. Dafür ist es notwendig, die Wiimote zu schütteln – nichts weiter. Rayman und die Hasen machen dann irgendwelche zufälligen Bewegungen und Geräusche.

Andere Spiele wie das Melonen-Volleyball bieten dagegen schon etwas mehr Tiefe und Spielzeit. Solche Games lohnen sich dann auch teilweise einzeln anzuspielen.

Allerdings erreichen diese Minigames nicht den Umfang der Spiele wie das „Schwein-Einsammeln“ oder das „Rennenfahren“ im Vorgänger. Die einzigen Spiele, die etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen sind die Lightgun-Shooter Level und die Musikspiele.
Musikspiele, die sich an das Prinzip von Titeln wie Guitar Hero und Rockband halten, aber natürlich nie die gleiche Komplexität erreichen. Müssen sie aber eigentlich auch gar nicht: Zu viert in einer Band gleichzeitig spielen macht richtig Laune und erlaubt das Mitspielen von kleiner Schwester bis Oma.

Die Lightgun-Shooter haben sich auch geändert: So braucht der Spieler nur noch eine Wiimote, mit der er auf der B-Taste Schießen und mit der A-Taste nachladen kann. Die Level sind auch keine 3D-Spiele mehr sondern echte Kamerafahrten durch einige Großstädte aus aller Welt, auf denen die Hasen hinenprojeziert wurden. Insgesamt fühlt sich das Spiel aber nicht mehr so gut an, so wurde z.B. die Geschwindigkeit der Projektile verlangsamt. Die ganzen Schießpassagen wirken insgesamt etwas zäh und nicht mehr ganz so solide wie beim Vorgänger, in dem sie für manche Spieler sogar die Highlights des gesamten Spiels darstellten.

Die Games sind aber durchgehend ziemlich witzig und sorgen somit für einige Lacher. Ob die Hasen jedoch den Charme immer noch nicht verloren haben liegt letztendlich beim Spieler selbst.

Hasenspaß auch alleine?

Der Einzelspieler Modus ist leider etwas schwach ausgefallen. Das liegt größtenteils an der K.I. der Hasen. Dies ist zwar aufgrund der Charaktere gerechtfertigt, verhindert allerdings den kniffligen Wettkampf im Vergleich zum Spielen mit mehreren menschlichen Gegnern. Die Punkte-Rangliste und ein Haufen toller Hasenkostüme sorgen aber trotzdem dafür, dass man die eine oder andere Disziplin alleine noch einmal angeht.

Die Kostüme im Spiel sind im Gegensatz zum Vorgänger wesentlich besser gelungen. So hat jeder Spieler die Möglichkeit seinen Hasen in eine Verkleidung zu stecken. Es gibt tolle Parodien wie zum Beispiel ein Spiderman-, ein Assassins Creed- oder ein Mutant Ninja Turtle-Kostüm. Ubisoft hat dafür netterweise einige Lizenzen freigegeben, auch wenn die Spiele nicht beim Namen genannt werden. Besonders das Ken-Kostüm aus Street Fighter ist gut angekomen.

Die komplette Präsentation

Der Vorgänger war ja bereits kein grafisches Highlight, aber die Fortsetzung hält nach einem Jahr Wii-Erfahrung nicht einmal das vorherige Niveau. Die Minispiele sind teilweise sehr arm an Polygon und die Texturen sind auch nicht gerade überzeugend. Nur gut, dass das dem Spielspaß keinen Abbruch tut. Die magere technische Präsentation ist jedoch nicht zu übersehen.

Das Sounddesign ist wie gehabt: Witzige Geräusche und ulkige Bunny-Sprache bieten eine gute Unterhaltung. Teilweise wirkt es jedoch nicht ganz ausgearbeitet und etwas leer. So fehlt nach jedem Spiel die Musik, was der Stimmung sehr schadet.

Der Soundtrack ist klassischer geworden, neben dem Song-Recycling aus dem ersten Teil besteht die Zusammenstellung der Lieder aus altbekannten Rockliedern. Das pfiffige „Around the world“-Thema von Daftpunk, welches man aus den Trailern kennt, hat seinen Weg leider nicht in das Spiel gefunden. Statt dessen gibt es nur noch Rocklieder wie „Satisfaction“. In den Shooter-Passagen gibt es aber wie gewohnt orchestrale Musik, welche auch wieder gut passt.

Insgesamt wirkt das Spiel nicht mehr ganz so abwechslungsreich und ideenreich wie der Vorgänger. Das Gefühl eines „Add Ons“ stellt sich ein – so scheint es fast, als hätte das Team wohl leider nicht viel Zeit für die Entwicklung gehabt zu haben.

Fazit

Für den zweiten Teil hat das Team um „Rayman Raving Rabbids 2″ auf die Kritik gehört: Spiele sind nicht mehr so arg rundenbasiert und lassen sich zu viert simultan spielen. Die Steuerung ist überall zugänglicher geworden und lädt auch Menschen, die nicht viel Übung in Videospielen haben zum Spielen ein und anstatt alle Minigames doppelt zu verwenden wurden jetzt zwei Schwierigkeitsgrade eingeführt.

Einige Kritikpunkte machen das Spiel dann allerdings doch wieder schlechter. So funktioniert das neue Lightgun-Spiel einfach nicht mehr so gut wie beim Vorgänger. Die Story ist komplett auf Null geschrumpft und der Überraschungsfaktor vom ersten Teil ist auch nicht mehr der Selbe.

Ein Neueinsteiger sollte daher nach wie vor beim ersten Teil zugreifen und wer dann doch noch nicht genug hat, kann den Umfang rund um die Hasen mit dem zweiten Teil steigern. Bereits eingefleischte Fans der Serie dürften hingegen auch mit dem zweiten Teil wieder Spaß haben, auch wenn der geringe Umfang und Mangel an sensationellen Ideen, die das Spiel neu erfinden, ein „Add on“-Gefühl hinterlassen. Im Großen und Ganzen ist das Minispiele-Angebot recht gut und bietet eine nette Ergänzung für diejenigen, die vom ersten Teil noch nicht genug bekommen haben.

Spaß macht der Titel allemal, nur leider wird das Spiel spätestens nach einigen wenigen Tagen im Regal verstauben und vermutlich nur noch an Spielabenden mit Freunden heraus geholt. Wer jedoch mit diesem Kompromiss leben kann, wird den Kauf nicht bereuen.

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