Testbericht: Pikmin (New Play Control!)

Große Spiele werfen nicht nur ihre Schatten voraus – sie ziehen sie auch ziemlich lange hinter sich her. Manchmal so lange, dass Entwickler sich sogar zu einem Remake entscheiden und der ehemalige Star in neuem Licht erstrahlt. Mit Nintendos „New Play Control“-Serie lassen die Japaner nun einige der einst großen Gamecube-Hits für Wii neu aufleben. Station eins: „Pikmin“.

Entstaubung

Für Nintendo-Jünger gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder man hatte sie gespielt und geliebt, oder man hatte sich nicht gespielt und daher auch nicht gekannt. Die Rede ist von den Pikmin und ihrem gleichnamigen Strategiespiel, welches 2002 den noch jungen Gamecube erleuchtete. Der Titel handelte von dem kleinen Raumfahrer Captain Olimar, der nach dem Zusammenstoß mit einem Asteroiden auf einer fremden Welt zur Notlandung gezwungen wurde. Mit zerstörtem Schiff und begrenztem Sauerstofftank hatte er es nur den Pikmin – kleinen, freundlichen Pflanzenwesen – zu verdanken, dass er dieses Abenteuer heil überstand. Der Genre-Mix aus der Feder von Shigeru Miyamoto eroberte die Herzen der Fans im Sturm und unterstrich einmal mehr die Genialität seines geistigen Vaters. Daher erscheint es nur vernünftig, diese Videospielperle nochmal ein wenig aufzufrischen, zumal die mausähnliche Pointersteuerung der Wii für die Pikmins wie geschaffen ist.
Die Frage ist nur, lohnt sich Anschaffung aufgrund der Änderungen für knapp 30 Euro?

Gartenarbeit

Der Name New Play Control lässt es bereits erahnen, Nintendos Neuauflagen unterscheiden sich primär durch die Steuerung. Im Falle von Pikmin ist dies neben dem 16:9 Modus die einzige Neuerung. Das eigentliche Spiel ist also exakt dasselbe wie anno 2002, sowohl grafisch als auch inhaltlich. Schlimm ist das nicht, denn Pikmin war zeitlos ein tolles Spiel, doch zumindest der Optik merkt man die sieben Jahre doch ein wenig an. Aber sei’s drum, als echter Nintendo-Fan blickt man darüber natürlich milde hinweg.

Vielmehr gilt es jetzt, den armen Captain Olimar zu retten. Nach seiner Bruchlandung auf dem unbekannten Planeten stößt er zu seinem Unbehagen nämlich auf gleich zwei Probleme. Erstens ist sein Schiff beim Absturz auseinandergebrochen und in 30 Teilen verstreut auf dem Planeten gelandet. Zweitens enthält die Atmosphäre toxische Gase, welche Olimar besser nicht einatmen sollte. Ergo ist er auf seine Sauerstoffreserven angewiesen, doch die reichen nur noch für 30 Tage. Eine ziemlich ausweglose Situation, in die Ihr als Spieler hineingeworfen werdet. In Form von Logbucheinträgen hält Olimar zu Beginn seine aktuelle Situation sowie alle Fortschritte fest, was euch gleichzeitig als jederzeit einsehbares Tutorial dient. Doch nach nur wenigen Schritten durch das unbekannte Grün stoßt Ihr auch schon auf die ersten Pikmin und Olimar begreift schnell, dass in ihnen die Lösung all seiner Probleme liegt.

Die Grundlagen des Spiels sind damals wie heute leicht zu verstehen. In der Rolle des kleinen Captains seid ihr quasi der Kommandant auf dem Spielfeld und befehligt eure Pikmins. Diese werden indirekt per Pointer gesteuert und stürzen sich auf alles, was Ihr anklickt. Objekte, die es zu tragen gilt, Feinde, die besiegt werden sollen und dergleichen mehr. Im Laufe des Spiels findet ihr dabei immer mehr Pikminkeime, die zur Hauptbasis der Pikmin – einem zwiebelähnlichen Flugschiff – gebracht werden, um dort weitere Helfer schlüpfen zu lassen. Somit vergrößert sich im Laufe des Spiels eure Gefolgschaft, die dadurch immer schwerere und größere Aufgaben bewältigen kann. Zudem schließen sich Euch auch unterschiedliche Arten von Pikmin an. Anfangs kommandiert Ihr ausschließlich rote Zeitgenossen, später kommen blaue und gelbe hinzu, die jeweils über andere Fähigkeiten verfügen. Als wäre das noch nicht genüg, können die Pikmin auch unterschiedliche Entwicklungsphasen durchlaufen. Diese Kombination ermöglicht im Laufe der 30 Abschnitte äußerst kreative Rätsel, sodass Pikmin in diesen Momenten weg von der klassischen Strategie fast schon zu einem Puzzler wird. Mit ein wenig Nachdenken sind die Aufgaben jedoch allesamt zu meistern. All zulange dürft ihr mit dem Nachdenken ohnehin nicht verbringen, denn abgesehen vom ersten Level tickt die Zeit stets gegen euch. Die 30 zur Verfügung stehenden Tage entsprechen jeweils rund 20 Spielminuten, bevor es wieder dunkel und damit höchste Zeit wird, zum Raumschiff zurückzukehren. Das Zeitlimit solltet Ihr dabei stets im Auge behalten, denn zum Ende eines Tages gilt es zudem, eure Pikmin auch wieder zurück in ihre Behausung zu bringen. Schafft ihr dies nicht, fallen die zurückgelassenen Kameraden den nachts herumstreunenden Raubtieren zum Opfer und Ihr müsst Euch im nächsten Level um Neuzuwachs bemühen. Da Olimar bis zu 100 Pikmin befehligen kann lohnt es sich, gut auf die kleinen Schützlinge zu achten.

Das Zeitlimit war seinerzeit einer der wenigen Kritikpunkte, die man Pikmin ankreiden konnte, weswegen es im Nachfolger auch gestrichen wurde. Dennoch empfand ich den Druck meist als nicht störend, denn erstens sind die Abschnitte darauf ausgelegt, innerhalb von 20 Minuten bewältigt zu werden und zweitens, motiviert der Kampf gegen die Zeit stets dazu, noch effektiver vorzugehen.
Wer lieber gemütlich knobelt und kommandiert, kann zahlreiche sogenannte Challenge-Levels freispielen, die abseits des Hauptspiels in aller Ruhe bewältigt werden können. Somit steigert sich die Spielzeit von rund 10 bis 12 Stunden nochmal um ein gutes Stück.

Pflücken per Hand

Schon auf dem Gamecube ließ sich Pikmin problemlos steuern, noch sehr viel besser klappt das allerdings auf Wii. Hierbei übernehmt Ihr Captain Olimar direkt per Analogstick, sowie die Pikmin indirekt per Pointer. Mittels Knopfdruck schickt Ihr die kleinen Pflanzenmännchen entweder an den gewünschten Ort oder trommelt sie in Reih und Glied zusammen. Wenn Olimar selbst aktiv wird, kann er entweder mit Schlägen austeilen oder etwa neugekeimte Pikmin pflücken. Sehr schön: Haltet Ihr bei mehreren herumliegenden Keimen die A-Taste gedrückt, pflückt Euer Held sämtliche Pikmin in Windeseile automatisch.
Die Kamera steuert sich anfangs etwas ungewohnt, lässt sich aber schon nach wenigen Minuten ohne weiteres per Steuerkreuz justieren. Hierbei stehen glücklicherweise mehrere Zoomstufen zur Verfügung, sodass Ihr bei Bedarf auch mal von oben großzügig das Spielfeld überblicken könnt.
Obwohl Pikmin ursprünglich auf ein klassisches Gamepad zugeschnitten war, unterstützt die New Play Control-Version weder Gamecube- noch Classic-Controller.

Saftiges Grün

Bei seiner Erstveröffentlichung zählte Pikmin zu den grafisch herausragenden Starttiteln des Gamecube. Gelungene Animationen, hochaufgelöste Texturen und ein stimmiger Stil fanden bei den Spielern Anklang. Zumindest die Texturen kennt man zwar heutzutage höher aufgelöst, trotzdem kann sich das Spiel noch immer sehen lassen. Die hübschen Wald- und Wiesenabschnitte wuchern nach wie vor, als winziger Olimar fühlt man sich bei weiter Zoomstufe regelrecht verlassen.

Akustisch geben sich die Pikmin dagegen sparsam. Auf Sprachausgabe wird Nintendotypisch verzichtet, die Soundeffekte stören dafür aber auch nicht. Leider gibt es lediglich fünf verschiedene Hauptmelodien der Hintergrundmusik, die in verschiedenen Variationen erklingen. Zwar fällt auch das nach längerem Spielen zum Glück nicht negativ ins Gewicht, neue Ohrwürmer hat man hier aber auch nicht geschaffen.

Fazit

Fein, fein fein. Endlich mal wieder gute Unterhaltung auf der Wii. Pikmin macht heute noch soviel Spaß wie damals und lässt sich noch dazu vorzüglich bedienen. Der Mix aus strategischem Kommandieren und Rätsellösen packt spätestens ab dem zweiten Level und motiviert für Stunden. Die zahlreichen Verwendungs- und Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Pikmin lassen dem Hirnschmalz dabei freien Lauf. Dafür verschmerze ich auch gern das stets drückende Zeitlimit, welches mir mehr als einmal schwitzige Hände beschert hat. Doch die konnte ich stets stolz verschränken, wenn ich zum Ende eines Tages meine liebgewonnenen Pikmin wieder in ihrer sicheren Behausung und bereit für die nächste Mission hatte.
Der spielerische Wert von Pikmin steht somit außer Frage, ganz anders der finanzielle. Für den Gamecube gibt es den Titel gebraucht für rund 10 Euro, die Neuauflage mit angepasster Steuerung kostet dagegen 30 Euro. Besitzer der alten Version können sich den Kauf also sparen, alle anderen sollten sich gut überlegen, wie viel Ihnen die genannten Änderungen wert sind.
Unabhängig von der Version hat Pikmin aber spätestens jetzt in jedem Spielerregal zu stehen!

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