Testbericht: Petz: Katzenfreunde

Nintendo hat es mit den verschiedenen Versionen von Pokémon bereits vor Jahren vorgemacht, nun eifert Ubisoft dem nach: Man entwickelt ein Spiel und bringt es quasi in zwei identischen Versionen auf den Markt, die sich nur marginal voneinander unterscheiden und dennoch jede ihre Käufer finden wird. Wovon hier die Rede ist? Von den beiden „Petz“-Teilen für Nintendos Wii. Die „Hundefreunde“ haben wir dabei bereits einem Test unterzogen und wollen nun mit einer Maus als Köder im Gepäck die „Katzenfreunde“ etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Tierische Mogelpackung

Eigentlich könnte ich es mir jetzt im wahrsten Sinne des Wortes tierisch einfach machen. Ich kopiere mir einfach meinen Testbericht zu Petz: Hundefreunde und ersetze jedes „Hund“ durch ein „Katze“ – schwuppdiwupp, schon ist der Test zu Petz: Katzenfreunde fertig. Denn das ist genau das, was man seitens Ubisoft gemacht hat. Man entwarf ein Spiel und reicherte es mit zwei unterschiedlichen Protagonisten an. Natürlich wurde dem Spieler nicht die Wahlmöglichkeit im Game selbst gelassen, sondern man brachte zwei verschiedene Versionen auf den Markt, so dass große Tierfreunde, die sich zwischen Hunden und Katzen nicht entscheiden können, im Zweifelsfalle beide Versionen kaufen müssen. Damit es nicht soweit kommt, soll aber nun der eigentliche Sinn hinter Petz: Katzenfreunde genauer betrachtet werden. Auf den ersten Blick könnte man nämlich meinen, man habe es mit einer Art Nintendogs-Klon zu tun, bei dem man seine virtuellen Haustiere hegen und pflegen muss. Dem ist aber bei weitem nicht so. Wer also dachte er könnte hier mit Plastikmäusen und Wolle spielen, befindet sich auf dem Holzweg. Stattdessen wurde Petz: Katzenfreunde als eine Art Adventure konzipiert. Von der Ausrichtung her sind dabei natürlich ganz klar die jüngeren Spieler die ersehnte Zielgruppe, so dass der Anspruch stark in Grenzen gehalten wird.

Das wird bereits bei der Story deutlich, die ausführlich erzählt wird, so dass wirklich auch der Letzte kapiert, was Sache ist. Im Pfotendorf wird die Welt der Hunde… pardon, in diesem Teil sind es ja die Katzen – durch die Macht des magischen Hutes beschützt. Dieser Hut besitzt die Macht sowohl Gutes, aber auch Böses zu bewirken und kann in den falschen Händen eine schlimme Waffe sein. Wie es der Zufall so will, sind die Eltern eure Protagonisten die Beschützer des Hutes – war ja klar. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als die Kunde von der Gefangennahme des fiesen Wolfs Ivlet an euer pelziges Ohr dringt. Zusammen mit einem flauschigen Freund beschließt ihr, in der Nacht dem Wolf einen Besuch abzustatten. Warnungen vor der Hinterlistigkeit Isegrims werden geflissentlich ignoriert, so dass es letzten Endes kommt, wie es kommen musste: Der Wolf ist frei, der Hut ist gestohlen und die Welt ist in Gefahr. Nachdem die Superhelden von „Marvel“ gerade anderweitig beschäftigt sind und die „Power Rangers“ nur noch im Altersheim agieren, müsst ihr wohl oder übel selbst das Geschehen wieder ins Lot rücken und nicht nur Ivlet aufspüren und aufhalten, sondern auch den Zauberhut wieder zurück ins Pfotendorf bringen.

Das Game startet dabei am Strand vor dem Pfotendorf, wo euch nach und nach die Steuerung beigebracht wird. Mit der Pointerfunktion der Wiimote wird die Laufrichtung eurer Katze angezeigt, was anfangs etwas ungewohnt ist und ein wenig schwammig umgesetzt wurde. Mit etwas Eingewöhnungszeit funktioniert sie Sache jedoch halbwegs brauchbar. Hinzu kommen Sonderfähigkeiten wie das Angeln an einem Gewässer, das Fangen von Schmetterlingen oder das Ausbuddeln von Gegenständen. Um Letzteres erfolgreich zu können, muss zuvor noch der „Schnüffelradar“ aktiviert werden, mit dem sich versteckte Gegenstände im Boden aufspüren lassen. War dies beim Nachbartitel Petz: Hundefreunde noch nachvollziehbar, wirkt eine schnüffelnde Katze etwas seltsam in meinen Augen. Insgesamt wurde die Steuerung sehr simpel gehalten, um wohl auch die jüngere Zielgruppe nicht zu überfordern. Man hat die Steuerungsmöglichkeiten schnell verinnerlicht und fühlt sich etwas unterfordert.

Um den Adventure-Charakter des Games aufrecht zu erhalten, wurden verschiedene Aufgaben in das Spiel eingestreut, die es zu erledigen gilt. Ihr könnt mit den Bewohnern der einzelnen Häuser sprechen und von ihnen mehr oder (was häufiger vorkommt) weniger hilfreiche Tipps und Hinweise bekommen. Die Bewohner erteilen euch mitunter auch spezielle Aufgaben, die erfüllt werden müssen. Einmal müsst ihr die von eurer Mutti gebackenen Kekse an die anderen Dorfbewohner überbringen, ein anderes Mal die von Ivlet verursachten Schäden beheben. Als Bonus lassen sich die gefangenen Schmetterlinge und die gesammelten Blumen im recht ausführlichen Menü jederzeit noch einmal betrachten. Dort findet sich ebenfalls eine Übersicht über die aktuell zu absolvierende Aufgabe. Wer weitere Extras freischalten will, fängt die aus dem Zoo in Pfotendorf entkommenen Tiere wieder ein. So müsst ihr die Tiere nach und nach in insgesamt elf Minispielen besiegen, wobei im Falle eines Erfolges die Minispiele euch künftig auch im Einzelspieler-Modus zur Verfügung stehen. Da es sich hierbei um Standard-Games wie ein Flaggenrennen, Ringwurf, Früchtesammeln und dergleichen mehr handelt, dürfte das für erfahrene Gamer kaum interessant sein. Wer allerdings zumindest kurzzeitig seinen Spaß daran haben wird, das ist die jüngere Zielgruppe, auf die Petz: Katzenfreunde ja auch ausgelegt ist. In diesem Punkt hat Ubisoft also ganze Arbeit geleistet und ein Spiel auf die Beine gestellt, welches jungen Katzenfreunden sicherlich gefallen sollte. Neben der komplett deutschen Übersetzung sowie der deutschen Sprachausgabe kann der Titel vor allem mit seinem Grundkonzept und der insgesamt sehr kindgerechten Aufmachung punkten.

Ein Katzenleben

Natürlich merkt man dem Spiel auch technisch an, auf welche Zielgruppe es zugeschnitten ist. Da Kinder im Grundschulalter in der Regel noch nicht auf Effekte wie Anti-Aliasing achten und sich auch nicht um den Polygon-Count von Charaktermodellen kümmern, haben die Entwickler einfach die bereits vorhandene Playstation 2-Fassung des Titels genommen und auf die Wii portiert. Die an sich recht nett gestalteten Maunzis wirken so teils etwas polygonarm und schwach texturiert. Die Animationen sind größtenteils realistisch, ab und ab allerdings etwas abgehackt und hätten durchaus sauberer sein können. Ähnlich verhält es sich mit dem Rest der Grafik, denn vor allem die Landschaften selbst wirken in vielen Situationen einfach viel zu karg und nicht gerade lebendig.

In Sachen Sound hat man sich seitens Ubisoft ebenfalls kein Bein ausgerissen. Die deutsche Synchronisation gab es bereits für die PS2-Fassung, so dass hier kein gesonderter Arbeitsaufwand entstand. Die Effekte sind wie die Hintergrundmusik auch allenfalls belanglos und können unter „Standard“ schnell abgehakt werden.

Fazit

Im Prinzip gilt hier dasselbe, was ich bereits im Falle von Petz: Hundefreunde gesagt habe: Wer ein Spiel für den Nachwuchs sucht und weiß, dass Katzen die klar favorisierten Haustiere sind, der darf zum Budgetpreis hier bedenkenlos zugreifen. Durch die kindgerechte Aufmachung, den niedrigen Schwierigkeitsgrad und die einfach zu erlernende Steuerung finden sich jüngere Spieler schnell in das Game ein und werden sicherlich eine gewisse Zeit lang ihren Spaß haben. Ältere Spieler lassen aufgrund der technischen Mittelmäßigkeit, des geringen Umfangs sowie der kindlichen Spielthematik automatisch die Finger von diesen Muschis.

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