Testbericht: NyxQuest: Kindred Spirits

Die spanischen Entwickler von Over the Top Games schicken uns mit dem Jump´n´Run-Abenteuer „NyxQuest: Kindred Spirits“ ins antike Griechenland. Als Vorschusslorbeeren hat der WiiWare-Titel den Best Euro Game-Award im Gepäck, verliehen im November letzten Jahres in den Niederlanden. Wir wollen natürlich genau überprüfen, ob das Game den Award verdient hat.

Spread your wings

Zu Beginn bekommt der Spieler, der nicht so genau wissen sollte wer Nyx eigentlich ist, einen (optionalen) Crashkurs in Sachen griechischer Mythologie. Allerdings haben die Jungs von Over the Top hier ein bisschen ihre eigene Phantasie walten lassen. Ikarus lernt auf seinen nächtlichen Ausflügen mit seinen selbst gebastelten Schwingen Nyx, die Göttin der Nacht, kennen. Ikarus´ Flügel schmelzen bekanntlich jedoch irgendwann in der heißen Sonne und er stürzt ab. Nyx fliegt hinunter zur Erde, um nach ihrem verschollenen Freund zu suchen. Das Intro ist in Sachen Zeichnungen und Soundtrack liebevoll gestaltet und stimmt somit vorab sehr gut auf das kommende Abenteuer ein.
Hier steigt Ihr ins Spiel ein und schlüpft in die Rolle der griechischen Göttin. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es sich weniger um ein Jump´n´Run, sondern eher um ein Fly´n´Run handelt.

Gesteuert wird in NyxQuest: Kindred Spirits via Wiimote und Nunchuk. Das erste Level (welches zugleich der herunterladbaren Demoversion entspricht) dient als Tutorial um sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Die für meinen Geschmack etwas zu klein geratene Heldin bewegt sich recht geschmeidig vor einem grafisch äußerst gelungenen Background aus Ruinen, Statuen und Wüstenlandschaften. Sie kann gehen, rennen und ja – eben fliegen und gleiten. Die Flügelschläge sind begrenzt und somit mit Bedacht einzusetzen, um nicht erschöpft auf dem heißen Wüstensand aufzuschlagen – was sich nämlich negativ auf die Energieleiste auswirkt. Laufen kann die geflügelte Lady nur auf Stein und Felsen.
Die Steuerung geht ordentlich von der Hand, da gibt´s nichts zu mäkeln. Unterwegs passiert der Spieler immer wieder Feuerschalen, die sich daraufhin automatisch entzünden. An diesen Stellen kommt Ihr wieder ins Spiel, wenn Ihr doch etwas zu verschwenderisch mit Eurer Energie umgehen solltet. Diese kann übrigens zwischendurch mit herzförmigen Items wieder aufgefrischt werden, welche in zerstörbaren Vasen versteckt sind – und wo wir schon gerade bei der Nahtoderfahrung sind: gespeichert wird automatisch nach jedem Level, vorhanden sind insgesamt drei Speicherstände.

Möge die Macht mit Dir sein!

Nach einer Weile trifft Nyx auf den Gottvater Zeus, der seinen kleinen Schützling erstmal mit telekinetischen Fähigkeiten ausstattet. Womit wir beim Kern des Spiels wären, der NyxQuest: Kindred Spirits deutlich von anderen Jump´n´Runs unterscheidet. Von nun an könnt Ihr ganz Jedi-like bestimmte Felsbrocken und Plateaus mittels Wii Pointer und Halten der B-Taste bewegen und Euch somit manch schwierigen Weg ebnen. Ebenso könnt Ihr Blöcke und Säulen, die Euch zu zerquetschen drohen festhalten, um darunter durch zu laufen. Das erfordert zum Teil eine ganz schön ordentliche rechts-links Handkoordination.
Hier kommt übrigens auch der Zweispielermodus zum Zug. Leider kann man sich in diesem nicht mit zwei Protagonisten gemeinsam durch´s Abenteuer kämpfen. Einer übernimmt in dem Fall die Steuerung von Nyx und einer die Telekinese. Das ist zwar nicht das gelbe vom Ei – aber immerhin kann man einige Sequenzen doch zu zweit etwas einfacher meistern.
Die Physik beim Einsatz von Nyx´ Kräften ist ebenfalls sehr gut gelungen. So müsst Ihr schon aufpassen, wenn Ihr beispielsweise aus Quadern einen Turm baut um einen höher gelegenen Punkt zu erreichen. Das falsche Timing oder den Stein an der falschen Stelle gegriffen und Ihr erschlagt Euch auch gerne mal selbst. Genauso könnt Ihr auf den Steinen bequem mit dieser Methode über den Sand surfen.

Im Laufe des Spiels kommt noch eine weitere Fähigkeit hinzu, mit der Ihr Windströme verändern könnt. Geschickt werden sämtliche Skills miteinander im Spiel verbunden, so dass dann und wann auch mal kombiniert werden muss, um an gewissen Stellen weiterzukommen. An manchen Punkten des Spiels steht Ihr vor der Wahl zweier verschiedener Wege und Ihr müsst entscheiden: Soll ich mit Hilfe des Windes an den fiesen spitzen Pfählen vorbei gleiten und dabei Gefahr laufen aufgespießt zu werden? Oder sollte ich besser die Steinsäulen mit meinen Kräften festhalten? Dann könnte ich allerdings zerquetscht werden.
Entscheidungen zu treffen ist definitiv ein Feature, welches bei diesem Genre leider viel zu selten vorkommt. Deswegen – TOP!

Was die Bewaffnung angeht, so könnt Ihr Euch gegen Angreifer wie Harpyien, Minotauren oder Riesenschlangen wehren, indem Ihr mittels Wii Pointer Feuerbälle greift und gegen sie schleudert – aber Vorsicht: Ihr könnt Euch an den Flammen natürlich auch selbst verletzen. Das sieht zwar wenig spektakulär aus, an der Idee gefällt jedoch, dass man manche dieser Feuerbälle beispielsweise auch (mit gehaltener B-Taste) quer durchs ganze Level mit sich führen kann, um damit Fackeln anzuzünden – was wiederum weitere Türen öffnet.
Später im Spiel wird Nyx noch zusätzlich mit der Fähigkeit ausgestattet, Blitze zu werfen. An der Stelle wird das Game, das bisher eher auf Geduld und Geschicklichkeit basierte, um ein Actionelement „bereichert“. Das wilde Triggergedrücke ist jedoch ein bisschen stressig – aber zu verkraften.

Ein weiterer Anreiz wird durch das Einsammeln von Reliquien geboten. Wer alle 20, über das Spiel verteilte Reliquien findet, dem winkt noch ein Bonuslevel.

Grafik und Sound

Die Grafik von NyxQuest: Kindred Spirits braucht sich definitiv nicht vor manch großem Wii-Titeln zu verstecken – zumindest was die Atmosphäre und den Background angeht. Die Level sind durchweg schön gestaltet, leider auf Dauer etwas zu monoton. Das Hitzeflimmern, welches oft über der ganzen Szenerie liegt, wirkt sogar richtig bedrohlich. Die Heldin selbst ist meines Erachtens, wie schon erwähnt, zu klein geraten. Wenn sie einen Treffer durch einen Gegner einstecken muss, dann klingt sie eher wie ein kleines Mädchen, das gerade gekniffen wurde. In dieser Hinsicht sind die Sounds ein bisschen daneben gegangen – wohingegen der äußerst sphärische Soundtrack für mich der klare Gewinner des Spiels ist!

Fazit

NyxQuest: Kindred Spirits ist das Erstlingswerk der jungen Softwareschmiede aus Madrid. Dafür wurde echt ordentliche Arbeit abgeliefert. Der Schwierigkeitsgrad hält sich ganz gut die Waage – wobei so mancher Spieler gerade am Anfang vielleicht hin und wieder frustriert in den Controller beißen möchte. Wenn man den Dreh raus hat, flutscht das Ganze jedoch. Wer mal ein etwas anderes Jump´n´Run spielen möchte, der macht bei diesem Game mit 1000 Wii Points echt nyx falsch! Ich für meinen Teil bin gespannt, was in Zukunft von Over the Top Games noch zu erwarten ist.

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