Testbericht: Muramasa: The Demon Blade

Wenn ein Wii-Spiel aus technischer Sicht nahezu perfekt ist, kommt es in der Regel von Nintendo selbst. Dass dem nicht immer so sein muss, zeigt allerdings „Muramasa: The Demon Blade“ und ist damit die rühmliche Ausnahme der Regel. Doch was nutzt dem Spieler die technische Leistung, wenn im Endeffekt das Gameplay nicht stimmt? Zum Glück wurde auch hier ganze Arbeit geleistet – aber immer der Reihe nach.

Greift zum Schwert!

In Muramasa: The Demon Blade dreht sich alles um das besagte Schwert, bzw. um gleich mehrere Schwerter. Insgesamt stehen dem Spieler nämlich über 100 Klingen zur Verfügung, die im Laufe des Spiels gefunden sowie geschmiedet werden wollen. Ihr schlüpft dabei in die Rolle von zwei verschiedenen Charakteren. Entweder ihr steuert die Prinzessin Mohohime, in deren Körper allerdings der Geist des Schwertkämpfers Jinkuro Izuna gefahren ist, oder alternativ den jungen Kisuke, der sein Gedächtnis verloren hat und sich darüber wundert, dass er auf seiner Reise durch Honshu von allen als Verräter betitelt wird. Die sehr auf die traditionellen Werte Japans wie Ehre, Mut und Stärke ausgelegte Story bietet dabei den passenden Rahmen für die perfekte Inszenierung des Games. Allerdings dürfte das gesamte Erscheinungsbild des Titels japanophobe Spieler abschrecken. Man muss schon etwas mit sprechenden Füchsen, Geistern, Reisbällchen und allerlei Fabelwesen anfangen können, um der Story halbwegs folgen und sie auch nachvollziehen zu können. Nur so erschließt sich die komplette Faszination des Titels.

Wer damit nichts anfangen kann, erlebt mit Muramasa dennoch ein actionreiches Hack’n’Slay mit einigen RPG-Elementen, welches man als versierter Wii-Zocker einfach gespielt haben sollte. Wie es sich für einen Titel in 2D gehört, steuert ihr den gewählten Protagonisten in der Seitenansicht, in der ihr euch durch die verschiedenen Landschaften schnetzelt. Stets griffbereit habt ihr dazu euer Schwert, welches euch eure Aufgabe etwas erleichtert. Da aller guten Dinge bekanntermaßen drei sind, habt ihr gleich drei Klingen zur Auswahl, die ihr mit euch führen könnt. Das ist auch dringend notwendig, denn wehrt ihr mit eurem Schwert zu viele gegnerische Angriffe ab oder trefft ihr zu oft die feindliche Deckung, so zehrt dies an der Seelenkraft eurer Waffe. Letztlich zerbricht eure Klinge und wird kurzzeitig nutzlos. Wird nun die Waffe gewechselt und ihr steckt das Schwert in eure Scheide, so repariert sich die Klinge zum Glück von selbst, so dass ihr euer Schnetzelwerkzeug nach einiger Zeit wieder einsetzen könnt. Verbleibt ein Schwert lange genug in der Scheide, so lädt es zudem noch an Kraft auf und fügt beim Waffenwechsel wie eine Smart Bomb allen Gegnern auf dem Bildschirm Schaden zu. Die Klingen werden dabei prinzipiell in zwei Kategorien unterteilt: Lange und kurze Schwerter. Während kurzer Schwerter schnelle Schläge zulassen, die allerdings nicht ganz so kraftvoll sind, werden mit langen Klingen langsamere und dafür stärkere Schläge ausgeführt. Jedes Schwert verfügt zudem noch über eine Spezialattacke sowie teils sogar noch über Sonderfähigkeiten, die sich auf euren Status positiv auswirken. Von besiegten Endbossen erhaltet ihr neue Schwerter, mit denen ihr bestimmte farbliche Barrieren in den Levels zerstören und fortan neue Gebiete erkunden könnt.

Eine andere Möglichkeit euer Arsenal aufzustocken ist das Schmieden von Klingen. Für die Verwendung der Waffen wird dabei ein gewisser Level eurer Stärke sowie eurer Vitalität vorausgesetzt. Das Schmieden der Klingen ist dabei nach einem komplexen Waffenbaum angeordnet, der einen ganz besonderen Clou beinhaltet: An manchen Stellen kreuzt sich der Waffenbaum von Mohohime und Kisuke. Folglich können manche Waffen nur dann geschmiedet werden, wenn man mit beiden Charakteren gespielt hat. Dies ist nur einer der Punkte, die euch für längere Zeit an das Game fesseln sollen. Prinzipiell ist es so, dass beide Protagonisten dasselbe Land durchqueren, allerdings startet Mohohime im Osten, während Kisuke seine Reise im Westen beginnt. Obwohl sich beide Charaktere im Laufe des Spiels begegnen, wurden ihnen komplett eigenständige Handlungsstränge sowie jeweils unterschiedliche Obermotze spendiert. Habt ihr einen der Fieslinge besiegt, geht es in der Story weiter. Nun ist es aber so, dass ihr zum weiteren Vorankommen einen Teil des bereits zurückgelegten Weges wieder zurück laufen müsst. Dieses Backtracking durch die wunderschönen Landschaften zieht das Game zum Teil etwas unnötig in die Länge. Jedoch kommen auch in diesen Momenten noch hin und wieder Gegner, die es zu besiegen gilt. Wer also seine Charaktere gerne auflevelt, wird auf seine Kosten kommen und im späteren Verlauf des Spiels gibt es auch Items, mit denen man sich einen Teil des Weges sparen kann. Dennoch wird man immer wieder ein paar Minuten lang mehr oder weniger sinnfrei durch die Stages rennen, um an einer anderen Stelle im Spiel weiterzuspielen.

Schwertkunst

Damit ihr wisst, wie ihr in Muramasa mit eurer Waffe umzugehen habt, dürft ihr euch vor dem Beginn der Story für das Absolvieren eines kurzen Tutorials entscheiden. Das Tutorial ist optional, sollte aber vor dem ersten Spielen wirklich absolviert werden. Ihr werdet hier nämlich in wenigen, einfachen Schritten in die Steuerung von Muramasa eingeführt. Diese ist augenscheinlich recht simpel gehalten, doch der Teufel steckt wie so oft im Detail. Ihr habt übrigens die Wahl zwischen der Kombination aus Wiimote und Nunchuk, dem Classic Controller sowie dem Gamecube Controller. Obwohl sich das Game in allen drei Varianten gut steuern lässt, hat sich im Test die Methode mit dem Classic Controller als die angenehmste Variante herausgestellt. Gesteuert wird euer Charakter erwartungsgemäß mit dem Steuerkreuz. Gewöhnen muss man sich nur an die Tatsache, dass das Springen nicht auf einen Button gelegt wurde, sondern über das Steuerkreuz funktioniert, indem man nach oben drückt. Vor allem in den ersten Minuten wird man in Muramasa das ein oder andere Mal springen, Doppelsprünge ausführen und schweben, obwohl man das gar nicht unbedingt möchte. Nach kurzer Einspielzeit hat man sich aber daran gewöhnt und kommt gut damit zurecht. Auch der Rest der Tastenbelegung ist minimalistisch. Das gezückte Schwert wird prinzipiell nur mit einem Angriffsbutton zum Einsatz gebracht. Die vielen verschiedenen Combos ergeben sich somit lediglich durch das Drücken oder gedrückte Halten der unterschiedlichen Richtungstasten. Wirkt Muramasa in den ersten Minuten somit noch wie ein simples Hack’n’Slay, da man im Prinzip mit wenigen Hieben die meisten Gegner ins Jenseits befördern kann, sieht es auf den höheren Schwierigkeitsgraden schon anders aus. Dann sind gezielte Attacken gefragt, um teils die Deckung der Gegner zu durchbrechen oder sie im richtigen Moment anzugreifen. Die Lernkurve in Muramasa ist also enorm und ab einem gewissen Punkt wird man sich mit simplem Buttonmashing schnell die Zähne ausbeißen. Auch das Wechseln der Schwerter sowie die Steuerung in den Menüs geht leicht von der Hand, was der insgesamt hohen Spielgeschwindigkeit zugutekommt.

Ich traue meinen Augen nicht

Rein optisch hat man seitens Vanillaware die Muskeln spielen lassen und zeigt, was man drauf hat. Uns erwarten aus diesem Grund wunderschöne und von Hand gezeichnete Hintergründe, die in mehrere Ebenen scrollen und in dieser Qualität wirklich Ihresgleichen suchen. Immer wieder erwischt man sich dabei, dass man nach dem Ableben der Feinde noch für etliche Sekunden an einer Stelle verharrt, während man beispielsweise die sich im Wind wiegenden Kirschblüten an einem Baum im Hintergrund betrachtet. Es ist die Faszination der kompletten Spielwelt von Muramasa, die den Spieler schnell in ihren Bann zieht. Alles wirkt wie aus einem Guss und wurde mit dermaßen viel Liebe zum Detail umgesetzt, dass man auch die einen oder anderen sich wiederholenden Hintergründe leicht verzeiht. Doch ein tolles Spiel in 2D wäre nichts, wenn nur die Hintergründe hübsch wären. Auch alle animierten Objekte inklusive eurer Protagonisten sowie deren Feinde wurden mit viel Hingabe gezeichnet und butterweich animiert. Optisch gesehen wischt Muramasa mit den meisten Titeln aus dem zweidimensionalen Bereich somit den Boden auf und gehört locker zu den schönsten Games, die bisher auf der Wii gesichtet wurden.

Gegen die optisch wunderschöne Präsentation verblasst der Sound fast ein wenig. Dabei muss dieser sich wirklich nicht verstecken. Passende japanische Melodien untermalen das Geschehen und stimmungsvolle Soundeffekte runden die Sache ab. Dass man sich für das Beibehalten der japanischen Sprachausgabe und somit gegen eine englische oder gar deutsche Synchronisation entschieden hat, mag der ein oder andere Spieler bedauern. Auf der anderen Seite unterstreicht man damit das asiatische Flair, welches der Titel versprüht. Schade ist somit nur, dass bei der Lokalisierung ein wenig geschludert wurde und sich der ein oder andere Fehler in der Übersetzung in die Textboxen geschlichen hat.

Fazit

Selten war es optisch so schön sich mit einem Schwert bewaffnet durch das alte Japan zu schlitzen. Muramasa: The Demon Blade ist ein optischer Leckerbissen in zwei Dimensionen, der alle Freunde von stimmungsvoller Pixelkunst zum Jauchzen vor Glück bringt. Das anfangs simpel scheinende Hack’n’Slay-Gameplay verbirgt einige Kniffe und Tricks, ohne die man auf den höheren Schwierigkeitsgraden nicht weiter kommt. Gelegentliches Backtracking und einige minimale Makel können den tollen Eindruck kaum trüben, den das Game hinterlassen hat. Japanophile Gamer werden also spätestens jetzt einen Altar für Vanillaware errichten und die Entwickler dreimal täglich huldigen. Der Kauf von Muramasa sollte für die Zielgruppe ohnehin bereits beschlossene Sache sein.

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