Testbericht: Mercury Meltdown Revolution

Wii-Besitzer haben sich in den ersten Monaten nach dem Release der Konsole schon oft über schlecht gemachte Umsetzungen von anderen Plattformen ärgern müssen, nur weil der Publisher der Meinung war, so schnell Kohle machen zu können. Dass es auch anders geht, beweist Atari mit dem Titel „Mercury Meltdown Revolution“. Zwar gingen auch diesem Game zwei Teile auf der PSP und der PS2 voraus, allerdings konnte Ignition Entertainment sich erst auf der Wii so richtig entfalten. Kann das Ergebnis nun also auch die Nintendo-Jünger überzeugen?

Gib mir die Kugel!

Um es gleich vorwegzunehmen: Es kann! Mit der Wii-Version von Mercury Meltdown Revolution ist den Entwicklern endlich das gelungen, was man damals schon auf der PSP verwirklichen wollte. Doch nachdem das geplante „Motion Tilt“-Addon für Sonys tragbare Spielemaschine nie erschien, musste man sich dort mit einer Analogsticksteuerung zufrieden geben. Auf der Wii lässt sich nun erstmals die Möglichkeit nutzen, die Ignition Entertainment von Anfang an im Hinterkopf hatte: Bewegungssensitive Steuerung. Das Spielprinzip selbst ist dabei überaus simpel:

Der Spieler steuert eine Blase flüssigen Quecksilbers auf der Suche nach dem Ausgang durch verschiedene Labyrinthe. Wer sich nun an Genrekollegen wie Kororinpa erinnert fühlt, liegt dabei nicht ganz falsch. Mercury Meltdown Revolution geht aber weiter und bietet mehr als ein einfaches Murmelrollen. Nicht umsonst handelt es sich bei eurer Blase um flüssiges Quecksilber, welches sich auch physikalisch entsprechend korrekt verhält. Es kommt träge in Fahrt, ist ebenso träge wieder zu stoppen und wer versucht es knapp über einen Abgrund zu balancieren, muss sich nicht wundern, wenn die Hälfte des Quecksilbers über den Rand in den Abgrund läuft. Dabei gehört es zum Ziel eines Levels, eine bestimmte Menge an Quecksilber zu retten, was vom Spieler ein genaues Vorgehen erfordert. Ein Zeitlimit mag auf den ersten Blick zudem zur Eile antreiben, allerdings ist dies nur für das Erreichen eines Highscores im Auge zu behalten. Wer nur das Level erfolgreich absolvieren möchte, kann das auch in aller Ruhe tun und dafür möglichst das komplette Quecksilber retten. Noch ein dritter Punkt wird beim Absolvieren der Levels berücksichtigt, denn in jeder Stage sind Bonusgegenstände versteckt, die es zum Freischalten der insgesamt fünf Bonusgames einzusammeln gilt.

Insgesamt wollen dabei acht Labore mit jeweils verschiedenen Thematiken erkundet werden, wobei in jedem Labor 16 Reagenzgläser die 16 zu absolvierenden Levels darstellen. Die erreichten Erfolge (Highscore, 100% Quecksilber ins Ziel gebracht, Bonusitems gefunden) werden gespeichert und lassen sich auch im Nachhinein noch verbessern. Positiv fällt dabei auf, dass man nicht alle Ziele im selben Durchgang erreichen muss, sondern sie der Reihe nach erledigen kann. Wer also auf der Jagd nach der Bestzeit die Bonusgegenstände nicht sammelt, kann dies in einem späteren, entsprechend langsameren Durchlauf nachholen und es wird dennoch angerechnet. Selbiges zählt für das Retten von 100% Quecksilber ins ziel, auch dafür kann man sich wenn man möchte beliebig viel Zeit lassen. Das gesammelte Quecksilber sorgt übrigens dafür, dass man nach und nach die weiteren Labore freischaltet. Man ist dadurch auch nicht gezwungen ein Level unbedingt zu absolvieren bevor man weiterspielt, sondern kann zur Not ein momentan zu schwieriges Level überspringen und mit dem nächsten weitermachen. Ignition Entertainment wollte dadurch Frustmomente so gering wie möglich halten – und genau das ist auch gelungen.

Aufgelockert wird das Spielprinzip im Vergleich zu Genrekollegen durch die wahnsinnig vielen Möglichkeiten, die Mercury Meltdown Revolution bietet. Neben der realistischen Bewegungsphsyik der Blase kann zudem in manchen Levels die Konsistenz des Quecksilbers verändert werden. Während Erhitzen das Quecksilber noch flüssiger und damit schneller werden lässt, lässt es starkes Abkühlen zähflüssig oder gar starr wie eine feste Kugel werden. Zudem gibt es immer wieder farbsensitive Portale, Schalter und sogar Zielflaggen, die nur eine Blase mit der dazugehörigen Farbe passieren lassen. Bei den Grundfarben des Lichtspektrums Grün, Blau und Rot reicht ein einfaches Einfärben aus. Benötigt man das Quecksilber in einer anderen Farbe, heißt es die Blase zuerst an einer scharfen Kante zu zerteilen, die beiden Blasen unterschiedlich einzufärben und dann wieder zu vereinen. Gerade mit mehreren Quecksilbertropfen in einem Level gilt es aber eine ruhige Hand zu bewahren, damit nichts von der kostbaren Fracht vergossen wird. In den späteren Stages gilt es nicht nur die Herausforderungen des Leveldesigns wie verschiedene Untergründe und die diversen Farb-Puzzles zu lösen, bald schon findet man sich auch mit Gegnern, den sogenannten Mercoids, konfrontiert, deren Leibspeise Quecksilber ist.

Positiv fällt bei Mercury Meltdown Revolution ebenfalls die gesamte Präsentation des Games auf. Man navigiert unkompliziert und intuitiv durch die verschiedenen Menüs. Der Schwierigkeitsgrad wurde übrigens nahezu perfekt ausbalanciert. Hat man die ersten Levels noch relativ schnell gemeistert, steigt die Lernkurve bald entsprechend an. Man findet sich nach dem Tutorial immer besser mit den Gegebenheiten der Stages zurecht und ist auch stets motiviert, die neuen Herausforderungen zu meistern. Auch dass man dazu meist mehrere Anläufe braucht frustiert nicht, da sich nach einem Absturz des Quecksilbers der Neustart eines Levels immens einfach gestaltet und man kaum mit störenden Ladezeiten konfrontiert wird. Der gesamte Spielfluss gestaltet sich so extrem reibungslos, alles wirkt wie aus einem Guss. Darüberhinaus kann man mit einem frei erkundbaren „Spielplatz“ sowie der freischaltbaren Extras punkten. Schade ist nur, dass man sowohl im Hauptgame als auch in den Minispielen – Rodeo, Farben, Schubs, Rennen und Metrix – auf die Integration eines Mehrspielermodus verzichtet hat. Auch eine Online-Rangliste wäre bei einem Nachfolger noch eine vorstellbare Verbesserungsmöglichkeit. Doch auch ohne diese Punkte wird mit den über 150 Levels genug Langzeitmotivation geboten, egal ob man nun stundenlang am Stück oder nur mal ein paar Minuten zwischendurch zockt.

Die Steuerung

Abgesehen davon gibt es kaum Kritikpunkte, vor allem nicht an der Steuerung. Es scheint wirklich so, als hätte Ignition Entertainment auf der Wii nun endlich die Möglichkeit gehabt sich komplett zu entfalten. Die Steuerung der Quecksilberblase geht mit der quer gehaltenen Wiimote mehr als leicht über die Bühne. Durch Neigen der Wiimote wird das Labyrinth selbst geneigt und das Quecksilber folgt dieser Bewegung. Über das Steuerkreuz wird die Kamera gedreht, die Buttons 1 und 2 dienen zum Zoomen und der A- oder B-Button zentriert die Kamera wieder hinter der Quecksilberblase. So simpel die Steuerung auch klingt, so präzise wurde sie umgesetzt. Einzig das Drehen der Kamera mag anfangs etwas kompliziert erscheinen, da man währenddessen die Wiimote am besten ruhig halten sollte. Aber auch das lässt sich bald ohne größere Probleme bewerkstelligen. Durch das fordernde, aber faire Leveldesign muss bei einem Versagen die Schuld immer beim Spieler gesucht werden. Glück wie bei anderen Genrekollegen wird niemals zum Fortschreiten in das nächste Level benötigt.

Als Steuerungsalternative kann man übrigens auch auf den Classic oder den Gamecube-Controller umsteigen. Auch diese beiden Varianten funktionieren zufriedenstellend, sollten aber eher eine Ergänzung darstellen. Das Spielgefühl ist im Vergleich zur Steuerung mit der Wiimote komplett anders und bei weitem nicht so präzise und überzeugend. Ausprobieren kann man es, empfehlenswert ist es aber das Spiel mit der Wiimote zu zocken.

Die Grafik

In der ursprünglichen PSP-Version setzte man auf einen eher futuristischen Grafikstil, auf der Wii hat man Mercury Meltdown Revolution einer grafischen Überarbeitung unterzogen und präsentiert es in einem comicähnlichen Cel-Shading Look. Die Stages wirken dadurch allesamt sehr bunt und ansprechend, diverse Spiegel- und Lichteffekte lassen Mercury Meltdown Revolution grafisch ansehnlich wirken. Ignition Entertainment punktet hier nicht nur mit 480p-Unterstützung, sondern auch mit solider Technik. Die konstante Framerate hinterlässt einen technisch guten Eindruck und tröstet darüber hinweg, dass grafisch sicherlich noch mehr drin gewesen wäre.

Sound und Musik

Passend zur Grafik präsentiert sich auch die Sounduntermalung des Games. Die Soundeffekte sind zwar eher altbacken als revolutionär, passen aber zum Flair des Games und fügen sich gut in die Präsentation ein. Besonders abwechslungsreich ist dagegen die Hintergrundmusik geworden. In erster Linie hat man es hier mit technoiden Tracks zu tun, doch auch klassische Kompositionen und Anleihen an Jazz, Rock oder Blues finden sich als klangliche Untermalung wieder. Die Melodien reißen den Spieler dabei zwar nicht vom Hocker oder entpuppen sich als heimliche Ohrwürmer, gehen aber auch nach längerem Spielen noch nicht auf die Nerven und sind genau die chillige Sounduntermalung, die sie auch sein sollen.

Fazit

Mit Mercury Meltdown Revolution zeigt Atari, dass eine Portierung nicht immer ein Schnellschuss einzig und allein der Kohle wegen sein muss. Nein, für die Wii-Version des Quecksilber-Puzzlers wurden nicht nur neue Levels designt und Bonusgames addiert, man punktet vor allem mit der überaus gelungenen, bewegungssensitiven Steuerung der neuen Nintendo-Konsole. Die überaus stimmige Präsentation und das gelungene Tutorial stimmen den Spieler auf das Puzzlegame ein, der perfekt ausbalancierte Schwierigkeitsgrad, das ausgeklügelte Leveldesign und die vielen Ideen (Aufzüge, Gegner, verschiedene Untergründe, Aggregatszustände sowie Farben) fesseln auch auf Dauer und lassen Einsteiger und Profis gleichermaßen motiviert zur Wiimote greifen. Wer sich für Puzzlegames erwärmen kann, wird von Mercury Meltdown Revolution begeistert sein und findet hiermit den bislang eindeutig besten Genrevertreter auf Nintendos Konsole.

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Packshot Mercury Meltdown Revolution

Mercury Meltdown Revolution

Release: 31.05.2007
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 1
USK: