Testbericht: Marvel: Ultimate Alliance

Gerade mit den Launchtiteln der Wii hat sich so mancher Third Party-Hersteller nicht gerade mir Ruhm bekleckert – Namen werden an dieser Stelle nicht genannt. Dass es auch anders gehen kann, möchte Activision mit „Marvel: Ultimate Alliance“ unter Beweis stellen. Die Superhelden waren neben dem PC bereits auf mehreren Konsolen unterwegs und schicken sich nun an, auch Wii-Spieler zum Kampf gegen das Böse zu verbinden – leider allerdings komplett auf Englisch, da das Game nicht in Deutschland erschienen ist. Lohnt sich dennoch der PAL-Import?

Story

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Mittel. Der fiese Dr. Doom hat so ziemlich alles an Superschurken versammelt um die Weltherrschaft ein für allemal an sich zu reißen und alles aus dem Weg zu räumen, was sich ihm in den Weg stellt. Natürlich kann man das als anständiger Superheld nicht zulassen und muss etwas dagegen unternehmen. Colonel Nick Fury hat dazu eine illustre Truppe an Helden aus dem Marvel Universum zusammengestellt und genau an dieser Stelle tretet ihr in Aktion, denn ihr übernehmt die Steuerung eines Heldenquartetts. Ein beeindruckendes und sehr stimmungsvoll gestaltetes Render-Intro bereitet Euch mental schon einmal auf euren Einsatz vor, bevor ihr euch mitten im Spielgeschehen wieder findet. In bester Hack’n’Slay-Manier gilt es nun sich in isometrischer Perspektive durch die Horden an Gegnern zu schlagen, Türen und Ausgänge zu öffnen und nach dem Erfüllen bestimmter Aufgaben Zwischen- oder Endgegnern eine vor den Latz zu knallen. Solange euer Special-Balken mitspielt, dürft ihr dabei neben normalen Attacken auch Specialmoves einsetzen, die sogar mit gutem Timing unter den einzelnen Helden kombiniert werden können und so noch mehr Schaden anrichten.

In den einzelnen Levels warten immer wieder verstreute S.H.I.E.L.D.-Generatoren, wo ihr abspeichern und auch eure Truppe verändern könnt. Hier liegt eine der ganz großen Stärken von Marvel: Ultimate Alliance, denn ihr könnt euer Team aus über 20 mehr oder weniger bekannten Marvelhelden frei zusammenstellen. Ihr startet zwar mit den Größen Spiderman, Captain America, Thor und Wolverine, könnt aber je nach Vorlieben auch stattdessen mit beispielsweise Iceman, The Torch, Rogue und The Thing antreten. Zu beachten ist dabei, dass man sich diverse Elemente aus dem RPG-Bereich entliehen hat und ihr so von besiegten Gegnern und zertrümmerten Objekten in den Levels S.H.I.E.L.D.-Punkte aufsammeln könnt, mit denen sich die Fähigkeiten der Charaktere verbessern lassen. Zudem erhaltet ihr für besiegte Fieslinge stets Erfahrungspunkte und levelt so nach und nach Eure Helden hoch – entweder automatisch verwaltet oder frei nach Eurem Gutdünken. Entscheidet euch also möglichst bald für eure Favoriten, denn jeder Wechsel eines Teammitglieds bringt eurem Ruf als Heldentruppe 50 Minuspunkte. Ein guter Ruf dagegen kann dafür verantwortlich sein, dass man im Laufe des Spiels spezielle Boni erhält. Das trifft auch zu, wenn man beispielsweise mit Original-Teams wie den X-Men oder Fantastic 4 spielt.

Da ihr selbst nur die Kontrolle über einen Superhelden übernehmen könnt, sind die restlichen Charaktere computergesteuert. Ihr generelles Verhalten – aggressiv, defensiv oder normal – legt ihr selbst fest und könnt es jederzeit ändern und an die aktuelle Situation im Spiel anpassen. Habt Ihr ein paar Freunde und ausreichend Wiimote-Nunchuk-Combos zur Hand, können bis zu drei Mitspieler einsteigen und so zu viert auf Gegnerhatz gehen. Dies entschädigt immerhin etwas für den fehlenden Online-Modus, welcher Spieler der anderen Versionen erfreut hat. Doch auch zu viert auf einem Bildschirm macht Marvel: Ultimate Alliance jede Menge Spaß, egal ob man es kooperativ oder im Wettstreit um die besten Leistungen gegeneinander spielt. Dank vieler versteckter Extras (bionische Arme zur Steigerung des Angriffeswerts, Panzerungen für geringe Schäden bei Treffern, dazu Artworks, etc.) und zwei exklusiven Helden in der Wii-Fassung motiviert der Titel aber auch den Einzelspieler.

Steuerung

Überraschend gut wurde übrigens die Steuerung gestaltet. Hier sieht man ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Entwickler wirklich Mühe damit gegeben haben die Wii-Steuerung sinnvoll zu implementieren. Eure Charaktere bewegt ihr mit dem Analogstick des Nunchuk, Z wird zum Blocken und Greifen gebraucht und der C-Button lässt die Helden springen. Dabei sind auch ein Doppelsprung, bzw. Fliegen möglich, je nach Fähigkeit des Superhelden. Interessant wird es, wenn es um die Attacken geht, mit denen ihr euch durch die Gegnerscharen sensen dürft. Hier kann gewählt werden, ob ihr die normalen Attacken und Special Moves auf die herkömmliche Art und Weise per Knopfdruck aktivieren wollt (hierbei kommen A und B zum Einsatz), oder ob ihr lieber die Vorteile der Wiimote nutzt. Die Bewegungen sind zwar relativ simpel gestaltet – schnelles Schlagen nach links und rechts, Stoß nach vorne, Schütteln, schnelles Heben oder Senken – vermögen aber den Spieler durchaus zu fesseln und mehr in das Spielgeschehen einzubinden. Schade nur, dass man seitens Activision nicht konsequent genug war. Wenn ihr an einer bestimmten Stelle mit einer übergroßen Kanone auf einen Obermotz ballern müsst, wäre ein Einsatz der Wiimote perfekt gewesen. Leider wird hier das Fadenkreuz aber mit dem Analogstick des Nunchuk gesteuert.

Dafür entschädigt der gelungene Einsatz der Kamera. Diese wird durch simples Neigen des Nunchuk nach links oder rechts gedreht. Kommt es hier in den ersten Spielminuten vielleicht noch zu der ein oder anderen chaotischen Situation, hat man sich binnen kurzer Zeit daran gewöhnt und will diese Funktion gar nicht mehr missen. Hoffentlich orientieren sich auch andere Entwickler an dieser überzeugenden Lösung. Auch die restlichen Buttons der Wiimote werden genutzt und dienen zum flotten Wechsel zwischen den Charakteren sowie zum Verwalten des Team-Menüs.

Die Grafik

Auch wenn Marvel: Ultimate Alliance auf grafischer Ebene nicht ganz mit den Versionen auf PC und Xbox360 mithalten kann, so braucht man dennoch keine kompletten Pixelkatastrophen auf dem Screen befürchten. Gerade bei den reichlich vertretenen Specials merkt man, dass Partikeleffekte wie Feuer, Rauch und Explosionen hätten transparenter und fulminanter ausfallen können. Dennoch kommt man auch in der Wii-Version in einen in sich stimmigen Grafikspaß, der mehr als zweckdienlich ist. Die Videosequenzen sehen fantastisch aus und sind hervorragend choreographiert, zudem verbreiten sie genau die richtige Stimmung. Auch mit vier Helden und etlichen Schurken auf dem Screen läuft das Spiel zu jeder Zeit flüssig und sauber, so dass generell von einer gelungenen, wenngleich nicht überragenden Grafikleistung gesprochen werden kann.

Sound und Musik

Einen ähnlich guten Eindruck hinterlässt das Spiel auch im Soundbereich. Hier ist es vor allem der Soundtrack, mit dem Activision punkten kann. Klassisch angelehnte, orchestrale Kompositionen bringen in den oft recht düsteren Levels die richtige Stimmung auf und wenngleich der Sound nicht stark in den Vordergrund rückt, peitscht er dennoch das Spielgeschehen an. Auch die englische Sprachausgabe gefällt, die sehr authentisch geworden ist und lippensynchron auf die Videosequenzen abgestimmt wurde. Während des Spielens gibt es dann eher konventionelle Soundeffekte zu hören und auch die Sprachsamples der einzelnen Charaktere wirken etwas repetitiv, was aber nicht weiter stört.

Fazit

Auch wenn Marvel: Ultimate Alliance sicher noch an einigen Stellen hätte verbessert werden können, so zeigt Activision mit diesem Titel dennoch, wie ein Multiplattform-Titel an die Fähigkeiten der Wii angepasst werden muss. Die Steuerung geht leicht von der Hand und überzeugt vor allem mit ihrem intuitiven Einsatz der Kamera. Der Spielumfang ist dank zahlreicher Levels ausreichend groß, ein gelungener Mehrspielermodus und viele versteckte Extras machen den Titel sowohl für Single- als auch für Multiplayer interessant. Zudem überzeugt das Team-Feature sowie das Leveln der Charaktere. Da Actiontitel auf Nintendos weißer Kiste momentan noch rar gesät sind, sollten hier nicht nur Marvelfans die Augen offen halten!

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