Testbericht: Marvel: Ultimate Alliance 2

Mit „Marvel: Ultimate Alliance“ brachte Activision kurz nach dem Wii-Launch einen Actiontitel auf Nintendos Konsole, der zwar in Sachen Onlinemodus im Vergleich zu seinen HD-Brüdern beschnitten war, durch seinen Coop-Modus für vier Spieler aber dennoch zu gefallen wusste. Nun steht der Nachfolger dazu in den Startlöchern und man darf gespannt darauf sein, was den Spieler diesmal erwartet und ob die Kinderkrankheiten des Erstlings ausgemerzt werden konnten. Wir haben uns für euch in die Schlacht der Superhelden gestürzt und es herausgefunden.

Auf in den Kampf

Das Konzept des Marvel-Titels ist eigentlich simpel: Man nehme ein paar Helden mit Superkräften, lasse ein paar Bösewichte auf die Welt los und vermenge das Ganze mit jeder Menge Action für bis zu vier Spielern. Diesmal wurden die unter Fans relativ beliebten Secret War sowie die Civil War-Storylines zum Vorbild genommen und diese dienen somit als Grundlage für die Geschichte in Marvel: Ultimate Alliance 2. Dem Konzept „Halte die Schurken auf und rette die Welt“ bleibt man damit zwar treu, dennoch wären Detailverbesserungen in Sachen Gameplay auch drin gewesen, doch diese sind dagegen auch mit der Lupe nicht zu finden. Nach wie vor handelt es sich bei dem erneut durch Vicarious Visions entwickelten Titel um einen Button-Masher mit Rollenspielelementen. Man prügelt sich mit einer Viererbande aus Superhelden durch die gegnerischen Schergen, sammelt für besiegte Feinde Erfahrungspunkte und kann mit diesen die Fähigkeiten des Helden upgraden. Ganz RPG-like haben eure Kontrahenten ebenfalls Hitpoints, die mit jedem gelandeten Treffer von der Energieleiste abgezogen werden und als kleine Zahl über den Köpfen eurer Feinde schweben. Die Upgrades beim Level Up können entweder automatisch verteilt oder manuell zugewiesen werden. Wer also dem Rollenspielelement größeres Gewicht verleihen möchte, kümmert sich selbst um die Entwicklung seiner Party. Wer dagegen eher auf die bloße Action aus ist, lässt die KI die Upgrades automatisch erledigen.

Während man anfangs mit dem festen Quartett bestehend aus Spiderman, Wolverine, Captain America sowie Iron Man unterwegs ist, darf sich später eine eigene Heldentruppe aus über 25 Superhelden selbst zusammengestellt werden. Neben altbekannten Charakteren wie Venom und dem Ding stehen auch Neulinge wie Psylocke oder Cyclops zur Verfügung. Die Gruppenmitglieder dürfen dabei an Checkpoints jederzeit ausgetauscht werden. Auch die Kontrolle über die Helden ist dem Spieler stets frei gestellt. Einen der Marvel-Heroes steuert man selbst, der Rest wird durch die KI, respektive durch bis zu drei menschliche Mitspieler kontrolliert. Die verschiedenen Angriffe eurer Truppe sind dabei den Comicvorbildern nachempfunden, so dass Spidey mit seinen Spinnweben um sich schießt, während Wolverine dagegen die scharfen Klauen zum Einsatz bringt. Mit wachsender Erfahrung und den damit steigenden Levels werden nach und nach weitere Angriffe sowie Combos frei geschaltet, was teils verheerende Angriffe zulässt. Mittels Wiimote Gestiken und genug aufgeladener Fusion Power sind Teamangriffe möglich, die nicht nur besonders viel Schaden mittels eines speziellen Counters verursachen, sondern auch spektakulär in Szene gesetzt wurden.

Obwohl seit dem ersten Teil ausreichend Zeit ins Land gegangen ist, halten sich die Verbesserungen stark in Grenzen. Nach wie vor können zwar die Sonderfähigkeiten der Charaktere genutzt werden, aber pures Button-Mashing führt ebenso zum Ziel – Heerscharen an generischen Gegnern machen es möglich. Alleine verkommt das Game somit schnell zur Prügelorgie, der es schlicht und ergreifend an Abwechslung fehlt. Mit mehreren Spielern vor der Konsole macht der Titel etwas länger Laune, doch auch im Coop-Modus muss man sich irgendwann dazu zwingen noch weitere Münzen zu sammeln, sich durch die kaum enden wollenden Reihen an Feinden zu kloppen und die nächsten Upgrades Freizuschalten. Wäre nicht die Story recht unterhaltsam und in ansehnlichen Videosequenzen präsentiert, würde man irgendwann die Lust an dem Spiel verlieren. Immerhin ist die Steuerung funktional umgesetzt worden. Die Bewegungen der Wiimote werden gut erkannt und es wurde nicht wie in vergleichbaren Games der Fehler gemacht, den Hauptangriff mit einer Bewegung ausführen zu lassen, was schnell zu Krämpfen im Handgelenk geführt hätte. Einzig die quasi kaum vorhandene Kontrolle über die Kamera lässt den Spieler immer wieder verzweifeln.

Ultimativer Stillstand?

Eigentlich sollte man meinen, dass mit genügend Entwicklungszeit nicht nur das Gameplay, sondern auch die Optik eines Titels entsprechend verbessert werden könnte. Leider wurde in diesem Punkt Marvel: Ultimate Alliance 2 ebenfalls keine große Aufmerksamkeit gewidmet. Die Videosequenzen sehen toll aus und überzeugen durch die flüssigen Animationen der Charaktere. Im Game selbst dagegen meint man den Vorgänger zu spielen, denn optische Verbesserungen werden vergebens gesucht. Eine Weiterentwicklung der Grafik mit etwas schärferen Texturen wäre hier wirklich wünschenswert gewesen. Zwar sind die Effekte teils gelungen, dafür stehen euch immer wieder hässliche Polygon-Gebilde im Weg herum, die Autos, Parkbänke und dergleichen darstellen sollen, dabei aber bestenfalls mittleres PS2-Niveau erreichen.

Im Bereich des Sounds wäre ebenfalls noch genug Luft nach oben gewesen. Die Musikstücke untermalen das Geschehen passend und bringen teils die leicht dramatische und hektische Atmosphäre des Spiels gut rüber. Beim Voice-Acting dagegen gibt es viel Licht, aber auch viel Schatten. Einige Charaktere sind wirklich glaubhaft gesprochen worden, bei anderen dagegen wirken die Dialoge hölzern und amateurhaft. Abgerundet wird das Game durch krachende, jedoch nicht sonderlich ausgefallene Soundeffekte.

Fazit

Wenn der zweite Teil einer Spielreihe im Vergleich zum Erstling kaum Verbesserungen aufweist, spricht das nicht gerade für den Entwickler. Marvel: Ultimate Alliance 2 ist leider so ein Kandidat. Anstatt viele Kleinigkeiten zu verbessern, hat man lieber einige Mankos beibehalten und das ansonsten grundsolide Spielprinzip mit seiner Mischung aus Action und RPG übernommen. Unterm Strich ist der zweite Auftritt der Heldentruppe auf Nintendos Wii somit zwar für Fans zu empfehlen, mangels Weiterentwicklung aber auch nicht wirklich ein Schritt nach vorne.

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