Testbericht: Harvest Moon: Magical Melody

Lange schon warten wir auf einen neuen Teil von Natsumes Farmer Simulationsreihe Harvest Moon. Der Titel „Magical Melody“ ist allerdings nur für Europa neu, denn bereits 2006 war das Spiel für den Gamecube in Japan und Amerika zu haben. Mit angepasster Steuerung präsentiert sich das Remake nun auf der Wii und soll uns anscheinend auf den tatsächlich neuen Teil „Harvest Moon: Heroes“ einstimmen, dessen Release noch bevorsteht. Leider wurde „Magical Melody“ um die Möglichkeit auch eine weibliche Protagonistin zu wählen, wie in der Urversion für den Cube, gekürzt. Als Grund wurde angegeben, dass sich durch eine weibliche Spielfigur keine neuen Spielzüge eröffnen. Für weibliche Gamer, welche sich durch diesen Titel wohl besonders angesprochen fühlen, ist dies natürlich schade, aber dem Spielspaß tut es auch keinen wirklichen Abbruch.

Rettet die Erntegöttin!

Noch bevor es losgeht eröffnet sich dem angehenden Farmer ein Schicksal mit dem er im gesamten Spiel konfrontiert wird. Die Erntegöttin ist zu Stein geworden und drei kleine Wichte übertragen ihm die Aufgabe sie wieder zu befreien. Dies geschieht durch das Sammeln von Noten, welche für viele Aktionen, wie z.B. Tiere striegeln oder die Nacht durchmachen, vergeben werden. Jeweils fünf Noten verwandeln sich in ein Musikinstrument und können die Erntegöttin wiedererwecken, wenn am Ende alle Noten gesammelt wurden.
Harter Konkurrent ist ein Ranchbesitzer Namens Jamie, der die Göttin ebenfalls befreien will und sich auch sonst gerne mit unserem Farmer misst.

Aller Anfang ist schwer …

Dieser Satz fällt häufiger, wenn ihr gerade euer Grundstück aus drei möglichen Lageplätzen ausgewählt und feierlich vom Bürgermeister übergeben bekommt. Das Dorf bietet alle möglichen Landschaften auf relativ engem Raum. Es kann zwischen einem Stadtgrundstück, einem Grundstück am Fluss oder einem Grundstück am Strand ausgewählt werden. In näherer Umgebung können Berge und Höhlen erforscht werden.
So schwer stellt sich der Anfang allerdings gar nicht dar, denn der Vorbesitzer überließ seinem Nachfolger sein Haus samt einer Grundausstattung. Das erste Haustier lässt auch nicht lange auf sich warten, denn nach der ersten Nacht bringt die Nachbarin einen kleinen Hund vorbei, dem natürlich erstmal, wie allen weiter folgenden Tierchen, ein Name verpasst werden muss. Auch die Entwickler haben ihrer Kreativität in Sachen Namen der Tiere freien Lauf gelassen. So heißt z.B. ein Huhn des Nachbarn Omelette.
Im Vergleich zu den Vorgängern dieses Titels bietet dieser Teil viel mehr Aktions- und ebenso Baumöglichkeiten. Schnell wird deutlich, dass der Spieler wirklich langzeitig beschäftigt werden soll. Alle Entwicklungen dauern ziemlich lange, sodass im Hau-Ruck-Verfahren nichts zu machen ist. Durch fehlende Ausdauer der Figur oder langsames Wachstum der Tiere ist der Spieler gezwungen, sich dem Rhythmus des Spiels anzupassen, wobei die Ausdauer sich natürlich mit der Zeit verbessert. Ungeduldige Spieler könnten sich schon manchmal etwas genervt fühlen. Wenn allerdings viel zu erledigen ist wie z.B. die Tiere raus und rein treiben, Pflanzen gießen oder das Gras schneiden, kann der Tag auch mal zu kurz sein.
Genauso gemächlich wie die Entwicklung des Geschehens voranschreitet, bauen sich auch Beziehungen zu den Mitbürgern auf. Ihr müsst sehr oft mit ihnen reden und versuchen herauszufinden, was sie gerne mögen. Das stellt sich allerdings gar nicht so einfach dar, weil die Figuren, jedenfalls zu Anfang, jeweils höchstens zwei Sätze von sich geben. Das ist mit der Zeit leider ganz schön eintönig und spornt nicht gerade dazu an viel mit den anderen Figuren zu kommunizieren. Mit viel Mühe und einigen Aufmerksamkeiten ist es allerdings möglich, sich eine passende Frau zu angeln, zu heiraten oder auch ein Kind zu bekommen. Das kennt man ja schon aus früheren Teilen der Serie.
Zu der Vielzahl der bereits angesprochenen Aktionsmöglichkeiten gehören wie immer auch der Ackerbau und die Viehzucht. Um Tiere zu halten müsst ihr allerdings erstmal eine teure Scheune in Auftrag geben, wozu euch eigentlich kaum etwas anderes übrig bleibt, außer ihr fischt drei Jahre lang oder sammelt unzählige Pilze, als das Feld zu bestellen und die Erträge daraus zu verkaufen. Der Verkauf funktioniert ganz einfach über eine Versandbox, welche jeden morgen geleert wird und dann das entsprechende Geld in die Tasche eures Farmers fließt. Der Samen muss allerdings auch vorher im Samenladen gekauft werden, ist aber nicht allzu teuer.
Zur Verfügung stehende Werkzeuge können mit der Zeit verbessert werden, wenn genügend Erfahrungspunkte durch häufiges Benutzen gesammelt wurden. Hierzu benötigt ihr Erz, welches in zwei Höhlen gefunden werden kann. Eine Höhle ist allerdings nur im Winter zu betreten, da sie in der Mitte eines Sees liegt und der See natürlich nur im Winter zugefroren ist. Die Informationen hierzu bekommt ihr am besten über den Fernseher, der glücklicherweise auch zur Grundausstattung des Hauses gehört.

Geld regiert die Welt

Viel Geld zu haben ist in diesem Spiel eines der wichtigsten Ziele, denn nur so könnt ihr einen ordentlichen Hof aufbauen und auch Ansehen bei den Nachbarn „ernten“.
Habt ihr genügend Geld zusammengespart kann die heiß ersehnte Scheune oder der Hühnerstall gebaut werden. Die kleinste Variante der Scheune bietet Platz für vier Tiere. Alle angeschafften Tiere kommen als Jungtiere auf den Hof und müssen erst einmal heranwachsen. Ist die Aufzucht dann geglückt haben sie natürlich auch einen Nutzen für die Farm. Habt ihr z.B. ein Pferd, kommt ihr schneller voran und könnt auch an dem Pferderennen teilnehmen, welches zweimal im Jahr stattfindet. Neben dem Rennen gibt es für jedes Tier ein Festival in Form eines Wettbewerbes an dem teilgenommen werden kann. Es gibt allerdings auch diverse andere Festivals, welche besucht werden und dadurch auch Minispiele freigeschaltet werden können, welche allerdings nur schmückendes Beiwerk des Spiels sind. Dazu aber später mehr.
Alle Gebäude die ihr auf eurem Grundstück errichtet können später, wenn genug Geld und vor allem Platz vorhanden ist, ausgebaut und vergrößert werden. Auch die Inneneinrichtung kann individuell gestaltet werden. Wird es euch doch mal zu eng auf eurem Grund und Boden, können noch weitere Grundstücke dazugekauft werden.

Mini Games / Multiplayer

Der mittlerweile obligatorische Minispiel-Modus ist natürlich auch in Harvest Moon zu finden. Mit bis zu vier Spielern heißt es dann verschiedene Aufgaben zu meistern. Diese sind teilweise bereits aus dem Singleplayer-Modus bekannt, wie z.B. Pferderennen und Klettern. Aber auch andere, einzig für diesen Part des Spiels konzipierte Minigames wie das „Wettbeackern“ sind zu finden. Hier muss ein abgestecktes Feld mit der Hacke bearbeitet werden. Am Ende hat gewonnen, wer die meisten Felder sein eigen nennen kann. Gestört wird die Runde nicht nur von den Gegenspielern sondern zudem von einigen Affen, die übers Feld trollen. Insgesamt eine überschaubare Anzahl an Minigames, welche jedoch in unserem Test in keinster Weise langzeitmotivierend waren – im Gegenteil, teilweise bedurfte es einiger Überwindung diese bis zum Ende durchzuspielen. Insgesamt ist der Minispiel-Modus leider nur schmückendes Beiwerk, als dass er ernsthaft einen unterhaltsamen Abend mit den Freunden sichern könnte.

Steuerung

Gesteuert werden kann auf zwei unterschiedliche Art und Weisen gleichzeitig. Die Spielfigur reagiert sowohl auf Bewegungen mit der Remote als auch durch das Drücken von Knöpfen. Allerdings ist das benutzen der Knöpfe letztendlich doch bequemer als die Fuchtelei mit der Remote, obwohl dies auch gut klappen würde und die Bewegungen realistisch ausgeführt werden können, wie z.B. beim Schneiden des Grases mit der Sense oder beim Holzhacken. Allerdings ist die Steuerung per Knopfdruck zwar zweckmäßig gut umgesetzt, trotzdem aber etwas gewöhnungsbedürftig. Nicht alle Aktionen können per A-Knopf ausgeführt werden, sondern auch der Z-Knopf kommt z.B. bei Verwendung eines Werkzeuges oder beim Essen zum Einsatz. Dies stiftet in der Eingewöhnungsphase etwas Verwirrung.
Mit dem Steuerkreuz können Werkzeuge gewechselt werden während ihr den Farmer mir dem Controlstick des Nunchuks durch die Landschaften bewegt. Auch der Plus Knopf hat eine wichtige Funktion. Er zeigt die Stelle an, die bei einer Aktion bearbeitet werden würde. Dies verhindert, dass ihr nicht ständig mit der Hacke oder dem Hammer daneben schlagt und unnötig Energie eurer Spielfigur verbraucht, welche eh schon stark begrenzt ist. Mit dem B-Knopf legt ihr Gegenstände in euren Rucksack, den ihr ständig mit euch rumschleppt um diverse Dinge einzusammeln oder Werkzeug mit auf Erkundungstour zu nehmen. Mit dem Minus-Knopf könnt ihr nach euren Haustieren und auch nach dem Pferd pfeifen, welche dann auch ganz aufmerksam angerannt kommen und bei Fuß stehen. Durch drücken des 1-Knopfes wird euer Grundstück blau eingefärbt sodass ihr eure Grenzen genau erkennen könnt. Gemeinsam genutztes Land wird hier in Grün und fremdes Land in Rot eingefärbt. Zu guter letzt gelangt ihr über den C-Knopf in das auffällig große Menü, aus dem ihr alle möglichen Informationen mit einem kleinen Schönheitsfehler ablesen könnt, denn die Entwickler haben sich leider nicht die Mühe gemacht die Menüpunkte in die deutsche Sprache zu übersetzen, was vor allem bei jüngeren Spielen für Probleme sorgen könnte. Ansonsten fehlt dem Menü inhaltlich nichts – von Dorfkarte bis hin zu möglichen kochbaren Rezepten und sämtlich erdenklichen Statistiken ist alles Interessante in ausreichender Form vorhanden.

Grafik und Sound

Die Optik des Spiels verrät dem geübten Spieler-Auge direkt, dass das Spiel aus der vorhergegangenen Konsolengeneration stammt und dort auch eher zum Mittelmaß zu zählen ist. Zwar sind die Charaktere und Tiere drollig und recht bunt gestaltet, eine gewisse Unschärfe der Textur und Grobpixeligkeit jedoch trüben den optischen Gesamteindruck im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Hintergrundmusik verändert sich in jeder der vier Jahreszeiten und beim Betreten der Häuser in der Melodie, die Grundstimmung bleibt allerdings immer die gleiche und hört sich auch eigentlich sehr ähnlich an. Nach ziemlich kurzer Spielzeit geht sie durch ihre Eintönigkeit auch etwas auf die Nerven.
Die anderen Sounds wie Laufgeräusche auf verschiedenen Untergründen von Spielfigur und den Tieren sind gelungen. Etwas merkwürdig erscheinen dagegen die Laute der Tiere, wenn sie in den Stall hinein und heraus getrieben werden. Obwohl nur eine Kuh und ein Schaf vorhanden sind ertönt das „Muh“ bzw. das „Mäh“ im Chor.

Fazit

Für mich als Frau ist Harvest Moon: Magical Melody zum Zeitvertreib zwischendurch und zur Entspannung bestens geeignet. Durch die putzig gestalteten Figuren, vor allem die Kuh mit dem riesigen Kopf hat es mir angetan, ist es dazu auch noch recht amüsant. Das es allerdings auch für gestandenen Core-Gamer interessant ist wage ich hier mal zu bezweifeln. Die meisten würden wahrscheinlich gequält die Augen verdrehen, wenn sie das Pferdchen striegeln und das Schaf streicheln müssten. Für Fans dieser Reihe und Spieler, die Harmonie und eine entspannte Atmosphäre mögen ist dieser Titel unverzichtbar und macht auch wirklich sehr viel Spaß.
Große Minuspunkte sind natürlich das englische Menü, die etwas nervige Musik und die nicht mehr ganz so zeitgemäße Grafik, jedoch trübt dies den Spielspaß im Gesamtpaket letzten Endes nur geringfügig.

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