Testbericht: Hasbro Familienspiele-Abend

Bereits vor einigen Monaten wollte man uns verklickern, dass man Brettspiele auch ganz hervorragend auf Nintendos Wii umsetzen kann. „Die ultimative Brettspiele-Sammlung“ hieß der Titel, der wertungstechnisch gesehen einen absoluten Tiefpunkt darstellte und auch heute noch wie der absoluten Gameplay-Hölle entsprungen wirkt. Nun hat sich Electronic Arts dem Thema angenommen und in Kooperation mit Hasbro den „Hasbro Familienspiele-Abend“ auf Nintendos weiße Konsole gebracht. Ob sich hierbei die Familie wirklich gerne vor der Konsole versammelt oder ob auch EA den Spielspaß vor der Türe gelassen hat, haben wir für euch getestet.

Veranstalte deinen eigenen Familienspiele-Abend!

Die Idee an sich ist ja nicht neu: Man packt ein paar bekannte Brettspiele in eine Videospielumsetzung, trimmt das Paket möglichst familienfreundlich und hofft auf gute Verkaufszahlen auf der Wii. Wo andere Hersteller allerdings mit Schnellschüssen auf die große Kohle hoffen, hat sich Criterion Software mit dem von Electronic Arts in Auftrag gegebenen Hasbro Familienspiele-Abend offenbar etwas mehr Mühe gegeben. Denn bereits das erste Menü nach dem Laden des Spiels wirkt durchdacht und ansprechend präsentiert und dieser rote Faden zieht sich durch das gesamte Game. Mr. Kartoffelkopf (ältere Semester werden noch die dazugehörigen Spielfiguren und die Trickserie aus den 80ern kennen) begleitet uns dabei quasi als stummer Diener durch das Game. Er schwirrt an der virtuellen Spielewand, auf der die Auswahl der Games zu treffen ist, umher. Wurde ein Spiel gewählt, wechselt der Blickwinkel zum Spieltisch, aus welchem das Game aus einer Öffnung im Boden herausfährt und automatisch aufgebaut wird.

Bevor man das erste Mal spielen darf, muss noch ein Profil eines jeden Spielers angelegt werden. Man verzichtet hierbei leider auf eine Mii-Integration, weiß aber immerhin mit einer Reihe von Avataren dem Profil Charakter zu verleihen. Danach darf gewählt werden, ob man alleine oder mit mehreren Spielern antreten möchte. An der Spielewand stehen uns dann insgesamt fünf verschiedene Spiele zur Auswahl, die entweder „klassisch“ nach den Originalregeln oder mit verändertem Regelwerk gespielt werden können. „Yahtzee“ lässt euch euer Würfelglück auf die Probe stellen und ist vielen Spielern hierzulande auch unter dem Begriff „Kniffel“ bekannt. „Boggle“ bindet ebenfalls Würfel ins Spielgeschehen ein, hier geben jedoch nicht Zahlen, sondern Buchstaben den Ton an. Aus den gewürfelten Buchstaben müssen Wörter gebildet werden und je länger ein Wort ist, desto mehr Punkte bekommt man dafür gut geschrieben. Als kleine Hilfe werden übrigens immer das längste mögliche Wort sowie dessen Anfangsbuchstabe verraten. Werden in der Regel die meisten Wörter erkannt, wundert man sich nach der Auflösung trotzdem immer wieder über angeblich mögliche Begriffe, von denen man noch nie zuvor etwas gehört hat. „Toeta“, „Minort“, „Prn“, „Scsi“ oder „Seime“ sind als Begriffe zugelassen und selbst ein Eigenname wie „Heidi“ gibt Punkte, während das Spiel den „Nil“ offenbar nicht zu kennen scheint.

„Flottenmanöver“ sollte alle Hobby-Kapitäne ansprechen, denn hierbei geht es auf die hohe See und man tritt zum „Schiffe versenken“ an. Spielt man mit einem menschlichen Kontrahenten, wird man beim Positionieren der Schiffe gebeten nicht hinzusehen, wenn der Gegner an der Reihe ist, da sonst ja der komplette Spielwitz verloren wäre. Eine Art verrücktes „Mensch ärgere Dich nicht“ versteckt sich hinter dem Game „Sorry!“. Fünf auf der Hand gehaltene Karten bestimmen dabei eure Zugmöglichkeiten und wie im großen Vorbild, so ist es auch hier das Ziel die Spielfiguren ins Ziel zu bringen. Die gegnerischen dürfen dabei geschmissen und zurück zum Start gebracht werden, der Einsatz der Karten bringt aber auch noch Sonderfähigkeiten wie das Tauschen von Spielfiguren oder das Laufen entgegen der Spielrichtung mit sich. Eine Variante davon ist „Sorry! Sliders“, wobei dies eher an eine Art Eisstockschießen erinnert, indem man seine Spielfiguren möglichst nahe der Mitte positionieren muss.

Zusätzlich dazu kann man zu einer 10, 20 oder 30 Runden andauernden „Party“ antreten, welche sich die Spiele zum Vorbild nimmt und deren Regeln dabei stark verändert wurden, so dass aus den Brettspielen kleine Minispiele geworden sind. In der Partyversion von „Boggle“ beispielsweise gilt es die Buchstaben so lange zu drehen, bis eine möglichst hohe Punktzahl an Wörtern möglich ist. Eine andere Version setzt euch ein Zeitlimit und für jedes gefundene Wort wird euer Zeitkonto wieder aufgefüllt, bis ihr irgendwann zu langsam seid oder keine Begriffe mehr findet. „Yahtzee“ in der Partyversion lässt euch zum Würfelweitwurf antreten, bietet mit dem „Shaker“ eine Art einarmigen Banditen mit Würfeln an und lässt euch „Gezinkte Würfel“ finden, die immer dieselbe Augenzahl anzeigen. Sind manche dieser Partyspiele ganz nett, hätte man auf andere dagegen verzichten können. Hier spielen zudem die persönlichen Vorlieben eine besonders große Rolle, so dass der eine gerne auf die geänderten Partyspiele zurückgreift, der andere dagegen lieber beim Original bleibt und damit wesentlich mehr Spaß hat.

Um den Einzelspieler noch länger zu motivieren hat man verschiedene Trophäen eingebaut, die man in den einzelnen Spielen gewinnen kann. Dazu gesellen sich noch diverse Einrichtungsgegenstände, die man später in seinem virtuellen Zimmer betrachten kann. Eine sonderliche Motivation mein eigenes Zimmer komplett umzugestalten habe ich zwar nicht verspürt, aber jüngere Spieler dürften hiervon sicherlich angesprochen werden. Insgesamt fällt jedenfalls auf, dass der Umfang gerne noch etwas größer hätte ausfallen dürfen. Zwar sind die Spiele teils wirklich amüsant und beschäftigen auch über mehrere Runden, aber man würde sich dennoch wünschen eine etwas größere Auswahl geboten zu bekommen. Da hilft selbst der Partymodus nicht mehr viel, denn die Spiele dort können nur bedingt überzeugen.

Leichter Einstieg..

Wie es sich für ein Game dieser Art gehört, ist die Steuerung sehr simpel und zweckmäßig gehalten, so dass jeder schnell damit zurecht kommt. In erster Linie kommt die Pointerfunktion der Wiimote zum Einsatz. Bestätigt werden eure Eingaben mit dem A-Button, während B die Auswahl wieder rückgängig macht. In manchen Spielen kann man zudem noch durch einen Druck auf die Knöpfe 1 oder 2 oder das Steuerkreuz weitere Aktionen aufrufen und sich bei „Sorry!“ beispielsweise die zum Einsatz verfügbaren Karten anzeigen lassen. Abgesehen davon bleibt die Steuerung aber so simpel wie nur irgendwie möglich. Einzig bei „Sorry! Sliders“ kommen die Bewegungssensoren der Wii-Remote zum Einsatz, die recht passabel funktionieren. Insgesamt wurde die Steuerung sehr gut umgesetzt und reagiert bis auf wenige Ausnahmen präzise. Lediglich beim „Flottenmanöver“ wirkt die Navigation trotz Zoom-Funktion ein wenig schwammig.

…seichte Technik

Natürlich darf man von einem familienfreundlichen Partyspiel keine technischen Wunderwerke erwarten. Criterion Software war sich dessen offenbar bewusst und hat auch nicht versucht Hasbro Familienspiele-Abend mit unnötigem Schnickschnack zu überladen. Alles wirkt wie aus einem Guss, was alleine schon daher kommt, dass man sich quasi in einer Wohnung befindet und sich dort nur von Raum zu Raum bewegt. Das Spielzimmer selbst kann dabei nicht nur im standardmäßigen, modernen Design gestaltet werden, sondern es stehen auch verschiedene Themen wie „Dschungel“, „Jungen“ oder „Mädchen“ parat, was dem Spiel nicht nur optisch einen anderen Touch verleiht, sondern auch die Soundeffekt anpasst. Ansonsten kommt die Grafik eher zweckmäßig und bunt, allerdings etwas unspektakulär daher. Das Auswahlmenü der Spieler wirkt etwas hektisch und überladen durch die anfangs unruhigen Grafiken, der Rest der Menüs ist dagegen sauber und aufgeräumt. Dass der Titel den 480p-Modus unterstützt, gehört ebenfalls noch erwähnt.

In Sachen Sound wurden beim Hasbro Familienspiele-Abend auch nicht gerade Wunder vollbracht. Die Soundeffekte sind unauffällig und können bis auf die Bombeneinschläge beim „Flottenmanöver“ kaum Akzente setzen. Mr. Kartoffelkopf verhält sich sehr ruhig und brabbelt nur sehr selten mal unverständliches Kauderwelsch, bzw. jubelt für den Bruchteil einer Sekunde. Auch die Begleitmusik hält sich eher im Hintergrund, was für ein Game dieser Art allerdings von Vorteil ist, denn nichts ist nerviger als eine nervtötende Hintergrundmusik. Man muss den Ton beim Spielen also nicht abstellen, wird aber auch nicht vor Entzückung darüber juchzen. Seicht, aber eben zweckgemäß.

Fazit

Das Grundkonzept von Hasbro Familienspiele-Abend ist zwar nicht neu, wurde in diesem Fall von Criterion Software aber ansprechend auf Nintendos Wii umgesetzt. Inwieweit man Brettspiele lieber auf der Konsole als im Original spielt, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Aber wer sich zum virtuellen Spiel hinreißen lässt, wird sowohl alleine, vor allem aber natürlich mit mehreren Spielern eine gewisse Zeit lang seine Freude an dem Titel haben. Die mittelprächtige Technik stört bei einem Spiel dieser Art kaum, wohl aber der etwas zu geringe Umfang. Mit mehr verfügbaren Spielen sowie leichten Verbesserungen im Detail hätte der Hasbro Familienspiele-Abend durchaus eine klare Kaufempfehlung abräumen können. So wird leider einiges an Potenzial verschenkt. Interessierte Partyspieler und Freunde virtueller Brettspiele dürfen aber dennoch zugreifen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.