Testbericht: Green Day: Rock Band

Neues Material für alle Plastikinstrumenten-Liebhaber! Von Rock über Pop zum Punk: Nach AC/DC und den Beatles könnt ihr euch nun auf eine weitere spezielle „Rock Band“-Fortsetzung freuen. Diesmal bringt die Punk-Rock Band Green Day eure Wohnzimmer zum Wackeln.

Welcome to Paradise

Alle Green Day Fans, die mit Rock Band oder Guitar Heroetwas anfangen können, dürften sich bei dieser Fortsetzung tatsächlich wie im Paradies fühlen. Denn anstatt sich mit Songs von Bands zufrieden geben zu müssen, die den eigenen Musikgeschmack vielleicht nicht wirklich treffen, bekommt man hier die geballte Ladung Green Day zum Mitspielen vorgesetzt.

Solltet ihr das Prinzip von Spielen wie Rock Band noch nicht kennen, hier eine kurze Erklärung: zu jedem Song den ihr spielt, werden bunte Steine angezeigt, welche sozusagen die Noten darstellen. Wenn eine grüne Note auf dem Bildschirm erscheint, seid ihr aufgefordert, eben diese grüne Taste zu drücken, oder beim Schlagzeug auf die entsprechende Fläche zu schlagen. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Farben, wovon einige auch gleichzeitig betätigt werden müssen. Ziel ist es, so viele Noten wie möglich richtig zu spielen. Verpasst ihr zu viele, ist die Show für euch gelaufen, und ihr müsst von vorne beginnen.
Wer kein Instrument spielen will, kann bei Green Day: Rock Band auch seine Gesangskünste durch Benutzung eines Mikrofons unter Beweis stellen. Auch hier gilt es so oft wie möglich die richtigen Töne zu treffen um das Publikum zufrieden zu stellen und möglichst viele Punkte zu erzielen.

Die Höhen und Tiefen einer Punk-Band

Ihr findet euch zusammen mit den virtuellen Bandmitgliedern an drei unterschiedlichen Locations wieder. Die Anfänge erlebt ihr im „Warehouse“, sozusagen im Proberaum. Nun folgt „The Milton Keynes“, ein wichtiger Ort in der Karriere Green Days, denn dort fand das bisher größte Konzert statt, welches auch auf DVD veröffentlicht wurde. In „Oakland“ erlebt ihr schließlich die aktuelle Phase der Band.
Damit man sich als Spieler richtig zurückversetzt fühlt, wurden alle Mitglieder der Band, entsprechend dem gerade ausgewählten Karriereabschnitt, angepasst. Kommt Sänger Billie Joe Armstrong zu Beginn noch mit blauen Haaren und T-Shirt daher, tritt er später mit Krawatte und schwarzen Haaren auf. Auch die übrigen Bandmitglieder verändern sich dementsprechend, sodass man sich wunderbar in den Karriereverlauf hineinversetzen kann.

Natürlich ist es unmöglich, alle bisher veröffentlichten Songs der Band ins Spiel zu integrieren. Schließlich dauert ihre Karriere schon ganze zwei Jahrzehnte an. Hauptaugenmerk wurde deshalb vor Allem auf die beiden Meilensteine der Band gelegt. Mit „Dookie“ feierten sie 1994 ihren großen Durchbruch und konnten dann erst 2005 mit „American Idiot“ wieder daran anknüpfen. Die Alben, welche dazwischen veröffentlicht wurden, konnten solche Erfolge nicht aufweisen, im Spiel finden sich aber trotzdem ein paar Songs daraus wieder. So sind zum Beispiel die Titel „Brain Stew“, „Nice Guys Finish Last“ oder „Minority“ vertreten. Die beiden ersten Green Day Studioalben wurden hingegen vollkommen weggelassen, was hauptsächlich langjährige Fans bedauernswert finden dürften.

Das aktuelle Album „21 Century Breakdown“ könnt ihr nur fast vollständig durchspielen oder –singen. Denn wer die fehlenden sechs Songs in seine Sammlung aufnehmen will, muss diese aus dem Rock Band-Store laden und pro Song zahlen. Ohne den Download-Inhalt befinden sich auf der Disc übrigens 47 Songs.

Nachdem ihr euch für eines der Instrumente oder das Mikrofon entschieden habt, müsst ihr noch festlegen, in welchem Modus ihr spielen wollt. Da gibt es zum Beispiel den wohlbekannten Karrieremodus. Hier könnt ihr die Laufbahn der Band nachspielen. Diese beginnt bei Green Day: Rock Band im Jahre 1994 und ist in Setlisten, bestehend aus vier bis fünf Songs, eingeteilt. Nachdem ihr alle Lieder einer Setliste erfolgreich beendet habt, werden neue freigeschaltet. Darüber hinaus bekommt ihr für eine besonders gute Leistung auch noch Sammelobjekte, das heißt, ihr könnt euch verschiedene Fotos der Band ansehen. Diese reichen von den frühen Anfängen bis in die heutige Zeit.

Zusätzliche Belohnungen bekommt ihr, wenn ihr Herausforderungen annehmt. Bei diesen müsst ihr vorgegebene Titel nacheinander meistern und dabei eine Mindestpunktezahl erreichen. Habt ihr das geschafft, warten auf euch kurze Interviews, Livemitschnitte oder Videoclips. Richtigen Fans dürfte das meiste Material zwar bekannt sein, wer sich bisher aber ausschließlich mit der Musik der Band beschäftigt hat, dürfte an diesen zusätzlichen Infos Gefallen finden.

Keine Lust Songs erst Freizuschalten? Dann ist der Modus „Schnelles Spiel“ genau das Richtige. Hier kann man alle Songs von Anfang an auswählen. Wer sich nicht entscheiden kann, der überlässt es dem Zufall, welcher Titel als nächstes gespielt wird.

Green Day Fans vereinigt euch!

Wie bei allen bisherigen Teilen, kann man auch bei Green Day: Rock Band entweder mit Freunden im selben Wohnzimmer jammen oder aber online mit Spielern aus der ganzen Welt die Bühne betreten. Beim „Score Duell“ kann es am Ende nur einen Sieger geben: hier wird ermittelt, wer der bessere Musikus ist. Ganz ohne Konkurrenzdenken kommt man beim Onlinemodus des „Schnellen Spiels“ aus. Hier geht es nur darum, als Band möglichst gut zusammen zu spielen und gemeinsam viele Punkte zu holen.

Greift ihr zum Mirko, besteht die Möglichkeit nicht nur den Leadgesang zu übernehmen, sondern sich am Harmoniegesang zu versuchen. Das bedeutet, dass mehrere Spieler unterschiedliche Höhen singen können. Pro Sänger wird dazu jedoch ein Mikrofon benötigt.

Green Day: Rock Band bietet außerdem die Möglichkeit, sich bei der eigenen Karriere von einem Mitspieler helfen zu lassen. So muss man diese nicht alleine meistern und kann sich im Notfall gegenseitig unter die Arme greifen.
Fehlen darf natürlich auch ein Tutorial- sowie Übungsmodus nicht. Hier wird alles genauestens erklärt. Egal ob man seine Gesangskünste perfektionieren, schwierige Drumgrooves oder die Grundlagen lernen möchte – das Training hilft weiter.

Was besonders im Gesangsmodus negativ auffällt, ist die Zensur der Texte. Als „Expilicit“ gekennzeichnete Songs gehören eben zu Green Day wie die Wiimote zur Wii. Wenn bei EA schon so viel Wert auf Jugendschutz gelegt wird, hätte man dem Spiel einfach eine höhere Alterseinstufung verpassen können. So jedenfalls bekommt der Spielspaß einen merklichen Dämpfer.

Grafik / Sound

Die Bewegungen der Figuren bei Green Day: Rock Band sind recht flüssig und Billie Joe Armstrong bewegt seine Lippen synchron zum jeweiligen Song. Auch die passenden Licht- und Pyroeffekte lassen die richtige Stimmung aufkommen. Bei ruhigeren Titeln wie „Wake me up when September ends“ wurden außerdem einige Passagen in schwarz-weiß gehalten. Das Design des Spieles orientiert sich überwiegend am Artdesign des Albums „21 Century Breakdown“.

Auch am Sound selbst gibt es nichts auszusetzen. Die Qualität ist ordentlich und natürlich sind alle vorhanden Songs Mastertracks. Das Publikum ist wie gewohnt mit von der Partie und sorgt für die richtige Stimmung, besonders dann, wenn der „Overdrive“ ausgelöst wird.

Fazit

EA setzt mit Green Day: Rock Band auf Altbewährtes und ist damit auf der sicheren Seite. Es gibt nicht wirklich etwas Neues, aber mächtig Spaß macht es trotzdem, die Songs von Billie, Mike und Tré zu spielen. Die Auswahl der Titel wurde meiner Meinung nach sehr gut getroffen. Neben den beiden komplett spielbaren Werken „Dookie“ und „American Idiot“ gibt es auch einige Lieder aus den beiden Alben dazwischen. Ärgerlich aber ist, dass sechs Stücke aus dem aktuellen Album fehlen – wer vervollständigen möchte, muss extra zahlen. Insgesamt gibt die Songauswahl einen guten Einblick in die bisherige Karriere der Band.
Jedoch wird der Spielspaß noch durch einen weiteren Kritikpunkt getrübt: die Zensur der Texte. Das hätte nicht sein müssen, denn immerhin handelt es sich hier um Green Day und nicht Hannah Montana. Ansonsten aber, ist alles wie gewohnt: bekannte Modi, interessante Belohnungen für besonders gut abgeschlossene Songs, funktionierender Onlinemodus und nette Grafik. Eine klare Kaufempfehlung für alle Green Day Fans und solche, die es werden wollen.

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