Testbericht: Ghost Squad

Schon bei der ersten Vorstellung der Wii-Konsole war schnell klar, dass sie im Bereich Shooter das Potenzial zur namensgebenden Revolution hat. Dass in diesem Zuge allerdings auch ein beinahe in Vergessenheit geratenes Genre, nämlich dass der Railshooter, einen zweiten Frühling erleben würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Mit SEGAs Ghost Squad steht nach dem nicht in Deutschland erschienenen Resident Evil: The Umbrella Chronicles der zweite Ableger dieser Sorte in den Startlöchern, und wir haben uns mit der Spezialeinheit in den Kampf gegen Terroristen und Geiselnehmer gestürzt. Ob der Titel einem etwas angestaubten Spielprinzip neues Leben einhauchen kann, oder ob Railshooter besser in unseren Kindheitserinnerungen verweilen sollten, erfahrt ihr in unserem Testbericht.

„Leave no trace“

Nochmal schnell den Zapper durchgeladen und rein in das Haus voller Terroristen. Zuvor habt ihr aber noch die Wahl zwischen Arcade-, Party- oder Trainingsmodus und könnt in den Optionen die üblichen Einstellungen für Sound und Fadenkreuz so wie die Kalibrierung des Pointers vornehmen.
Der Trainingsmodus ist eigentlich überflüssig, da man sowieso in jeder Mission immer wieder in die bevorstehenden Aufgaben und in die Steuerung eingewiesen wird. Also kann man sich getrost in den Arcademodus stürzen um in einer von insgesamt drei Missionen auf die Jagd nach den Ganoven zu gehen. Zur Wahl stehen von Anfang an: Villa, Airforce One und Urwald.

Von nun an heißt es Zielen und Schießen, und das Ganze möglichst schnell und genau. Jede Mission teilt sich dabei in mehrere Abschnitte und wartet mit einem Endboss auf der teilweise, im Gegensatz zum Rest des Levels, einen durchaus knackigen Schwierigkeitsgrad hat. Immer wieder habt ihr im Spiel die Möglichkeit verschiedene Routen auszuwählen: linke oder rechte Türe, Rauchgranate werfen oder Geiseln befreien, Stürmen oder Bombe entschärfen. Darüber hinaus kommen jedes Mal, wenn ihr eine Mission erledigt habt, weitere Wahlmöglichkeiten und unterschiedlichen Szenarien für eben diese Mission hinzu. Insgesamt bietet jede der drei Missionen 16 Schwierigkeitsgrade und um all diese abzuschließen, benötigt man man dennoch eine ganze Weile.

Das Spielprinzip ist so simpel wie spaßig – genau zielen und schnell auf die Unmengen von Gegnern schießen welche immer wieder aus dem Nichts heraus erscheinen, als hätten sie sich im Dutzend hinter dem einzigen Sofa im Raum versteckt. Das ist zwar so unrealistisch wie nur irgend möglich, aber passt sehr gut zum Arcade-Charakter von Ghost Squad – hier geht es eben weniger um ein realistisches Shootererlebnis.

Allerdings bleibt es auch leider bei den drei oben genannten Missionen, denn es können keine weiteren freigespielt werden. Zwar kann man Unmengen Waffen und Outfits sowie zwei verschiedene Partymodi frei schalten, da man dafür aber jedes Mal die selben Missionen immer und immer wieder von Anfang bis Ende durchspielen muss, stellt sich relativ schnell Langeweile ein.
Als Partymodus kann entweder die klassische Terroristenvariante gewählt werden oder aber ihr schießt mit Wasserpistolen auf Bikinibabes, bzw. duelliert euch mit Ninjas. Da die Level leider in allen Modi exakt identisch sind bringt dies nur geringfügige Abwechselung ins Spiel und ist eigentlich, bis auf den kurzzeitigen Spaßfaktor, keine wirkliche Bereicherung.

Ein wirklich witziges Feature ist die Möglichkeit mit zwei Wiimotes beidhändig zu schießen, wenn man die entsprechende Bewaffnung zuvor erspielt hat.

Sein ganzes Potential entfaltet der Titel erwartungsgemäß im Mehrspielermodus, wobei es hier mit vier Spielern schnell etwas unübersichtlich werden kann. Bei zwei Spielern macht es dafür gleich doppelt so viel Spaß den Präsidenten immer wieder zu retten oder Geiseln zu befreien.

Pack die Wii-Pistole ein …

Über die Steuerung kann man eigentlich nicht viel anderes sagen als ‚zweckmäßig‘. Gespielt wird entweder mit Zapper-Aufsatz oder nur mit der Wii-Remote. Zielen mit dem Pointer, Schießen mit dem B-Knopf und alle weiteren Aktionen wie Bomben entschärfen, Mienen deaktivieren oder Geiseln befreien mit dem A-Knopf. Der Einstieg in das Spiel erfolgt wie erwartet unproblematisch und garantiert Spielspaß für jeden, egal ob mit Shootererfahrung oder ohne – einfach perfekt!
Die Zappervariante erwies sich in unserem Test als zielgenauer als die Freehandmethode, allerdings ist der A-Knopf beim Zapper nur umständlich zu erreichen was Nachteile beim Entschärfen der Bomben und anderen Aufgaben mit sich bringt. Zwar kann man in den Optionen auch Z als Aktionsbutton festlegen, was ein Umgreifen am Zapper überflüssig macht, aber die Bedienung mit dem A-Knopf geht trotzdem deutlich schneller von der Hand.
Die Pointergenauigkeit ist passabel, aber man wird das Gefühl nicht los eher auf die Sensorbar zu zielen als auf den Bildschirm. Allerdings hat man sich schnell daran gewöhnt und dem Ballerspaß steht nichts mehr im Wege.

Im Westen nichts Neues

Grafisch präsentiert sich der Titel so wie man es von einem Game erwartet, dass für SEGAs Chihiro Hardware entwickelt wurde, die wiederum auf der Xbox basiert. Unspektakulär und, nennen wir das Kind beim Namen, altbacken. Das Schöne daran ist aber, dass es zum Spielhöllenflair passt welches der Titel ohnehin schon ausstrahlt und eigentlich auch nicht ernsthaft stört.
Schade ist, dass der Titel keine Jugendfreigabe erhält obwohl weder Blut fließt, noch übertriebene Gewaltdarstellung Einzug in das Spiel gefunden haben. Grund für die Klassifizierung ist vermutlich die realitätsnahe Steuerung mit dem Zapper. Aber hat man nicht schon in den 80ern mit „täuschend echter“ Plastikpistole gespielt und das ganz ohne bleibende Schäden? Aber das ist wohl ein anderes Thema …

Mit dem Sound verhält es sich ähnlich wie mit der Grafik. Sie wurde 1:1 aus dem bestehenden Arcadespiel übernommen und glänzt nicht gerade durch Qualität und Abwechslung. In den kurzen Zwischensequenzen, z.B. vor dem Betreten eines neuen Raumes, werdet ihr von eurem Einsatzleiter kurz gebrieft, was euch in dem Raum erwartet. Oder ihr werdet einfach immer wieder ermahnt Vorsicht walten zu lassen, was jedoch angesichts des darauf folgenden Gemetzels eher Unterhaltungswert hat. Der Rest des Sounds im Spiel ist mehr zweckmäßig denn hochwertig, vermittelt aber trotzdem eine brauchbare Atmosphäre.

Fazit

Ein Fazit für Ghost Squad fällt leider sehr schwer. Das Gute daran ist, es macht Spaß, sogar viel Spaß! Die Steuerung funktioniert tadellos und das Schießgefühl mit und auch ohne Zapper ist einfach toll. Grafik und Sound sind zwar bei weitem keine Offenbarung aber passen zum Gesamtbild des Spiels. Nach circa einer halben Stunde Spielzeit dachte ich: Was für ein super Spiel! Und dann kam leider doch noch die Ernüchterung, denn ich hatte alle drei Missionen bereits einmal komplett durchgespielt … bitte was? Eine halbe Stunde Spielzeit? Aus meiner Sicht ist dieser Umfang in Anbetracht des Preises nicht fair auch wenn man durch alternative Routen in den Missionen freispielbare Waffen, Uniformen sowie zwei Partymodi noch etwas länger an die Konsole gebunden wird. Nach spätestens zwei Stunden stellt sich dann die Gewissheit ein, dass man eigentlich alles bereits gesehen hat. Schade, denn hier hätte man mit wenig Aufwand ein deutlich besseres Ergebnis abliefern können – mit etwas aufgebohrter Optik und vor allem einem größeren Umfang stünde uns hier ein echter Arcade-Knaller ins Haus. So hingegen reicht es leider nur für gehobenes Mittelmaß.

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Packshot Ghost Squad

Ghost Squad

Release: 25.01.2008
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 4
USK: 18