Testbericht: Ghostbusters: The Video Game

Geister… Gibt’s nicht? Klaaar, das dachten die Menschen vor 25 Jahren auch noch, bis sie das erste Mal den Marshmellow-Mann oder die Freiheitsstatue über die Leinwand laufen sahen. Ghostbusters zählt bis heute zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten und zog dennoch nur einen einzigen Nachfolger nach sich! Das kann natürlich nicht weiter angehen, weshalb Atari den inoffiziell dritten Teil nun ganz einfach als Videospiel auf den Markt bringt.

Who you gonna call…? GHOSTBUSTERS!

Selbst jüngeren Spielern dürfte der Namen der Geisterjägertruppe ein Begriff sein und nicht nur, weil sie die Welt seinerzeit vor einem bösen Gott sowie einem noch böseren Wandgemälde gerettet haben. Unzählige Comics, Hörspielkassetten und Zeichentrickserien bauten die Geschichte von Vankman, Spengler, Ray und Winston zu einem der bekanntesten Franchises aus. Zu Recht fragten sich viele Fans, warum nach dem enormen Erfolg der Filme nie ein dritter Teil produziert wurde. Doch zumindest Besitzern einer aktuellen Spielkonsole wird nun endlich eine Fortsetzung geboten, wobei man das Wort Fortsetzung ruhig wörtlich nehmen darf. Denn das Script zu Ghostbusters: The Video Game stammt aus der Feder der Original-Autoren Dan Aykroyd und Harold Ramis. Zudem sind alle bekannten Elemente und Figuren der Filme vertreten, die Helden entsprechen dem Aussehen ihrer Vorbilder und verfügen zudem über die Original-Synchronstimmen. Wer die Ghostbusters also kennt und liebt, wird sich hier definitiv zuhause fühlen. Fragt sich nur noch, ob Atari auch abseits aller Nostalgie ein gutes Spiel abliefert.

Zu Hölle mit dem Bösen

Ghostbusters: The Video Game möchte also gern der dritte Teil sein und geht dafür einen logischen Schritt. Als Neuanwärter stoßt Ihr anfangs zur Truppe der vier legendären Wissenschaftler hinzu, ohne zu ahnen, dass kurz darauf ihre Dienste erneut bitter benötigt würden. Natürlich wird New York wieder von Geistern geplagt und die Autoren haben sich Mühe gegeben, eine eigenständige Story zu verfassen, die in vielen Elementen dennoch auch eine Huldigung der Filme darstellt. Allzu viel soll an dieser Stelle gar nicht verraten werden, denn die Handlung weiß dank vieler Zwischensequenzen und gutem Humor in jedem Fall zu unterhalten. Auf der anderen Seite trefft ihr auch alte Bekannte wie den eingangs erwähnten Marshmellow-Mann oder den rosa Schleim wieder.

Doch zunächst geht alles ganz gemächlich los – nämlich mit der Jagd auf einen verfressenen, grünen Störenfried. Slimer. Gleich zu Beginn wird dabei das Spielprinzip deutlich, dass sich am ehesten mit dem der Metroid-Prime-Trilogie vergleichen lässt. Kämpfen in 3D, Scannen und Erkunden. Mittels Messgerät scannt Ihr ektoplasmatische Ablagerungen, untersucht oft die Umgebung auf, nicht immer gleich, offensichtliche Geister und macht den übernatürlichen Schreckgespenstern den Gar aus. Kleine Geister lassen sich dabei wie in einem Third-Person-Shooter bequem per Pointer in Grund und Boden schießen, bei größeren Brocken ist Durchhaltevermögen und eine Prise Taktik gefragt, denn wie in den Filmen müsst ihr diese per Protonenstrahl festhalten, niederringen und in eine per Z-Knopf ausgeworfene Falle lenken. Da die Kämpfe jedoch spektakulär mit allerlei herumfliegender Zimmereinrichtung inszeniert werden, ist der Kampf gegen die paranormalen Kolosse stets ein spannendes Kräftemessen. Neben dem klassischen Protonenpack bekommt Ihr im späteren Spielverlauf übrigens auch noch Eis- oder Schleimkanonen in die Hand gedrückt, mit denen der Geisterplage auf den Leib gerückt werden kann.

Die Missionen orientieren sich immer wieder an den zwei Filmen, erzählen jedoch eine eigene Geschichte. Dennoch besucht Ihr altbekannte Orte und erledigt beispielsweise auch den Geist jener Bibliothekarin, der seinerzeit im Kino noch verschont blieb. Die Identifikation mit den Geisterjägern ist generell hoch, wozu die trotz Comicgrafik deutlich erkennbaren Protagonisten mit ihren Sprüchen und Kommentaren einen großen Teil beitragen. Dass – anders als auf den HD-Konsolen – auf der Wii ein veränderter Grafikstil herrscht, stört im Nachhinein nicht, denn die Optik ist konsequent und stimmig und tut der Atmosphäre keinen Abbruch. Schade ist dagegen, dass die Handlung nach gerademal 6-7 Stunden schon durchgespielt ist – hier wäre sicher noch etwas mehr drin gewesen, gerade wenn Ghostbusters: The Video Game sich hier und da getraut hätte, etwas mehr Abstand von seinen Vorbildern zu nehmen und weitere Handlungsbögen einzuschlagen. So bleibt es zwar ein atmosphärisches, spannendes Abenteuer, das aber auch aus jeder Pore vernehmen lässt, dass es mit den Kinofilmen in einer Reihe stehen will. Etwas mehr Mut zur Innovation hätte hier sicher nicht geschadet, auch weil die Kampf- und Erkundungsabschnitte nach einer Weile stets dasselbe in nur immer neuer Verpackung liefern. Nichts desto trotz macht das Spiel Laune und wird nicht nur Fans ein häufiges Schmunzeln abgewinnen.

Grimmige Geistergrafik

Der vormals so verpönte Comicstil sieht im Vergleich zum realistischen Look auf PS360 vor allem in Bewegung überraschend gut aus. Die Gesichter sind liebevoll nachmodelliert, sofort identifizierbar und verfügen außerdem über eine ausdrucksstarke Mimik – auch wenn ein paar Polygone mehr sicher niemandem weh getan hätten. Ein wenig erinnert die Optik an Star Wars: The Clone Wars, ohne allerdings deren hölzernheit zu übernehmen. Die Umgebungen werden zwar stellenweise mit matschigen Texturen geschmückt, können sich aber dennoch sehen lassen, die Effekte sind übertrieben bunt und schön knallig, an vielen Stellen lässt sich zudem die Spielwelt in Mitleidenschaft ziehen.

Ein Highlight ist allerdings die Akustik. Zwar sind die Hintergrundmelodien nicht unbedingt Ohrwürmer, doch das bekannte Ghostbusters-Thema, sowie die Originalstimmen versetzen den Spieler sofort zurück in die 80er. Zudem kommen die Soundeffekte, gerade in den Gefechten sehr hochwertig rüber und tragen insgesamt zu einer einwandfreien Atmosphäre bei.

Zu zweit auf die Jagd

Besonders schön und sinnvoll: Bei einer fünfköpfigen Heldentruppe haben die Entwickler mitgedacht und sich dazu entschieden, einen kooperativen Spielmodus einzubauen. Die komplette Solokampagne lässt sich somit auch zu zweit im Splitscreen spielen. Das macht zusammen mit einem Freund richtig Laune, lässt in den hektischen Kämpfen allerdings auch schon mal etwas Übersicht vermissen. Um die kurze Kampagnenzeit zu verschmerzen, taugt der Modus aber allemal.

Fazit

Who you gonna call… Ghostbusters. Wer wie ich damals die Filme geliebt hat, der wird auch heute noch Spaß an Ghostbusters: The Video Game haben. Eigentlich unverständlich, warum es so lange gedauert hat, bis etwas Neues von den Geisterjägern zu sehen war, doch dafür kommt das Spiel gleichzeitig als Fortsetzung, sowie auch als Best-of daher. Die Reminiszenzen an die Filme sind offensichtlich und hier und da hätte dem Spiel auch etwas Loslösung von seinen Vorbildern zu mehr Eigenständigkeit verholfen – ebenso wie es auch dem Gameplay auf Dauer an Abwechslung fehlt. Nichts desto trotz ist Ghostbusters: The Video Game kurz, spannend, spaßig und manchmal auch ein kleines bisschen gruselig. Und genau das waren die Filme schließlich auch.

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