Testbericht: EA Playground

Electronic Arts bringt mit EA Playground eine Art Spielplatz-Olympiade auf die Wii-Konsole. In diversen Minispielen gilt es, am Ende der Schulhof-König zu werden. Ob dieses Unterfangen zu fesseln vermag oder nicht, dass lest ihr in unserem Testbericht.

Mit EA Playground soll laut Verpackung eine Reise in die Kindheit möglich sein, um Spiele längst vergangener Tage aufleben zu lassen. Gut, Spiele wie Tetherball wird man als Kind zum einen nicht richtig aussprechen können, aber hat man vermutlich auch nie gespielt. Die Entwickler waren hier nämlich selbst sehr kreativ und haben einen Großteil der Spiele, zumindest teilweise, selbst kreiert. Aber das ist nicht weiter tragisch, im Gegenteil. Hierdurch wirken die Spiele ein wenig spektakulärer und eigenen sich somit besonders gut für die Wii. Aber wie genau welches Spiel funktioniert schauen wir uns später an.

Gleich zu Beginn des Spiels wählt man zunächst ein virtuelles Ich aus einer Reihe unterschiedlicher Kinder aus. Diese Auswahl hat allerdings keinerlei Auswirkung auf die Durchführung der Spiele. Hat man einen passenden Knirps gefunden klingelt auch schon die Schulglocke und man befindet sich auf dem Schulhof wieder, auf dem sich direkt der aktuelle Spielplatz-Champ vorstellt. Um gegen ihn antreten zu können ist es jedoch erforderlich, erst einmal sämtliche Herausforderungen der anderen Kinder zu meistern. So heißt es also zunächst Kinder finden, gegen die man antreten kann. Diese werden durch Symbole über den Köpfen markiert und bei den ersten Spielen freut man sich wirklich über eine vermeintliche Vielfalt an Minigames. So stehen im ersten Abschnitt, also dem Schulhof, bereits die Spiele Kicks, Autorennen, Tetherball und Papierflieger zur Auswahl. Schlägt man das entsprechende Kind in der von ihm betreuten Disziplin, so darf man sich als Belohnung einen Sticker aussuchen und in ein Album einkleben. Nach den ersten Erfolgen öffnet sich dann bereits das Tor zum nächsten Abschnitt, dem Spielplatz. Genau hier erlebt man als Spieler auch schon die erste Enttäuschung, den bedauerlicher Weise muss man feststellen, dass man bereits fast alle Spielarten gesehen hat. In den einzelnen Abschnitten stehen nämlich lediglich schwerere Gegner bereit, die Disziplinen unterscheiden sich aber nur im Detail.

Die Spiele

Insgesamt wartet EA Playground mit sieben Minispielen auf. Pro Abschnitt stehen sämtliche dieser Spiele zur Auswahl, jedoch sind die Kinder schwerer zu bezwingen und bei Spielen wie Autorennen werden zumindest die Strecken variiert.

Völkerball
Hier stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, das Spielfeld wird in zwei Hälften unterteilt, wobei jedes Team eine feste Hälfte hat und die gegnerische nicht betreten darf. Im Spiel befinden sich mehrere Softbälle, mit welchen ein gegnerischer Spieler abgeworfen werden muss. War dies erfolgreich, so muss das getroffene Kind das Spielfeld verlassen. Am Ende verliert das Team, welches keinen Spieler mehr auf dem Spielfeld vorweisen kann.
Die Steuerung ist recht simpel. Bewegt wird der Spieler per digitalem Steuerkreuz und geworfen wird der Ball mit einem Schwung der Remote nach unten. Ist man nicht in Ballbesitz, so lässt sich vor gegnerischen Bällen ausweichen, indem man die Remote nach rechts oder links schlägt. Auch ist es möglich, mit dem richtigen Timing per B-Knopf einen Ball zu fangen. Möchte man seinem Gegenüber einen Wurf vortäuschen, so wird beim Wurf einfach das Steuerkreuz nach unten gedrückt.

Kicks
Kicks ist eine Mischung aus Fußball und Volleyball. Gespielt wird im zwei gegen zwei, das Spielfeld beinhaltet ein Netz in der Mitte und in jeder Hälfte wurde ein Tor platziert. Der Ball wird hier per Fuß gespielt und muss um einen Punkt zu erzielen ins gegnerische Tor befördert werden. Hohe Sprünge und spektakuläre Schüsse sind hier an der Tagesordnung, wenn auch nicht ganz realistisch.
Die Steuerung beschränkt sich hier auf die Ballkontrolle, der Spieler selber kann nicht bewegt werden. Gepasst wird per B-Knopf, der Spieler mit A gewechselt und ein Schuss wird per Schwungbewegung der Remote in Richtung gegnerisches Tor abgegeben. Steuert man den Torwart, so lässt sich mit seitlichen Remote-Bewegungen eine Ballabwehr durchgeführt. Ebenso wie beim Völkerball kann auch hier ein Schuss angetäuscht werden, indem man B drückt und gleichzeitig einen Schwung ausführt.

Autorennen
Ein Art riesige Carrera-Bahn wartet hier befahren zu werden. Ziel ist es natürlich als erster die Ziellinie zu überqueren.
Beschleunigt wird per A-Knopf, die Spur mit Neigung nach rechts oder links entsprechend gewechselt. Die Items können per B verwendet werden und ein schnelles Doppeldrücken von A löst den Turboschub aus. Allerdings sollte mit diesem gewissenhaft umgegangen werden, denn eine Batterieanzeige gibt Auskunft über die übrige Turboladung.

Tetherball
In diesem Spiel gilt es darum, einen an einer Stange mit einem Seil befestigten Ball im Uhrzeigersinn zu schlagen – ein gegnerischer Spieler versucht genau das Gleiche. Wer also die Umwicklung zu seinen Gunsten erzielt, der gewinnt. Hier kommt es vor allem auf das richtige Timing und auf Ausdauer an.
Die Steuerung beschränkt sich vorwiegend auf das Schlagen der Remote, dabei kann per A- und B-Knopf die Ballhöhe variiert werden um den Gegner aus dem Rhythmus zu bringen.

Papierflieger
Hier gilt es einen aus Papier gefalteten Flieger sicher ins Ziel zu steuern. Unterwegs können Zeitboni eingesammelt und mit Ventilatoren an Geschwindigkeit gewonnen werden.
Die Steuerung ist hier sehr einfach. Die Remote wird wie ein Flieger gehalten. Mit einem Stoß nach vorne startet das Papierflugzeug, mit Neigungen wird dieses gelenkt und weiteren Stößen können Turboschübe ausgelöst werden.

Wandball
Dieses Spiel ist wohl am ehesten mit Squash zu vergleichen. Zwei Spieler spielen abwechselnd einen Ball gegen eine Wand. Allerdings wird hier lediglich mit der Hand der Ball befördert und kein Schläger wie beim Squash eingesetzt. Ziel ist es, den Ball so an die Wand zu schmettern, dass der Gegenspieler diesen nicht mehr erreichen kann.
Der Ball wird mit entsprechenden Remote-Gesten in Richtung Wand geschlagen. Möchte man einen Heber ansetzen, so drückt man beim Schlagen den B-Button. Um die ganze Geschichte etwas interessanter zu machen, gibt es Warp-Löcher an der Wand. Schlägt man den Ball in ein solches Loch, so fliegt das Spielgerät per Zufallsprinzip aus einem anderen Warp-Loch wieder in Richtung der Spieler. Auch sind einige Temposchübe zu treffen, sodass der Ball um ein Vielfaches beschleunigt wird und der Gegenspieler seine Probleme bekommen wird.

Dart
Die Königsdisziplin in EA Playground ist wohl das Dart-Spiel. Wer hier glaubt mit Pfeilen auf eine Zielscheibe schießen zu müssen, der liegt jedoch völlig daneben. Dieses Spiel ist eher eine Art First-Person-Shooter. Bewaffnet mit einer Schusswaffe, die Gummipfeile abfeuert, bewegt man sich über den Spielplatz oder andere Schauplätze. Die Laufwege allerdings können nicht beeinflusst werden – man hat es hier also eher mit einem Railshooter zu tun. Auf dem Spielfeld tauchen diverse Zielscheiben auf, welche mit lachenden und grimmigen Smileys bemalt wurden. Trifft man die lachenden Gesichter, so werden Punkte auf das Konto gutgeschrieben. Trifft man hingegen die offensichtlich schlecht gelaunten Gesichter, so verliert man Punkte. Zwischendurch tauchen dann aber Kinder auf, die ebenfalls bewaffnet sind. Mit ihren Schüssen wollen sie die Energieleiste des Spielers möglichst auf Null bringen. Hier ist die Verwendung des Schutzschildes Gold wert. Hat man sich lang genug im Spiel gehalten, so taucht ein Endgegner auf, also eines der Kinder. Dieses ist ebenfalls mit einer Energieleiste ausgestattet, die es zu verringern gilt.
Das Fadenkreuz der Waffe wird mit der Pointerfunktion der Remote gesteuert. Mit dem B-Knopf kann ein Schuss abgegeben werden. Allerdings sollte dabei auf die Munition geachtet werden. Ist diese nämlich aufgebraucht, so muss die Remote nach oben gezogen werden, um nachzuladen. Möchte man gegnerischen Geschossen ausweichen, so kann der A-Knopf betätigt werden. In der Zeit des Drückens hält der Spieler dann einen Schild vor sich, welcher mit der Pointerfunktion bewegt werden kann. Lässt man A wieder los, so erscheint auch wieder das Fadenkreuz.

Sammelwahn

Wie angesprochen wird man beim ersten Sieg gegen eines der Kinder mit einem Sticker belohnt. Neben diesen Stickern gibt es aber noch Murmeln, die überall auf dem Gelände verstreut wurden. Diese Murmeln können einfach eingesammelt werden. Praktischer Weise bietet der Champ einen Tauschbasar an, an dem man diese Murmeln gegen besondere Sticker tauschen kann. Mit diesen lassen sich nämlich Upgrades für die Minispiele kaufen, z.B. neue Papierflieger oder kraftvolleres Schlagen beim Tetherball, aber auch ein größeres Schutzschild für das Dartspiel. Diese Murmeln sind aber nicht nur frei einzusammeln. Jedes Kind, welches ein Spiel betreut, kann nämlich mehr als einmal herausgefordert werden. Allerdings stellen diese dann besondere Anforderungen an euch. Beim Autorennen beispielsweise gilt es dann einen Zeitrekord zu erfahren oder ein Rennen ohne Powerups zu gewinnen. Diese Extra-Herausforderungen bringen ebenfalls Murmeln ein. Pro Kind sind zwei bis drei dieser Zusatzspiele möglich. Um am Ende gegen den Champ anzutreten müssen alle(!) erfolgreich absolviert werden.
Aber es gibt noch weitere Möglichkeiten Murmeln zu verdienen. Es steht nämlich in jedem Bereich ein Basketballkorb. Schafft man das Werfen einer bestimmten Anzahl Körben in einer vorgegebenen Zeit, so gibt es weitere Murmeln. Dazu gesellt sich das Drippelspiel – hier muss vor allem das Timing stimmen. Der Basketball wird von deinem Kind gedribbelt und am obersten Punkt muss die Remote nach unten geschlagen werden. Schafft man hier eine bestimmte Anzahl erfolgreicher Dribblings hintereinander, so winken weitere Murmeln. Aber nicht nur mit dem Basketball lassen sich die bunten Kugeln verdienen. Ebenso kann auf Insektenjagd gegangen werden. Findet man den Kescher im Abschnitt, so läuft einer Counter ab in dessen Zeit man alle fliegenden Insekten des Bereiches sammeln muss. Dies geht ganz einfach mit seitlichen Schwungbewegungen der Remote.

Drückt man im Spiel den Minus-Knopf, so erhält man Einblick eine Art Zeugnis. Hier werden alle Spiele, alle Murmeln, alle Sticker etc. aufgelistet und wie viele davon bereits gewonnen bzw. gefunden wurden. Hat man endlich alle Herausforderungen gemeistert, so darf schlussendlich gegen den amtierenden Champion angetreten werden. Auch hier gibt es leider keinerlei neue Minigames zur Auswahl, sondern man muss in allen bereits bekannten Disziplinen gegen den Champ erfolgreich sein, um dann danach selbst den Königssticker zu erhalten.

Übrigens: wenn man sich vor ein Kind stellt und die Remote schwingt, so führt man ein „High Five“ („Gib mir Fünf“) aus. Um das genannte Zeugnis gänzlich zu vervollständigen, müssen alle Kinder „abgeklatscht“ werden. Diese High-Fives werden nämlich ebenfalls aufgelistet.

Grafik und Sound

EA Playground ist vor allem eins: ziemlich bunt. Das Spiel präsentiert sich in knalligen Farben und in einem Comiclook. Ziemlich kindgerecht aber letztendlich auch einfach passend zum Spielkonzept. Leider ist auch hier die Wii in Sachen Optik, wie ja leider kaum anders gewohnt, mal wieder völlig unterfordert. Insgesamt stört dies aber kaum, denn für eine Minispielsammlung geht das insgesamt wohl in Ordnung.

Soundtechnisch werden in EA Playground auch keine Bäume ausgerissen. Die Kinder geben hier und da einige Laute von sich, ähnlich wie die Sims jedoch in einer unverständlichen Sprache. Musikalisch bietet der Titel keine Highlights sonder kindliches Hintergrundgedudel.

Multiplayer

Selbstverständlich können alle Disziplinen im Hauptmenü auch für den Multiplayermodus ausgewählt werden. Hier können dann bis zu vier Spieler um die Spielplatzkrone spielen. Sicherlich ist dies eine sinnvolle Sache, zumal solche Minispiele ihren ganzen Reiz erst im Duell gegen menschliche Gegner entfalten. Dies ist auch bei EA Playground nicht anders. Aber ein großer Kritikpunkt ist hier der Umfang, denn dieser kann mit anderen Mini- oder Partyspielen kaum bis gar nicht mithalten. Hier hat man in Spielen wie Wario Ware oder Mario Party doch eine erheblich größere Auswahl an Games zur Verfügung.

Fazit

EA Playground ist ein schwieriger Fall für die Bewertung. Zum einen bietet diese Minispielsammlung zwar interessante und wirklich spaßige Games, jedoch ist der Umfang mit sieben Spielen einfach viel zu gering ausgefallen. Da täuschen auch die unterschiedlichen Variationen dieser nicht drüber hinweg. Trotzdem ist es sehr motivierend, das Zeugnis in allen Bereichen auf 100% zu bringen. Geübte Spieler werden jedoch maximal sechs Stunden für dieses Unterfangen benötigen. Danach wird man das Spiel wohl höchstens noch für den Multiplayerpart in die Wii einlegen. Aber immerhin sehr erfreulich, dass EA das Spiel nicht als Vollpreistitel auf den Markt bringt.

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