Testbericht: Die Sims 2: Haustiere

Electronic Arts bringt uns die Sims erstmals auf die Wii und sie kommen nicht alleine, denn sie haben ihre Tiere gleich mitgebracht. Wie sich der Ableger der erfolgreichen Serie auf Nintendos neuster Heimkonsole präsentiert, dass erfahrt ihr in unserem folgenden Testbericht.

Einstieg ins Sim-Leben

Zu Beginn hat man die Möglichkeit, entweder eine schon bestehende Familie zu spielen oder seine eigene Familie zu erstellen. Für das Letztere ist die erste Station des Spieles die Grundstücksverwaltung. Hier sucht man sich seine Familienmitglieder aus und kann sie nach eigenen Wünschen mit vielen kleinen Details verändern, wie Schmuck oder Fellzeichnung des Haustieres. Auch Charaktereigenschaften und Sternzeichen können bestimmt werden.

Als nächstes folgt die Wahl des Wohnortes und der Bau des Häuschens, wobei die Raumaufteilung, Boden- und Wandverkleidung wieder frei gewählt werden kann. In einem beschränkten Geldrahmen kann die Wohnung dann eingerichtet werden. Auch hier gibt es wieder sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten. So sehr es auch verführt, sollte man nicht alles auf einmal ausgeben, da es sonst nichts mehr zu Kauen gibt. Man muss allerdings an sehr viele Sachen denken – hat man ein Haustier, braucht man auch einen Futternapf und einen Schlafplatz. Will man seine Couch möglichst schonen, sollte man der Katze einen Kratzbaum kaufen.

Sims können sehr eigenwillig sein. Wenn die Beziehung am Anfang noch nicht aufgebaut ist, weigern sie sich in einem Bett zusammen zu schlafen. Also muss fürs Erste ein zweites Bett her.
Durch die Wünsche und Bedürfnisse der Sims bekommt man allerdings auch recht schnell heraus, welche Einrichtungsgegenstände notwendig sind.

Gestalte das Leben deiner Sims

Mit seinen Sims hat man immer viel zu tun, um Ihre Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Davon wird das gesamte Spiel bestimmt. Manchmal kann das ganz schön schwierig und anstrengend sein, wenn z.B. der Sim dringend auf die Toilette muss, es gleichzeitig an der Tür klingelt und das Telefon auch noch schellt. Schon steckt man in der Zwickmühle. Was soll man nun zuerst tun? Eine schwierige Entscheidung.

Es gibt acht Bedürfnisse, die immer im grünen Bereich sein sollten, damit der Sim keine schlechte Laune bekommt. Dazu gehören z.B. soziale Kontakte, Harndrang, Hunger oder Energie. Die Haustiere haben ebenfalls ähnliche Bedürfnisse, die es zu erfüllen gilt, damit sie nicht davon laufen oder umkippen, aber dazu später mehr.

Um den Hunger zu stillen müssen die Sims kochen. Dass will erst einmal erlernen sein, denn durch falsche Bedienung des Herdes kann auch schnell mal die Küche in Flammen stehen.
Bestimmte Zutaten müssen geerntet bzw. gefangen werden um die zahlreichen Rezepte kochen zu können.
Das Kochen gehört neben Mechanik, Charisma, Körper (Fitness), Logik, Kreativität und Hygiene zu den Fähigkeiten des Sims, die man durch entsprechende Aktivitäten und Erwerben bestimmter Einrichtungsgegenstände fördern kann. Die Hygiene ist z.B. wichtig um das Haus sauber zu halten. Wird nicht genug geputzt, hat man schnell grüne Wolken und Fliegen in der Bude. Um das Leben seiner Sims bequemer zu machen, können im Verlauf des Spieles beispielsweise Putzfrau oder Gärtner engagiert werden – dies spart Zeit und Nerven.

Für jeden Sim werden neben den Bedürfnissen ständig vier Wünsche angezeigt, die jedes Mal wechseln, sobald ein Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Wünsche können z.B. sein, eine Freundschaftsbeziehung aufzubauen, ein Bild zu malen oder gar eine Party zu geben.

Beziehungen zwischen den Sims untereinander und den Haustieren spielen ebenfalls eine große Rolle im Spiel. In einer Anzeige im Menü des Familienmitgliedes kann man über Punkte von 1-100 feststellen, wie die Sims zueinander stehen. Viele Freund- oder Kumpelbeziehungen zu haben ist sehr vorteilhaft. Allerdings müssen diese auch gepflegt werden. Wenn sich die Sims lange nicht sehen, werden Freundschaften auch mal gekündigt. Treffpunkt für viele Aktivitäten ist allerdings der Stadtpark. Wenn man gerade keinen anderen Sim zu sich einlädt oder eine Party gibt, baut man hier am besten seine Beziehungen auf. Unter anderem kann man im Park auch Snacks zu sich nehmen, Tierzubehör kaufen oder Schach und Fußball spielen. Gezahlt wird mit Tierpunkten, die man entweder verdienen oder am Automaten gegen Geld eintauschen kann.

Der Aufbau einer Karriere ist ebenfalls sehr wichtig, da sonst schnell das Geld ausgeht. Hierfür lohnt es sich regelmäßig die Zeitung zu studieren. Dort werden mehrere Jobs angeboten. Wenn du deinen Sim immer gut gelaunt zur Arbeit schickst folgen recht bald die ersten Beförderungen und mehr Geld fließt in die Kasse, mit dem du dann dein Haus verschönern kannst.

Haustiere

Die Haustiere spielen in diesem Teil der Sims-Reihe, wie der Name schon sagt, eine zentrale Rolle. Um die Wünsche der Sims alle zu erfüllen, führt kein Weg an der Anschaffung eines Tierchens vorbei.
Wenn das Tier erstmal da ist, muss es auch ordentlich gepflegt werden. Futter sollte ständig bereit stehen, ein regelmäßiger Besuch im Hunde-Waschsalon ist angebracht, ein Baum für kleinere Geschäfte will gepflanzt werden, diverses Spielzeug kann in einem Shop im Stadtpark erworben werden und durch viel Beschäftigung und Training kann man seinen Hund bzw. seine Katze bei Laune halten. Durch viel Training erlernt der Hund z.B. zahlreiche Tricks und Kommandos, die auch recht lustig anzuschauen sind. Natürlich kann so ein Tier auch viel Blödsinn machen, indem es die Couch zerkratzt, Löcher in den Rasen buddelt (die mühevoll wieder geschlossen werden müssen) oder ins Haus pinkelt. Bei sofortigem Ausschimpfen kann man dem allerdings entgegenwirken. Wenn man sein Tier stark vernachlässigt, kann es jedoch passieren, dass es wegläuft oder dass man es wiederbeleben muss.
Das Haustier hat Wünsche, wie auch der Sim, die man erfüllen kann, z.B. will jedes Tier irgendwann Nachwuchs produzieren. Wenn man dies zulässt, geht es hinter einem Vorhang erst richtig los im Hundehäuschen und kurz darauf ist der Welpe bzw. das Kätzchen auch schon da!

Wie man sieht, gibt es zahlreiche Dinge, die in Die Sims 2: Haustiere zu machen bzw. zu erledigen sind. Teilweise handelt es sich dabei um absolut notwendige Sachen, teilweise aber auch einfach nur um reinen Zeitvertreib. Neben Schlafen, Arbeiten, Essen, Aufräumen, Waschen, Tier verpflegen usw. können also einigen möglichen Sim-Hobbys nachgegangen werden, wie Malen, Gitarre spielen, Schach und Lesen, um nur einige zu nennen und das verdiente Geld will natürlich auch noch ausgegeben werden. So kann ein Sim-Tag ganz schön stressig werden und ein richtiges Ende gibt es nicht – es darf so lange gespielt werden, wie man lustig ist.

Die Steuerung

Im allgemeinen Spielablauf lässt sich mit dem Analogstick die Kamera bewegen. Bei gedrücktem Z-Knopf kann dann per Stick gezoomt werden. Tippt man den B-Knopf kurz an, wird die Kamera auf den aktuell gewählten Sim zentriert.
Der A-Knopf dient sozusagen als Hauptknopf, d.h. hiermit können Objekte ausgewählt, Aktionen durchgeführt werden und im Menü werden sämtliche Bestätigungen gemacht. Die Wii-Remote selbst dient im Spiel als Pointer, sodass man mit den Bewegungen den Cursor entsprechend auf dem Bildschirm bewegen kann.
Drückt man den C- und den Minus-Knopf gleichzeitig, kann das Spiel pausiert werden. Drückt man anschließend C und Plus, so wird quasi vor gespult, sodass man bei einigen Aktionen nicht lange warten muss.
Wird der B-Knopf länger gedrückt, kann zwischen den aktuell spielbaren Sims hin und her geschaltet werden. Mit dem digitalen Steuerkreuz kann man sich die aktuellen Beziehungs-, Bedürfnis- und Wunschlisten anschauen.
Möchte man dem Sim nicht per Pointer vorgeben, wohin er zu gehen hat, lässt sich mit dem Eins-Knopf in die direkte Steuerung wechseln. Somit kann der Sim per Analogstick frei bewegt werden. Mit dem A-Knopf können dann wie gewohnt die Aktionen und Objekte ausgewählt werden.
Insgesamt ist die Steuerung recht komplex und bedarf einiger Übung, bis man sie vollkommen verinnerlicht hat.

Optik und Klangkulisse

Grafisch bewegt sich Die Sims 2: Haustiere mal wieder auf recht niedrigem Niveau. Im Grunde handelt es sich um eine Art Portierung eines Sim-Spiels für Konsolen der letzten Generation. Die Texturen wirken oft sehr verschwommen und viele Details sind nicht auszumachen. Ein wenig mehr hätte es schon sein dürfen.

Die Soundeffekte im Spiel sind in Ordnung und können im Grunde nicht großartig bemängelt werden. Die Tierlaute z.B. wirken recht authentisch und auch andere Sounds wie das Telefonklingeln oder der Radiowecker etc. sind allesamt gelungen.
Die Sims sprechen übrigens alle irgendein unverständliches Kauderwelsch. Großes Manko hierbei jedoch: es gibt lediglich eine weibliche und eine männliche Stimme für sämtliche Sims im Spiel. Man weiß also nie, wer im Moment spricht, wenn man nicht gerade mit der Kamera die Konversationen genau verfolgt.
Die Musik beschränkt sich auf eine handvoll Stücke, die zudem eher wie ein paar mäßige Midi-Tunes wirken. Hier wäre ein wenig mehr Abwechslung ebenfalls willkommen gewesen.

Der Fehler liegt im Detail

Leider sind uns im Verlauf des Spiels viele Unschönheiten und teilweise schwerwiegende Fehler aufgefallen, die wir euch nicht vorenthalten möchten, zumal unsere Bewertung maßgeblich davon beeinflusst wurde. Bis hierhin liest sich der Testbericht sicherlich ganz ordentlich und anhand dessen würden wir dem Titel durchaus eine 7er Bewertung verleihen. Die folgenden Mängel haben uns jedoch dazu gezwungen, die Note deutlich nach unten zu schrauben.

Fangen wir erstmal mit einigen kleineren Dingen an. Da wären ein paar Animationsfehler der Tiere. Legt sich ein Hund z.B. ins Häuschen, ist er urplötzlich für eine Sekunde im Häuschen drin, dann wieder davor und erst jetzt läuft die Animation ab, in der das Tier ins Häuschen hinein geht. Genauso verhält es sich mit Tieren, die auf ein Sofa oder eine Bank steigen – sie sind kurzzeitig bereits drauf und dann wieder unten und steigen dann erst animiert auf. Würde man die komplette Sequenz in Einzelbilder zerlegen könnte man meinen, hier sei das letzte Bild der Animation an zweite Stelle verrutscht.
Aber nicht nur bei den Tieren gibt es solche optischen Fehler, auch die Sims selber verlernen teilweise urplötzlich das Gehen und schweben gespenstisch über den Boden zu ihrem Zielpunkt. Hier setzt einfach die Geh-Animation aus. Einige Sims scheinen auch weitere besondere übermenschliche Kräfte zu besitzen. „Diese Wand ist im Weg? Dann geh ich doch einfach hindurch!“, scheint sich manch ein Sim zu denken. Andere hingegen sind im Vergleich dazu so unterbelichtet, dass sie an einer Wand einfach hängenbleiben und die aktuelle Aktion dadurch abbrechen. Besonders ärgerlich, wenn der Sim gerade eine Rechnung in der Hand hält, die eigentlich bezahlt werden müsste. Diese wird nämlich dann auf den Boden gelegt und kann danach nicht mehr ausgewählt werden, da das Menü dazu nur noch gefühlte 3 Millisekunden nach Auswahl zu sehen ist. Danach folgen dann diverse Mahnungen bis irgendwann sogar der Gerichtsvollzieher auftaucht. Dabei würde man ja gerne bezahlen, aber es ist halt nicht möglich.
Auch wer glaubt nur die Sims finden die Türe nicht, um einen Raum zu betreten, der irrt. Selbstverständlich können die Tiere das auch! Ja und wenn dabei das Futter nicht mehr erreicht werden kann, obwohl offensichtlich nichts im Wege steht, dann wird das Tierchen bald umfallen vor Hunger.

Kommen wir nun zu den Fehlern, die das Spiel im Grunde unspielbar machen. Es gibt zwar noch einige weitere Fehler, aber diese sind nicht so bedeutungsvoll wie z.B. das unerklärliche Phänomen, dass von einem auf den anderen Moment die Beziehung innerhalb einer Simsfamilie auf 0 gesetzt wird, obwohl sie bereits bei 90 oder mehr war.
Auch unerklärlich ist die plötzliche Rückkehr eines sich eigentlich auf der Arbeit befindenden Sims. Besucht man nämlich mit dem nicht-arbeitenden Sim den Stadtpark kurz nach Abfahrt des Partners zur, oder kurz vor Rückkehr von der Arbeit, befindet sich dieser in Arbeitskleidung wieder im Haus und erhält prompt eine Abmahnung des Arbeitgebers.

Neben diesen teilweise schweren Fehlern im Spiel gibt es auch noch weitere technische Probleme, die unsere Wii zu diversen Abstürzen brachten. Aber nicht nur das, auch gab es schon an Stellen des Spiels solch immense Slowdowns, dass ein Weiterspielen unmöglich war. Das gesamte Geschehen, auch die Bedienung der Menüs, lief in extremer Zeitlupe ab. Selbst bei Reset der Konsole war der Spielstand nach dem Laden in gleichem Zustand wie zuvor. Und zu guter Letzt gab es dann noch den Fall, dass das Spiel einfach still stand, wie eingefroren. Hier half allerdings ein Neustart des Spiels.

Fazit

Was hat sich Electronic Arts wohl bei der Wii-Version von Die Sims 2: Haustiere gedacht? Es scheint mir so, als hätte man hier einfach eine frühe Entwicklungsversion des Titels auf den Markt geworfen, weil der Zeitplan vielleicht zu kurz war, um eine Fertigstellung und anschließende Qualitätssicherung durchführen zu können. Im Grunde genommen ist es eine regelrechte Frechheit, dem Spieler über 50 Euro für einen unspielbaren Titel abnehmen zu wollen. Hinzukommt, dass die auf der Verpackung angepriesene exklusive Wii-Steuerung beim Spielen mit den Haustieren überhaupt nicht im Spiel zu finden ist.
Der einzige positive Punkt ist, dass das Spiel trotz allem seinen fesselnden ursprünglichen Charakter nicht verloren hat. Leider wird der Spielspaß aber durch die oben erwähnten Schwierigkeiten erheblich gebremst und sorgt für einige frustrierende Momente.
Ich kann nur noch hoffen, dass wenigstens mit dem baldigen MySims eine Art Wiedergutmachung für die Sims-Fans auf der Wii folgen wird.

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