Testbericht: Die Sims 2: Gestrandet

In der Survival-Simulation von Electronic Arts aus der Sims 2-Reihe seid ihr Besitzer eines kleinen Segelbootes namens Simplicity, welches mit euch an Bord einem schlimmen Unwetter zum Opfer fällt. Alleine wacht ihr auf einer einsamen Insel auf und müsst euer Überleben sichern. Wir haben uns für euch durch den Dschungel geschlagen und berichten hiervon in unserem Test.

Seid ihr reif für die Insel?

Wie beim Start eines jeden Sim-Spiels üblich, muss auch in Die Sims 2 – Gestrandet erst einmal die Spielfigur kreiert werden, wobei hier sogar eine komplette Crew, bestehend aus maximal sechs Mitgliedern, erstellt und auf den Survival-Trip geschickt werden kann.
Bei der Gestaltung der Sims kann wie gewohnt Geschlecht, Aussehen, Beruf und Persönlichkeit aus vielen vorgegebenen Möglichkeiten ausgewählt werden. Vor allem der Beruf der Schiffbrüchigen kann den Spielverlauf anfangs stark beeinflussen, denn es ist schon erleichternd, einen Koch oder einen Mechaniker dabei zu haben. Jeder Beruf hat etwas Nützliches, wobei jeder Sim natürlich auch alles erlernen kann.
Nachdem alle Mitglieder gewählt und mit Namen versehen wurden, startet auch schon der Ausflug. Ein Intro zeigt die feiernden Sims auf dem Schiff und wie das Unwetter aufzieht. Eh man sich versieht wacht der als Hauptfigur gewählte Sim auch schon alleine auf einer einsamen Insel auf. Ob diese aber wirklich so einsam ist, wird sich im Verlaufe des Spiels noch zeigen.
Eine kleine Einführung inklusive Erklärung der Bedürfnisse des Sims hilft euch bei den ersten Schritten. Wer schon Die Sims 2: Haustiere gespielt hat, wird mit den Symbolen auf dem Bildschirm bereits vertraut sein, da sich jedenfalls an dieser Stelle nichts verändert hat.

Der Kampf ums nackte Überleben

Von einem wirklichen Kampf kann allerdings zu keiner Zeit ernsthaft die Rede sein, denn es gibt Essbares im Überfluss, welches bloß aufgesammelt oder gepflückt werden muss. Auch alle anderen Materialien sind reichlich verfügbar.
Nebenbei findet man auch ein geheimnisvolles Buch, welches wohl vorher gestrandete Sims für ihre Nachfolger hinterlassen haben. Es trägt den Titel „Geldhais großes Überlebenshandbuch“ und gibt die ersten Ziele vor, was natürlich den Ehrgeiz hervorruft, diese auch abzuarbeiten. Im Verlauf des Spiels wird man auf weitere Bücher mit neuen Zielen stoßen, wobei sich die Aufgaben immer anspruchsvoller gestalten. Einige Ziele können durch Finden eines bestimmten Ortes oder das Bauen eines Möbelstückes erledigt werden, andere sind aber auch einfacher zu erreichen. Hierzu zählt auch die erste vorgegebene Aufgabe, welche darin besteht eine Feuerstelle zu errichten. Treibholz hierfür liegt zu genüge am Strand. Die Feuerstelle ist übrigens ein zentraler Ort und immer der erste Schritt um ein Zuhause zu errichten. Durch den Bau eines Heimtikis kann der Sim sein Zuhause festlegen, wobei er oder sie jedes mal einen kleinen Freudentanz aufführt. Es können allerdings auch mehrere alternative Heime angelegt und durch das Heimtiki aktiviert werden.
Euer Sim sollte außerdem schnell das Kochen erlernen, da das Essen von rohem Obst nur sehr wenig zur Hungerbefriedigung beiträgt.
Es ist möglich, fast alles was in der Landschaft wächst und auf dem Boden herumliegt zu ernten und zu sammeln. Allerdings müssen manchmal neu entdeckte Pflanzen vorerst durch genaues Untersuchen und Probieren identifiziert werden, was dem Sim schon mal auf den Magen schlagen kann. Trotzdem sollte man dies auch fleißig erledigen, da sich so die Fähigkeiten des Sims verbessern lassen. Hierzu aber später noch mehr.

Im Menü könnt ihr die bereits vorhandenen Pläne und Ideen auswählen um alles mögliche herzustellen, vorausgesetzt alle erforderlichen Rohstoffe, Gegebenheiten und Fähigkeiten sind vorhanden. Eine wichtige Gegebenheit kann z.B. eine Werkbank, ein Erdspalt oder ein Pier sein.
Die Werkbank ist eine sehr wichtige Einrichtung, da hier alle Werkzeuge, Kleidung oder anderes nützliches Zubehör wie beispielsweise Seile hergestellt werden dürfen.

Der erste zu erkundende Weg führt in den tiefen Dschungel. Hier lernt der Sim neben vielen neuen Pflanzen und tropischen Nahrungsmitteln seine neuen Freunde und Wegbegleiter, verkörpert durch Schimpansen, kennen. Sie sind wichtig für das soziale Befinden, vor allem, wenn der Schiffbrüchige alleine unterwegs ist. Mit den haarigen Primaten können die Sims richtige Beziehungen eingehen und ihnen sogar Namen geben. Außerdem können sie beim Sammeln von Rohstoffen sehr hilfreich sein.
Falls ihr eine Crew aus mehreren Sims erstellt habt ist es möglich, diese irgendwo auf den Inseln wieder zu finden. Wenn das klappt, ist ein vorgegebenes Ziel, sich wieder mit ihnen anfreunden. Erst dann ist es möglich ein Crewmitglied zu bitten in den Stamm einzutreten und ihn ebenso wie die Hauptfigur zu steuern. Innerhalb des Stammes ist es sinnvoll Jobs zu verteilt um das Zusammenleben besser zu organisieren.
Insgesamt gibt es drei Inseln zu erkunden, welche sich mit einem vorher gebautem Floß oder Kanu erreichen lassen. Hier können auch die ein oder anderen Rätsel gelöst und so manche Überraschungen enthüllt werden.
Das Leben auf den Inseln hinterlässt natürlich auch deutliche Spuren an den Verschollenen.
Durch die Erkundung des Dschungels und des manchmal auch sehr unwegsamen Geländes leiden die Kleider der Sims sehr. Auch wenn es regnet, kann die Kleidung weiter kaputt gehen. Entweder kann an der Werkbank neue Kleidung aus bestimmten Rohstoffen geschneidert werden, oder es kommt des Öfteren vor, dass Kisten an den Strand gespült werden, welche oftmals Kleidung enthalten.
Ein witziger Effekt ist ebenfalls, dass die Haare der Figuren immer länger werden. Vor allem die männlichen Sims, die ja neben der Kopfbehaarung auch noch mit Bartwuchs zu kämpfen haben, sehen nach einiger Zeit aus wie Yetis. Gott sei dank kann das jederzeit während des Spiels im Umkleide-Modus wieder behoben werden.

Bedürfnisse und Fähigkeiten

Die altbekannten Bedürfnisse lassen sich, wie bereits erwähnt, in diesem Teil der Sims 2-Reihe auch wieder finden. Am linken Bildschirmrand erscheint die Bedürfnisleiste, wann immer die Remote auf den Bildschirm gerichtet ist.
Hierbei gilt es den Hunger, den Harndrang, die Energie, die sozialen Kontakte, die Hygiene, den Spaß, den Komfort und die Wohnlichkeit, welche durch kleine Balken angezeigt werden, möglichst im grünen Bereich zu halten. Um den Harndrang befriedigen zu können schleppt der Sim stets eine endlose Klopapierrolle und einen schon aus anderen Teilen bekannten Sichtschutz mit sich herum.
Sind ein oder mehrere Balken rot, ist der eigenwillige Sim unzufrieden und kann auch ab und an bockig reagieren. Die Laune der Spielfigur lässt sich auf eine gesonderten Leiste unter den Bedürfnissen ablesen. Auch hier gilt: Je grüner, desto besser.

Die Fähigkeiten des Sims werden im Menü unter den persönlichen Daten dargestellt. Es gilt sechs Fähigkeiten zu fördern und zu trainieren.
Kochen lernt der Sim natürlich durch das Herstellen von Mahlzeiten, die Mechanik-Kenntnisse werden durch das Bauen von Werkzeugen und Hütten erlangt, Charisma bekommt die Spielfigur durch das Aufbauen von Freundschaften mit Sims oder Tieren, der Körper wird z.B. durch das Klettern auf Bäume gestärkt, Logik wird unter anderem durch Schachspielen gefördert und die Kreativität wächst durch Musizieren oder Entwerfen von Kleidung. Die Fähigkeiten können oft Voraussetzung dafür sein, einen bestimmten Gegenstand zu erstellen oder einen neuen Weg zu passieren.
Insgesamt ist der Spieler mit der Erfüllung der Ziele und der Bedürfnisse, sowie mit dem Trainieren der Fähigkeiten sehr gut beschäftigt.

Steuerung

Die neue direkte Steuerung ist leider weniger gut gelungen. Der automatische Modus, in dem der Sim sich alleine bewegt und nur Befehle gegeben werden müssen, ist komplett weggefallen. Vielleicht wäre das bei diesem Spielkonzept auch nicht umsetzbar.
Mit dem Controlstick wird der Sim durch die Landschaft bewegt. Um die Kamera zu schwenken muss nun das Steuerkreuz nach links oder rechts gedrückt werden. Da diese Funktion sehr oft gebraucht wird ist diese Lösung wegen der schlechten Erreichbarkeit des Kreuzes etwas unglücklich. Zuvor bei Haustiere konnte man durch zusätzliches Drücken des Z-Knopfes den Controlstick hierfür nutzen, was sich als viel bequemer darstellte.
Anwählbare Gegenstände werden durch einen Kreis gekennzeichnet und ein Aktionsmenü erscheint. Sind mehrere Aktionen möglich können diese durch Neigen des Nunchuks durchgeblättert werden, was leider auf Grund der Ungenauigkeit nicht wirklich gut klappt. Schlussendlich können die Interaktionen dann mit dem A-Button bestätigt werden. Hier treten allerdings wiederum Schwierigkeiten auf, denn wenn die Figur nicht genau vor dem angewählten Gegenstand platziert ist, verweigert sie die Aktion, was auf die Dauer sehr nervig ist. Durch das Drücken des B-Knopfes können alle Aktionen wieder abgebrochen werden.
Neu ist hier, dass die Bedürfnisleiste verschwindet, wenn die Remote nicht auf den Bildschirm gerichtet ist, sodass ein größeres Blickfeld ermöglicht wird.
Im Baumodus ist die Steuerung auch etwas gewöhnungsbedürftig. Objekte, welche vorher mit dem Steuerkreuz gedreht wurden, werden nun mit dem Z-Knopf in die richtige Richtung gerückt. Das Nehmen und Platzieren von Objekten erfolgt einfach über den A-Button, in die Vogelperspektive kann mit dem C-Knopf umgeschaltet, mit dem 1-Knopf können einzelne Objekte gelöscht und mit dem B-Knopf kann wie gewöhnlich wieder alles gelöscht werden. Eine wie ich finde sehr wichtige Funktion im Spiel ist die Vorspul-Funktion, welche durch den C-Knopf aktiviert wird.
Schade ist vor allen Dingen auch, dass der Sim oftmals an Gegenständen hängen bleibt und dadurch den Spielfluss erheblich gestört wird.
Insgesamt tut sich die Steuerung leider sehr schwer, da hier einfach zu viele Ungenauigkeiten zum Vorschein kommen.

Grafik und Sound

Bereits der Haustiere-Teil für die Wii musste einige Kritik in Sachen Grafik einstecken. Wer nun hofft, dass Gestrandet hier eine Besserung mitbringt, der muss leider enttäuscht werden. Ganz im Gegenteil, denn insgesamt wirkt die Optik nochmal einen ganzen Tick schlechter, was doch sehr verwunderlich ist. Auch die Landschaft ist doch teils eher öde gestaltet und vermag nicht immer zu überzeugen. Hinzu gesellen sich diverse Clipping-Fehler und falsche Schattenwürfe.

In punkto Sound bewegt sich der Titel auf gleichem Niveau wie der Wii-Vorgänger. Das typische Sims-Gebrabbel ist zu hören, die Umgebungsgeräusche sind passend. Musikalisch findet man die bekannten Sims-Tunes wieder, jedoch mit angepasstem Dschungelbeat und entsprechenden Instrumenten. Eine insgesamt solide Arbeit der Sounddesigner.

Fazit

Ich hatte mir eigentlich erhofft, dass im aktuellen Sims-Teil die Bedürfnisse vielleicht etwas besser zu erfüllen sind als in Die Sims 2: Haustiere. Die Geschäftverrichtung dauert zwar nun nicht mehr ganz so lange, dafür sind die sozialen Kontakte sehr schwer aufzubauen, da man dafür scheinbar ewig die Affen unterhalten muss. Das geht nach einiger Zeit schon ganz schön auf die Nerven und stört doch sehr bei den weitaus spannenderen Spielmöglichkeiten, welche das Game bietet. Das Erkunden von neuen Gebieten ist schon sehr fesselnd, da man bei vielen Gebieten erst bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss um diese erkunden zu können. Zudem gibt es Rätsel zu lösen, die neue Wege und Überraschungen bereit halten.
Eher weniger gut gelungen ist die Grafik, welche vor allem durch unzählige Clipping-Fehler und wenig Details auffällt.
Die Sims 2: Gestrandet ist eine Mischung aus Simulation und Adventure und bringt somit frischen Wind in die Serie. Die technische schwache Umsetzung trübt den Spielspaß leider sehr. Wer auf Die Sims steht und zudem Survival-Shows und -Geschichten etwas abverlangen kann, der darf ruhig einen Blick riskieren. Alle anderen sollten en Titel zuvor lieber einmal anspielen.

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Packshot Die Sims 2: Gestrandet

Die Sims 2: Gestrandet

Release: 25.10.2007
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 1
USK: