Testbericht: Crash of the Titans

Ursprünglich sollte „Crash Bandicoot“ das Maskottchen von Sonys Playstation werden. Nachdem sich die durchgeknallte Beutelratte aber niemals etablieren konnte und nach dem Abschied der Crash-Erfinder „Naughty Dog“ wurden seine Abenteuer zu Multiplattform-Titeln. So kommt es, dass Crash nach seinen Ausflügen auf dem Gamecube nun auch auf Nintendos Wii wieder präsent ist. Ob er in „Crash of the Titans“ den Jump’n’Run-Thron erklimmen kann und was der Titel an Neuigkeiten bietet, haben wir für euch herausgefunden…

Die Titanen sind los!

Der Einstieg in Crash of the Titans könnte nicht klischeebeladener sein. Der altbekannte Fiesling Dr. Neo Cortex platzt in einen ruhigen Moment von Crash und seinen Freunden auf der Wumpa-Insel, als diese gerade damit beschäftigt sind Butter zu recyclen und führt wieder einmal nichts Gutes im Schilde. Es gelingt ihm Crashs Schwester Coco zu entführen und schon hat der Spieler die Aufgabe, diese zu retten. Dr. Cortex ist diesmal jedoch nicht alleine, sondern hat mit Hilfe der lebensspendenden Mojo-Magie nicht nur die Bewohner der Insel mutieren lassen, sondern auch diverse monströse Kreaturen erschaffen, die sich Crash in seinem Abenteuer in den Weg stellen. Im Hause Racidal Entertainment hat man sich einige Gedanken gemacht, um Crash of the Titans dabei von seinen Vorgängern abzuheben. Natürlich wurden die Grundelemente des Jump’n’Runs beibehalten und so ist es auch weiterhin zwingend notwendig, präzise Sprünge in den 3D-Umgebungen auszuführen und sich seiner Gegner zu entledigen. Die kleinen Opponenten sind dabei nach wenigen Schlägen seitens Crash bereits erledigt und hinterlassen eine Portion Mojo-Magie. Diese sollte gesammelt werden, bringt sie doch nicht nur Punkte für den Spieler, sondern ermöglicht auch diverse Upgrades und schaltet neue Fähigkeiten frei.

Komplett neu dagegen – und für den Titel namensgebend – ist die Tatsache, dass und wie sich Crash mit den größeren Monstern auseinanderzusetzen hat. In den einzelnen Levels tauchen auch immer wieder die riesigen Titanen wie die „Rattzapfen“, „Panzerfanten“ oder die „Skorparillas“ auf. Greift man diese mit normalen Attacken an, erblickt man eine grüne Sternenanzeige, die sich bei konstanten Treffern weiter auffüllt. Ist die Sternenanzeige voll, ist euer Gegner kurzzeitig benebelt und kann „gepatscht“ werden. Das bedeutet, dass sich Crash zusammen mit der schwebenden Maske „Aku Aku“ auf den Rücken des Titanen schwingt und fortan die Kontrolle über den Koloss übernimmt. Hierbei ergeben sich ganz neue Möglichkeiten und Crash darf die Fähigkeiten der Titanen zu seinem eigenen Vorteil nutzen. Die Titanen sind dabei in die beiden Kategorien „Nahkampf-Monster“ und „Geschossgegner“ unterteilt. Während man bei Erstgenannten vor allem mit starken Attacken der Klauen rechnen darf, die eine besonders hohe Zerstörungskraft besitzen, darf man auf dem Rücken der Geschossgegner mit deren Projektilen um sich ballern. Jeder Titan besitzt eine grüne Kraftleiste, die angibt, wie lange Crash den Titan kontrollieren kann. Werdet ihr zu oft getroffen, ist der Titan besiegt und Crash nach dessen Ableben wieder auf sich alleine gestellt. Ein violetter Specialbalken ermöglicht darüberhinaus jedem Mutanten eine Spezialattacke, welche über Gestiken der Wii-Mote ausgelöst wird. Der Specialbalken lädt sich dabei automatisch wieder auf, so dass die Attacken in regelmäßigen Abständen verwendet werden können. In bestimmten Situationen wird es notwendig, die „Nahrungskette“ zu erklimmen, indem man erst kleinere Titanen patscht und kontrolliert, um mit deren Angriffen wiederum größeren Titanen attackieren zu können.

Als eines der ersten Upgrades für Crash steht euch übrigens der so genannte „Luft-Grinder“ zur Verfügung. Dieser muss in der Luft ausgeführt werden, woraufhin sich Crash eine Art Surfboard unter die Pfoten schnallt und an den entsprechenden Stellen in rasendem Tempo über die Piste saust. Power Ups wie der „Mojo-Multiplikator“, die Kraft spendende „Wumpa-Frucht“ oder die ein Extraleben spendierende „Goldene Wumpa-Frucht“ untermauern den Jump’n’Run-Charakter des Spiels. Die weiteren Items sind eine „Freipatsch-Maske“, die Crash einen ordentlichen Geschwindigkeits- und Kraft-Boost verleiht sowie eine „Feder“, welche euch auf dem Board einen gehörigen Drift verleiht. Zudem verbirgt sich in jedem Levelabschnitt ein „Mojo-Raum“, in welchem diverse Aufgaben erfüllt werden müssen. Versteckte Voodoo-Puppen schalten weitere Extras wie Konzeptgrafikpakete für die einzelnen Episoden frei. Nach den erfolgreich absolvierten Levels erhält der Spieler eine Übersicht über seine erzielten Leistungen, wobei vor allem Wert auf die erzielten Comboangriffe und die vernichteten Überwachungskameras gelegt wird. Jede Episode lässt sich danach allerdings auf Wunsch noch einmal spielen, um weitere versteckte Extras finden oder nicht erledigte Aufgaben absolvieren zu können. Zudem lassen sich auf Wunsch der bisherige Spielfortschritt sowie die bereits freigeschalteten Upgrades von Crash anzeigen.

Die Idee hinter Crash of the Titans wirkt vor allem in den ersten Episoden des Games herrlich frisch und unverbraucht. Durch die Jump’n’Run-Elemente fühlt sich der Spieler schnell heimisch und wird dank etlicher Tutorials an Steinsäulen in die Steuerung des Titels eingeführt. Das Patschen der Titanen ist eine wunderbare Abwechslung zum Vermöbeln der kleineren Gegner und es macht vor allem zu Beginn unglaublich viel Spaß, mit den großen Kolossen im Schlepptau die kleinen Widersacher in den Levels mit oft nur einem einzigen Prankenhieb von der Bildfläche zu fegen. Auch die Vielfalt der Titanen scheint anfangs zu begeistern, wenn nach den ersten Nahkampf-Monstern bald auch die Geschossgegner einen Hauch von Shooter-Flair aufkommen lassen oder man sich mit einem zu einer Kugel zusammengerollten Tiger einen steilen Abhang herunter kullert. Die Fähigkeiten der Titanen werden dabei an einigen Stellen ebenfalls sinnvoll eingesetzt, wenn es Zielscheiben in der Ferne zu treffen oder riesige Steinwände zu zertrümmern gilt. Auch ein kurioser Coop-Modus für zwei Spieler wird geboten, welcher ebenfalls für Unterhaltung sorgt.

Leider fehlt Crash of the Titans aber der letzte Schliff, um das Game zu einem echten Toptitel werden zu lassen. Das Leveldesign entpuppt sich als insgesamt zu linear, um den Forscher- und Entdeckerdrang des Spielers zu wecken. Den größten Teil der Voodoo-Puppen sammelt man automatisch mit ein, ohne sich extra dafür an den unmöglichsten Stellen der Levels auf die Suche zu begeben. Abzweigungen und alternative Abkürzungen sind so gut wie nicht vorhanden, die Wege zum Ende der Episode sind strikt vorgegeben. Oftmals muss man auch einfach nur zu einer Arena im Level vordringen und dort dann unzählige Gegner plätten. Hier hätte etwas mehr Ideenreichtum nicht geschadet. Crashs Fähigkeiten, die neben Springen und Schlagen auch das Schweben, Surfen, Klettern und Hangeln erfordern, bringen zwar Abwechslung in das Spiel, heben sich aber kaum aus der Masse des Genres heraus. Zudem ist der Titel weder sonderlich umfang- noch abwechslungsreich. Geübte Spieler werden schon nach sechs bis sieben Stunden alle Episoden absolviert haben und wissen, dass neben Dr. Cortex noch ein weiterer Fiesling auf unsere Beutelratte wartet.

Crash-Kurs in Sachen Steuerung

Auch in Sachen Steuerung hat man bei Radical Entertainment eher einen konventionellen Weg eingeschlagen, was wohl in erster Linie daran liegen dürfte, dass Crash of the Titans ein Multiplattform-Titel ist. Dies muss allerdings nicht unbedingt schlecht sein, denn das Game steuert sich erfreulich unkompliziert. Mit dem Analogstick des Nunchuk wird Crash gesteuert, der A-Knopf dient dem Springen, wobei durch ein erneutes Drücken in der Luft ein Doppelsprung ausgeführt werden kann. Der B-Knopf dient für die Angriffe, mit Z werden starke Attacken aufgeladen und C dient zum Blocken. In der Luft wird mit einem Druck auf den C-Button der Luft-Grinder ausgelöst. Hat man einen Titan benebelt und möchte diesen kontrollieren, genügt es auf dem Steuerkreuz nach unten zu drücken. Dies ist ebenso der Fall, wenn man den kontrollierten Mutanten wieder verlassen möchte.

Die speziellen Fähigkeiten der Wii-Controller kommen dagegen nur relativ selten zum Einsatz. Auf dem Rücken der Geschossgegner darf man mit der Pointer-Funktion der Wii-Mote seine Gegner anvisieren und die Projektile abfeuern, bei anderen Titanen werden durch Gestiken der Wii-Mote wie das Hochreißen von Nunchuk und Wii-Mote die Spezialattacken ausgelöst. Nach einem Sprung kann Crash zudem die Fallgeschwindigkeit durch den so genannten „Wirbelschweber“ verringern, indem man die Wii-Mote entsprechend schüttelt. Als Alternative genügt hier aber auch ein konstantes Drücken des A-Buttons. Dank der einfach gehaltenen Steuerung ist diese schnell erlernt und kann intuitiv angewandt werden. Dass dabei die Eigenheiten der Wii-Mote nur bedingt zum Einsatz kommen, kann getrost verkraftet werden.

Solide Technik?

Gerade bei Multiplattform-Titeln gibt es in Sachen Technik meist viel Kritik zu äußern. Bei Crash of the Titans hält sich dies zum Glück in Grenzen. Das Game kann vor allem mit seinen detailliert modellierten Charakteren punkten, die gestochen scharfe und knallbunte Texturen aufweisen. Dies unterstreicht die Comic-Atmosphäre des Titels und hinterlässt einen positiven Eindruck. Die Levels selbst sind sehr stimmig gestaltet und beeindrucken teils mit einer opulenten Weitsicht. Leider wirken aber gerade manche Texturen aus dem Hintergrund etwas verwaschen und trüben so den optischen Eindruck leicht. Ebenfalls bemängelt werden müssen die seltenen, aber vorkommenden Slowdowns, wenn sich viele (vor allem große) Gegner auf dem Screen befinden. Dafür sind immerhin die Lichteffekte gelungen, die zwar ebenfalls nur selten zum Einsatz kommen, dann aber zu gefallen wissen. Die Zwischensequenzen wurden übrigens komplett in Spielgrafik gehalten und passen gut in das in sich sehr stimmige Gesamtbild. Kleiner Gag am Rande: Per Pointerfunktion lässt sich der Cursor in den Zwischensequenzen frei bewegen und in Gestalt eines Fingers, einer Brille, eines Schnauzbarts und dergleichen mehr den agierenden Charakteren vors Gesicht halten und damit Unfug treiben. Ein sinnfreies, aber amüsantes Feature.

Ebenso einen positiven Eindruck hat der Sound hinterlassen. Dabei sind es weniger die Musikstücke gewesen, die zwar meist beschwingt und fröhlich aus den Boxen schallen, sich aber im Laufe der gesamten Spielzeit eigentlich kaum als Ohrwurm entpuppen. Nein, in erster Linie überzeugt Crash of the Titans durch die gelungene Sprachausgabe und die Soundeffekte. Ein großes Lob gebührt den Entwicklern dabei vor allem für die zahlreichen Sprüche, die sie Crashs Gegner in den Mund gelegt haben. Mit fiependen Stimmen geäußerte Bemerkungen wie „Schnappt Euch das Bandicoot“ oder Beleidigungen wie „Blöd und haarig und…“ vor dem Angriff unterstreichen das leicht abgedrehte Flair des Games ebenso wie nach dem Ableben gekeuchte Sätze wie „Rächt mich!“, „Mein Körper… ist zerbrochen“ oder „Hilfe! ADAC!“ und zaubern dem Spieler ein Schmunzeln auf die Lippen. Auch die Soundeffekte wirken stimmungsvoll und passen zum Spielgeschehen.

Fazit

Im Falle von Crash of the Titans ist Radical Entertainment ein durchaus überzeugender Titel gelungen. Vor allem durch die tolle Idee der Titanen gewinnt Crashs neuer Ausflug in die Welt der Videospiele enorm an Spielwert und sorgt für frischen Wind im Bereich der Plattformer. Die altbekannten Elemente der Serie wurden zwar beibehalten und auch in Sachen Technik kann das Game größtenteils überzeugen, wobei hier vor allem die abwechslungsreiche und abgefahrene Sprachausgabe punkten kann. Auch die eher konventionelle Steuerung geht gut von der Hand. Dennoch gelingt Crash of the Titans der Sprung auf den Genre-Thron nur kurzzeitig. Denn leider bietet der Titel einen zu linearen Spielablauf und insgesamt einen zu geringen Umfang. Genre-Freunde sollten aber dennoch einen Blick riskieren, denn kurzfristig macht der Ausflug in die Welt der Titanen definitiv Laune. Bald jedoch wird Super Mario Galaxy sicherlich zeigen, wer der wahre König des Genres ist. Bis dahin darf sich Crash Bandicoot aber zumindest kurzzeitig damit rühmen, im besten Jump’n’Run für Nintendos Wii vertreten zu sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.