Testbericht: Bit.Trip Beat

Mit dem Retro-Spektakel „Bit.Trip Beat“ bringt der kleine Entwickler Gajin Games einen mehr als ungewöhnlichen Titel für Nintendos WiiWare-Service auf den Markt, welches auf dem simplen „Pong“-Prinzip basiert. Wir haben uns für euch die Wiimote geschnappt, sie zum Schläger umfunktioniert und uns auf den Retro-Trip begeben um euch davon zu berichten.

Ping Pong?

Retro-Spiele sind seit einiger Zeit richtig in Mode. Doch wenn man es genau nimmt, gab es früher auch schon das Aufleben lassen von klassischen Spielkonzepten mit neuen Umsetzungen. Tempest für den Atari Jaguar dürfte nur den wenigsten Zockern bekannt sein, war jedoch bereits ein Vertreter dieser Zunft. Später folgten mit Rez sowie Lumines weitere sehr auf Style getrimmte Spiele, die allesamt auf sehr simplen, klassischen Arcade-Konzepten basierten. Nun reiht sich mit Bit.Trip Beat ein weiteres Game in diese Riege ein. Das Grundkonzept haben sich die Entwickler dabei einem der simpelsten Spiele überhaupt entliehen: Pong.

Ihr steuert also ganz simpel ausgedrückt einen Balken am linken Bildschirmrand und müsst von rechts kommende Pixel abwehren. Doch weil damit sowohl der Testbericht als auch das Game selbst mehr als knapp ausgefallen wäre, versteckt sich hinter Bit.Trip Beat noch ein wenig mehr. Natürlich gibt das Gameplay an sich kaum mehr her – ihr haltet die Wiimote quer und steuert euren Balken, indem ihr sie nach vorne oder hinten entsprechend neigt – es ist vielmehr das überzeugende Gesamtpaket, welches Gajin Games da geschnürt hat. Die einzelnen Pixel fliegenden nämlich begleitet von einem mitreißenden Trance-Beat auf euch zu und passen genau zum Takt. Trefft ihr sie und schleudert sie zurück, komplettiert ihr somit das gehörte Musikstück. Geht euch ein Pixel flöten, fehlt eben auch der entsprechende Beat in der Mucke.

Mit bestimmten Challenges wie einem kurzzeitig verkleinerten Balken oder einem verdoppelten Balken, mit dem es dafür aber auch doppelt kommende Pixel zu erwischen gilt, wird das Spielprinzip ein wenig aufgelockert. Zu beachten sind auch die beiden Anzeigen am oberen sowie unteren Bildschirmrand. Während die obere Mega-Leiste quasi eure Punkte und Combos zählt, registriert die untere Nether-Leiste jeden verfehlten Pixel. Ist die Nether-Leiste voll, heißt es aufgepasst, denn nun verschwindet neben den Farben auch der Sound vollkommen aus dem Spiel. In schwarz und weiß dürft ihr zu piepsenden Klängen aus der Wiimote die Pixel treffen und steht kurz vor dem „Game Over“, sollten euch noch weitere Pixel durch die Lappen gehen. Wer dagegen fortan wieder konstante Treffer verbucht, kann bald schon wieder in die „normale Welt“ von Bit.Trip Beat zurück kehren.

Von den insgesamt drei Stages steht am Anfang lediglich „Transition“ zur Auswahl. Erst wenn ihr dessen 15-minütigen Pixel-Trip mitsamt Endboss überstanden habt, wird das zweite Level freigeschaltet. Auch die beiden anderen Endbosse haben es in der Tat in sich, aber dazu möchte ich an dieser Stelle nicht zuviel verraten. Wird man während der ersten Pixel noch langsam an das Spiel herangeführt und mit der verdammt präzise reagierenden Steuerung vertraut gemacht, hilft in den späteren Minuten oftmals nur ein genaues Kennen der anfliegenden Formationen. Teils prallen die Pixel nämlich wie ein Tennisball zurück und wollen gleich mehrfach zurück geschleudert werden, teils teilen sie sich und schlagen an unvorhergesehenen Stellen ein, andere dagegen flackern auf und sind nur schwer für das Auge zu erkennen. Bit.Trip Beat fordert den Spieler somit auf ganzer Linie und ist vor allem in den späteren Levels knüppelschwer – eine weitere Reminiszenz an die Arcade-Automaten der 80er Jahre.

Schade ist allerdings, dass man trotz Highscore-Liste auf Online-Leaderboards komplett verzichtet hat. Gerade bei einem Spiel wie Bit.Trip Beat, welches im Prinzip seine Motivation durch das Erreichen eines Highscores bezieht, ist das ein ziemlicher Faux-Pas, den man im bereits angekündigten Nachfolger hoffentlich ausmerzt. Wer übrigens nicht gerne alleine zur Wiimote greift, darf sich bis zu drei Freunde vor die Konsole holen und sich mit ihnen zusammen auf den Retro-Trip begeben. Der Mehrspieler-Modus wurde allerdings nicht im spartanisch gehaltenen Hauptmenü versteckt, sondern wird erst entdeckt, indem man im laufenden Spiel eine zweite, dritte oder eben auch vierte Wiimote anschaltet und sich sozusagen mit einklinkt. Da sich die Balken der einzelnen Spieler zwar farblich unterscheiden, sich aber mitunter freudig überlappen, geht so gerne mal die Übersicht flöten. Spaßig ist die Angelegenheit aber dennoch, vorausgesetzt man hat ein paar Kumpels zur Hand, die sich ebenfalls für die Retro-Welle begeistern können.

Auf dem Bit-Trip!

Mit aktuellen Maßstäben lässt sich die Technik von Bit.Trip Beat eigentlich kaum bemessen, denn wirklich viel raus geholt wird dabei aus der Wii nicht. Das soll aber auch nicht von Belang sein, denn es zählt hier vielmehr das Gesamtergebnis. Die Pixel in knallbunten Farben erinnern ein ums andere Mal an die 80er und passen vom Stil einfach perfekt zu dem Titel. Ab und zu wird es dabei fast sogar etwas zuviel auf dem Bildschirm. Spätestens wenn die Pixel an Geschwindigkeit zunehmen, flackern und dazu noch der Hintergrund aktiv wird, gehen einem im wahrsten Sinne des Wortes fast die Augen über. Dass man dabei nicht nur auf simple Pixel stößt, sondern im Background immer wieder 3D-Animationen wie wabernde Lava, einen sich drehenden DNS-Strang oder giftgrüne Pyramiden zu Gesicht bekommt, merkt man während des Spielens eigentlich kaum.

Doch ohne den Sound vom in der Szene bekannten Electro-DJ „Bit Shifter“ wäre Bit.Trip Beat nur der halbe Spaß. Die an NES-Zeiten erinnernden Beats passen perfekt in das Game und machen überhaupt erst dessen Reiz aus. Vor allem das etwas flottere „Descent“ hat es mir persönlich dabei angetan. Es ist einfach die Kombination aus der mit unglaublich viel Stil versehen Optik sowie den Retro-Beats, die Bit.Trip Beat zu einem Erlebnis machen. Sounds aus der Wiimote, die Rumble-Feature im Takt der geschlagenen Pixel – einfach alles passt. Technisch ist das alles zwar keine Glanzleistung, aber das soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Fazit

Ein Trip der etwas anderen Art und erneut ein mehr als ungewöhnliches Konzept auf WiiWare: Bit.Trip Beat fesselt mit seinem simplen, aber süchtig machenden Gameplay und einer in sich absolut stimmigen Präsentation im Retro-Look. Wer schon vor 20 Jahren Videospiele geliebt hat, muss hier einfach zugreifen. Doch auch alle anderen Zocker, die sich vor dem teils gesalzenen Schwierigkeitsgrad nicht fürchten, sollten dem mit 600 Punkten preislich gesehen günstigen WiiWare-Titel eine Chance geben.

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