Zubehörtest: X-OOM Media Center für Wii

Was die Multimediafunktionen ihres Lieblingsspielkameraden betrifft, mussten Wii-Fans bisher neidischen Blickes ins verfeindete Konsolenlager schielen. Der Hersteller x-oom, der bereits die solide programmierte Software „Filme für Wii“ auf den Markt gebracht hat, verspricht diese Lücke nun zu schließen. Mit „Media Center für Wii“ wird voller Zugriff auf Multimediadaten aller Art versprochen – schnell und bequem.

Während der generelle Trend auf dem Konsolenmarkt immer mehr hin zum medialen Allrounder geht, bezog Nintendo eine klare Position, als man mit Wii eine primär zum Spielen gedachte Maschine herausbrachte. Trotz mehr oder weniger sinnvoller Boni wie dem Wetter-, Nachrichten- oder Meinungskanal, beschränken sich die Möglichkeiten, die übers reine Spielen hinausgehen, v.a. auf Fotoalbum oder Internet. Aus diesem Grund werkelten findige Hobbyprogrammierer seit Release der Konsole an verschiedenen, meist internetbasierten Lösungen, um Musik- oder Filmdateien dennoch auf Nintendos Toaster zum Laufen zu bringen.
Das bisher fruchtbarste Ergebnis dieser Arbeit ist sicher das „Wii Media Center X“ von Red Kawa. Wie, das klingt fast genauso wie „Media Center für Wii“? Tatsächlich bietet x-ooms 40€ teure Software kaum etwas, dass es nicht schon als Freeware im Internet gibt. Lediglich etwas schicker und komfortabler. Daher muss sie im Test nicht nur ihren generellen Nutzen beweisen, sondern sich auch gegen die Gratiskonkurrenz behaupten.

Pimp my Wii

Zunächst ein paar technische Hintergründe. Die Funktionsweise des „Media Center für Wii“ ist im Grunde recht simpel. Nach der Installation der Software auf dem heimischen Windows-PC, fungiert das Programm als Netzwerkserver. Mittels der übersichtlichen Benutzeroberfläche können Bilder, Videos oder Musik auf dem Computer ausgewählt werden, welche die Software dann – mit einem Passwort verschlüsselt – im Netzwerk freigibt.
Anschließend ruft man per Wii-Internetkanal eine entsprechende Seite auf und greift damit auf den lokalen Server zu. Noch flugs das Passwort eingetippt und schon kann man sich die freigegebenen Inhalte über den Opera-Browser „streamen“ lassen. Im Endeffekt wird also nicht die Wii zum Mediacenter, sondern greift lediglich per Internet-Kanal auf die freigegebenen Daten zu.

Das ganze hat Vor- und Nachteile. Praktisch ist, dass man seine mühsam am PC zusammengekarrten Daten ohne weiteres zur Wii streamen kann. Kopieren auf ein extra Medium, etwa eine SD-Karte, ist nicht nötig. Auch ist die Software recht tolerant was Formate betrifft. Alles Gängige, einschließlich DivX- oder XviD-kodierter AVIs, kann problemlos abgespielt werden.
Andererseits kostet das Streamingverfahren aber auch Geschwindigkeit, je nach Nähe der Wii zum WLAN Hotspot kann es sein, dass etwa ein abgespieltes Video zwischendurch unterbricht um nachzuladen. Zudem muss natürlich fortwährend der PC laufen – wer seinen Rechenknecht also nicht gerade im letzten Kabuff stehen hat, für den dürfte sich der Nutzen des Mediacenters ohnehin in Grenzen halten. Und nicht zuletzt trägt das Media Center auch ein paar Bedienungsschnitzer in sich, doch dazu gleich mehr.

Stream me up

Im Lieferumfang enthalten ist die Programm-CD, samt ausführlichem, 48-seitigem Handbuch. Wer kein völliger PC-Neuling ist, kann das Heftchen aber erstmal beiseite legen. Die deutsche Benutzeroberfläche des Programms zeigt sich nach der Installation sehr intuitiv, direkt nach dem Start wird zudem ein automatisches Softwareupdate durchgeführt. Der Programmassistent führt durch die weiteren Schritte und zeigt, wie man Dateien und Ordner für die Wii-Konsole freigibt – eine sogenannte Bibliothek erstellt. In Windeseile sind die Daten zusammengeklickt, Unterordner übernimmt das Programm ohne zu nörgeln. Doch mit Abschluss der Zusammenstellung folgte auch gleich die erste Ernüchterung. Ein Ladebalken erscheint, die Daten werden zur Bibliothek zusammengefügt. Also kurz zurückgelehnt und gewartet….
Nach etwa einer Minute waren die ersten fünf Musiktitel von rund 500 Ausgewählten eingefügt. Danach standen noch ein paar Hundert Fotos und einige Duzend Videodateien in der Warteschleife. Sollte doch eigentlich kein Ding der Unmöglichkeit sein, oder…?
Einen Kaffee, eine Dusche, einen Spaziergang mit dem Wauwau und 15 Minuten Geschirrspülen später war der Vorgang immer noch nicht einmal zur Hälfte abgeschlossen. Also erstmal abgebrochen und eine kleinere Bibliothek mit weniger Daten angelegt. Nach wenigen Minuten war dann alles soweit.

Wenn man bereits über ein funktionierendes WLAN verfügt, sollte der Zugriff keine Probleme bereiten. Sowohl mit der AVM Fritz!Box als auch dem Nintendo USB Connector funktionierte die Verbindung von PC zu Wii einwandfrei. Im schick designten Flash-Menü, das rein farblich etwas an das Freeware-Mediacenter von Red Kawa erinnert, findet man sich durch leicht verständliche Symbole sofort zurecht, auch wenn man mit der Wiimote nicht jeden Button auf Anhieb trifft.
Viele Sortierungsfunktionen erleichtern die Verwaltung der Mediendaten, Playlists lassen sich nach Belieben zusammenstellen. Und auch das Abspielen klappt einwandfrei. Lediglich bei Videos wird sich der geneigte Filmfan wohl einen größeren Bildausschnitt wünschen, eine wirkliche Vollbildfunktion fehlt nämlich. Insbesondere bei der Fotobetrachtung erweist sich das Streaming aber als Achillesverse, denn die teils mehrere MB großen Megapixel-Bilder können doch die ein oder andere Sekunde laden. Kein Vergleich zum flotten, wiiinternen Fotoalbum.

Hat man sich schlussendlich an seinen Mediendaten sattgesehen bzw. -gehört und möchte die vorhandene Bibliothek erweitern oder verändern, muss man allerdings die extrem langwierige Zusammenstellung jedes Mal aufs Neue über sich ergehen lassen. Außerdem zeigt das Programm manchmal bereits freigegebene Daten nicht an. Hier hilft nur ein Neustart.

Fazit

Wie schon der Quasi-Vorgänger „Filme für Wii“ hält auch das „Media Center für Wii“, was es verspricht. Um den wirklichen Nutzen abschätzen zu können, muss man sich aber klarmachen, was man erwartet. Wer eine ernsthafte Multimedialösung zur häufigen Nutzung sucht, wird wohl auf Dauer vom etwas umständlichen Gesamtkonzept genervt sein. Schließlich spielt die Wii nur das ab, was vorher am PC zusammengestellt wurde. Letzteres dauert vor allem bei vielen Dateien eine halbe Ewigkeit. Wer seinen Rechner aber im eiskalten Keller stehen hat und hin- und wieder die Musik oder Videosammlung am Fernseher angucken möchte, könnte an dem Programm seinen Gefallen finden. Jedoch sei zu erwähnen, dass es vergleichbare Software im Internet umsonst gibt. Prinzipiell macht x-oom mit dem „Media Center für Wii“ also nichts falsch, jeder muss aber für sich selbst entscheiden, ob er den Spaß für rund 40€ wirklich braucht.

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