Testbericht: X Factor

Castingshows erfreuen sich bereits seit Jahren in Deutschland großer Beliebtheit. Nachdem das weltweit erfolgreiche Format „X Factor“ es mittlerweile auch in unsere Breitengrade geschafft hat, gibt es von Deep Silver nun das passende Game dazu. Wir haben zum Mikrofon gegriffen und uns fürs Casting angemeldet. Ob das getestete Game den gewissen „X Factor“ besitzt oder schon nach der ersten Runde rausgeflogen ist, lest ihr in den folgenden Zeilen.

Ich bin ein Star…

Ja, ihr habt in der Einleitung richtig gelesen. X Factor wurde von Deep Silver entwickelt. Und ja, das ist auch das Studio, welches für den Survival Horror-Titel Cursed Mountain verantwortlich war. Genauso hat man aber auch Titel wie Spielen wir Ballerina oder Der total verrückte Gartenspaß entwickelt. In gewisser Weise muss man dort also ein Faible für Horrospiele besitzen. Mit X Factor widmet man sich nun jedoch den Musikspielen, genauer gesagt einem Karaoke-Game. Denn natürlich tretet ihr als euer Alter Ego in dem Game an, um es der gesamten Konkurrenz gesanglich zu zeigen. Dazu wählt ihr im Karrieremodus nach der Festlegung eures Geschlechts zuerst aus, ob ihr alleine oder in der Gruppe antreten wollt. Gemäß der Vorlage aus dem TV dürfen nämlich auch Gruppen zum Casting erscheinen. Die Gestaltung eures Avatars ist dabei anfangs noch mehr als spärlich, wird aber im Laufe der Spielzeit entsprechend erweitert.

Schon ist es dann auch an der Zeit erstmals zum Mikrofon zu greifen. Vergleichbar mit anderen Karaokespielen bekommt ihr am unteren Bildschirmrand den Text des Songs angezeigt. Darüber befindet sich eine Leiste, in der die zu treffenden Notenhöhen in Form von Balken angezeigt werden. Je nachdem wie gut ihr die Tonhöhe erreicht, füllen sich diese Balken farbig. Am Ende einer jeden Zeile gibt es dabei eine Bewertung, die von „schlecht“ bis „perfekt“ lauten kann. Habt ihr gut genug gesungen, werdet ihr nach eurem Auftritt mit Lob von der virtuellen Jury überschüttet und seid eine Runde weiter. Meist erhaltet ihr dann neue Gestaltungsmöglichkeiten für euren Avatar, indem ihr neue Frisuren, Ober- oder Unterbekleidung zur Verfügung gestellt bekommt. Vor dem nächsten Auftritt dürft ihr aber auch erst im Proberaum die zur Auswahl stehenden Songs üben oder nach Fanpost sehen, die euren wachsenden Bekanntheitsgrad untermauert. Teils habt ihr bei den Auftritten dabei eine gewisse Auswahl, aus der ihr euch einen zu singenden Track aussuchen dürft. Teils gilt es jedoch auch einen Pflichttitel zu absolvieren. Wirklich motivierend ist der Karrieremodus auf Dauer leider nicht. Die Beurteilungen der Jury wiederholen sich schon nach dem zweiten Song und die freischaltbaren Extras sind ein schlechter Scherz. Zwei neue Gegenstände pro Runde machen das Kraut nämlich nicht wirklich fett. Recht nett dagegen ist das Quiz, denn ab und an werden euch Backstage auch Fragen gestellt. Wer diese Fragen richtig beantwortet, erhöht seinen Punktestand am Ende der Karriere. Wer das Casting, das Bootcamp, das Jury-Haus sowie die Liveshows als Sieger verlässt, darf sich am Ende als der Gewinner von X Factor fühlen.

Aber der Karrieremodus wurde ohnehin sicherlich nur der TV-Sendung wegen integriert, damit man sich auch als Einzelspieler etwas beschäftigen kann. Das Herzstück eines jeden Karaokespiels dagegen dürfte der Mehrspielermodus sein, denn erst in der Gruppe macht Karaoke so richtig Spaß. Insgesamt vier Spielmodi stehen den Spielern dabei zur Auswahl: Beim Solo singt man alleine einen Song seiner Wahl, im Duo darf man einen Titel zu zweit trällern. Die Songzeilen sind dabei zwischen beiden Teilnehmern aufgeteilt. Im Wettstreit treten ebenfalls zwei Spieler an, duellieren sich dabei allerdings und singen dieselben Zeilen. Im Wettbewerb dürfen dann bis zu vier Spieler antreten. Hier ist das Ziel möglichst in jeder Runde die meisten Punkte zu erzielen. Eine nette Idee ist dabei das Clap-o-Meter. Nach jedem Song kann man den eigenen Punktestand durch den Applaus der Mitspieler, der über das Mikrofon aufgenommen wird, noch einmal in die Höhe treiben. Je genauer ihr übrigens die geforderten Töne singt, desto schneller steigt eure Genauigkeitsanzeige und treibt euren Punktestand in die Höhe. Die Spielmodi sind dabei eher als Standardprogramm zu sehen, was einfach zu einem Karaokespiel gehört. Andere Games bieten in diesem Bereich jedoch deutlich mehr Abwechslung dank mehr Einfallsreichtum bei den Spielmodi. Bei der Songauswahl kann X Factor dagegen durchaus punkten. Mit Paparazzi (Lady Gaga), Break your Heart (Taio Cruz), Heavy Cross (The Gossip), Release me (Agnes), So soll es bleiben (Ich & Ich) oder Evacuate the Dancefloor (Cascada) haben es recht viele aktuelle Songs in die Tracklist geschafft. Doch auch Klassiker wie Light my Fire (The Doors), Call me (Blondie) und Radio Gaga (Queen) sowie Highlights aus der letzten Dekade wie Can’t get you out of my Head (Kylie Minogue) oder Oops, I did it again (Britney Spears) sorgen dafür, dass unter den 28 Songs aus X Factor sicherlich für jeden Geschmack ein paar passende Titel dabei sind.

…holt mich hier raus!

Natürlich ist bei einem Musikspiel in erster Linie der Sound wichtig. Doch deswegen sollte man die Grafik noch lange nicht vernachlässigen. Das ist jedoch offenbar genau das, was man hier gemacht hat. Von hinten bis vorne ist X Factor grafisch gesehen einfach nur hässlich. Eure eigenen Nachwuchskünstler sowie die Jury ist verpixelt und hat nur wenige hölzerne Animationen spendiert bekommen. Die Bühne ist karg gestaltet, so dass man nie wirklich den Eindruck einer großen und pompösen Show hat. Wäre dies alles nur Beiwerk, könnte man darüber hinwegsehen. Da man jedoch den kompletten Karrieremodus um die Show gebastelt hat, macht sich die maue Grafik hier schon deutlich bemerkbar. Hinzu kommt, dass man auch im Mehrspielermodus nicht die Musikvideos der Stars selbst zu Gesicht bekommt, sondern ebenfalls auf die hässlichen Spielcharaktere blickt.

In Sachen Sound sieht es da schon besser aus. Allerdings gibt es auch hier einen Kritikpunkt. Nicht alle Songs sind Originalversionen, sondern es haben sich auch einige Coverversionen ins Spiel geschlichen. Diese sind zwar meist gut gelungen, trüben jedoch den Spielspaß zumindest ein klein wenig. Der Rest der Musik kann dagegen vernachlässigt werden. Die Hintergrundmusik in den Spielmodi ist extrem repetitiv und ziemlich schnell nervig. Soundeffekte gibt es kaum, die Sprachausgabe ist eher mittelprächtig und wiederholt sich schnell. Zudem sind manche Kommentar der Jury auch nicht gerade passend.

Fazit

Mittlerweile gibt es etliche Karaokespiele für Nintendo Wii. X Factor versucht sich dabei mit einem Karrieremodus von der Konkurrenz abzuheben, scheitert jedoch an der Tatsache, dass man Karaokespiele eben meist nicht alleine, sondern in der Gruppe spielt. Da es im Mehrspielermodus keine Besonderheiten im Vergleich zu anderen Games gibt, geht man hier recht unter. Die fehlenden Musikvideos und die dafür sehr hässlich gewordene Grafik hinterlässt ebenfalls keinen guten Eindruck. Rein vom Sound und der Titelauswahl her hätte X Factor zwar genug Potenzial gehabt, doch leider scheitert es an der Umsetzung, womit im Endeffekt der Spielspaß auf lange Sicht auf der Strecke bleibt. Passionierte Sänger greifen somit eher zu einem Titel, der mehr Abwechslung bietet.

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