Testbericht: Trivial Pursuit

Beinahe 30 Jahre ist es her, dass aus einem Streit während eines Scrabble-Spiels das Wissens-Brettspiel „Trivial Pursuit“ entstanden ist. Jetzt geht aus einer Kooperation zwischen dem Hasbro-Verlag und Electronic Arts eine Umsetzung für die Wii hervor. Wir haben in den hintersten Ecken unseres Hirns das Allgemeinwissen hervor gekramt und uns dem Wissensduell gestellt.

Altes Konzept, frische Ideen?

Umsetzungen von Brettspielen haben auf der Wii schon so etwas wie Tradition und die vermeintliche Familienkonsole macht damit ihrem Namen alle Ehre. Wer möchte, kann sich neben den All-Time-Classics „Schach“ und „Monopoly“ auch Spiele wie Reversi, Dame oder Vier Gewinnt ins heimische Wohnzimmer holen, doch alle diese Titel haben ein Problem: Die digitalen Varianten bieten kaum einen Mehrwert zu den analogen Vorlagen und es gibt keinen echten Grund vom Küchentisch an den Fernseher zu wechseln.

Im aktuellen Fall versucht man bei EA durch zusätzliche Spielmodi für einen solchen Mehrwert zu sorgen und bietet neben dem Klassik- noch einen Tempo- und einen – Achtung Überraschung – Partymodus an. Wer das Brettspiel bereits kennt wird im Klassik-Modus keine wirklichen Neuerungen erwarten und das sternförmige Spielbrett in gewohnter Manier nutzen. Das Zentrum des Bretts bildet den Start- und Zielpunkt für alle Teilnehmer, von denen es bis zu vier sein können, und am äußeren Ring warten sechs Eckfelder darauf von euch erreicht und anschließend mit der richtigen Antwort geknackt zu werden. Pro Eckfeld gibt es eine Frage aus dem Bereich Kunst & Literatur, Wissenschaft & Technik, Unterhaltung, Geschichte, Sport & Vergnügen und Erdkunde, je nach dem auf welchem Feld man gelandet ist. Beantwortet man diese Frage richtig erhält man den entsprechenden Stein dieser Kategorie. Ziel des Spiels ist es alle sechs Steine zu sammeln und dann ins Zentrum des Spielbretts zurück zu kehren und mit der Masterfrage den Sieg einzutüten. Natürlich erreicht man die Eckfelder selten auf Anhieb sondern kämpft sich, je nach Würfelglück, mehr oder weniger zügig über die einfachen Fragenfelder, welche die gleichen sechs Kategorien beheimaten. Beantwortet man die gestellte Frage richtig darf man noch mal würfeln, liegt man daneben ist der nächste Spieler an der Reihe. Zusätzlich bieten „Nochmal Würfeln“-Felder die Möglichkeit ohne Frage-Antwort-Spielchen erneut die Würfel zu rollen. Das funktioniert übrigens bequem per A-Knopf und so steht dem entspannten Spielen auf dem Sofa nichts mehr im Wege. Ein ebenso simples wie bewährtes Spielprinzip also, das bereits seit Jahren begeistert und es auch auf der Wii macht, wenn man denn prinzipiell auf Wissensspiele steht. Gespielt werden kann der klassische Modus mit zwei bis vier Spielern die sich wahlweise eine Wiimote teilen oder jeweils eine eigene zur Verfügung haben.

Wer lieber alleine ans Werk gehen möchte dem sei der so genannte Tempo-Modus ans Herz gelegt. Anfangs sieht hier das Spielbrett noch genau so aus wie beim Klassik-Modus, jedoch verschwinden mit jeder richtig beantworteten Eckpunkt-Frage alle Felder dieser Kategorie vom Brett wodurch es logischer Weise immer weiter zusammen schrumpft. Durch die sich so ergebenden kürzeren Laufwege geht das Spiel natürlich gegen Ende immer schneller von statten und man kommt relativ flott ans Ziel. Für Alleinspieler ist dieser zusätzliche Modus absolut sinnvoll wenn auch nicht sonderlich kreativ, denn nach wie vor stellt sich noch die Frage nach dem Mehrwert gegenüber dem herkömmlichen Brettspiel. Diese Frage versucht der Partymodus zu beantworten um den Spieler vor die Konsole zu locken.
Die wohl gravierendste Änderung zu den anderen Modi besteht darin, dass sich beim Partymodus alle Spieler eine Spielfigur teilen und abwechselnd mit dieser über das Brett marschieren. Um eine Wissensecke zu ergattern genügt es jetzt nicht mehr eine Frage auf einem der Eckpunkte richtig zu beantworten sondern es müssen vier Fragen korrekt beantwortet werden um die Ecke komplett zu füllen und die Trophäe zu erhalten. Erschwerend kommen allerdings gleich mehrere Umstände hinzu. Wird eine Frage der Kategorie falsch beantwortet gehen bereits gesammelte Punkte wieder verloren, außerdem können andere Spieler mit Hilfe verschiedener Items auch Punkte oder ganze Wissensecke klauen. Prinzipiell läuft es so ab: Spieler 1 bekommt eine Frage zugewiesen, bevor er jedoch eine Antworten geben darf müssen die anderen Spieler tippen ob er die Antwort weiß, nicht weiß oder ob man selber die korrekte Antwort kennt. Jetzt wird die Frage von Spieler 1 beantwortet. Liegt er richtig bekommt er die entsprechenden Punkte der Kategorie, und alle Spieler die richtig getippt haben ebenfalls. Liegt er falsch und jemand hat „Ich weiß es“ gewählt darf er sich an der richtigen Antwort versuchen und gegebenenfalls die Punkte einheimsen. Beim Spiel kommt somit noch eine nicht unerhebliche taktische Komponente hinzu, was vor allem in größeren Gruppen für viel Unterhaltung sorgt. Wie im Tempomodus verschwinden alle Fragen einer Kategorie sobald jemand die Wissensecke errungen hat und das Spielbrett wird kleiner.

Das „Nochmal Würfeln“-Feld muss im Partymodus dem Bonus-Feld weichen, das diverse sowohl positive als auch negative Effekte für den Spieler haben kann. So bleibt einem manchmal nur noch die halbe Zeit um eine Frage zu beantworten oder eine falsche Antwort sorgt dafür, dass man auf einen Schlag alle gesammelten Punkte einer Kategorie verliert. Allerdings kann es eben so gut passieren, dass man auf ein Feld seiner Wahl hüpfen darf oder eine zweite Chance zur Beantwortung der Frage bekommt. Auch diese Felder geben dem Multiplayerkampf weitere Anreize und lockern das Spielgeschehen spürbar auf.
Sind alle sechs Wissensecke vergeben kommt es zum Finalkampf und jeder Spieler erhält für jede Wissensecke je ein Leben. Nun müssen alle Spieler dieselbe Frage beantworten und wer daneben liegt verliert eines davon. Am Ende bleibt dann ein Spieler übrig, der sich als Sieger des Partymodus feiern darf. Mit diesem Modus liefert EA in der Tat den erhofften Mehrwert und bietet zumindest eine sehr ordentliche Familienunterhaltung.

Grafik und Sound

Ein wahres Grafikwunderwerk haben wir wirklich nicht erwartet, aber was EA mit Trivial Pursuit abliefert ist mehr als ordentlich für ein Spiel dieses Genres. Die Gesamtpräsentation der Menüs ist bunt und modern ohne kitschig zu wirken und die Animation der runden Spielsteine ist gelungen. Nach dem Würfeln und der Auswahl des Zieles hüpft, fliegt oder taucht euer Stein an die gewünscht Position, und auch die animierten Darstellungen der verschiedenen Fragekategorien können sich durchaus sehen lassen. Leider hat man auf die Einbindung der Miis verzichtet und sich für ein eigenes Avatarsystem entschieden, welches dem Spieler ein comichaftes Alter-Ego zur Seite stellt.

Ähnlich gut ist die musikalische Untermalung des Spielgeschehens gelungen. Angenehme, unaufgeregte Fahrstuhlmusik der besseren Sorte gemischt mit dezenten Soundeffekten und einem Kommentator, der zu wirklich allem seinen Senf dazu gibt. Überraschender Weise ist eben jener Kommentator nicht so nervig wie zunächst befürchtet und kommentiert eher dezent, aber unterhaltsam das Spielgeschehen. Bei Bedarf kann er aber natürlich auch stumm geschaltet werden. Alles in allem bietet EA eine rundum ansprechende technische Präsentation die kaum Raum zur Kritik lässt, auch wenn sie Genre-bedingt keine Bäume aus zu reißen vermag.

Steuerung

Gesteuert wird das gesamte Spiel wahlweise per Pointerfunktion oder mittels D-Pad und diversen Knöpfen. Beide Varianten funktionieren problemlos und es dürfte lediglich die Vorliebe des Spielers darüber entscheiden, welchen Weg man bevorzugt.

Fazit

Vor der ersten Partie hätte ich Trivial Pursuit blind eine fünf gegeben, doch diesen Wert muss ich nach ausgiebigem Spielen nach oben korrigieren. Electronic Arts und Hasbro holen aus einem dreißig Jahre alten Brettspiel dank neuer Spielmodi und einer technisch sauberen Präsentation überraschend viel heraus. Quizfreunde und Kenner des Originals dürfen bedenkenlos zugreifen – und wer ein Spiel für gemeinsame Wii-Familienabende sucht, ist hier ebenfalls absolut richtig.

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