Testbericht: Triff die Robinsons

In den letzten Jahren hat der Disneykonzern etliche Kassenschlager aus dem Bereich der Animationsfilme hervorgebracht – „Findet Nemo“ oder „Die Monster AG“ lassen grüßen. Trotz ebenfalls guter Kritiken gehörte „Triff die Robinsons“ leider nicht dazu, denn dieser Streifen ging an den hiesigen Kinokassen ziemlich unter. Ungeachtet dessen wurde aber dennoch brav für jede aktuelle Plattform das dazugehörige Spiel entwickelt. Unter anderem dürfen sich so auch Wii-Besitzer auf ein Treffen mit der Familie Robinson freuen. Ob sich dieses jedoch wirklich lohnt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Wer hat an der Uhr gedreht?

In der Filmumsetzung Triff die Robinsons orientiert man sich nur grob am Leinwandvorbild, weshalb man den Streifen selbst nicht unbedingt gesehen haben muss, um seine Freude mit dem Spiel haben zu können. Der Spieler schlüpft in die Rolle des jungen Wilbur Robinson, einem der Hauptcharaktere aus dem Kinofilm und durchaus Sympathieträger, mit dem man sich schnell identifizieren kann. Das ist auch notwendig, denn gleich zu Beginn wird man ohne großartiges Tutorial mitten in das actionreiche Geschehen geworfen, als Wilbur im alten Ägypten aus einer einstürzenden Pyramide flüchten muss. Hierbei bekommt ihr gleich die ersten grundlegenden Eigenschaften der Steuerung wie Laufen, Springen, Klettern und an der Wand schleichen beigebracht und werdet mit dem Charakter vertraut.

Wer die erste Szene überstanden hat, findet sich danach im Haus der Robinsons wieder. Die Familie lebt in der Zukunft, was die recht futuristische Einrichtung sowie die Existenz einer Zeitmaschine erklärt. Um diese dreht sich auch die Story, die sich nun nach und nach entwickelt. Ein Schurke, in unserem Fall „Melonen-Mann“ genannt, kommt dabei natürlich auch vor und führt, wie es sich für einen Bösewicht nun mal gehört, nichts Gutes im Schilde. Doch zuerst einmal gilt es das großräumige Familienanwesen zu erforschen und dabei den Rest des Robinson-Clans kennenzulernen. Neben Wilburs Mutter Franny, dem Pizza liefernden Onkel Art und dem vergesslichen Opa Bud spielen vor allem der abgedrehte Cousin Laszlo, seines Zeichens Erfinder, und der Roboter Carl, Wilburs bester Kumpel, eine große Rolle. Von Laszlo werdet ihr im Laufe eures Abenteuers nicht nur auf Zeitreisen geschickt, er rüstet euch auch nach und nach mit neuen Gegenständen aus. Carl dagegen hat eher die Funktion eines Mentors und gibt per Knopfdruck hilfreiche Kommentare aus dem Off, solltet ihr an einer Stelle im Spiel nicht weiterkommen.

Triff die Robinsons entpuppt sich als geradlinige Mischung aus 3D-Jump’n’Run und einer leichten Prise Action-Adventure, die dem Spiel eigentlich recht gut zu Gesicht steht. Nur selten wird viel Wert auf allzu präzise Hüpfpassagen gelegt, ganz vernachlässigt werden diese allerdings auch wieder nicht. Hauptaugenmerk liegt jedoch schon kurz nach Spielbeginn auf den technischen Gerätschaften, die Wilbur im Laufe seines Abenteuers sammelt. Mit dem Scanner lassen sich alle erdenklichen Gegenstände scannen und analysieren, was euch später durchaus sehr nützlich sein kann um beispielsweise die Schwächen von Gegnern herauszufinden. Der Zerstückler dagegen zerlegt Objekte in ihre Bestandteile (organische und synthetische Komponenten oder Metalle). Diese lassen sich aufsammeln und am Robinson-Umwandler in Laszlos Labor zu neuen Gegenständen verarbeiten. Voraussetzung dafür sind natürlich die entsprechenden Baupläne, die ihr nach und nach aufstöbern müsst.

Relativ zu Beginn erhaltet ihr dagegen schon die Energieball-Handschuhe, die aus Wilburs Videospiel in seinem Zimmer stammen. Mit deren Hilfe könnt ihr einen Energiestoß absetzen und euch so der ersten Feinde erwehren. Doch der Einsatz der Geräte will stets gut überlegt sein, denn neigt sich deren Energie dem Ende, können sie auch nicht mehr verwendet werden. Abhilfe schaffen hier die aufsammelbaren Batteriepacks oder ein Besuch einer Robinson-Sanitätsstation, von denen es mindestens eine pro Level gibt und die nebenbei praktischerweise sogar eure Kraftanzeige wieder komplett auffüllt. Alle Gerätschaften haben übrigens noch einen Zusatzmodus, mit dem euch erweiterte Fähigkeiten zur Verfügung stehen. So nutzt ihr die Chaos-Handschuhe beispielsweise nicht nur zum Feuern, sondern könnt euch damit auch in den Boden eingraben, ein Hindernis umgehen und an anderer Stelle wieder auftauchen.

Solche und ähnliche Rätsel erwarten den Spieler sporadisch in den verschiedenen Missionen verstreut, die aber insgesamt alle nicht allzu schwer gehalten sind. Je nachdem wie geübt man als Spieler ist, hat man das Game in guten sechs bis zehn Stunden durchgespielt und den finalen Obermotz besiegt, die Zeitmaschine und somit die Zukunft gerettet. Für weitere Motivation sollen versteckte Extras wie Konzeptzeichnungen sowie Bilder von Actionfiguren sorgen, die man sich in der Galerie betrachten kann, nachdem sie im Spiel gesammelt wurden. Zudem wurden drei Minispiele integriert. Zum einen das „Chaos-Puzzle“, bei dem man sich mit den Chaos-Handschuhen zum Ausgang graben muss, zum anderen die „Protektosphäre“, wo man ähnlich wie in Super Monkey Ball von einer großen Kugel umgeben ist und sich zum Ziel rollt. Zuguterletzt rundet das ziemlich lahme „Energieball“ die Minispiele ab und kann am wenigstens von den drei Games überzeugen. Hierbei muss man relativ unkoordiniert besagte Energiebälle in das gegnerische Tor bugsieren, ohne aber große Bewegungsfreiheit mit der Spielfigur zu genießen. Immerhin lassen sich dafür neue Arenen sowie Gegner freischalten.

Die Steuerung

Dass es sich bei Triff die Robinsons um eine Multiplattform-Entwicklung handelt, merkt man dem Titel recht schnell an. Die Entwickler von Avalanche Software haben sich was die Steuerung betrifft nahezu gänzlich einer klassischen Steuerungsvariante verschrieben, ohne die Vorzüge der Wii-Mote zu nutzen. Mit dem Analogstick steuert ihr somit Wilbur durch die Locations, mit dem A-Button wird mit Figuren und Gegenständen interagiert, der B-Button lässt euch das aktuelle Gerät benutzen und der C-button des Nunchuk aktiviert den Zusatzmodus der Gerätschaften. Z aktiviert die Zielerfassung, während der 1-Button die Kamera hinter dem Spieler positioniert. Dies ist auch durchaus notwendig, denn es gibt tatsächlich einen einzigen Punkt, bei dem die Wii-Sensoren zum Einsatz kommen: Auf dem Screen erscheint stets ein hellblaues Auge, welches für die Kamera steht. Wie mit einem Laserpointer steuert ihr somit die Kamera und könnt euch in den Levels umsehen. Da ihr allerdings gleichzeitig Wilbur mit dem Analogstick bewegt, sorgt die teils hakelige Kamerasteuerung nicht nur in den ersten Spielminuten gerne für Verwirrung.

Des weiteren muss noch erwähnt werden, dass Wilburs Geräte mit einer Belegung des Steuerkreuzes verwaltet werden. Auch dies sorgt eher für Chaos bei der Bedienung, da durch die Sonderfunktionen der Geräte die Steuerung einfach überladen wirkt. Man findet sich zwar nach einiger Eingewöhnungszeit damit zurecht, in Fleisch und Blut geht sie aber vielleicht auch wegen der insgesamt sehr kurzen Spielzeit dennoch nicht. Auch ist es schade, dass man nicht einmal im Minispiel „Protektosphäre“ die Bewegungssensoren nutzt. Nachdem die Idee schon Super Monkey Ball ähnelt, hätte man hier durchaus die Vorteile der Wii gegenüber den anderen Konsolen ausnutzen können. Stattdessen wird Wilbur auch in der Kugel lediglich mit dem Analogstick des Nunchuk gesteuert – schade.

Die Grafik

Grafisch gibt es dagegen weit weniger zu meckern als anfangs befürchtet. Natürlich nutzen Multiplattformtitel die optischen Möglichkeiten einer Konsole kaum aus, aber Triff die Robinsons kann sich durchaus sehen lassen. Die Optik ist solide, schön bunt und passt sich dem Stil des Kinofilms gut an. Natürlich hätten die Texturen an einigen Stellen etwas schärfer und auch abwechslungsreicher sein können. Ebenso wäre etwas mehr Leben in der ein oder anderen Location auch von Vorteil. Wii-Spieler haben aber auch schon weitaus schlechtere Grafiken vorgesetzt bekommen, zumal sich der Titel ohnehin eher an die jüngeren Spieler richten dürfte. Doch auch erwachsene Jump’n’Run-Freunde müssen bei der Optik von Triff die Robinsons nicht gleich entsetzt die Wii-Mote aus der Hand fallen lassen. Zwar glänzt das Spiel nicht gerade durch seine opulenten Effekte, der stimmige Gesamteindruck ist jedoch zufriedenstellend. Zudem punktet man mit den überzeugend animierten Charakteren.

Sound und Musik

Ebenfalls im grünen Bereich befindet man sich was die Soundeffekte sowie die Musik betrifft. Letztere greift dabei immer wieder die Themen aus dem Film auf, ohne dem Spieler dabei auf die Nerven zu gehen. Akzente kann man zwar nur bedingt setzen, aber als angenehme Untermalung im Hintergrund taugt die Musik allemal. Die Soundeffekte sind ebenfalls gelungen, wenngleich mangels großartiger Effekte hier nicht viel vom Spiel verlangt wurde. Ein kleiner Wermutstropfen scheint auf den ersten Blick zu sein, dass man für die deutsche Fassung nicht auf alle Original-Synchronsprecher zurückgegriffen hat. Die genauen Gründe hierfür sind mir leider nicht bekannt, allerdings ist die deutsche Sprachausgabe dennoch entgegen aller Erwartungen gelungen und teils sogar kaum von den Sprechern des Films zu unterscheiden. Kleines Highlight am Rande: Die schreienden Blumentopfbewohner im Hause der Robinsons – köstlich!

Fazit

Aufgrund der momentan noch recht geringen Konkurrenz im Genre hat Triff die Robinsons durchaus seine Daseinsberechtigung und wird sicherlich auch seine Käufer finden. Die solide technische Präsentation kann zwar nicht übermäßig beeindrucken, weist aber weder grafisch noch soundtechnisch gesehen grobe Mängel auf. Das anfangs sehr einsteigerfreundliche Gameplay leidet allerdings unter der leicht zickigen Kameraführung und der später etwas überladenen Steuerung der verschiedenen Funktionen von Wilburs Geräten. Wer sich davon und vom insgesamt geringen Umfang nicht abschrecken lässt, bekommt mit Triff die Robinsons ein durchaus witziges und unterhaltsames Jump’n’Run-Adventure geboten, welches zudem oft schon zum „Nice Price“ über die Ladentheke geht.

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Packshot Triff die Robinsons

Triff die Robinsons

Release: 28.03.2007
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 1
USK: 6