Testbericht: Tournament of Legends

High Voltage Software hat sich spätestens mit „The Conduit“ einen Name unter allen Wii-Spielern gemacht, selbst wenn der anfangs vollmundig angekündigte Shooter sicherlich nicht alle Erwartungen erfüllen konnte. Doch das ambitionierte Projekt ließ die Spielergemeinde aufhorchen und machte neugierig auf die nächsten Titel der Softwareschmiede. Mit „Tournament of Legends“ steht nun der nächste Titel aus dem Hause High Voltage Software ins Haus. Wir haben für euch zu Schwert und Schild gegriffen und können euch verraten, was der Kampf in der historischen Arena taugt.

Auf in den Kampf!

Das einst als Gladiator A.D. angekündigte Beat’em’Up von High Voltage Software sollte ursprünglich in erster Linie durch seine explizite Gewaltdarstellung punkten. Erste Screenshots ließen ein regelrechtes Blutbad erahnen und brutale Finishing Moves im Stile von Mortal Kombat ließen Spieler in aller Welt skeptisch reagieren. Wollte man hier nur mittels extremer Gewaltdarstellung Aufmerksamkeit auf sich ziehen oder sollte sich tatsächlich ein durchdachtes Gameplay hinter der brutalen Fassade verstecken? Offenbar hörten die Entwickler auf die laut gewordene Kritik in vielen Foren, denn im Laufe seiner Entwicklung verschwanden die Blutfontänen aus dem Spiel, zum Abschluss eines Kampfes sollten keine Köpfe mehr rollen und letztlich wurden der Name noch in Tournament of Legends geändert. Das finale Produkt versetzt den Spieler nunmehr eher in ein Fantasy-Setting als in die Blut überströmte Arena im alten Rom. Dennoch steht dort natürlich die Action im Vordergrund. In der Haut von acht legendären Helden tretet ihr dabei gegeneinander an, um letztendlich als Sieger die Kampfarena zu verlassen. Die Riege der Kämpfer bietet dabei ein weites Spektrum und reicht vom Gladiator Marcus Antonius über den Minotaurus Bravehoof und den göttlichen Thanatos bis hin zur geschmeidigen Walküre Valeska. Die Recken sind dabei in drei verschiedene Kategorien eingeteilt: Wuchtige Helden wie Bravehoof verursachen mehr Schaden mit ihren Angriffen, sind aber langsamer. Robuste Helden wie Marcus Antonius sind gute Allrounder, während schlanke Helden wie Valeska zwar flink, dafür aber nicht sonderlich stark sind.

Wer sich im Trainingsmodus mit der Steuerung vertraut gemacht hat, darf sich in den Storymodus stürzen und die individuellen Geschichten der einzelnen Charakter nachspielen. Diese werden in einigen Standbildern im Comic-Look erzählt und beschäftigen sich allesamt mit dem Erlangen der Unsterblichkeit. Um siegreich aus der Arena hervor zu gehen, steht jedem Teilnehmer dabei neben seinen regulären Waffen auch ein Zauberspruch zur Verfügung. Im Laufe des Turniers könnt ihr euch nach dem Sieg über eure Kontrahenten teils deren Magie und Waffen aneignen, so dass ihr bereits ab dem zweiten Duell vor Kampfbeginn wählen könnt, mit welchen Mitteln ihr in die Schlacht ziehen wollt. Die Waffen reichen dabei von Schild und Schwert über Lanzen und Speere bis hin zu verheerenden Klauen. Auch die Riege der Zaubersprüche ist breit gefächert. Großen Schaden verursachendes Feuer gehört genauso zum Repertoire der Recken wie ein Lähmungszauber, ein schleichendes Gift oder ein Vampirzauber, der eurem Widersacher die Lebensenergie raubt und diese eurer Kraftleiste zuführt. Letztere sollte immer im Auge behalten werden, denn neigt sich eure Kraftleiste dem Ende, geht euer Held in die Knie. Nach dem dritten Niederschlag, bzw. wer nach Ablauf von drei Runden öfter in die Knie gegangen ist, hat den Kampf verloren.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, müsst ihr die euch zur Verfügung stehenden Attacken geschickt einsetzen. Horizontale und vertikale Schläge werden dabei mittels Bewegungen der Wiimote ausgelöst, ein Schütteln des Nunchuks aktiviert euren alternativen dritten Angriff. Wer nicht so gerne fuchtelt, schnappt sich stattdessen den Classic Controller und darf die Aktionen mittels Knopfdruck ausführen. Neben den drei Angriffen sowie dem Einsatz der Magie und dem Blocken feindlicher Angriffe darf ebenfalls noch eure Waffe geworfen werden. Ein weiterer Button sorgt dafür, dass eure regulären Angriffe verstärkt werden und die Deckung des Gegners durchbrechen. Magische Kräfte sowie Spezialattacken lassen sich allerdings nur nutzen, wenn die dazugehörige Leiste entsprechend gefüllt ist. Damit eure Treffer größeren Schaden anrichten, könnt ihr auch gezielt die Rüstung eures Widersachers attackieren. Vier Balken zeigen euch den Zustand eurer Rüstung aus den vier Teilbereichen Kopf, Arme sowie Körper an. Ist ein Bereich zu stark beschädigt, verliert euer Gegner das Rüstungsteil und erleidet künftig in diesem Bereich mehr Schaden. Ein farbiger Kreis um jeden der beiden Recken in der Arena verrät euch übrigens, ob sich euer Gegner gerade in eurer Reichweite befindet. So lassen sich Angriffe noch besser planen. Zwischen den Matches nach Ablauf der Zeit sowie nach dem Niedergang eines Mitstreiters dienen kurze Quick Time Event der Regeneration von Energie sowie der Wiederherstellung eurer Rüstung. Wer sich mit allen Recken durch den Storymodus gekämpft hat, schaltet nicht nur zwei weitere Legenden frei, sondern auch die verschiedenen Kampfarenen für den Mehrspielermodus. Dort darf man sich abseits der Story mit einem menschlichen Mitspieler vor der Konsole im Duell messen.

Klingt das auf den ersten Blick soweit noch recht ansprechend, hat man leider verpasst Tournament of Legends den notwendigen Feinschliff zu verpassen. Dies fängt bereits bei den verschiedenen Spielmodi an. Wo in anderen Beat’em’Up-Titeln Modi wie Time Attack, Survival, etc. zum guten Ton gehören, bietet der Prügler von High Voltage Software keine weiteren Spielmodi. Kein Turnier, kein Onlinemodus und keine weiteren Boni. Doch auch bei der Spielbarkeit des Titels treten einige Macken auf. Die drei Angriffe eurer Helden lassen sich zwar zu Combos verknüpfen, nach dem dritten Hieb in Folge ist aber automatisch Schluss. Längere Angriffsserien sind somit nicht möglich. Man stößt somit sehr schnell an die Grenze des Machbaren. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich eure Recken ohne Sprungfähigkeit eher schleppend in der Arena bewegen. Schnelle Angriffe und Kombinationen sind selbst mit den flinken Charakteren nur bedingt möglich. Stattdessen beharkt man sich eher statisch mit sich immer wieder wiederholenden Angriffen und hofft auf ein möglichst schnelles Ableben seines Kontrahenten. Trotz der frei spielbaren Waffen und Zaubersprüche bleibt der Wiederspielwert von Tournament of Legends schon bald auf der Strecke.

Technik aus vergangenen Zeiten?

Das ist erst recht schade, weil sich High Voltage in Sachen Technik relativ viel Mühe gegeben hat. Bereits bei The Conduit merkte man dem Titel trotz Schwächen im Leveldesign sowie einem nicht jedem gefallenden Stil einfach die Liebe zum Detail an. Dies ist bei Tournament of Legends zumindest ansatzweise nicht anders. High Voltage beherrschen mittlerweile die Technik der Wii und zaubern so offenbar mit Leichtigkeit einige nette Effekte wie spiegelnde und reflektierende Oberflächen auf den Screen, die einfach gut aussehen. Die recht detailliert gestalteten Charaktere weisen ansehnliche Animationen auf. Einzig die teils etwas schwachen Texturen trüben hier das Gesamtbild. Die Arenen wurden dagegen recht abwechslungsreich gestaltet und warten mit einigen Feinheiten auf. So bietet jede Kampfarena quasi eine geheime Bedrohung beispielsweise in Form eines großen Kraken, dessen Greifarme hin und wieder zuschlagen und euch zur schnellen Reaktion per Quick Time Event zwingen. Trotz der netten Ideen wirken allerdings einige Objekte in den Stages leicht deplatziert. Dies gilt auch für Teile der Kämpferriege, denn was ein Roboter bei einem Turnier der Helden zu suchen hat, ist mir schleierhaft. Auch die Entscheidung, die Geschichte der Helden via Comicstrip zu erzählen ist fraglich. Denn dieser passt so gar nicht zum Stil des Games und wirkt daher fehl am Platze. Die eher in Third Person-Manier platzierte Kameraperspektive ist für ein Beat’em’Up zwar ungewohnt, aber durchaus brauchbar. Den guten Gesamteindruck trübt trotz 60Hz- sowie 480p-Modus jedenfalls aus technischer Sicht noch das teils etwas zu langsame Gameplay.

Ebenfalls etwas hinter den Erwartungen bleibt der Sound zurück. Die martialisch wirkenden Hintergrundmusiken gehen leider so gar nicht ins Ohr und schaffen es nicht, die Atmosphäre während eines Kampfes anzutreiben. Das ist schade, denn hier hätte ein kraftvoller und wuchtiger Soundtrack viel zur Stimmung beitragen können. Dies gelingt immerhin ansatzweise den Sprachsamples, die den einzelnen Recken spendiert wurden und an die Blütezeit der Beat’em’Ups in den letzten Konsolengenerationen erinnern. Die Sprecherin macht ebenfalls einen ordentlichen Job, nur hätte für mein Empfinden eine männliche Erzählstimme besser zu dem Titel gepasst – das ist aber sicherlich Geschmackssache.

Fazit

Obwohl die Konkurrenz im Genre auf Wii nicht sonderlich groß ist, verpasst es High Voltage Software sich mit Tournament of Legends einen der Spitzenplätze zu sichern. Das technisch gut präsentierte Game krankt am sehr beschränkten Gameplay sowie an der Spielgeschwindigkeit, die mit Abwesenheit glänzt und somit quasi das Todesurteil für ein Beat’em’Up darstellt. Gute Ansätze werden dabei im Keim erstickt. Der Mangel an Spielmodi nagt zudem stark am Wiederspielwert. Trotz Budgetpreis sollte man sich die Anschaffung von Tournament of Legends somit gut überlegen. Man hat den Eindruck, als hätte das Spiel auch vor fünf Jahren schon niemanden mehr so wirklich begeistert. Einzig Prügel-Fanatiker werden sofort zuschlagen. Alle anderen sollten vorher unbedingt ein Probespiel wagen.

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