Testbericht: Super Mario Galaxy

Kaum ein Spiel wurde in den letzten Wochen und Monaten von unzähligen Spielern weltweit so sehr herbeigesehnt wie „Super Mario Galaxy“. Der neueste Ausflug des Klempners in die Welt der Videospiele sollte endlich zeigen, wieviel Power in Nintendos Wii wirklich steckt und zudem auch in Sachen Gameplay neue Maßstäbe setzen. Ob Mastermind Shigeru Miyamoto dies wirklich gelungen ist? Wir haben eine ausgiebige Reise in die unterschiedlichsten Galaxien unternommen und können euch nun davon berichten.

It’s a me, Mario!

Nintendo gut beleibter Klempner ist seit je her das Synonym schlechthin für großartige Hüpforgien auf höchstem Niveau. Was mit Super Mario Bros. auf dem NES begann, dort mit dem für viele Fans heute noch ungeschlagenen Super Mario Bros. 3 einen Höhepunkt erlebte und schließlich in Super Mario World auf dem SNES gipfelte, was die Perfektion des 2D Jump’n’Runs. Als sich die Zeiten änderten, die Technologie weiter fortschritt und der Ruf nach 3D-Grafik laut wurde, was es abermals Nintendo, respektive Miyamoto selbst, der mit Mario 64 der Konkurrenz zeigte, wie man in der dritten Dimension hüpft und springt. Nicht umsonst gilt Mario 64 bis zum heutigen Tage als eines der besten Games seiner Art. Der direkt Nachfolger Super Mario Sunshine stieß dagegen sowohl bei Fans, als auch bei Kritikern nicht immer auf viel Gegenliebe. Zu sehr konzentrierte man sich auf den Einsatz der Wasserpumpe, zu wenige Elemente der klassischen Teile waren vorhanden und insgesamt stimmte das Flair des Titels einfach nicht hundertprozentig. Auch wenn das Game sicherlich kein Flop war, blieb es aber doch hinter den Erwartungen viele Spieler zurück. Das alles soll sich nun ändern, denn mit Super Mario Galaxy versprach man schon im Vorfeld Großes. „You will say Wow!“ darf Nintendo-Präsident Satoru Iwata zitiert werden. Ob der gute Mann Recht behält?

Die Entwicklung eines neuen Mario-Titels ist sicher alles andere als ein Zuckerschlecken. Gemessen an der hohen Qualität der Vorgänger, werden aus aller Welt zu jeder Zeit immer wieder Vergleiche mit den vorangegangenen Titeln gestellt. Kritische Stimmen gibt es zu jedem Screenshot, zu jeder veröffentlichten Neuigkeit und die Erwartungshaltung ist riesig – vor allem wenn man die lange Entwicklungszeit des jeweiligen Games berücksichtigt. Sicher hätte ursprünglich auch ein Super Mario Galaxy bereits zum Wii-Release oder zumindest kurz danach erhältlich sein sollen. Hier kam Nintendo aber zu Gute, dass man zum einen mit Zelda – Twilight Princess bereits einen Top-Titel zum Launch bieten konnte und dass sich die Wii von Beginn an dermaßen stark verkaufen konnte, dass man sich mit dem Release des Vorzeige-Titels noch gedulden konnte. Diese zusätzliche Zeit hat dem Spiel sicherlich nicht geschadet und das merkt man auch von der ersten Sekunde an. Die Story ist dabei gewohnt klassisch und klischeehaft gehalten, aber anders erwartet man es auch gar nicht. Alle 100 Jahre wird das Sternenstaubfest im Pilzkönigreich gefeiert, welches gerade in vollem Gange ist, als der fiese Boswer mit einem riesigen Luftschiff in das Geschehen platzt und das Königreich bombardiert. Gemäß dem Motto „Wer am lautesten plärrt, wird postwendend entführt“ macht er sich auch gleich daran die verzweifelt nach Hilfe rufende Prinzessin Peach zu kidnappen. Diesmal schnappt sich die garstige Kröte aber nicht nur die holde Maid in Person, sondern reißt ihr komplettes Schloss aus dem Boden und entführt es ins All. Mario ist zwar ebenfalls mit an Bord, wird durch eine Magieattacke eines Kamek aber in schwindelerregender Höhe getroffen uns stürzt ins bodenlose All…

Natürlich muss der Spieler in diesem Moment nicht das Ableben unseres Klempners befürchten, mitnichten. Mario erwacht wenig später auf der so genannten Sternwarte und trifft dort auf eine ihm bisher unbekannte Schönheit, Rosalina genannt und einen Stern Namens Luma. Rosalina weiß offenbar mehr über die Fieslinge, die Peach entführt haben und weist Mario nach und nach in die Geheimnisse der Galaxie ein. Sein Ziel ist es fortan verschiedene Galaxien zu bereisen um die dort versteckten Powersterne zu sammeln. Nur mit deren Kraft ist es möglich die Energie der Sternwarte wieder herzustellen und in das Innere des Universums zu fliegen, wo Peach gerettet und die Schurken besiegt werden können – simpel ausgedrückt. Die weitere Geschichte von Rosalina und den Lumas kann später übrigens in der Bibliothek optional verfolgt werden, wird dem Spieler aber nicht aufgezwungen – ein kluger Schachzug, der den Spielfluss nicht durch die etwas öden Texteinblendungen von Rosalinas Geschichte unterbricht. Doch weiter im Text mit der Erforschung des Universums. Denn Von diesem Momentan an führt den Spieler die Reise direkt in die Tiefen der Galaxie. Von den Aussichtsplattformen der Sternwarte aus erkennt man, zu welchen Galaxien man bereits reisen kann und welche erst noch freigeschaltet werden müssen. Über Sternenringe wird man zu anderen Planeten geschossen und muss sich den dort vorhandenen Aufgaben stellen. Teils sind die Sternenringe auch in mehrere Splitter zersprungen und müssen erst wieder zusammengesetzt werden. Die ersten Spielminuten machen den geneigten Hobby-Klempner dabei bereits bestens mit der Steuerung vertraut. Sobald neue Elemente in das Spiel integriert werden, wird man darauf hingewiesen und hat entsprechend Zeit sich damit vertraut zu machen. Viele Elemente werden dabei dem Mario-Fan natürlich bereits bekannt vorkommen – und das ist auch gut so. Den Dreifachsprung kennt man ebenso wie die Stampfattacke und den Wandsprung. Eine Anzeige mit drei Abschnitten symbolisiert die Kraftleiste und kann durch das Sammeln von Münzen wieder aufgefüllt werden. Auch die zerstörbaren und unzerstörbaren Blöcke, die man bereits seit Super Mario Bros. auf dem NES kennt, sind wieder mit von der Partie. Das Spielgefühl ist somit von der ersten Sekunde an einfach nur bombastisch und man fühlt sich direkt heimisch, auch wenn man sich in bisher noch nie gesehen Welten befindet. Genau das ist die große Stärke von Super Mario Galaxy, denn dank dem Ausflug ins Weltall ergeben sich so unzählig viele Möglichkeiten, von denen so mancher Spieler sicher vorher niemals zu träumen gewagt hätte.

Erstmals darf man die Welten in der Tat komplett frei erkunden, sprich eine ganze Runde um die einzelnen Planeten drehen. Dies führt dazu, dass man mitunter über Kopf läuft, quer an den Planeten entlang rast oder auch andere kleine Gimmicks in Bezug auf die Schwerkraft erlebt, die nicht an allen Stellen gleich ist. Neben den sammelbaren Münzen, welche diesmal schon ab einer Anzahl von 50 Stück ein Extraleben springen lassen, dürfen diesmal auch Sternensplitter gesammelt werden. Diese fallen entweder in kleinen Schnuppen vom Himmel, finden sich im Gras und Büschen versteckt oder an anderen verborgenen Orten. Springt man Gegnern auf den Kopf, hinterlassen diese in der Regel eine Münze. Fegt man sie mit anderen Attacken vom Bildschirm, darf man sich dagegen ebenfalls über Sternensplitter freuen. Da auch die Sternensplitter pro 50 Einheiten für ein Extraleben sorgen, kommt in dieser Hinsicht sogar eine gewisse taktische Komponente ins Spiel. Hole ich mir nun möglichst viele Sternensplitter oder sammle ich doch lieber viele Münzen? Die Frage ist nicht unberechtigt, gehen doch die Münzen nach einem Lebensverlust verloren, die Sternensplitter bleiben jedoch erhalten. Auf der anderen Seite wird nach Abschluss eines Planeten allerdings auch die erreichte Anzahl an Münzen als Bestleistung gespeichert, so dass den ehrgeizigen Zocker auch hier der Eifer packen kann. Doch auch die Sternensplitter erfüllen einen bestimmten Sinn und Zweck. Sie lassen sich nämlich auf Gegner abfeuern, um diese zu betäuben und so kurzfristig außer Gefecht zu setzen. Zudem werden auch die nach Beendigung eines Levels gespeichert und addiert. Im späteren Verlauf tauchen immer wieder rosafarbige Sterne, so genannte Gourmet-Lumas auf, die mit Sternensplittern gefüttert werden wollen. Hat man deren Appetit gestillt, verwandeln sie sich in neue Galaxien und geben Bonuslevel preis.

In diesen kommt die gesamte Genialität des Games zum Vorschein. Sei es nun das Reiten auf einem Rochen über eine wilde Wasserstrecke, das Balancieren auf dem Sternenball, das Schweben in einer überdimensionalen Blase oder die im Retro-Stil gehaltenen Sprungpassagen der Keksfabrik-Galaxie, das Spiel strotzt nur so vor Ideen. Doch auch die herkömmlichen Welten lassen natürlich den Einfallsreichtum eines Miyamoto nicht vermissen. Auch hierbei kommen immer wieder Anleihen an alte Klassiker der Serie zum Vorschein. An einigen Stellen schwenkt das Spiel beispielsweise automatisch in eine Art Pseudo 2D-Perspektive und bietet Retro-Feeling pur. Alte Bekannte wie Goombas, Koopa Troopas, Kugel Willis und sogar die sich drehenden Flammensäulen aus dem Bowserschloss sorgen dabei ebenso für Freude wie die Piranha-Pflanzen oder die Kettenhunde. Miyamoto weiß eben, was einen Mario-Titel ausmacht und besinnt sich nach dem Ausflug in Super Mario Sunshine hier in eigentlich komplett neuen Welten doch wieder verstärkt auf traditionelle Werte. Das unvergleichliche Flair des Games entsteht dabei manches Mal durch ganz simpel wirkende Kleinigkeiten, die aber eine immense Wirkung auf den Spieler haben. Wenn der Hintergrund der Umdrehboden-Galaxie beispielsweise Szenen aus der Unterwelt von Super Mario Bros. in der Original NES-Optik zeigt, dann ist das einfach nur genial und eine Verbeugung vor dem größten Klassiker der Videospielgeschichte überhaupt. Doch natürlich wird dem Gamer nicht nur Aufgewärmtes präsentiert, auch an neuen Ideen mangelt es dem Spiel nicht. Dies beginnt bei den Greifsternen, an denen man sich entlang hangeln kann, geht über die Wachsranken bis hin zu Marios verschiedenen Kostümen – ein Element, das zuerst im kultigen Super Mario Bros. 3 Verwendung fand und daher sicher von vielen gerne wieder gesehen wird. Den mit Feuerbällen werfenden „Feuer-Mario“ mag man dabei noch als altbekannt abstempeln, aber wer die anderen Kostüme kennt weiß, was sich Miyamoto alles hat einfallen lassen. „Feder-Mario“ wird sprichwörtlich zur Feder und kann enorm hohe Sprünge absolvieren, während „Eis-Mario“ den Boden unter sich vereist und so auf Wasser laufen kann. Als „Geist-Mario“ sollte man das Licht scheuen, darf dafür aber schweben und sich sogar unsichtbar machen, um sich so durch Gitterstäbe zu zwängen. Das absolute Highlight ist aber der „Bienen-Mario“, wo unser pummeliger Installateur im schwarz-gelben Kostüm mit einer putzigen Mütze und zwei kleinen Flügeln ausgestattet an klebenden Honigwaben wandeln und sogar für begrenzte Zeit fliegen kann. Seine etwas unbeholfene Flugweise wirkt dabei zwar mehr wie die einer dicken Hummel, aber egal.

Die größeren Galaxien bieten dem Spieler dabei in der Regel mehrere Planeten und damit unterschiedliche Aufgaben, die man der Reihe nach erfüllen kann, aber nicht muss. Allerdings ist zum Freischalten neuer Galaxien wie üblich eine bestimmte Anzahl an Sternen notwendig. Von diesen gibt es insgesamt 120 Stück zu sammeln, wobei man auch mit gut der Hälfte das Spiel bereits durchgespielt haben kann. Gesehen hat man dann von Super Mario Galaxy aber noch längst nicht alles. Das ist auch gut so, denn so wird die Langzeitmotivation deutlich nach oben geschraubt. Ab einem bestimmten Punkt kommen nämlich auch die so genannten Schabernack-Kometen ins Spiel, die einen Planeten unter ihrem Einfluss noch einmal etwas umkrempeln können. Es gibt vier Farben von Kometen und diese haben alle unterschiedliche Auswirkungen. Mal wird Mario Kraftanzeige auf einen Punkt reduziert, mal wird ein knappes Zeitlimit gesetzt, Mario muss ein Wettrennen gegen ein Klon gewinnen oder seine Gegner erhalten allesamt einen Temposchub. Nur wer unter diesen Umständen die Herausforderungen auf den Planeten erneut besteht, erlangt die Bonussterne. Doch auch abgesehen davon ist die Motivation zum Weiterspielen stets gegeben. Immer wieder erwischt man sich dabei, wie man den Controller eigentlich aus zeitlichen Gründen irgendwann zur Seite legen möchte, will dann aber doch noch schnell die nächste Galaxie sehen. Und dieses eine Bonuslevel noch. Und nur noch dieser Planet. Und dann eben noch der eine Endboss, mehr aber nicht mehr. Ihr versteht sicher, was ich meine. Beim Thema „Endbosse“ wurde übrigens auch aus dem Vollen geschöpft. Hier ist die perfekte Mischung zwischen klassischen Kontrahenten und neuen Fieslingen gelungen, wie sie besser kaum zu einem Mario-Titel passen könnte. Bereits der erste Kontakt mit der Dino-Tyranha-Pflanze ist beeindruckend, aber erst wenn man ein an den Filmklassiker „Krieg der Welten“ erinnernden Mega-Koloss besiegt hat, ahnt man was den Spieler hier noch erwartet. Denn auch wenn das erste Aufeinandertreffen mit Bowser vergleichsweise schnell erfolgt, so ist der Käse damit noch lange nicht gegessen. Nein, das war erst der Anfang von Marios Reise!

Entfernte Welten…

Als wäre die Motivation für Einzelspieler nicht schon groß genug, so wurde seitens Nintendo auch an eine Option für Multiplayer gedacht. Ein zweiter Spieler kann sich zu jedem Zeitpunkt im Spiel eine weitere Wii-Mote schnappen und direkt in das Spielgeschehen mit einsteigen. Über die Pointerfunktion der Wii-Mote kann er fortan die überall verstreuten Sternensplitter aufsammeln sowie die Gegner anvisieren und diese mit den Splittern wiederum beschießen. Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Funktion, welches ein gutes Zusammenspiel beider Spieler erfordert. Zeigen beide Pointer auf Mario und beide Zocker drücken gleichzeitig den A-Button, vollführt Mario einen Powersprung und kommt damit höher als zuvor. Durch diese einfache und dennoch effektive Art des Zweispieler-Modus bietet Super Mario Galaxy ganz neue Möglichkeiten mehrere Spieler vor die Konsole zu bringen. Auch wenn es im ersten Moment blöd klingen mag, aber Eltern können so ihre Kinder unterstützen (oder umgekehrt?) und wenn der begeisterte Zocker vor der Kiste sitzt, hat auch die bessere Hälfte nun etwas zu tun und kann sich aktiv am Spielgeschehen beteiligen, ohne selbst die hakligen Sprungpassagen meistern zu müssen. Wie innovativ und einzigartig dieses Feature wirklich ist, offenbart sich dabei erst nach dem tatsächlichen Ausprobieren in den entsprechenden Situationen. Weniger aufregend ist dagegen die Unterstützung des Wii-Connect 24-Modus. Ähnlich wie bei Metroid Prime 3: Corruption lassen sich auch Screenshots an Freunde verschicken, allerdings nur Screens der bereits gesammelten Sterne in der Sternenliste. Wer mit seinen Erfolgen angeben möchte, kann dies also bedenkenlos und vor allem in Form von stichhaltigen Beweisen tun. Wirklich zwingend wäre dieses Feature aber nicht gewesen.

Spiel mit mir!

Zu einem gelungenen Gameplay gehört auch eine entsprechend gut umgesetzte Steuerung. Diese ist im Falle von Super Mario Galaxy in der Tat gelungen und lässt keine Wünsche offen. Herrlich simpel und auf gewisse Art und Weise traditionell steuert man den Italiener im Blaumann mit dem Analogstick des Nunchuk, während der A-Button für Sprünge und sonstige Aktionen (Sprechen, Bestätigen, etc.) dient. Man duckt sich mit dem Z-Button und der B-Button feuert die Sternensplitter ab. Diese lassen sich nicht nur durch ein Hindurchlaufen von Mario aufsammeln, sondern es reicht auch aus die Pointerfunktion der Wii-Mote zu verwenden. Ein kleiner blauer Stern symbolisiert den Pointer und lässt die Sternensplitter in eure imaginären Taschen gleiten, auch wenn diese weit entfernt scheinen. Das Zielen und Befeuern der Gegner ist ebenso simpel. Marios Drehattacke zum Zerstören von Objekten und Erledigen von Opponenten wird durch ein einfaches Schwenken der Wii-Mote ausgeführt, ebenso wie das Katapultieren durch einen Sternenring. An einigen Stellen darf zudem die Kamera bei Bedarf mit dem digitalen Steuerkreuz nach nachjustiert werden. Mehr braucht man im Prinzip nicht, um mit der Steuerung zurecht zu kommen. Die Zusatzfunktionen werden in den jeweiligen Situationen erklärt und gehen ebenso intuitiv von der Hand. Beim Reiten auf dem Rochen oder Balancieren auf dem Sternenball kommen die Bewegungssensoren der Wii-Mote perfekt zum Einsatz, die Pointerfunktion dagegen steuert einen imaginären Haartrockner, wenn sich Mario in einer großen Blase befindet und sicher durch enge Passagen gepustet werden muss. Insgesamt spielt sich das Game dadurch sehr tight und griffig, man fühlt sich als alter Hase sofort heimisch und dennoch werden auch Neueinsteiger nicht mit komplexen Funktionen überfordert. Dass man die Wii-Funktionen nur an sinnvollen Punkten einsetzt, ist zudem ein großer Vorteil. So wirken die Aktionen niemals aufgezwungen, sondern ganz natürlich und gehen intuitiv und spielend leicht von der Hand.

This is Next-Gen!

Lange Zeit wurden ja die grafischen Fähigkeiten von Nintendos neuer Konsole von einigen eher belächelt. Augrund der bei vielen lieblosen Portierung an den Tag gelegten Qualität war das auch nicht verwunderlich. Doch selbst Nintendo schürte die Diskussionen an mit Aussagen, dass das Gameplay wichtiger wäre als die Grafik. Wie sieht es nun im Falle des Prestige-Titels schlechthin aus? Das Gameplay überzeugt – ist deswegen die Optik des Titels eher mittelmäßig? Ganz im Gegenteil. Nach dem ersten grafischen Balsam für die Wunden der leidenden Zocker in Form von Metroid Prime 3: Corruption legt Nintendo nun die Messlatte für künftige Spiele selbst noch eine ganze Ecke höher. Erstmals hat man als Spieler wirklich das Gefühl, dass Mario Galaxy speziell für diese Hardware programmiert wurde und nicht auch auf einer Last Gen-Konsole würde laufen können. Nein, erstmals hat ein Titel die Bezeichnung „Next Gen“ auch in Sachen Optik vollkommen verdient. Das beginnt schon beim stimmungsvollen Intro, welches übrigens nicht als gerenderte Sequenz, sondern komplett in Spielgrafik erscheint. Der Angriffs von Bowser und Konsorten auf das Pilzkönigreich ist bombastisch und das, wo man sich noch wenige Sekunden zuvor auf einem Hügel über den klaren Nachthimmel und das wunderbar schimmernde Wasser vor dem Schloss freute. Die gesamte Grafik präsentiert sich wie aus einem Guss, wirkt in sich stimmig und farbenfroh, aber nicht zu bunt oder gar verwirrend. Die richtige Dosierung macht es hier aus. Effekte wie das Leuchten der Sterne, das Wischen am Himmel von vorbeiziehenden Kometen, Rauch und Feuer – es ist eine wahre Pracht. Das Highlight sind aber neben den grandiosen Wassereffekten, die immer wieder zum Einsatz kommen kleine Details, die sich durch das gesamte Spiel ziehen. Das flauschige Fell der Bienenkönigin ist dabei ebenso beeindruckend wie das plastische Spiegeln auf der Oberfläche des Planeten beim Kampf gegen den Oktakönig. Hinzu gesellen sich die liebevollen Animationen, die nicht nur eurem Klempner selbst, sondern auch allen Gegnern spendiert wurden, selbst wenn der unbeholfen fliegende „Bienen-Mario“ hier klar das Highlight darstellt.

Die Welten, respektive Planeten selbst sind ebenfalls ungemein abwechslungsreich gestaltet. Bereits die kleineren Planeten besitzen einen ordentlichen Umfang oder wurden in mehrere Einzelplaneten aufgeteilt. Thematisch sind sie dabei sehr individuell gestaltet und bieten allerlei unterschiedliche Motive. Die Weitsicht hinaus ins All ist dabei ebenso beeindruckend wie die durchweg flüssige Geschwindigkeit des Games. Wirkliche Kritikpunkte in Sachen Optik sind mit der Lupe zu suchen. Wer diese ausfindig machen will, könnte sie vielleicht bei der ein oder anderen etwas schwächeren Textur finden. Auch ein viel zu spät aufploppender Schatten beim Rad einer Windmühle ist mir aufgefallen. Diese Dinge fallen aber wirklich nur beim genauen Hinsehen auf und stören den ansonsten ungetrübten optischen Genuss keineswegs. Auch die Kameraführung weiß zu überzeugen, wenngleich sie nicht perfekt ist – aber in welchem 3D-Game ist sie das schon? Zwar lässt sich die Kamera per Steuerkreuz noch nachjustieren, allerdings kann man nicht mehr wie früher aus dem Geschehen herauszoomen und so mehr Übersicht erhalten. Da sie sich aber in der Regel wirklich optimal mit dem Spielgeschehen mitbewegt, soll auch das kein wirklicher Kritikpunkt, sondern nur am Rande erwähnt sein. Ganz im Gegenteil, man wird sich während des Spiels sicher öfter in der Situation finden, dass man bewusst Planeten umrundet, Abgründe herab läuft oder zwischen Planeten hin und her springt, um die Kamerafahrten zu beobachten.

Orchester oder Retro-Flair?

Auch in Sachen Sound wurde bei Marios neuestem Abenteuer viel Wert auf Details gelegt. Das in erster Linie dafür verantwortliche Team bestehend aus dem bereits für viele Mario- und Zelda-Titel verantwortlichen Koji Kondo sowie dem Komponisten Yokota und dem Soundeffektdesigner Kawamura. Erstmals bekommt der Spieler dabei einen orchestralen Soundtrack zu hören, was für Nintendo-Spiele generell untypisch ist. Der Grund dafür ist, dass bisher die meisten Games auf das so genannte Streaming-Verfahren zurückgriffen, bei welchem Midi-Dateien passend zum Spielgeschehen abgerufen werden. Durch einen CD-Soundtrack befürchtete man anfangs einen Verlust der Spielatmosphäre und des -rhythmus. Doch nachdem die ersten Kompositionen standen, wusste man, dass man auf diese Art und Weise den richtigen Weg eingeschlagen hatte. Insgesamt 28 Stück wurden von einem 50 Mann starken Orchester eingespielt und schmeicheln den Ohren eines jeden Spieler. Die fulminanten Klänge schwanken dabei zwischen leise, ruhig und verhalten über entdeckungsfreudig, abenteuerlustig und beschwingt bis hin zu düster und bedrohlich, jeweils auf das entsprechende Level angepasst. Eingewoben in die Stücke wurden dabei immer wieder Anleihen aus den klassischen Mario-Themen, was für Freunde der Serie ein Aufeinandertreffen mit lieb gewonnen Melodieböden immer wieder zum Höhepunkt des Soundtracks werden lässt, wie z.B. die Untergrundpassagen aus dem ersten NES-Teil oder Teile aus dem Mario Bros. 3-Soundtrack. Doch auch die gänzlich neu komponierten Stück können absolut überzeugen und unterstreichen die Atmosphäre des Titels. Sie vermitteln in vielerlei Hinsicht das Gefühl der Schwerelosigkeit im Weltall. Und auch die unheilschwangeren Streicher- und Blechbläsereinsätze, die ein Nachkomme des legendären „Imperial March“ aus Star Wars sein könnten, passen wie die Faust aufs Auge. Mehrfach wird es passieren, dass man richtiggehend eine Gänsehaut verspürt, sobald man die Kompositionen vernimmt. Hier stimmt einfach alles und genauso sollte es sein. Dass dabei Dolby Pro Logic II unterstützt wird, ist das Tüpfelchen auf dem „i“.

Ebenso überzeugend sind die Soundeffekte ausgefallen. Diese passen in jeder Situation zum Geschehen und wurden perfekt auf die TV-Lautsprecher sowie den Lautsprecher der Wii-Mote ausgeteilt. Seitens Nintendo hat man übrigens mit allerlei technischen Tricks gearbeitet, um manche Soundeffekte wie den Harfenklang beim Abschuss aus einem Sternenring rhythmisch korrekt zur Hintergrundmusik abzuspielen. Wer sich darauf nicht konzentriert ist der Meinung, das gehöre in dieser Form zur Musik selbst, es ist aber in der Tat ein eingespielter Soundeffekt, der lediglich ein perfektes Timung aufweist. Diese Kleinigkeiten zeigen, wieviel Arbeit und auch Herzblut in die Entwicklung des Games geflossen ist. Die restlichen Soundeffekte wirken ebenso stimmig und an einigen Stellen ist sogar einige Zeilen Sprachausgabe zu vernehmen.

Fazit

Eigentlich wurde alles Notwendige bereits gesagt, aber ich wiederhole mich gerne: Super Mario Galaxy ist die erhoffte Offenbarung geworden und untermauert, dass Nintendo in Sachen Gameplay niemand so schnell das Wasser reichen kann. Der Titel bewahrt das Flair vergangener Klassiker und verknüpft es mit unheimlich viele neuen Ideen, kombiniert alles mit einer intuitiven Steuerung und sorgt mit seinem innovativen Zweispieler-Modus und den vielen sammelbaren Sternen für lange Motivation. Auch in Sachen Technik lässt Marios Ausflug in die Galaxien die Muskeln spielen und beweist, dass perfektes Gameplay und grandiose Grafik sich nicht gegenseitig ausschließen müssen. Danke Shigeru Miyamoto, danke Nintendo, danke Mario!

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