Testbericht: Spore Helden

Aus dem Hause Maxis stammt neben dem Klassikern „Sim City“ und „Die Sims“ auch der im Vorfeld bereits hoch gelobte Titel „Spore“. Mit „Spore Helden“ bringt man nun ein Spin-Off auf Nintendos Wii, welches das auf dem PC bereits etablierte Franchise in eine neue Richtung führen soll. Inwieweit dies erfolgreich ist, haben wir dabei für euch herausgefunden.

Rette die Welt!

An sich klingt die Story hinter Spore Helden nicht sonderlich spektakulär: Ihr seid der Held, der aus einem blauen Ei geschlüpft ist und nun die Welt retten muss. Blaue und rote Meteoriten stürzen nämlich auf euren Planeten herab und während die blauen Meteoriten die Evolution der Kreaturen fördern, verursachen die roten Meteoriten Wut und Aggression. Ihr schlüpft dabei aber nicht in die Haut eines vorgefertigten Helden, sondern – und jetzt wird es interessant – dürft diesen gemäß dem Grundprinzip aus dem Spore-Universum selbst gestalten. Doch hat man keine bloße Umsetzung des Strategiespiels auf die Wii gebracht, sondern in einem neuen Konzept eine Art Action-Adventure mit Simulationsaspekten programmiert. Anfangs findet ihr euch als blaue Kugel mit Beinen und Augen in dem Nest stehen, wo ihr gerade aus eurem Ei geschlüpft seid. Doch schon bald lernt ihr, dass ihr neue Gliedmaßen und andere Teile finden könnt, die euren Helden verändern. Direkt im Nest liegt beispielsweise schon der erste Mund, mit dem ihr nicht nur Nahrung aufnehmen, sondern im Zweifelsfalle auch beißen könnt. Um an weitere neue Teile für eure Kreatur zu kommen, werden euch im weiteren Verlauf des Spiels kleine Aufgaben gestellt. Sprecht mit dem Weisen am Ende des Pilztals, findet einen Weg einen Störenfried aus dem Weg zu räumen, macht eine Kreatur wieder hübsch für die Angebetete oder legt euch ganz einfach mit ein paar anderen Geschöpfen an. Sind diese im Kampf besiegt, erhaltet ihr meist ebenfalls weitere Upgrades für euren Helden. Euer Nest dienst euch dabei als Rückzugspunkt sowie als automatischer Speicherpunkt, wo ihr nicht nur im Falle einer leeren Energieleiste aufwacht, sondern dort könnt ihr auch das Aussehen eurer Kreatur ändern. Der Editor ist dabei absolut übersichtlich und alle Aktionen gehen butterweich von der Hand. Verändert dabei nicht nur die Größe und die Form eures Helden, sondern positioniert, zieht und verschiebt auch die Körperteile an alle nur erdenklichen Stellen, wie ihr gerade lustig seid. Dass ihr eurem Protagonisten danach noch das passende farbliche Erscheinungsbild geben könnt, versteht sich quasi von selbst.

Neben unzähligen Klauen, Beinen, Füßen, Fresswerkzeugen und Augenpaaren stehen euch im weiteren Verlauf auch weitere Teile wie Hörner, Flossen, Flügel, Panzer und dergleichen mehr zur Verfügung. Die im späteren Verlauf des Spiels gefundenen Teile werten dabei auch eure Fähigkeiten auf. So verbessern sich eure Fähigkeiten wie Springen, Beißen, Treten, Regeneration, usw., die nicht nur für den Erkundungspart im Spiel, sondern vor allem für die Kämpfe gegen andere Kreaturen wichtig sind. Diese Duelle machen einen großen Teil des Spielkonzepts aus und finden in begrenzten Arenen statt, sobald ihr entweder eine andere Kreatur mehrfach tretet oder auf eine durch den roten Meteoriten wütende Gestalt trefft, denn dann sind Kämpfe ohnehin unausweichlich. Mit der Komplexität eines Beat’em’Up kann Spore Helden dabei zwar nicht mithalten, dennoch sind die Aufeinandertreffen dank Blocken, Ausweichen und Regeneration sowie einigen Spezialattacken mehr als stupide Klopperei. Lediglich gelegentliche Ruckler und Slowdowns stören hier den Spielfluss. Zu den anderen Aufgaben für den Spieler gehört die Erkundung der verschiedenen Areale auf dem Planeten. Da ihr in der weiteren Evolution eures Helden später immer neue Fertigkeiten erlernt, müsst ihr übrigens die früheren Areale erneut besuchen, um dort nun zugängliche Passagen erkunden zu können. Denn erst später lernt ihr den Doppelsprung, der euch höhere Abschnitte erklimmen lässt oder erhaltet Flügel, die euch über kleine Abgründe tragen. Kleine Rätsel und Minispiele wie ein Wettrennen zu einem Berg oder ein Tanzduell, welches mit Schütteln der Wiimote im Takt ausgeführt wird, lockern das Spielgeschehen dabei ein wenig auf. Grundsätzlich ist es aber euer oberstes Ziel alle roten Meteoriten zu vernichten und somit eurer Welt wieder den Frieden zu bringen. Zwar rückt die von Beginn an bereits recht belanglose Story bald in den Hintergrund, für eine gewisse Zeit hat man aber dennoch seinen Spaß mit der Erkundung der Welt in Spore Helden. Nur fehlt auf Dauer die Abwechslung in den gestellten Aufgaben sowie der Tiefgang im Gameplay.

Abgesehen vom Storymodus dürft ihr euch auch mit einem menschlichen Mitspieler direkt duellieren und eure selbst erstellten Kreaturen aufeinander hetzen. Die so genannte „Sporepädie“ gibt euch Zugriff auf den Editor und dort erstellte Geschöpfe dürfen im Kampf-Modus für die Fights ausgewählt werden. Auch Einzelmatches gegen die CPU sind hier möglich, allerdings weniger spannend als gegen einen menschlichen Spieler. Dennoch ist der Kampf-Modus eher als nette Beigabe zu betrachten, denn der Story-Modus ist ganz klar das Herzstück von Spore Helden. Daneben gibt es unter den Extras noch einige Concept Arts zu begutachten, die man im Gegensatz zu vielen anderen Spielen nicht erst durch Leistungen im Spiel selbst freischalten muss, sondern sich direkt betrachten darf.

Evolution in Sachen Technik?

Electronic Arts hat bewiesen, dass man sich bei exklusiven Entwicklungen durchaus Mühe geben kann. Spore Helden ist zwar optisch kein Meilenstein, bewegt sich aber immerhin im gehobenen Mittelmaß. Die Welten sind liebevoll gestaltet und laden zu Erkundungstouren geradezu ein. Der Editor mit seinen schier unendlichen Möglichkeiten ist optisch ansprechend aufgebaut, die Animationen der Kreaturen sind absolut flüssig und teils richtig liebenswert. Die knuffige Optik ist aber nicht immer nur zuckersüß, denn es ist auch möglich richtig fies aussehende Monster zu erstellen. Gelegentliche Ruckler bei den Kämpfen sind zu verschmerzen, hätte aber nicht sein müssen. Der zum Einsatz kommende 60 Hz- sowie der 480p-Modus sind dagegen lobenswert. Den guten Sound bemerkt man übrigens erst nach einiger Weile. Die Musikstücke halten sich nämlich meist dezent zurück und sind leicht spacig und verträumt. Eine Sprachausgabe gibt es nicht, dafür aber wie man es schon von den Sims kennt ein unverständliches und niedliches Gebrabbel eurer Figuren.

Die Steuerung in Spore Helden geht ebenfalls meist gut von der Hand. Die Kreaturen werden mit dem Analogstick durch die Welten gesteuert, der A-Button dient zum Springen und der B-Button zum Interagieren. Teils wird die Pointerfunktion eingesetzt, die sich vor allem im Editor als nützlich erweist und dort sehr präzise funktioniert. Insgesamt ist die Steuerung nicht sonderlich kompliziert, schnell erlernt und hinterlässt einen guten Eindruck.

Fazit

Mit Spore Helden wagt sich Electronic Arts auf neues Terrain und schickt die frei gestaltbaren Kreaturen aus der Spore-Welt in ein Action-Adventure auf Nintendos Wii. Die Ansätze sind dabei durchaus gelungen, den vor allem die Spielereien im Editor sind spaßig und in den ersten Stunden macht die Mischung aus Prügeleinlagen und Erkundungstour gepaart mit einigen wenigen Minispielen durchaus Spaß. Wer sich selbst motivieren kann die dröge Story zu Ende zu spielen, darf dem Titel durchaus eine Chance geben.

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