Testbericht: SpongeBob Schwammkopf: Die Kreatur aus der krossen Krabbe

Fast jedes Kind kennt Spongebob Schwammkopf: Die Zeichentrickserie erfreut sich nicht nur großer Beliebtheit bei jung und alt, sondern hat sich mittlerweile auch zu einer wertvollen Lizenz entwickelt. Da wird ordentlich Geld gemacht: Es gibt den Kinofilm, es gibt Plüschfiguren – ach, so ziemlich jedes Merchandise wird umgesetzt und natürlich gibt es auch Videospiele. Das neueste Spiel „Kreatur aus der Krossen Krabbe“ wurde für diverse Plattformen entwickelt und unter anderem auch für die Wii. Ob das Spiel auch für Erwachsene etwas taugt und ob sich aufgrund des Preises der Griff zur GameCube Version nicht vielleicht eher lohnt soll in den nächsten Zeilen erforscht werden.

Auf in die Traumwelt

Anstatt eine zusammenhängende Story zu schreiben, präsentieren die Entwickler viele kleine Geschichten, die von den drei Protagonisten Spongebob Schwammkopf, Patrik dem Seestern und dem größenwahnsinnigen Plankton erlebt werden. Zwischen den Levels wechselt nicht nur der Charakter, sondern auch das Genre, was für eine Abwechslung zwischen Rennspiel, Jump n‘ Run, Sidescroller, Shoot em up und auch einem „Rampage“-Verschnitt sorgt. Anscheinend haben mehrere Teams an den Kapiteln gesessen, denn die Qualität der Spielerfahrung, die Grafik und die Steuerung schwankt dabei erheblich.

Über den Inhalt der einzelnen Spiele könnte man jetzt zwar berichten, doch ist dieser so knapp ausgefallen, dass es dem Leser gegenüber, der sich das Spiel noch kaufen wird, etwas fies sein würde ihm so manche Überraschung zu nehmen.

Im Storymodus erwartet dem Spieler eine sehr ungenaue Steuerung beim Rennen, ein ziemlich langweiliges Leveldesign beim Jump n‘ Run oder auch eine überraschend gute Cel Shading Optik im ersten Patrik Traum. Insgesamt fühlt man sich jedoch immer ganz gut unterhalten aber leider niemals gefordert. Der Schwierigkeitsgrad ist schon fast lächerlich leicht und deswegen arbeitet sich der Spieler schon in cirka sieben Stunden zum Ende vor. Für erfahrene Spieler bleiben also nur die eher mäßig witzigen Stellen und die Jagd auf kleine Z-Items, mit denen man Artworks, Sounds, Minispiele und Instrumente für ein Musikspiel im Spiel-eigenen Shop kaufen kann.

Die vier Minispiele bieten jedoch nicht mehr Spaß als kostenlose Flash Spiele im Internet, weshalb der Spieler wohl mehr Aufmerksamkeit in das Wii exklusive Musikspiel „Sponge-Band“ stecken wird. Das macht nämlich tatsächlich Spaß und zeigt sehr kreative Steuerungsmöglichkeiten für die Instrumente. Das Doublebase-Schlagzeugspielen mit Patrik lässt dann sogar so manchen Metal Fan das Herz höher schlagen.

Wie schaut das Spiel aus?

Die zweckmäßige Grafik ist Multiplattformer typisch und würde sogar auf dem GameCube niemanden beeindrucken. Für kleine Kinder sind sogar ungewollt einige Schocker eingebaut worden, wenn man sich im ersten Kapitel die Grimassen von den aus der Serie lieb gewonnenen Charakteren Spongebob, Patrik und Gary anschaut. Das sieht technisch und künstlerisch furchtbar aus! Hier und da wird man noch mit Clippingfehlern und detailarmen Hintergründen gelangweilt und dem Spieler wird garantiert ein wenig das „Look und Feeling“ der Serie fehlen. Immerhin sind die Figuren ziemlich detailliert und sehen ihren Vorbilder ausreichend ähnlich.

Heut gibt’s was auf die Ohren…

Niemand erwartet, dass Lizenztitel großen Spaß machen. Die meisten Spieler geben sich wohl schon damit zufrieden, wenn die Spiele das Setting der Vorlage geschickt übernehmen und durch gut umgesetzte Optik, original Musik und den original Stimmen den Charme der Serie einfangen. Spongebob Schwammkopfs Kreatur aus der Krossen Krabbe schafft es tatsächlich das Setting der Serie nur anzukratzen und ansonsten neben der für Spongebob untypischen, mäßigen Rockmusik auch noch auf die beliebten Synchronsprecher zu verzichten.

Die ganzen Spieler haben keine andere Wahl als irgendwelchen B Sprechern bei der Arbeit zuzuhören und sich auf eine zwar nicht schlechte, aber absolut unpassende Rock Musik einzulassen. Soweit ich das einschätzen konnte, scheint wenigstens der Patrik Synchronsprecher für das Spiel gesprochen zu haben, was sehr gut zeigt, wie viel angenehmer das Spiel doch dadurch hätte werden können. Aber nicht nur die Stimmen klingen unpassend, sondern auch die Texte und Witze spiegeln der Stil und den Humor der Serie einfach nicht wieder.

Eine „schwammige“ Steuerung

Zwar kann man auch hier auf Grund der schwankenden Qualität nicht viel Lob aussprechen, jedoch lassen sich manche Kapitel anständig steuern. Am besten funktioniert das 2D Jump n‘ Run Spiel mit Plankton. Insgesamt reicht die Steuerung überall aus um so manchen Spaß zu haben.

Fazit

Das Spiel hat drei mögliche Zielgruppen: Kinder, etwas ältere Fans der Serie und eine Mutter oder ein Vater, die denkt genau das richtige Spiel für ihr Kind gefunden zu haben, weil es doch „Fan von diesem Spongebob Ding“ ist.

Kinder haben, auch wenn mit einigen Kompromissen, relativ viel Spaß mit dem Spiel. Ich habe meine kleine Schwester Vanessa (8 Jahre alt) besucht und ihr das Spiel gegeben. Anfangs hat sie sich „geekelt“ (O-Ton) und war schon etwas sauer nur einen Spongebob Verschnitt zu bekommen, da dieser sich doch „total doof“ (O-Ton) anhörte. Allerdings hat sie sich mehrere Stunden mit dem Spiel beschäftigt und hat sogar über die kindischen Witze gelacht. Als ich abends die Wii wieder mitgenommen habe, war sie etwas geknickt. Das heißt, dass sie durchaus Spaß hatte und das Spiel auch durchspielen würde. Was mich überrascht hat: Der Schwierigkeitsgrad war eigentlich recht gut, wenn man ihre Fähigkeiten berücksichtigt. Kinder bis zehn Jahre können daher ruhig auf die Wertung noch ein, zwei Punkte draufschlagen.

Ich als älterer Fan der Serie hatte einige spannende Momente im Spiel und finde das Patrik Kapitel sogar gelungen. Abgesehen davon empfand ich das Testen als sehr unterfordernd und nur mäßig lustig – allerdings nie wirklich nervig. Die Spongebob Stimme ist total übel und gibt der Soundwertung noch einen ordentlichen Abzug. An diesem Spiel wurde an allen Ecken und Kanten gespart. Anstatt etwas mehr Geld zu investieren und die original Schreiber und original Sprecher der Serie zu engagieren wurde wahrscheinlich eine eher kleinere Spielefirma angemietet, die jedes Einzelkapitel wahrscheinlich schon vorher fertig hatte und diese dann nach abgeschlossenem Vertrag der Lizenz angepasst hat.

Hätte man etwas mehr Budget und Zeit gehabt, hätte das Spiel dessen Stärken sicherlich noch ausbauen können. Doch was jetzt davon geblieben ist keine 60 € Wert, sondern sollte später günstig in der Preisliga 20 – 30 € für das eigene Kind gekauft werden. Ob das nun die Wii Version oder die GameCube Version ist, macht wohl nur einen kleinen Unterschied. Vielleicht sollten sich so manche Eltern mit ihren Kindern über deren Vorlieben bei Videospielen unterhalten und dann zum Vollpreis ein qualitativ gutes Spiel kaufen, welches die kleinen einigermaßen vernünftig schult, was Hand-Augen Koordination oder Intelligenz angeht. Würde der Trend dahin gehen, müssten sich die Entwickler bei solchen Spielen dann auch endlich mal mehr Mühe geben. Denn gespart wird ja nur, weil die unwissenden Eltern solche Spiele immer wieder kaufen oder die Ansprüche der Kinder so niedrig sind.

Sollte jemand zufällig mal das Spiel ausleihen, empfehle ich dennoch einen Blick in das Musikspiel. Das kann durchaus sogar für ein, zwei Stunden begeistern, auch wenn es gar nichts dabei zu erleben gibt. Es fühlt sich einfach sehr witzig an!

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