Testbericht: Skate it

Ihr haltet die Finanzkrise oder erst recht Detlef D! Soost bereits für eine ausgemachte Katastrophe? Dann geht es euch gegenüber den Einwohner von EAs virutellem Skate Mekka „San Vanelona“ noch wirklich gut. Die durch eine Naturkatastrophe zerstörte und beinahe gänzlich ausgestorbene Stadt bietet den Rahmen für das Spin-Off des PS360-Hits „Skate“, welches auf den Namen „Skate it“ hört. Ob auch der Nintendo exklusive Teil der Serie das Potenzial zum „Tony Hawk Killer“ hat oder im wahrsten Sinne eine Katastrophe ist, erfahrt ihr in unserem Test.

I’m a lonesome Skater…

Wer EAs Überraschungshit letztes Jahr auf einer der Konkurrenzkonsolen gespielt hat, ist mit dem Setting des Spiels bereits vertraut und wird sich doch verwundert die Augen reiben. Denn während man sich in der Stadt doch direkt heimisch fühlt, so ist doch vieles nicht mehr so wie man es kennt. Aus aufgeplatzten Wasserrohren sind Halfpipes geworden und eingestürzte Dächer bieten den richtigen Rahmen für ausgedehnte Skate-Sessions. Doch glücklicherweise ist nur ein kleiner Teil der Stadt verwüstet während beispielsweise die Schule und der eine oder andere Skatepark noch in Takt sind. Für ein aufgewärmtes Setting wirkt Skate it überraschend frisch und auch für leidenschaftliche Spieler des großen Bruders gibt es viel zu entdecken. Dass mit dem Unglück auch sämtliche Bewohner von den Straßen verschwanden, mag am Anfang als störend empfunden werden, entpuppt sich aber im Laufe des Spiels eher als Vorteil. Mich zumindest hat es bei Skate immer irre genervt, wenn ich auf dem Weg zum Rail Horden an Shoppingtouristen umkurven musste. Auch die Securityguards und damit verbundenen Challenges sind aus dem Spiel verschwunden, doch am Grundprinzip des Titels hat EA festgehalten. So beginnt ihr als unbekannter Skater und arbeitet euch durch Foto- und Videosessions, Herausforderungen oder Contests langsam nach oben und dürft nach und nach auch immer mehr Sponsoren zu eurem Portfolio hinzuzählen. In manchen Bereichen während verschiedener Challenges dürft ihr via „My Spot Editor“ den Platz des Geschehens nach euren Wünschen umbauen wozu ihr per „Drag & Drop“ Objekte frei neu anordnen dürft. Das ist nicht selten auch zwingend notwendig, da nur mit eigens konzipierten Lines die gestellten Aufgaben gemeistert werden können.

Wem es in der Einsamkeit auf Dauer zu langweilig wird darf bzw. muss auch immer wieder die großen Metropolen der Welt aufsuchen um dort beispielsweise an verschiedenen Wettbewerben teilzunehmen. Während die gestellten Aufgaben anfangs noch wirklich simpel sind, zieht der Schwierigkeitsgrad im späteren Verlauf des Spiels ordentlich an, bleibt aber stets fair. Insbesondere die Tatsache, dass manche Herausforderungen an beliebig gewählten Orten bewältigt werden dürfen, gibt dem Spieler viel individuelle Freiheit.

Leider fehlt dem Spin-Off für Wii wieder einmal ein entscheidendes Feature, welches sich in der Version der Konkurrenzkonsolen bewährt hat – der Onlinemodus. Auch wenn man sich als Wii-Spieler schon fast daran gewöhnt ist nicht mit anderen Spieler in direkten Konkurrenzkampf per Internet treten zu dürfen, konnten die zahlreichen Modi in Skate lange an den Titel fesseln während Skate it nur mit Offline-Multiplayer daher kommt. Diese sind zwar als Partygames kurz- bis mittelfristig unterhaltsam, können aber nur bedingt über den fehlenden Onlinemodus hinweg täuschen. Zwar machen die Offline-Varianten wie „Best Line“, „Best Trick“ oder „Hall of Meat“ gegen bis zu drei menschliche Spieler durchaus Spaß, aber manchmal wünscht man sich doch diese und andere Herausforderungen auch online zu bestreiten.
Wer gar keine Lust hat sich irgendwelchen Auflagen zu beugen, der nutzt einfach die „Free Skate“ Option um sich frei in San Vanelona zu bewegen und sich nach Herzenslust auszutoben.

Balance Board oder nicht, das ist hier die Frage!

In Sachen Steuerung lässt EA dem Spieler die Qual der Wahl. So kann man sich mit Balance Board, Wii-Remote oder Wii-Remote plus Nunchuk ins Spiel stürzen, wobei die Bedienung ohne Nunchuk eigentlich von vornherein eher unattraktiv ist. Bei den weitern beiden Möglichkeiten dürfte in erster Linie die persönliche Vorliebe Ausschlag geben sein, denn beide Arten haben ihre eigenen Vorzüge. Ähnlich wie beim Genrenachbarn Shaun White Snowboarding sorgt Nintendos Multifunktionswaage für das bessere Fahrgefühl und verstärkt den Mittendrin-Effekt erheblich. Doch insbesondere weil das Board extrem feinfühlig anspricht gestaltet sich die präzise Steuerung am Anfang sehr fummelig. Durch Verlagerung des Gewichts in die entsprechende Richtung steuert ihr den Fahrer durchs Gelände oder macht Manuals. eine ruckartige Bewegung nach links oder rechts führt zu einem Powerslide. Je nachdem in welchem Bereich des Boards man einen kurzen Druck ausführt und wie stark dieser ausfällt, lässt das virtuelle Counterpart einen Basistrick ausführen. Zusätzlich hält man beim Fahren die Wiimote in einer Hand und kann darüber das Trickrepertoire erweitern, per B-Knopfeinen Grab ausführen und das Spiel-Menü oder die Karte aufrufen.

Bei der Variante mit Wiimote und Nunchuk steuert man seinen Spieler wie gewohnt per Analogstick durch die Straßen von San Vanelona und die Bewegungssensorik der Remote dient dem Ausführen von Tricks. So ruft eine kreisende Bewegung zu einem Pop-Shuvit oder ein Schwung zur Seite zu einem Kickflip. Wer zusätzlich noch einen Spin machen möchte, benötigt wieder den Analogstick oder führt per B-Knopf einen Grab aus. Dies alles funktioniert ebenso intuitiv wie beim großen Bruder Skate und wirkt frisch und realistisch. Leider muss man sagen, dass sich die klassische Steuerung wieder einmal besser für hohe Scores eignet, trotzdem ist die durchdachte Balance Board-Steuerung, insbesondere bei einfacheren Aufgaben, eine ernst zu nehmende Alternative. Wäre sie nur etwas weniger sensibel, so könnte sie bedeutend zu einem direkteren Gameplayerlebnis beitragen.

Grafik und Sound

In Sachen Grafik orientiert sich der Titel eng am Vorbild, auch wenn man auf Grund der schwächeren Hardwarebasis natürlich Abstriche bei Texturen oder Weitsicht machen muss – trotzdem sieht das Spiel wirklich gut aus. Die Umgebungen sind zwar menschenleer aber schön gestaltet und die Weitläufigkeit der Areale kann ebenfalls überzeugen. Egal welche Tricks und Verrenkungen euer Spieler in die Luft zaubert, sie sind stets sauber und flüssig animiert. Probleme mit der Framerate oder andere technische Fehler sucht man vergeblich. Hier hat EA für die Verhältnisse der Wii sehr ordentliche Arbeit abgeliefert und lediglich die teilweise etwas zu lang geratenen Ladezeiten nach Stürzen trüben das ansonsten sehr gute Bild.

Beim Sound gibt man sich mit Skate it ebenfalls keine Blöße und liefert einen gesunden Mix von Heavy bis HipHop, der zu einem Titel dieses Genres einfach passend ist. Auch die Soundeffekte können überzeugen, denn egal ob Rollen auf Asphalt oder Achsen auf Beton – alles hört sich so an wie man es erwarten würde.
Außerdem hat man sich bei EA die Arbeit gemacht das Spiel komplett zu lokalisieren. So kommt ihr in den Genuss von ordentlichen deutschsprachigen Sprechern, welche euch empfangene Textnachrichten vorlesen oder bei Contests eure Tricks kommentieren. Eine Fleißarbeit die sich aber unbedingt gelohnt hat. Wir sagen Hut ab, diese Arbeit macht sich längst nicht jeder Entwickler.

Fazit

Skate it ist ein tolles Spiel, wenn auch nicht ganze frei von kleinen Mängeln. So fallen der fehlende Onlinemodus und die etwas zu sensibel reagierende Balance Board-Steuerung negativ auf, der Gesamteindruck bleibt aber sehr überzeugend. Ein umfangreicher Karrieremodus, gute Grafik sowie Animationen und eine innovative Steuerung bilden den Rahmen für einen sehr unterhaltsamen Skatetrip. Auch Spieler des Vorgängers finden durch das komplett veränderte Setting genügend Anreiz den Ausflug nach San Vanelona ein zweites Mal anzutreten. Gäbe es jetzt noch die Möglichkeit online zu spielen, wäre unser Silber-Award verdient gewesen, so reicht es leider nur für Bronze. Trotzdem gibt es eine klare Kaufempfehlung für alle, die ein realistisches Skate-Erlebnis für die Wii suchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Packshot Skate it

Skate it

Release: 20.11.2008
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 4
USK: 12