Testbericht: RTL Winter Sports 2009: The Next Challenge

Mit etwas Glück könnten wir diesen Winter in weiten Teilen des Landes sogar mal wieder mehr Schneefall erleben. Passend dazu bringt Publisher RTL Games alle Jahre wieder die Wintersportserie „RTL Winter Sports“ auf die verschiedensten Plattform und beehrt auch die Wii wieder mit einer Version. Wir haben uns in Eiskanäle, auf Skipisten und Loipen gewagt um heraus zu finden, ob der Titel das richtige Futter für familienfreundliche Unterhaltung über die Weihnachtsfeiertage ist.

Let the Games begin…

Wer bereits die 2008er Version des Spiels in seiner Wii hat rotieren lassen, wird im ersten Moment ein wenig verdutzt die Augen reiben, denn die Aufmachung des Spiels sowie die Spielmodi und Disziplinen sind augenscheinlich fast identisch zum Vorgänger. Das ganze Spiel ist also nur ein warmer Aufguss der letztjährigen Version? Nicht ganz, denn als größte Innovation fällt dem geneigten Spieler sofort die optionale Balance Board-Steuerung ins Auge: Skispringen, Snowboarden, und Eisschnelllauf mit der Multifunktionswaage hört sich nach einer Menge Spaß an, doch beginnen wollen wir zunächst beim Umfang. Insgesamt stehen zehn Sportarten zur Verfügung die in insgesamt 18 Disziplinen ausgeführt werden können. Leider ähneln sich beispielsweise Bob, Rodeln und Skeleton bis ins kleinste Detail und gehen deshalb nur mit viel gutem Willen als eigenständige Spielbestandteile durch.

Einigen wir uns also auf acht Sportarten und beginnen mit den neu hinzu gekommenen, als da wären: Snowboard-Halfpipe und Biathlon. Während man im vergangenen Jahr noch zwangsweise auf RTL Biathlon zurückgreifen musste, wurde mein Gebet erhört und es wurde heuer sinnvoller Weise in das Winter Sports-Paket integriert – wenn auch nicht im vollen Umfang. Dafür muss auch dieses Jahr wieder auf das eigenständige RTL Biathlon 2009 zurückgegriffen werden, was erstmals auch für Wii erhältlich sein wird. Nun aber zurück zu Winter Sports 2009. Während die Langzeitmotivation beim Langlauf eher mittelmäßig war gewinnt sie beim Biathlon durch die Schießeinlagen deutlich an Herausforderung, womit wir bei der ersten richtigen Neuerung angelangt wären. Die zweite neuhinzugekommene Sportart dürfte Freunde des Ein-Brett-Wintersports erfreuen, denn zum ersten Mal darf man sich statt mit Skiern auch mit dem Snowboard in den Wettkampf stürzen. Als einzige Disziplin steht der Wettkampf in der Halfpipe zur Auswahl, da auf alpine Rennen komplett verzichtet wurde und diese nach wie vor den Skifahrern vorbehalten sind. Leider bietet die Halfpipe nur wenig spielerische Freiheit, da man sich, ähnlich wie beim Eiskunstlauf, größtenteils auf das Ausführen vorgegebener Bewegungen mit Wii-Remote und Nunchuk beschränken muss. Trotzdem bietet der Trickwettkampf eine willkommene Abwechslung im Winter Sports-Alltag ohne den Anspruch zu erheben, vollwertigen Snowboard-Games den Kampf anzusagen.

Alle anderen Disziplinen kennen Veteranen der Serie bereits aus der Vorjahresversion, als da wären: Ski alpin, Skispringen, Eisschnelllauf, Bob, Rodeln, Skeleton, Eiskunstlauf und Curling. Leider sind diese Disziplin beinahe identisch zur 2008er Version umgesetzt und bieten daher den Spielern dieser Version kaum einen Wiederspielwert, allen anderen bietet RTL Games allerdings überdurchschnittliche Kost in Sachen Gameplay und Steuerung. Alle Sportarten wurden mit viel Liebe zum Detail implementiert und bieten aufgrund der geschickt gelösten Bewegungssteuerung ein tolles Mittendrin-Gefühl. Egal ob ihr euch im Bob in die Steilkurven neigt oder beim Abfahrtsrennen auf den Skiern um die Piste prügelt, alles fühlt sich authentisch an und kommt aufgrund der verschiedenen Schwierigkeitsstufen immer mit der passenden Herausforderung daher. Zusätzlich bieten alle Disziplinen entweder verschiedene Variationen – beim Skifahren wäre da Slalom, Super G, Abfahrt und Riesenslalom, oder aber verschiedene Austragungsorte die vorher freigespielt werden müssen. In Sachen Umfang bekommt man also wirklich Einiges geboten, auch wenn es sich oft repetitiv anfühlt und sich die Abwechslung daher in Grenzen hält.
Und wenn wir schon von Umfang sprechen, wollen wir natürlich auch die verschiedenen Spielmodi etwas genauer beleuchten, auch wenn wir es hier ebenfalls mit alten Bekannten zu tun haben. Zur Auswahl stehen Wettkämpfe mit einer vorgegebenen Anzahl Disziplinen, die auch frei definiert werden können, verschiedene Kampagnen bei denen bestimmte, teils kuriose Aufgaben erfüllt werden müssen, ein Karrieremodus und das freie Spiel. Auch hier dürfte für jeden etwas dabei sein, insbesondere der Kampagnenmodus, bei dem man beispielsweise gleichzeitig Skifahren und Kopfrechnen muss, hat einen gewissen Partycharakter womit auch diese Sparte abgedeckt wäre.

Wie zu erwarten war verfügt das Spiel nicht über einen Onlinemodus sondern lediglich einen Offline-Multiplayer für bis zu vier Spieler. Zwar ist es schade, dass die Entwickler auf eine Onlineanbindung des Spiels auch dieses Jahr wieder verzichtet haben, im Hinblick auf die Zielgruppe ist es aber zu verzeihen. Mit bis zu drei Freunden lässt sich entweder abwechselnd oder im Splitscreen-Verfahren (maximal zu zweit) im Wettkampf antreten, was viele Stunden spannende Duelle vor dem heimischen Bildschirm verspricht.

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Nachdem RTL Winter Sports 2009 in unserem Test bisher doch sehr gut abgeschnitten hat, ist es jetzt Zeit für etwas Kritik. Zu Beginn haben wir bereits die, Gott sei Dank, optionale Steuerung per Balance Board angeschnitten und diese kommt leider nicht allzu gut weg. Alternativ zur Steuerung mit Wii-Remote und Nunchuk, welche, wenn auch identisch zum Vorgänger, einfallsreich und stimmig umgesetzt wurde und darüber hinaus absolut Problemlos anspricht, wirkt die Steuerung per Gewichtsverlagerung aufgesetzt und schlampig integriert. Während sie meistens viel zu feinfühlig reagiert, was ein präzises Steuern beim Skifahren oder Snowboarden extrem schwierig gestaltet, ist sie in manchen Disziplinen einfach nur fehl am Platze. Denn wieso ich beim Curling die Richtung meines Stoßes per Neigung nach links oder rechts einstellen soll, was darüberhinaus beinahe unmöglich ist, bleibt mir ein Rätsel. Aber es gibt nicht nur Schlechtes zu berichten, beispielsweise Skispringen steuert sich, wie bereits bei Wii Fit, durchaus stimmig, wenn auch beinahe identisch zu Nintendos Fitnessprogramm. Ein echtes Highlight dagegen ist dafür der Eisschnelllauf, bei dem erst durch schnelles Tippeln auf dem Board Speed aufgenommen werden muss um dann in gleichmäßigen Bewegungen über das Eis zu rasen, was in der Tat ein tolles Gefühl vermittelt. Leider bleiben solche Freudenmomente die Ausnahme und der Wettkampf per Wiimote und Nunchuk macht bedeutend mehr Spaß.
Hier lehnt man sich durch Neigen der entsprechenden Controllereinheit beim Skifahren in die Kurve, navigiert seinen Bob durch den Eiskanal oder vollführt in bester Partymanier die vorgegebenen Bewegungen beim Eiskunstlauf oder Snowboarden. Echte Ausfälle sucht man bei der klassischen Steuerung vergeblich, leider auch wirkliche Neuerungen zum Vorgänger, aber man braucht das Rad ja auch nicht neu zu erfinden.

Grafik und Sound

Alles beim Alten gilt leider auch bei der Grafik, denn sowohl in Punkto Layout und Design als auch bei der Levelgestaltung und den Texturen fühlt man sich in das Vorjahresspiel zurückversetzt. Während man im Menü darüber noch hinwegsehen kann, hätten wir uns im Spiel etwas mehr Feinschliff gewünscht. Vieles wirkt einfach altbacken und statisch. Trotzdem gehört RTL Winter Sports 2009 nicht zu den wirklich schwachen Spielen auf der Wii, aber das Gefühl, hier ein aufgewärmtes Spiel in den Händen zu halten, wird man leider nicht los.
Besser sieht es in diesem Fall beim Sound aus, denn die Geräuschkulisse kann sich durchaus sehen bzw. hören lassen. Die Soundeffekte sind meist passend, wenn auch etwas spärlich gesät. Die Kommentatoren sind gewohnt gut und liefern sich teilweise recht unterhaltsame Wortgefechte. Lediglich die Zuschauer sind, für einen Wettkampf mit olympischem Charakter, etwas emotionslos geraten.

Fazit

Nein, weder der Umfang der Disziplinen noch der Spielmodi bietet wirklich viel Platz für Kritik. Wenn, ja wenn man den Vorgänger nicht bereits gespielt hat – dann bietet das Spiel wirklich wenig Neuerungen. Und eine dieser Neuerungen, die Steuerung per Balance Board, muss leider als Totalausfall bezeichnet werden. Technisch betrachtet ist RTL Winter Sports 2009 leider ebenfalls nur Mittelmaß. Ist es deshalb ein schlechtes Spiel? Nein absolut nicht! Das Spiel ist sowohl familientauglich, bietet aber gleichzeitig auch ambitionierten Spielern genügend Herausforderung und Tiefgang. Wer sich für Wintersport interessiert und ein Spiel sucht, welches über das allgegenwärtige Gerüttel und Geschüttel hinaus geht, darf getrost zugreifen solange er den Vorgänger nicht schon besitzt.

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