Testbericht: Rock’n’Roll Adventures

Dass Spieleentwickler mit ihren Projekten Geld verdienen müssen, um auf Dauer am Markt bestehen zu können, ist denke ich für jeden normal denkenden Zocker verständlich. Verständlich ist es aber auch, dass die spielende Gemeinde einen gewissen Gegenwert für ihre sauer ersparten Kröten bekommen möchte. Wenn es aber unter all den Studios dann gewisse schwarze Schafe gibt, die mit lieblos programmiertem Mist das schnelle Geld wittern, stößt das dem geneigten Zocker in der Regel sauer auf. Zu dieser Gattung scheint leider auch „Data Design Interactive“ zu gehören, die mit „Rock’n’Roll Adventures“ ein weiteres Game ihrer „Popcorn Arcade“-Reihe auf Nintendos Wii bringen. Furchtlos und unerschrocken haben wir uns die virtuelle Gitarre geschnappt, uns in ein Elvis-Kostüm gezwängt und den Titel auf Herz und Nieren geprüft …

Elvis has left the building!

Erst kürzlich konnten wir am Beispiel von Ninjabread Man am eigenen Leib erleben, wie schlecht Low Budget-Produktionen sein können. Uninspiriertes Gehopse und eine grauenvolle Technik konnten einem wirklich zweifeln lassen, dass man es hierbei mit einem Spiel für die aktuelle Konsolengeneration zu tun hatte. Dabei erschien das Konzept der „Popcorn Arcade“-Reihe, die hierzulande von „CDV Software Entertainment“ vertrieben wird, auf dem Papier gar nicht einmal so schlecht zu sein. Etliche Titel sollten zum Budgetpreis auf den Markt kommen und dabei vor allem eine jüngeren Zielgruppe sowie Gelegenheitsspieler ansprechen. Das einzige hierbei allerdings gehaltene Versprechen ist wohl offenbar der Preis, denn auch Rock’n’Roll Adventures steht zum „Nice Price“ in den Regalen. Und dank des recht ansprechenden Coverartworks mit seinen bunten und knalligen Farben könnte durchaus der ein oder andere Spieler in die Versuchung kommen, sich den Titel für den kleinen Geldbeutel zu zulegen.

Das böse Erwachen kommt allerdings spätestens dann, wenn die Disc zu hause in der Wii ihre ersten Runden gedreht hat. Bereits in den ersten Spielminuten fühlt man sich mit Rock’n’Roll Adventures zurückversetzt in eine Zeit, als die Entwickler mit dem Genre der 3D-Plattformer noch keine rechte Erfahrung hatten. Wer nun bereits in Retro-Gefühlen schwelgt und schnell zu seinem nächsten Videospielhändler aufbrechen möchte, sollte sich bitte noch etwas Zeit nehmen und mich erklären lassen, warum Rock’n’Roll Adventures alles andere als eine gute Investition ist. Das Setting kommt zwar nicht vollkommen unverbraucht daher, immerhin gab es vor zwei Generationen bereits einen gewissen „Johnnie Bazookatone“, der als hopsender Möchtegern-Elvis auf Playstation und Saturn seine Runden drehte. Dennoch ist dem gesamten Grafikstil ein gewisser Charme nicht abzusprechen. Im Vergleich mit Ninjabread Man erscheint das Charakterdesign zwar nicht so abgefahren, ist aber dennoch in sich stimmig. Euer Protagonist Elviz ist der erwartete Verschnitt des Kings höchstpersönlich, der mit einem glitzernden Anzug und einer Haartolle ausgestattet wurde, wie man es sich typischer nicht vorstellen könnte.

Elviz hat dabei nun die Aufgabe das Land der Musik zu retten und findet sich schnurstracks in allerlei an das Hauptthema „Musik“ angelehnten Welten wieder, wo sich ihm natürlich ein paar Widersacher in den Weg stellen. Auch diese wurden thematisch passend gestaltet und so reicht das Repertoire an Feinden von Trompeten und Posaunen über Snare Drums bis hin zu Radios. Da Elviz im Gegensatz zum Klassenprimus Mario wohl keine festen Hosen besitzt, sollte man seinen Gegnern nicht auf den Kopf springen, da Berührungen sofort einen Kraftpunkt kosten. Dafür darf eure Rock’n’Roll-Karikatur seine mitgeschleppte Klampfe einsetzen, um den Opponenten eins über den meist gar nicht vorhandenen Schädel zu braten. Vollführt wird dies durch das Schlagen der Wiimote nach links oder rechts, was nicht gerade von viel Innovation zeugt. Wenn dazu noch die ausgeführten Aktionen nicht jedes Mal erkannt werden und die Kolissionsabfrage die Gitarre teils schadlos durch die Gegner hindurch segeln lässt, ist der aufkommende Frust vorprogrammiert. Flucht allerdings nicht, bevor ihr nicht auch erfahren habt, wie sich Elviz selbst durch die popeligen vier Welten steuern lässt. Der dickbäuchige Rocksänger wird mit dem Analogstick des Nunchuk gesteuert, was an sich ja noch nicht ungewöhnlich ist. Gesprungen wird allerdings nicht mit einem Knopfdruck, sondern indem man den Nunchuk ruckartig nach oben bewegt. Da auch hier nicht jeder Ruck wie gewünscht erkannt wird, verkommt das Springen oftmals zur Glückssache. Wer nun noch weiß, dass ab und an präzise Doppelsprünge auf diese Art und Weise ausgeführt und selbst Treppen so erklommen werden wollen, kann sich vielleicht ein Bild davon machen, wie nervig das Spielen von Rock’n’Roll Adventures werden kann.

Dazu trägt auch die sehr störrische Kameraführung bei, die auch das ein oder andere Mal dafür sorgt, dass ihr bei einem Sprung in die Tiefe segelt und die Passage noch einmal wiederholen müsst. Obwohl dem Game offenbar dieselbe Engine wie Ninjabread Man zu Grunde lag, ist die Kameraführung dennoch einen kleinen Tick besser. In Rock’n’Roll Adventures reagiert die Kamera nicht ganz so unflexibel und darf mit einem Druck nach unten auf dem digitalen Steuerkreuz der Wiimote auch wieder hinter eurem Helden positioniert werden – wovon man im Spiel oft Gebrauch machen muss. Natürlich ist die Kameraführung noch meilenweit entfernt von der Perfektion, treibt den Spieler aber immerhin nicht binnen Minuten zur Weißglut. So etwas wie Spielspaß kommt dennoch kaum auf, denn auch die an den Spieler gestellten Aufgaben sind von eher minimalistischer Natur. Um ein Level abzuschließen, muss Elviz eine vorgegebene Anzahl an Noten sowie Platinschallplatten finden. Nur so öffnet sich der Ausgang zum nächsten Level. Wer sich dabei Zeit nimmt und die ziemlich gleich wirkenden Stages erkunden möchte, kommt dennoch kaum auf eine Gesamtspielzeit von mehr als zwei Stunden. Ohne weitere Goodies sinkt die Langzeitmotivation damit sofort in den Keller, denn es wird kaum einen Zocker geben, der sich noch ein zweites Mal mit Elviz in dessen virtuelle Welten stürzen möchte. Selbst die alternativen Spielmodi wie in Ninjabread Man, mit denen man den Titel noch einmal auf Zeit oder Punkte durchzocken kann, können daran nichts ändern.

Musik liegt in der Luft?

Wie bereits erwähnt, so wurde bei Rock’n’Roll Adventures offenbar dieselbe Grafik-Engine wie bei Lebkuchenmann mit dem Ninja-Schwert verwendet – was eine nicht gerade opulente Optik erwarten lässt. In der Tat wirkt auch das Spiel rund um den Elvis-Klon so, als hätte man alles schon einmal irgendwo gesehen und als wäre der Titel technisch auch locker in der letzten Konsolengenration machbar gewesen. Ach Quatsch, selbst auf der Playstation 2 hätte Rock’n’Roll Adventures zu den grafisch eher anspruchslosen Titeln gezählt. Die wenigen Lichteffekte sind kaum der Rede wert, dafür wird das Auge mit öden Texturen, grobpixeliger Auflösung und eintönig gestalteten Stages gestraft. Die bunten und kräftigen Farben sind der einzige Lichtblick, die dem Game zumindest auf den ersten Blick einen halbwegs ansprechenden Charme verleihen. Auch die Charaktermodelle selbst sind vergleichsweise ansehnlich geworden, über das Mittelmaß kommen sie aber dennoch nicht hinaus, da auch ihre Animationen hätten flüssiger animiert werden dürfen. Dass es bei einer derart spartanischen Optik nicht zu Rucklern kommt, müsste eigentlich gar nicht gesondert erwähnt werden, denn die Wii wird hier gnadenlos unterfordert.

Wer nun auch in Sachen Sound einen absoluten Reinfall erwartet, wird eines Besseren belehrt. Nein, der Sound entpuppt sich sogar noch zum Highlight des gesamten Spiels. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir es hier wirklich mit einem hochklassigen Soundtrack zu tun haben – mitnichten. Aber die ab und an leicht rockig angehauchten Musikstücke dudeln recht gefällig vor sich hin und gehen dem Spieler immerhin nicht schon nach wenigen Minuten auf den Keks. Hinzu gesellen sich sogar ein paar vereinzelte Sprachsamples sowie passable Soundeffekte. Gemessen am miserablen Abschneiden aller anderen Punkte ist der Sound somit wie gesagt noch der beste Aspekt an Rock’n’Roll Adventures.

Fazit

Auch ein bestenfalls mittelmäßiger Sound kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rock’n’Roll Adventures insgesamt gesehen ein ziemlicher Schuss in den Ofen geworden ist. Das langweilige Gameplay wirkt hoffnungslos veraltet und wurde durch die oftmals nur schlecht reagierende Steuerung zusätzlich verkorkst. Zum geringen Umfang kommt noch die technisch schwache Umsetzung, die in der heutigen Zeit fast schon eine Frechheit ist. Auch wenn wir dank Ninjabread Man mittlerweile wissen, dass es noch schlechter geht, macht das den vorliegenden Plattformer mit dem Elvis-Klon dennoch kaum besser. Einzig Masochisten dürfen sich hiermit auf einen weiteren Titel freuen, mit dem sie ihre Gelüste befriedigen können. Alle anderen sollten dagegen einen weiten Bogen um Rock’n’Roll Adventures machen.

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Packshot Rock’n’Roll Adventures

Rock’n’Roll Adventures

Release: 20.12.2007
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