Testbericht: Resident Evil Zero

Capcom und die Wiederverwertung alter Titel ist offenbar eine niemals endende Geschichte. Ich glaube, viel muss man dazu nicht mehr sagen, denn so oft wie darüber schon berichtet wurde, ist es ein alter Hut. Aber alt heißt ja nicht gleich schlecht und so habe ich mich für euch unter die Zombies gemischt und das bereits 2002 für den Game Cube erschienene Remake zu „Resident Evil Zero“ nun für die Wii getestet.

Story & Gameplay

Der Spieler befindet sich im Jahre 1998 und ist Teil des S.T.A.R.S. Bravo-Teams, welches den Angriffen in den Arkley Mountains auf die Spur gehen soll. Jedoch hat der Helikopter des Teams einen Motorschaden, was sie zur Notlandung zwingt, bevor sie am eigentlichen Einsatzort angelangt sind. Während ihr nun als Rebecca Chambers die Gegend nach einem entflohenen Mörder namens Billy Coen durchsucht, stoßt ihr auf einen scheinbar verlassenen Zug, den es natürlich zu untersuchen gilt und damit beginnt auch schon der Zombiespaß. Zuerst alleine, später in Zwangsgemeinschaft mit Billy, trefft ihr auf allerhand altbekannte Resi-Untote: Vom normalen menschlichen Zombie, über allerlei mutiertes Krabbelgetier bis hin zum Tyrant, Hunter oder formverändernden Blutegel ist dabei alles vertreten.

Wie es bei Resident Evil jedoch üblich ist, müsst ihr nicht nur wandelnden Leichen den Garaus machen und versuchen zu überleben, sondern auch Rätsel lösen, Puzzleteile sammeln und verschiedene Aufgaben lösen, um dem Horror zu entkommen. Je nach Laune oder Aufgabe schlüpft ihr dank Partner-Zapping zwischen Rebecca und Billy hin und her, da jede Figur ihre Stärken und Schwächen hat, die es zu gegebener Zeit zu nutzen gilt. Solange ihr einen der beiden nicht bewusst irgendwo stehen lasst oder selbst steuert, wird diese Figur vom Computer übernommen und folgt euch brav. Der Sprung zwischen den Charakteren ist mit einem einfachen Knopfdruck leicht gemacht und so könnt ihr euch quasi immer wieder selbst retten, wenn ihr aus dem Hinterhalt angegriffen werdet, was auch nötig ist, denn wenn eine der Figuren drauf geht, ist das Spiel auch schon vorbei. Jedoch ist dem fremdgesteuerten Partner nicht immer zu trauen, denn es kommt auch mal vor, dass er entweder gar nichts tut um gegen die angreifenden Zombies zu kämpfen, oder wertvolle Munition, die man ja nun nicht an jeder Ecke findet, sinnlos verballert. Na Danke, tolle Hilfe.

Steuerung

Zero macht dem Ausdruck Survival-Horror alle Ehre, denn dem Überleben werden von Seiten der Entwickler so viele Hindernisse in den Weg gelegt, wie es nur geht. Damit meine ich weniger die Ungeheuer, mit denen man sich sowieso herum schlagen muss, sondern Hindernisse wie das viel zu kleine Inventar, eine unterirdische Steuerung, eine feste Kamera und das Speichersystem aus der Hölle. Die fest installierte Kamera sucht sich teilweise seltsame Blickwinkel aus, was mich gerade am Anfang mehr als einmal das Leben gekostet hat, da ich dank Perspektivensprung im Glauben war Gegner X getötet zu haben, bis er mir wieder an der Kehle hing. Jedoch baut sich somit auch eine konstante Spannung auf, da man sich nie sicher sein kann wirklich alleine zu sein, denn selbst Räume, die man bereits „gesäubert“ hat, beherbergen bei späteren Besuchen erneut Untote. Sicher fühlt man sich also bei Resident Evil nie, aber so muss das ja auch sein.

Die Steuerung selbst ist jedoch der wahre Horror. Man kann entweder vorwärts oder rückwärts gehen und für eine Drehung braucht man seine Zeit. Zu sagen diese Art der Lenkung wäre überholt, wäre noch ein Kompliment. Dass die Wii-Controller neue Möglichkeiten bieten, wurde von Capcom geflissentlich ignoriert und so kann man auch einfach mit einem alten GameCube-Controller spielen, was jedoch die Frage aufwirft, warum man sich dann überhaupt die Wii-Version kaufen sollte, denn auch sonst scheint es keine Neuerungen zu geben. Auch die Möglichkeit Gegnern, wie beispielsweise bei Teil 4, mit einem Messer zu Leibe rücken zu können, habe ich schmerzlich vermisst, da Munition ein kostbares Gut ist, mit dem man sparsam umgehen sollte.

Wie schon früher lässt sich auch bei Zero nur an Schreibmaschinen speichern, die man aber nur verwenden kann, wenn man denn auch brav ein Farbband mit sich trägt. Logischerweise nimmt ein kleines Farbband jedoch genauso viel Platz in Anspruch wie etwa eine Pistole oder eine Statue, die man zum Lösen eines Rätsels benötigt. Äh, Moment, was? Zu sagen das Inventar wäre klein, wäre untertrieben. Es ist lächerlich klein. Sogar in meine Handtasche passt mehr hinein und wenn man bedenkt, dass Billy und Rebecca jeden verdammten Zettel mit sich schleppen, den sie finden, fragt man sich manchmal schon, warum man nicht einfach ein paar Kräuter anstatt dem zehnten gefundenen Tagebuch einpacken kann. Ein Pluspunkt ist zwar, dass ihr das Inventar beliebig zwischen Billy und Rebecca hin und her tauschen könnt, jedoch reicht das bei Weitem nicht. Das hat zur Folge, dass man ständig irgendwo Sachen ablegen und schließlich wiederfinden muss, weil man sonst einfach nicht zurechtkommt. Man sollte aber nicht den Fehler machen keine Bänder mit sich zu tragen, denn über lange Strecken sind keine zu finden und nicht abzuspeichern kann stundenlanges Gameplay kosten. Frustrationsmomente sind also vorprogrammiert.

Grafik & Sound

Über all diese Punkte kann man sich entweder die ganze Zeit ärgern, oder man beißt die Zähne zusammen und lässt sich auf das Spiel ein, denn die Atmosphäre stimmt einfach. Gut gewählte Musik, die mal ruhiger und mal schneller, aber immer bedrückend ist, gepaart mit dem unheilvollen Stöhnen und Schlurfen der Untoten, das ist Resident Evil! Dass diese Grafik schon etwas älter ist und auch nicht erneuert oder verbessert wurde, darüber lässt sich streiten. Stimmungsvolle Lichteffekte, Spieglungen, die man im ersten Moment für Zombies halten kann, bedrohliche Schatten, detailreiche Renderhintergründe … das alles trägt zu einer sehr dichten und stimmigen Atmosphäre bei.
Klar weiß man, dass die Wii mehr kann, aber es passt zum Feeling, das das Spiel herüber bringen will und bringt. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass Bugs wie auf dem Boden weiter zuckende Zombies, die ihre letzte Knabberattacke eigentlich hinter sich haben, repariert worden wären oder die Bewegung der Figuren weniger hölzern wirkt, denn gerade im Vergleich mit anderen Ports, die früher erschienen sind, fühlt man sich hier etwas verschaukelt. Man weiß zwar, dass es technisch besser geht, nur wie bereits beim Re-Remake des ersten Teils in der „Archive“-Reihe für Wii wurde klar, dass Capcom die GameCube-Teile 1:1 auf Wii bringt. Wir können uns daher nur wiederholen und betonen, dass man dadurch jede Menge Potential verschenkt.

Fazit

Resident Evil Zero ist in jedem Sinne eine Zeitreise. Man reist nicht nur im Spiel in die Zeit vor den Geschehnissen von Resident Evil 1, sondern man reist auch in der Videospielgeschichte zurück in eine Zeit mit hakeliger Steuerung und fester Kamera, die man teilweise lieber vergessen hätte. Capcom muss sich zu Recht die Kritik anhören, einfach nur Geld scheffeln zu wollen mit diesem lieblosen Re-Remake, von dem man sich nicht sicher sein kann, ob die Welt es tatsächlich braucht. Klar, es ist Resident Evil und hat all den Charme, den ein Spiel dieser Reihe haben muss, doch leider tröstet das nicht darüber hinweg, dass wir im Jahr 2010 sind und gerne auch Spiele mit entsprechender spielerischer und technischer Qualität hätten. Ist das Spiel ein kompletter Griff in das Zombie-Klo? Nein, sicher nicht. Resident Evil Zero bietet ein paar unterhaltsame, schaurig schöne Stunden. Zombiefreunde, Resi-Fans, Sammler und Nostalgiker werden ihren Spaß haben. Leute, die die GameCube-Version bereits im Regal haben können sich das Geld getrost sparen und auch wer neu in das Resi-Universum einsteigen möchte, sollte lieber zu Original-Entwicklungen der Reihe für Wii greifen, wie etwas Resident Evil 4 oder die Chronicles-Reihe.

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Packshot Resident Evil Zero

Resident Evil Zero

Release: 22.01.2010
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 1
USK: 16