Testbericht: Resident Evil: The Darkside Chronicles

Die Chronik geht weiter. Nach den Umbrella Chronicles springt Capcom in diesem Winter erneut auf die derzeit erfolgreiche rollende Rail-Shooter-Welle auf, um euch die Abenteuer vergangener Tage erneut erleben zu lassen. „Resident Evil: The Darkside Chronicles“ erfüllt dabei alle Voraussetzungen eines Hittitels – steht also brillante Zombie-Action ins Haus?

Die dunkelste aller Chroniken

Zombies haben’s ja nun wirklich nicht leicht. Seit Jahrzehnten dienen sie nur dem Zweck erschossen, erstochen oder gesprengt zu werden. Keiner möchte ihnen zu nahe kommen, keiner Interessiert sich für ihre Bedürfnisse. Dabei sind die armen Knabberer doch selbst meist nur Opfer irgendeines wirren Viren-Wahnsinns. Bei Resident Evil ist es natürlich der altbekannte T-Virus, der tote Zellen regeneriert und Mutation auslöst. Wie unangenehm diese Auswirkung in der Praxis wird, erfuhr der Junge Polizist Leon S. Kennedy erstmals 1998, als er sich in Resident Evil 2 durch die zerstörte Stadt Raccoon City kämpfte. Seine Geschichte ist dabei eine der drei Kampagnen, die der Spieler im Wii-Titel Darkside Chronicles aus der Egoperspektive noch mal durchlebt. Anders als beim Vorgänger, Umbrella Chronicles, serviert euch Capcom diesmal allerdings nicht nur schon bekannte Ereignisse, sondern packt mit der Südafrika-Kampagne sogar noch eine völlig neue Episode drauf, die Leons ersten Einsatz zusammen mit seinem späteren Rivalen Jack Krauser erzählt. Die dritte Kampagne verschlägt euch letztlich auf Rockford Island, den Schauplatz das ehemaligen Dreamcastspiels Code: Veronica. Diesen drei Geschichten gemein ist, dass sie euch alleine oder kooperativ Non-stop Daueraction servieren und noch dazu Hollywoodreif inszeniert sind. Die Renaissance der Rail-Shooter wird hier würdevoll fortgeführt.

Ein Genre in Perfektion

So genannte Lightgun-Shooter hatten nie den Ruf sonderlich innovativ zu sein. Oft waren es in der Vergangenheit nicht mal besonders gute Titel, die meist in den Spielhallen deshalb so beliebt waren, weil man sie zu zweit durchstreifen konnte und nichts tun musste, außer zu ballern. Nintendos Wii ist für dieses Spielerlebnis natürlich wie geschaffen und konnte in der Vergangenheit auch schon einige Toptitel dieses Genres verbuchen. Doch wie entwickelt man eine Sparte weiter, in welcher der Spieler ohnehin nur sehr begrenzte Freiheiten hat? Die Antwort gab diesen Winter Dead Space Extraction mit seiner wuchtigen, absolut filmreifen Inszenierung, toller Technik, brillanter Atmosphäre, glaubhaften Charakteren und einer spannenden Story. Capcom kann überdies noch den Nostalgiebonus für sich verbuchen, denn viele Stellen haben Kenner der Resident Evil-Reihe schon mal gesehen – nur nie so schön. Als Spieler schlüpft ihr in den ersten Stunden in die Haut von Leon Kennedy oder Claire Redfield, später auch in die von Chris Redfield, Steve Burnside oder Jack Krauser. Spielerisch macht diese Wahl zwar keinen Unterschied, sehr wohl aber Atmosphärisch. Denn im Gegensatz zum Vorgänger und ähnlich wie bei Dead Space Extraction könnt ihr euren Begleiter nun sehen, er läuft neben euch her, kämpft, rennt, zittert und flucht. Die ständigen Dialoge lassen die Missionen dabei wie überlange Filmsequenzen zum Mitspielen wirken. Doch keine Sorge, die Action kommt dabei nicht zu kurz, in wohl dosierter Menge schickt euch das Programm die unterschiedlichsten Untoten vor die Flinte. Trotzdem sorgt diese ständige Präsenz der bekannten Figuren für eine starke und spannende Atmosphäre, auch wenn im Gegenzug einige Veränderungen im Vergleich zu den Originaltiteln vorgenommen wurden, da ihr jetzt nun mal immer zu zweit seid. Ebenfalls erfreulich ist die relativ große Gegnervielfalt, selbst den einfachen Standartzombie gibt es in zig verschiedenen Ausführungen.

Beim grundlegenden Gameplay gibt es dagegen keine großen Innovationen, ihr bewegt euch vor gegebenen Bahnen durch die Levels und schießt per Remote auf alles, was sich bewegt. Hierfür steht ein Resident Evil-typisches Waffenarsenal zur Verfügung, von der Schrotflinte, über die Maschinenpistole bis zum Raketenwerfer ist alles Nötige dabei. Bis auf die Standardpistole haben alle Waffen begrenzte Munition, von der ihr gerade bei den regelmäßigen Bosskämpfen einiges auf Lager haben solltet. Zwischen jeder Mission habt ihr nicht nur die Möglichkeit Gegnerinfos, Textdokumente und Achievements einzusehen, sondern könnt auch alle Schießeisen mit eingesammeltem Geld in verschiedenen Kategorien aufwerten. Zudem führt eine detaillierte Statistik Buch über eure Erfolge und bewertet jeden abgeschlossenen Level mit einer Endnote – dem Widerspielwert kommt das natürlich sehr zu Gute. Überhaupt ist die Motivation zum erneuten Durchspielen genretypisch hoch, denn neben gelegentlichen Abzweigungen in den Levels und der Jagd nach der besten Bewertung gibt es zahlreiche Archivgegenstände, Trophäen und Zusatzkostüme Freizuspielen. Außerdem könnt ihr durch die Wahl eines anderen Protagonisten das Abenteuer noch mal aus einer leicht veränderten Perspektive erleben. Und nicht zuletzt sorgt der ungemein vergnügliche Koopmodus für weitere spaßige Stunden, selbst wenn man eigentlich schon alles gesehen hat. Wie schon beim Vorgänger bekommen Kennern der Vorgänger zudem noch den Nostalgiebonus, auch wenn die Geschichten leicht verändert wurde, da beide Protagonisten ja nun stets denselben Weg bestreiten (wogegen sie in den Originalen meist getrennt waren). Dafür erzählen zahlreiche, sehr gut gemachte Rendersequenzen die Handlung auch Neulingen plausibel.

Resident Evil-typisch erwarten euch in jeder Kampagne übrigens mehrere Zwischenbosse, darunter der glatzköpfige Mr. X oder das Krokodil aus Resident Evil 2 oder auch verschiedenste Mutationen des G- und T-Veronica Virus. Diese Kämpfe sind zwar stets packend inszeniert, werden allerdings überwiegend durch ausreichendes Draufballern gewonnen. Hier hätten ein paar kreative Einfälle wie bei Dead Space Extraction gut getan (etwa das dortige Tentakelmonster, dem die Fühler in einem Ventilator abgeschnibbelt werden mussten), zudem wird gerade bei langen Bosskämpfen gerne mal die Munition knapp. Wer aber klug vorgeht und hin und wieder seine Waffen verbessert, dürfte keine wirklich großen Probleme bekommen.

Immer der Nase nach

Seit den Zeiten von Red Steel sind nun doch einige Winter ins Land gezogen und mittlerweile habe zahlreiche Wii-Shooter bewiesen, wie gut die Steuerung funktionieren kann. Glücklicherweise bildet Resident Evil: The Darkside Chronicles hier auch keine negative Ausnahme. Da das Spiel wie auf Schienen abläuft, wird primär per Pointer gezielt und geschossen, wahlweise mit oder ohne zusätzliches Nunchuck. Der Zapper lässt sich ebenfalls nutzen, über die Vorteile dieser Plastikwumme darf aber gestritten werden. Da die Gegner je nach getroffener Körperzone anders reagieren, lohnt es sich, gut zu zielen. Insbesondere Kopftreffer geben nicht nur mehr Punkte, sondern lösen auch gleich noch den kompletten Denkapparat vom Hals seines Trägers. Für diese kritischen Treffer muss allerdings ein bestimmter, kleiner Bereich auf Augenhöhe getroffen werden. Nicht ganz leicht, eine Zielinformation im Fadenkreuz hilft aber ein wenig.
Einen Wehrmutstropfen gibt es aber trotz allem….die Kamera. Die Entwickler haben es mit ihrer Dramaturgie wohl etwas zu gut gemeint, sodass an zahlreichen, spannenden Stellen die Kamera mitsamt eurer Helden zittert oder beim Rennen hin und her wackelt. Das macht das Zielen natürlich denkbar schwieriger, wobei man sich nach einer Weile merklich daran gewöhnt.

Hübsch-hässliche Zombies

Ulkig, dass es ausgerechnet die Railshooter sind – das trashige Hinterhof-B-Movie-Genre – die auf Wii gleich mehrere Vorzeige-Titel hervorbringen. Denn um es kurz zu sagen, Resident Evil: The Darkside Chronicles sieht ganz hervorragend aus. Die Levels sind durchweg detailliert, die Figuren und Gegner ebenfalls, Effekte, besonders Feuer, sehen vorzüglich aus und die Animationen und Mimiken lassen ebenfalls keine Wünsche offen. Ein weiteres nettes Detail ist, dass die eigene Waffe beim Nachladen zu sehen ist, was bei Railshootern für gewöhnlich nicht der Fall ist. Lediglich die Kanten flimmern oft deutlich sichtbar, insbesondere auf einem HD-Fernseher.

Besonderes Lob verdient zudem auch die Soundkulisse, die nicht nur mit vielen, schaurig-schönen Geräuschen gefällt, sondern auch mit ihrer tollen und ungemein stimmigen Musikuntermalung. Egal ob Bosskampf in den Umbrella-Labors oder ruhiges Erkunden des Herrenhauses auf Rockford Island, der Klangteppich passt zu jeder Zeit. Gerade in Zeiten, in denen viele Shooter nicht mehr auf Melodien, sondern primär Hintergrundgeräusche setzen, ist das ein großes Lob.

Fazit

Hach, was ist das herrlich. Im Winter 2009 habe ich doch tatsächlich mal deutlich mehr Zeit vor meiner Wii verbracht, als vor irgendeiner anderen Spieleplattform. Denn nach dem Hochspannenden Dead Space Extraction, zeigt auch Resident Evil: The Darkside Chronicles, wie ein moderner Lightgunshooter auszusehen hat. Herausragende Präsentation, spannende Story, starkes Mittendringefühl, brachial-erwachsene Inszenierung und viel, viel Action. Die kleinen Kritikpunkte, wie etwa die teils (absichtlich) wackelige Kamera verzeihe ich angesichts dessen gerne. Gäbe es nicht Dead Space Extraction, dürften sich die Darkside Chronicles sogar die Genrekrone aufsetzen. Der Konkurrent aus dem Hause EA, hat dank einiger innovativer Impulse am Ende aber doch hauchdünn die Nase vorn.
Sei’s drum. Resident Evil fordert kein Hirn, appelliert an meine primitiven Urinstinkte und serviert mir deshalb schnörkellos vergnügliche Balleraction, wie ich sie in diesem Winter nur selten bekommen habe.

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