Testbericht: Ninjabread Man

Dass es mittlerweile genug Entwickler gibt, die sich auf Minispielsammlungen konzentriert haben und damit auf Nintendos Wii ihre Chance auf die große Kohle wittern, sollte mittlerweile die erfahrenen Zocker nicht mehr verwundern. Manche Developer gehen dabei aber noch einen Schritt weiter und bringen nun Umsetzungen von Titeln, die schon vor Jahren auf der Playstation 2 niemand so recht gewollt hat. Unter dem Banner der „familienfreundlichen Unterhaltung“ hat man seitens des britischen Publishers „Green Kangaroo“ nun eine ganze Reihe von Games in der Hinterhand, die in Deutschland von „cdv Software Entertainment“ veröffentlicht werden. Gut zwei Dutzend Spiele sind es, die so in den nächsten Wochen und Monaten unter dem Banner „Popcorn Arcade“ in die Läden gestellt werden und dem unwissenden Käufer nach der Kohle trachten. Eines der ersten Beispiele dafür ist der Titel „Ninjabread Man“, mit dem wir uns todesmutig in unser Testlabor begeben haben…

Der Lebkuchen mit dem Ninja-Schwert

Bevor ich nun mit dem eigentlichen Review zu Ninjabread Man beginne, sollte ich vielleicht ein paar Worte zum Entwickler des Spiels verlieren. Ninjabread Man stammt von einem Entwicklerteam mit dem Namen „Data Design Interactive“, die in den letzten Jahren etliche Games in erster Linie für den PC und die Playstation 2 verbrochen haben. „Verbrochen“ deswegen, weil es sich dabei eigentlich ausschließlich um Low Budget-Produktionen gehandelt hat, die auch weltweit entsprechende Wertungen kassierten. Weit abseits der spielerischen Klasse setzte man also hier mehr auf die Quantität an veröffentlichten Titeln. Ob man damit das Ziel verfolgt, neben all dem Schrott auch mal durch Zufall einen Hit zu landen, oder ob man einfach keine Kohle investieren wollte, um die Spiele vor der Veröffentlichung noch einmal ein paar Testern zur Überprüfung zu geben, kann nur vermutet werden. Jedenfalls ist die Anzahl der von Data Design Interactive entwickelten Spiele schon einmal kein gutes Zeichen, da es sich hierbei immerhin nur um ein kleines Studio handelt.

Binnen schätzungsweise zwei Wochen Entwicklungszeit wurde wohl auch das Spiel rund um den Lebkuchenmann Ninjabread Man auf die Beine gestellt. So schlecht das vom „Gingerbread Man“ abgeleitete Wortspiel ist, so schlecht ist auch die Hintergrundstory zum Titel, sofern man das Gebotene überhaupt als „Story“ bezeichnen kann. Das Süßigkeitenland wird angegriffen, und unser Held muss natürlich gegen diese Bedrohung ankämpfen. Wo in Zeiten der 8 Bit-Konsolen dies als Plot noch üblich war, sind mittlerweile dann doch ein paar Konsolengenerationen vergangen, und man hätte sich etwas mehr Substanz gewünscht. Immerhin wird nicht einmal erwähnt, wer denn nun genau das Süßigkeitenland angreift, warum er dies tut und welche Ziele weiterhin verfolgt werden. Aber man will offenbar den Spieler nicht unnötig damit belasten, sondern gönnt ihm den direkten und unverblümten Einstieg in das Spiel. Vermutet man nun, dass aus diesem Grund die Action auf dem Screen überzeugt, ist man allerdings schief gewickelt. Nach dem Starten der Disc darf man sich zuerst einmal über ein potthässliches Menü wundern und wird nach dem Erstellen einer Speicherdatei mit dem Trainingslevel konfrontiert. Ab diesem Zeitpunkt wird das volle Ausmaß der Katastrophe nach und nach immer deutlicher. Der erfahrene Zocker registriert bereits jetzt, dass Ninjabread Man ein lieblos dahingeschludertes Game ist, dem jeglicher Feinschliff fehlt. Jüngere Spieler oder auch die anvisierte Zielgruppe der Casual Gamer werden sich anfangs aber noch über die ulkige Optik des Protagonisten freuen und sich voller Enthusiasmus in den Trainingslevel stürzen. Dort wird dem Gamer durch Einblendungen die Steuerung nahe gebracht und man erlernt die Ninja-Techniken des kleinen Lebkuchenmännchens.

Doch auch den unerfahrensten Spielern sollten bald die Fragezeichen im Kopf herumschwirren, denn wenn man sich etwas näher mit dem Titel beschäftigt, merkt man erst, wie schlecht er wirklich umgesetzt wurde. Euer Ninja-Lebkuchen besitzt sagenhafte drei Aktionen, die er im laufenden Spiel ausführen kann. Gesteuert wird die bewaffnete Weihnachtsleckerei mit dem Analogstick des Nunchuk, was überraschend gut funktioniert. Vielleicht sogar etwas zu gut, denn der Ninjabread Man flitzt relativ flott durch die Levels, so dass man gut und gerne einen Abgrund übersehen oder an der ein oder anderen Ecke hängen bleiben kann. Das wäre aber noch nicht so tragisch, kann das Gewürzgebäck doch immerhin auch zum Sprung ansetzen, um so Abgründe zu überwinden und Plattformen zu erklimmen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn zum Springen muss die Wiimote nach oben geschwungen werden. Was sich in der Theorie schon hirnrissig anhört, entpuppt sich auch in der Praxis als absolut unpraktikable Lösung. Es ist nämlich nicht nur extrem nervig, jedes Mal die Mote in die Luft reißen zu müssen, zudem funktioniert die Erkennung der Bewegungen nur in ca. 10% aller Fälle. Verschlimmert wird dies durch die Tatsache, dass auch der Angriff mit dem Ninjaschwert durch Schwingen der Wiimote nach links und rechts ausgeführt wird. Im Endeffekt sieht es also so aus, dass der Spieler verzweifelt versucht, von seinem virtuellen Keksmännchen eine Aktion zu erreichen und dabei die Wiimote hilflos in der Gegend umher schwingt. Immerhin darf ein Sprung alternativ auch mit dem Z-Button ausgeführt werden, eine andere Möglichkeit für den Schwertschlag wurde aber nicht in das Game integriert. Lediglich das Einsetzen der Wurfsterne, von denen der krümelige Kauz auf dem Screen scheinbar unendlich viele in seinen Lebkuchentaschen stecken hat, funktioniert durch ein Drücken des B-Buttons.

In den einzelnen Stages gilt es nun die so genannten Power-Stäbe zu finden, die euch nach dem kompletten Aufsammeln das Portal in den nächsten Level öffnen. Das klingt zugegebenermaßen nicht sonderlich spannend, und es ist auch in der Tat eher ein langweiliges Rennen durch die Stages. Da man sich seitens Data Design Interactive eher am Casual-Publikum orientierte, wollte man es dem Spieler dabei einfach machen. Ein Pfeil zeigt euch somit immer an, wo sich der nächste Power-Stab befindet und wo es letztlich auch das Portal zum nächsten Level zu finden gibt. Auf diesem Weg stellen sich einem immer wieder Gegner in den Weg, und das abgefahrene Gegnerdesign, was von wirren Bienen über Puddings und Torten bis hin zu anderem Süßkram reicht, ist wohl mit Abstand noch das Highlight in Ninjabread Man. Allerdings agieren alle Kontrahenten eher vorhersehbar und altbacken, so dass auch hier keine spielerische Herausforderung gegeben ist. Schnell sind die Opponenten in ihre Einzelteile zerlegt und hinterlassen teils Herzchen, mit denen verlorene Kraft wieder aufgefüllt werden kann. Im Gegenteil, die größte Herausforderung für den Spieler stellt die Kontrolle über die störrische Kamera dar. Es mag ja sein, dass gerade Jump’n’Runs im 3D-Bereich oftmals mit Kameraproblemen zu kämpfen haben. Was man sich seitens Data Design Interactive aber gedacht hat, als man dieses unausgegorene Produkt zum Presswerk gegeben hat, verschließt sich wirklich meinem Verständnis. Teils steht die Kamera in Ninjabread Man still und lässt sich auch durch das Steuerkreuz nicht mehr nachjustieren, was aber laut Anleitung jederzeit machbar sein sollte. Dann wiederum dreht sie sich unkontrolliert um den Spieler herum und zeigt alles, nur nicht das, was man zum Vorankommen in der Stage gerade sehen möchte. Gepaart mit der ohnehin unzureichend umgesetzten Steuerung ergeben sich so für den Spieler vollkommen neue Herausforderungen, die hoffentlich seitens der Entwickler so nicht beabsichtigt waren, da man ihnen sonst sofort alle Lizenzrechte für Spieleentwicklungen auf Dauer entziehen sollte.

Da mag man es fast schon als Belohnung ansehen, wenn man nach einer guten Stunde alle drei (ich wiederhole: DREI!) Level absolviert und den Titel somit beendet hat – immerhin sind die Qualen nun vorbei. Wer masochistisch veranlagt ist oder noch eine weitere Stunde seines Lebens verschwenden möchte, darf sich dann an den weiteren Spielmodi versuchen, die so etwas wie Motivation vorgaukeln. Während man in „Score Pickups“ neben den Power-Stäben auch noch eine gewisse Anzahl an Süßigkeiten in den Stages finden muss, ist bei „Time Attack“ schon dem Namen zu entnehmen, dass man hierbei die drei Levels möglichst schnell hinter sich bringen soll. Der finale „Hidden Pickups“-Modus hält letztlich noch in jeder Stage 20 besonders gut versteckte Süßigkeiten für den Spieler bereit, die es zu finden gilt.

Zuckersüß und knallbunt?

Welche spielerische Gurke sich hinter Ninjabread Man wirklich verbirgt, wird auf den ersten Blick gar nicht so schnell klar. Denn durch das ungewöhnliche Charakterdesign könnte man vielleicht noch seine Hoffnungen in den Titel setzen, hier einen durchgeknallten Plattformer in den Händen zu halten. Rein optisch ist das Game zwar kein Highlight und auch eindeutig als Playstation 2-Portierung zu entlarven, es hätte aber in der Tat schlimmer kommen könnnen. Als Wii-Besitzer ist man in dieser Hinsicht ja bereits einiges gewöhnt, und so findet man sich mit den groben Texturen, den Clippingfehlern und der allgemein eher abwechslungsarmen Optik ab. Nicht zu entschuldigen sind dagegen die Ruckler, die trotz der spartanischen Optik hin und wieder auftreten. Auch die Animationen hätten gerne noch etwas ausgefallener und flüssiger ablaufen dürfen und von dem potthässlichen Menüdesign fangen wir lieber gar nicht erst an. Ebenso öde ist das Leveldesign, welches wie in einer einzigen Mittagspause lieblos hingeklatscht wirkt. Dennoch ist die Optik noch einer der besten Punkte an Ninjabread Man. Dummerweise liegt das aber nicht daran, dass die Grafik in irgendeiner Hinsicht überzeugen kann, sondern es liegt darin begründet, dass alle anderen Punkte an dem Spiel einfach noch schlechter als die dröge Optik sind.

Das beste Beispiel dafür ist auch der Sound, der unter aller Kanone ist. Auf dem NES waren dudelnde Musiken noch in Ordnung und viele Klassiker der Videospielmusik fanden dort auch ihren Ursprung. Mittlerweile sollte man aber mehr als ein paar in endlosen Loops angespielte Töne präsentierten, um ein Game musikalisch zu untermalen. Da dies hier leider nicht geschieht und sich die Musikstücke von Level zu Level auch nur marginal unterscheiden, wird man schon nach wenigen Minuten genervt den Ton abstellen. Man verpasst damit auch nicht zu viele der Soundeffekte, die sich ebenfalls nur auf das Notwendigste beschränken: Schwirrende Bienen, getroffene Gegner, das Schlitzen des Schwertes – viel mehr gibt es in Ninjabread Man nicht zu hören – und viel mehr will der Spieler ehrlich gesagt auch nicht hören.

Fazit

Wer sich von Ninjabread Man Jump’n’Run-Action mit einem freakigen Charakterdesign zum kleinen Preis erhofft, liegt leider vollkommen falsch. In Wahrheit haben wir es hier nämlich mit einem der schlechtesten Spiele der letzten Jahre zu tun, welches die Bezeichnung „Spiel“ kaum noch verdient. Derart viele Designfehler, eine so dermaßen störrische Kamera und eine so oft nicht reagierende Steuerung wie in Ninjabread Man ist mir noch nicht untergekommen. Gepaart mit der quasi nicht vorhandenen Story, dem fehlenden spielerischen Anspruch, dem lieblosen Leveldesign und der einfach nur erschreckend schwachen Technik fällt der Titel definitiv in die Reihe „Gaming zum Abgewöhnen“, von der uns im Zuge der „Popcorn Arcade“-Reihe wohl noch mehr ähnlich gelagerte Games erwarten. Selbst der Budget-Preis von ca. 30 € ist hierfür hoffnungslos überzogen, denn eigentlich sollten die Entwickler einem sogar noch Geld dafür zahlen, dass man so einen Schrott wie Ninjabread Man gespielt hat.

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