Testbericht: My Body Coach

Mit der Wii lassen sich alle möglichen Sachen machen: Partys mit der halben Nachbarschaft feiern, zum gefeierten Sänger aufsteigen und spätestens seit „Wii Fit“ wissen wir auch, dass wir mit der Hilfe von Nintendos weißer Fuchtelkiste unsere schlaffen Körper straffen und in Form bringen können. Das haben sich neben vielen anderen Entwicklern auch die Programmierer im Hause Neko gedacht. Mit „My Body Coach“ geht man dabei sogar noch eine Stufe weiter im Vergleich zu vielen anderen Fitness-Spielen und legt dem Game gleich zwei Hanteln bei. Wir haben für euch im Schweiße unseres Angesichts getestet, wie fit euch „My Body Coach“ tatsächlich macht.

Mach Dich fit!

Prinzipiell sind Fitness-Spiele ja bereits ein alter Hut. Nahezu unüberschaubar ist die Menge an Titeln für die Wii mittlerweile geworden, so dass man sich als Hersteller etwas einfallen lassen muss. Neben teuren Testimonials gibt es noch eine andere Möglichkeit die Aufmerksamkeit der potenziellen Käufer im Laden auf sich zu ziehen: Eine tolle, große Packung mit möglichst viel Zubehör. Nintendo selbst konnte dabei natürlich von der ersten Sekunde an mit dem Balance Board punkten. Electronic Arts machte es mit EA Sports Active Personal Trainer ziemlich erfolgreich nach und legte dem Titel einen Beingurt sowie ein Trainingsband bei. Neko nun hat zu My Body Coach noch zwei Hanteln gepackt. Auf den ersten Blick sieht das nicht nur nach einer netten Idee aus, sondern man scheint auch ordentlich „Value for Money“ zu bekommen. Darüber hinaus wurde mit Valérie Orsoni noch eine auf dem Cover prangende Schönheit verpflichtet, die als Ernährungsexpertin & Hollywoodstar-Coach ihre Brötchen verdient.

Da kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen, oder? Doch – aber immer der Reihe nach. Prinzipiell wird in My Body Coach damit geworben, dass man auf den Fitnessclub verzichten und die notwendigen Übungen ganz einfach im eigenen Wohnzimmer machen kann, um den eigenen Körper in Traumform zu bringen. Dazu sollen dem Spieler, Pardon, dem angehenden Hochleistungssportler, 200 Fitnessübungen zur Verfügung stehen, die sich in die Bereiche Herz-Kreislauf sowie Muskelstärkung unterteilen. Prinzipiell läuft es in My Body Coach so ab: Wer sich kein Profil erstellen und einfach nur anonym trainieren will, kann sich sofort nach dem Spielstart ein Trainingsprogramm nach den eigenen Wünschen erstellen. Zu empfehlen ist aber dennoch die Personalisierung mit einem Profil, da sich nur so alle Funktionen des Spiels nutzen lassen. Man erstellt somit zuerst unter Angabe einiger persönlicher Daten wie dem Geschlecht, dem Alter, der Körpergröße sowie dem aktuellen Gewicht ein eigenes Profil. Bereits aufgrund dieser Angaben bekommt man danach vom Programm eine von fünf Empfehlungen angezeigt, die von „ich will mein Gewicht reduzieren“ bis „Ich will mit entspannen“ reichen. Entspricht der Vorschlag nicht euren eigenen Vorstellungen, könnt ihr diesen natürlich noch verändern. Ansonsten dürft ihr mit dem entsprechenden Training loslegen. Ihr habt dabei die Wahl aus den beiden Kategorien „Herz-Kreislauf“ sowie „Muskelstärkung“. Die Muskelübungen sind dabei noch in die verschiedenen Bereiche wie Arme, Schultern, Gesäß, etc. unterteilt. Drei verschiedene Schwierigkeitsstufen bestimmen dabei die Länge des Trainings. Während Anfänger inklusive Aufwärmphase insgesamt sieben Minuten lang gefordert werden, sind fortgeschrittene Athleten zwölf Minuten lang beschäftigt. Das Training für Profis dagegen dauert 17 Minuten. Neben den empfohlenen Trainingseinheiten lassen sich so auch individuelle Trainings zusammenstellen, wobei man pro Training allerdings maximal drei verschiedene Trainingsarten wählen kann. Danach darf bestimmt werden, in welchem von vier Trainingsräumen eure Übungen abgehalten werden sollen und welches der 15 Musikstücke euch dabei begleiten soll.

Bevor man das Training selbst beginnt, sollte man sich noch kurz dem Zubehör gewidmet haben. Der Verpackung von My Body Coach liegen wie bereits anfangs erwähnt zwei Hanteln aus Plastik bei. Diese lassen sich mittels einer Klappe öffnen, so dass die Wiimote darin platziert werden kann. Zwei Aussparungen an der Rückseite sind dabei für die Handgelenkschlaufe gedacht, bzw. lassen den B-Button erreichbar bleiben. Durch eine violette Plastikscheibe an der Frontseite der Hanteln ist zudem dafür gesorgt, dass die Pointerfunktion der Wiimote weiterhin genutzt werden kann. Mit eingelegter Wiimote haben die Hanteln dabei ein Gewicht von 500 Gramm. Für Anfänger mag das ausreichend sein. Fortgeschrittenen wird dagegen empfohlen, das Gewicht mit Hilfe von Gewichtsmanschetten zu erhöhen, um einen entsprechend Trainingseffekt zu erreichen. Die Verarbeitung der Hanteln ist dabei durchaus aus als gut zu bezeichnen. Vor allem die Gummierung an den Seiten im typischen Wii-Blau sowie das Fehlen scharfer Kanten wissen zu gefallen. Die Wiimote sitzt fest in den Hanteln, lediglich die Klappe lässt sich zum Herausholen der Controller etwas schwer öffnen.

Das ist allerdings noch nichts verglichen mit dem, was den Spieler im Bereich der praktischen Übungen erwartet. Wortlos stellt sich euch euer künftiger Coach vor euch, um euch die Übungen zu präsentieren. Die Lockerungsübungen zum Aufwärmen sollten dabei den Figuren auf dem Bildschirm nachgeahmt werden. Macht die dabei auftretenden Ruckler allerdings nicht nach, um Schäden an euren Gelenken zu vermeiden. Eine Erklärung der Übungen gibt es dabei während der Trainingseinheiten nicht. Wer etwas Vergleichbares sucht, muss sich im Menüpunkt „Enzyklopädie“ die einzelnen Übungen aufrufen und den Text dazu durchlesen, während ein Trainer auf dem Screen die Übung vorführt. Schon dabei stellt man schnell fest, dass die angepriesenen 200 Übungen zum größten Teil aus einigen Variationen der Standardübungen bestehen. Mal werden die Übungen mit der rechten Seite gemacht, dann mit der linken Seite. Mal werden die Arme gebeugt gehalten, mal gerade. Mal geht man einen Schritt zur Seite, mal macht man zwei Schritte. Der Abwechslungsreichtum hält sich also in Grenzen und ist nicht so groß, wie anfangs gedacht. Zur Katastrophe wird My Body Coach dadurch aber noch nicht. Das schafft erst die vollkommen misslungene Steuerung, denn prinzipiell ist die Bewegungserkennung der Wii Remotes für den noch nicht sonderlich straffen Popo. Egal wie man den Bewegungscontroller bewegt, sobald man ein wenig damit schüttelt, führt euer Alter Ego auf dem Bildschirm die korrekte Übung aus. Ob man dabei nun wie teils gefordert die Beine bewegt oder nicht, ist vollkommen egal. Auch die anfangs noch als zweiten Controller erkannte sekundäre Wiimote ist so unnötig wie ein Kropf. Sie schaltet sich nach einiger Zeit sogar aus und bleibt somit lediglich als kleiner Ballast in der zweiten Wiimote zurück. Ihr braucht somit im Prinzip nur auf der Couch sitzen und mit einer Wiimote wackeln, um immer von eurem Coach gelobt zu werden, wie toll ihr doch die Übungen macht. Der auf dem Bildschirm angezeigte Kalorienverbrauch wird somit in Wahrheit jedenfalls nicht erreicht. Natürlich ist eine Kontrolle der korrekten Bewegungen schwierig in einem Spiel dieser Art. Wii Fit hat allerdings gezeigt, wie dies zumindest ansatzweise geht. My Body Coach hat jedoch nichts davon und bleibt somit weit hinter den Erwartungen zurück.

Zusätzlich zu den Übungen wird euch für eure Profil übrigens noch ein Ernährungsplan vorgeschlagen. Hierbei finden sich kurze Anregungen für die verschiedenen Mahlzeiten, die aber sehr knapp gehalten sind. Rezepte sowie Anregungen zum Kochen wären hier sicherlich noch hilfreich gewesen. So wirkt alles eher etwas halbherzig umgesetzt. Ohne die Unterstützung des Balance Boards fehlt dabei nicht nur die Erkennung eurer Bewegungen, auch die Gewichtskontrolle und der damit mögliche Motivationsfaktor fällt komplett unter den Tisch. Ihr könnt zwar in eurem Profil auf die Daten vergangener Trainingseinheiten zurückgreifen, sonderlich motivierend ist das auf die Dauer gesehen jedoch nicht.

Technisch in guter Form?

Motiviert werdet ihr dagegen zumindest in technischer Hinsicht. Allerdings motiviert euch My Body Coach eher dazu, das Spiel möglichst schnell wieder aus eurer Konsole zu bekommen. Die Charaktermodelle eurer Spielfigur sowie des Coaches wirken wie von Anno dazumal. Dazu gesellen sich vier einfallslose und öde Trainingsräume. Dass trotz der schlichten Optik das Game ab und zu ruckelt, ist dabei fast schon eine Unverschämtheit seitens der Programmierer. Während des Trainings selbst könnt ihr aus neun verschiedenen Kameraperspektiven übrigens diejenige wählen, aus der eurer Meinung nach das Übel auf dem Bildschirm am erträglichsten ist. Dass die Schrift in vielen Menüs recht klein geraten ist, stellt noch einen der weniger gravierenden Kritikpunkte dar.
Auch der Sound reiht sich ein in die Reihe der technischen Unzulänglichkeiten in My Body Coach. Eine Sprachausgabe gibt es nicht, so dass euch lediglich Sprachblasen der Coaches präsentiert werden. Dass das bei einem Trainung nicht gerade die Motivation fördert, könnt ihr euch sicher vorstellen. Die wenigen Soundeffekte sind belanglos, die 15 verschiedenen Musikstücke oftmals sehr ähnlich und gehen euch schnell auf den Keks. In technischer Hinsicht ist das Game somit in so ziemlich allen Punkten durchgefallen. So etwas muss im Jahr 2010 einfach nicht mehr sein.

Fazit

Die Ansätze von My Body Coach sind gut, die Umsetzung ist dabei vor allem im Bereich Technik und Steuerung mangelhaft bis ungenügend. Dabei hat man das Game eigentlich an der Zielgruppe vorbei entwickelt. Anfängern fehlt die notwendige Kontrolle bei den Übungen, Fortgeschrittene dagegen lernen in My Body Coach im Prinzip nichts Neues und werden auch nicht motiviert, ihr Training regelmäßig durchzuführen. Lediglich die beigelegten Hanteln aus Plastik sind gut verarbeitet und eine im Grunde genommen nette Idee. Das macht das Spiel selbst jedoch nicht besser. Vielleicht sollte man den Programmierern bei Neko Entertainment ja auch mal ein Coaching-Game ans Herz legen: „My Game Making Coach“.

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