Testbericht: Meine Tierarztpraxis – SOS am Ozean

Spiele speziell für Mädchen sind spätestens seit dem Erfolg des Nintendo DS keine richtige Marktlücke mehr. Unzählige Games für den weiblichen Nachwuchs gibt es für Nintendos Handheld mittlerweile und mit dem Verkaufserfolg der stationären Konsole ließen auch die passenden Spiele für die Zielgruppe nicht lange auf sich warten. Neben „Sophies Freunde“ aus dem Hause Ubisoft zählt auch „Meine Tierarztpraxis“ mittlerweile zu den etablierten Serien für den Nachwuchs. Obwohl meine langen Haare der Vergangenheit angehören und ich mich somit nur schwer in die Zielgruppe schmuggeln kann, habe ich den neuesten Ableger „SOS am Ozean“ für euch genauer untersucht.

Wo ist der Doktor, wenn man ihn braucht?

Vor der Konsole sitzt er – in Meine Tierarztpraxis – SOS am Ozean übernehmt ihr nämlich die Rollen eines Studenten, respektive einer Studentin. Ihr sollt in einer Tierklinik aushelfen, die sich in der Nähe eines Meeres befindet. Der dort verantwortliche Professor begrüßt euch herzlich und verrät euch, welche Aufgaben euch erwarten. In erster Linie müsst ihr verschiedenen Tieren helfen, die euch entweder von den örtlichen Rangern verletzt in eure Praxis gebracht werden oder die ihr hilflos am Strand findet. In den ersten Schritten erklärt euch der Professor dabei immer genau was zu tun ist. Anfangs wird in der Regel das Gewicht des kleinen Patienten gemessen sowie mit einem Stethoskop mittels Pointerfunktion sein Herzschlag gemessen. Dann kommt es darauf an, welche Verletzungen das Tier hat. Mal müssen die Wunden gesäubert und desinfiziert werden, mal gilt es lediglich ein paar Vitamine oder ein Medikament gegen Infektionen zu spritzen. Fieber gemessen wird beispielsweise, indem man das Thermometer an der richtigen Stelle positioniert (der Popo des Tierchens ist rot umrandet) und dann in einem Minispiel schnell die Buttons drückt um die Temperatur zu erhalten. Eine Verpestung mit Öl erfordert das Abreiben mit einem Schwamm. Bei schweren Verletzungen ist mehr Geschick gefragt. Mit einer Pinzette werden Glasscherben, Angelhaken, etc. aus der Wunde gezogen und in eine Schale abgelegt. Das funktioniert, indem man mittels Pointer das entsprechende Objekt anvisiert, dann die Tasten A und B auf der Wiimote drückt und danach das Objekt vorsichtig aus der Wunder zieht.

Erfahrene Zocker fühlen sich spätestens an dieser Stelle wie in den Trauma Center-Titeln. Nur der Schwierigkeitsgrad ist nicht so überdreht wie bei den Atlus-Titeln, immerhin sollen hier eher die jüngeren Spieler vor der Konsole angesprochen werden. Dies gelingt durchaus, denn die Steuerung ist sehr einfach und kindgerecht gehalten. Die zu treffenden Stellen werden entsprechend markiert angezeigt und man muss keine Fitzelarbeit leisten, um diese unter dem Druck eines Zeitlimits auch zu treffen. Die Heilung der Tiere ist dabei in mehrere Einzelschritte unterteilt. Jeder Schritt wird dabei mit maximal fünf Sternen beurteilt, je nachdem wie gut man abschneidet. Ist das hilfebedürftige Geschöpf geheilt, folgt noch eine finale Beurteilung. Bei dieser wird abgerechnet und ihr seht, wie viele Credits euch euer Auftraggeber für die erfolgreiche Heilung spendiert. Mittels PDA steht ihr übrigens immer mit dem Professor in Verbindung, auch wenn ihr nicht in der Praxis seid. Ihr dürft nämlich ein paar umliegende Meter Land erkunden, wobei ihr dort anfangs lediglich an den Strand laufen könnt. Dort findet ihr ebenfalls verletzte Tiere oder könnt in einem kleinen Minispiel Müll einsammeln, wofür ihr ebenfalls mit Credits belohnt werdet. Über den PDA habt ihr stets den Überblick über die an euch gestellten Aufgaben. Zu denen gehört es beispielsweise drei Tiere vom Öl zu säubern, dreimal Müll am Strand zu sammeln oder zwei Papageientaucher zu retten. Dumm dabei ist nur, dass man die Aufgaben strikt nach Vorgabe des Spiels erledigen muss, damit sie einem auch angerechnet werden. Wer also zuerst auf eigene Faust den Strand erkundet und dort schon fleißig Müll sammelt und Tieren hilft, schaut in die Röhre, wenn er erst später den Anruf des Professors annimmt und über diesen Aufgaben informiert wird. Dann nämlich muss man erneut den Weg zum Strand suchen, damit man die Aufgaben erfüllen kann.

Wer genug Credits gesammelt hat, darf sich im Shop nach und nach diverse Erweiterungen kaufen. Der Ausbau des Haupthauses lässt euch aufwändigere Behandlungen durchführen. Der Landesteg ermöglicht es euch mit dem Boot zur See zu fahren und Tieren direkt vor Ort zu helfen. Und später gibt es noch weitere Häuser freizuschalten, in denen beispielsweise Meeresvögel oder Robben auch mal mehrere Tage bleiben und dort gepflegt werden müssen, wenn sie nicht sofort nach einer Behandlung wieder entlassen werden können. Für die aufwändigeren Behandlungen erhaltet ihr natürlich auch mehr Credits und so weiter und so fort. Gespielt wird immer tageweise, wobei euer Tag im Morgengrauen um 8:00 Uhr beginnt. Im Sekundentakt verrinnen die Minuten, bevor ihr um 19:00 Uhr unweigerlich in den Feierabend geschickt werdet. Am Ende des Tages erfolgt eine weitere Abrechnung, die allerdings teils nicht nachvollziehbar ist. Trotz stets „super“ bis „perfekt“ erledigten Behandlungen, kam ich am ersten Tag nur auf eine Tagesbewertung von drei Sternen. Hatte ich etwa zu viel Zeit beim Erkunden der Umgebung verschwendet? Nur wurde mir an einem der folgenden Tage, nachdem ich vorzeitiges Speichern wählte und aus dem Game aussteigen wollte, eine Bewertung mit fünf Sternen verliehen, obwohl die Behandlungen nicht immer optimal gelaufen waren. Egal.

Ich denke die Zielgruppe wird sich daran genauso wenig stören wie an den geringen Erkundungsmöglichkeiten, dem sehr linearen Spielprinzip und den bereits erwähnten kleinen Patzern im Gamedesign. Für die Zielgruppe dagegen werden die Inhalte ansprechend präsentiert. Den Kids wird vermittelt, dass die Tiere unter anderem unter der Umweltverschmutzung durch die Menschen stark zu leiden haben. Vorbeugung durch Müllvermeidung wird dabei genauso propagiert wie die Tatsache, die Umwelt zu säubern und Müll zu sammeln, der am Strand liegt. Der Nachwuchs wird jedenfalls kindgerecht unterhalten. Allerdings wiederholen sich die Aufgaben nach nicht allzu langer Zeit. Sind die Kids hier in den ersten Stunden fleißig, haben sie bald alles gesehen. Von daher hält sich die Langzeitmotivation in Grenzen.

Ein öder Ozean

Aus technischer Sicht kann man mit dem Gebotenen in SOS am Ozean keinen Blumentopf gewinnen. Optisch wirkt die Umgebung gerade im Morgengrauen oder bei einsetzendem Schneefall teils ziemlich trist. Aufwändige Texturen darf man ebenfalls nicht erwarten. Die einzelnen Charaktere und Tiere sind aus eher schlicht gehaltenen Polygonmodellen modelliert worden, so dass man das Game wohl ohne große Abstriche auf den DS portieren konnte. Der Zielgruppe wird auch das egal sein. Etwas mehr Mühe und Liebe hätte man sich meiner Meinung nach aber dennoch geben können. Immerhin sind die Ladezeiten relativ kurz gehalten. Das ist jedoch auch notwendig, da immer wieder geladen werden muss, sobald ihr von einem Ranger ein verletztes Tier geliefert bekommt, eines der Häuser betreten oder an den Strand gehen wollt.

In Sachen Sound sind ebenfalls keine Glanzleistungen zu erwarten. Die wenige Hintergrundmusik plätschert belanglos vor sich hin. Die Soundeffekte sind eher spartanisch eingesetzt und die Tierlaute wiederholen sich immer und immer wieder, ohne hier für Abwechslung durch verschiedene Geräusche zu sorgen. Auf eine Sprachausgabe wurde leider komplett verzichtet. Das ist gerade deswegen schade, weil das Spiel keine Altersbeschränkung hat und schon die ganz junge Zielgruppe ansprechen will. Anstatt aber nun den Vorteil einer Sprachausgabe zu nutzen, serviert man den Kids relativ viele Textboxen, die gelesen werden wollen. Da sich diese ab einem gewissen Punkt wiederholen, kommt hier sicher schnell etwas Langeweile oder Frust auf. Dies hätte man sicherlich besser lösen können.

Fazit

Zielgruppengerecht darf in Meine Tierarztpraxis – SOS am Ozean verletzten Tieren geholfen werden. Hardcore-Zocker dürfen sich das quasi als Trauma Center mit kinderleichter Steuerung und Tieren als Patienten vorstellen. Alle Eltern können dagegen beruhigt sein, dass sie ein altersgerechtes Spiel für ihren Nachwuchs erhalten, welches zwar technisch eher altbacken wirkt, aber immerhin ohne Gewalt auskommt, den Umweltschutz propagiert und den Kleinen beibringt sich um die Natur und die Tiere zu kümmern. Die einfache Steuerung macht das Game leicht zugänglich. Schade, dass zudem die Abwechslung irgendwann auf der Strecke bleibt und man keine für die Zielgruppe sicher hilfreiche Sprachausgabe integriert hat.

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