Testbericht: Mega Man 9

Wir schreiben das Jahr 2008, Capcom bringt den nunmehr neunten Teil der beliebten „Mega Man“ Reihe auf die Wii. Was bedeutet das für das Gameplay? Schüttelsteuerung? Nein. Mini-Games? Von wegen. 3D-Optik? Mitnichten! „Mega Man 9“ knüpft genau da an, als die Reihe ihren Höhepunkt erleben durfte – in den 80er Jahren auf dem NES. Zweidimensionale 8-Bit Pixelgrafik, Sound und Musik vom Chip erzeugt. Absolut Old-School und Retro.

Wir schreiben das Jahr 20XX…

Das Spiel startet so, wie es sich für ein klassisches 8-Bit-Spiel gehört – mit einigen Pixelgrafiken und Text wird der Spieler in die Story eingeführt: Nachdem der böse Dr. Wily scheinbar besiegt ist, wird es unmittelbar auch schon wieder gefährlich, denn neue Roboter sorgen für Angst und Schrecken – allerdings stammen diese vom eigentlich gutgesinnten Dr. Light. Warum diese nun jedoch Böses im Schilde führen ist unklar und nun liegt es an unserem Helden Mega Man, dem falschen Spiel auf den Grund zu gehen. Steckt Dr. Wily doch hinter allem?
Fortan geht’s weiter zum Hauptmenü. Hier stehen nun die Bossgegner zur freien Auswahl. Es darf jeder dieser Roboter nach Belieben ausgewählt werden, jedoch wird man zunächst ausprobieren müssen, welche Stage am einfachsten zu bewältigen ist um am Ende den Widersacher erledigen und seine Spezialwaffe einsacken zu können. Mit diesen Waffen lässt sich dann wiederum manch andere Stage komfortabler spielen.

Das Grundlegende Spielprinzip ist äußerst stark an Mega Man 2 orientiert. Mit Mega Man gilt es in klassischer Jump’n’Run-Manier durch die sehr anspruchsvollen Welten zu ziehen. Zahlreiche Gegner müssen dabei erledigt werden. Einfach auf die Opponenten Draufhüpfen nutzt da auch recht wenig, im Gegenteil, aber Mega Man ist in der Lage mit seinem umgebauten Arm zu schießen. Für bezwungene Gegner gibt es teilweise Belohnungen in Form von neuer Lebens- oder Waffenenergie wobei letztere nur für die Zusatzwaffen von Nöten ist, die beim Bezwingen der Bosse eingesammelt werden. Diese Waffen bringen durch ihre individuellen Eigenschaften gleich noch eine strategische Komponente ins Spiel. Die eine Waffe mag in drei Richtungen schießen, dafür besitzt eine andere wiederum eine enormere Zerstörungskraft. Eine dritte hingegen verursacht diverse wirkungsvolle Miniwirbelstürme auf dem Bildschirm uvm. Abgesehen von den Waffen lassen sich in den Stages auch Schrauben einsammeln, welche im Hauptmenü gegen nützliche Items wie etwa Lebensenergie eingetauscht werden können.
Für Mega Man-Kenner alles noch nichts Neues bisher. Das Spiel bietet aber auch einige neuzeitliche Inhalte wie etwa das Abzeichen-System. Hier können unterschiedliche Leistungen vollbracht werden, z.B. das Erledigen von 50 Gegnern, das Beenden einer Stage ohne Lebensverlust uvm. Auch neu sind die Onlineranglisten sowie die bald erhältlichen kostenpflichtigen Zusatzinhalte, die per WiFi-Service heruntergeladen werden können.

Die Steuerung

Mega Man 9 steuert sich so, wie man es aus NES-Zeiten gewohnt ist. Die Wii-Remote wird dafür zunächst selbstverständlich quer gehalten. Mit dem D-Pad lässt sich Mega Man nach rechts und links bewegen. Der 2-Knopf dient zum Springen, der 1-Knopf zum Schießen. Mittels Plus-Knopf gelangt man in das Pausenmenü – hier lässt sich zum einen eine der Spezialwaffen auswählen, zum anderen aber auch Items einsetzen, die zuvor im Hauptmenü wie angesprochenen erworben werden können. Mit der Minus-Taste wird das Abzeichen-Menü aufgerufen, welches alle noch offenen sowie erbrachten Leistungen auflistet. Durch die absolut minimalistische Klassik-Steuerung spielt sich Mega Man sprichwörtlich pixelgenau und vermittelt ein authentisches Retro-Gefühl. Das Wii-typische Remote-Gefuchtel bleibt komplett außen vor, sodass auch der Einsatz des Classic Controllers möglich ist.

Grafik und Sound

Capcom setzt mit Mega Man 9 auf die Verwendung der Engine des zweiten Teils der Serie. Somit sind z.B. einige Melodien wohlbekannt und vertraut, jedoch auch die neuen Tracks in den Stages können überzeugen. Sehr eingängige und passende Sounds und Melodien dudeln aus den Lautsprechern. Hier ist natürlich ein passender Chip-Sound angesagt. Die Optik des Spiels ist ebenfalls authentisch und präsentiert bunte Pixelwelten auf dem Bildschirm. Das Bild wird somit in 4:3 präsentiert, was aber kein Problem für Breitbildfernseher darstellt, da hier im 16:9-Modus automatisch schwarze Ränder hinzugefügt werden, damit das Seitenverhältnis nicht verzerrt wird. Wer es übrigens ganz originalgetreu mag, der kann das altbekannte NES-Flimmern einschalten – ein nettes Gimmick. Insgesamt präsentiert sich das Spiel auf hohem 8-Bit-Niveau, was vor allem bei Retro-Fans bestens ankommen wird. Aber auch Spieler jüngeren Semesters werden sicherlich am Look & Feel des Spiels ihre Freude haben, wenn sie sich darauf einlassen.

Bitte beachtet, dass wir in unserer Grafik-Endbewertung die vorgegebene 8-Bit-Technik als Maßstab nehmen, denn ein Vergleich zu aktuellen 3D-Titeln macht wenig Sinn.

Fazit

Mega Man 9 bietet moderne 8-Bit-Retro-Kost vom aller Feinsten gespickt mit modernen Features wie herunterladbaren Zusatzinhalten, einem Abzeichensystem sowie Onlineranglisten für Zeit-Herausforderungen. Bereits auf dem NES war die Mega Man-Serie ein harter spielerischer Brocken, wie auch viele andere Titel seiner Zeit. Somit stellt das neuste Abenteuer des blauen Männchens den Gamer ebenfalls vor eine spielerische Herausforderung. Absolute Mega Man-Profis werden sicherlich nur wenige Anläufe benötigen und das Spiel in maximal anderthalb Stunden durchspielen – mit etwas Übung sogar locker unter einer Stunde. Serien-Neulinge und Gelegenheitsspieler werden hingegen zahlreiche Ansätze benötigen, bis die einzelnen Stages absolviert sind. Auch wenn ich selber bereits unzählige virtuelle Tode gestorben bin, motiviert mich das Spiel dennoch immer wieder aufs Neue zum Weiterspielen. Ja, es ist gemein dabei auch meist komplett von vorne anfangen zu müssen, aber durch die stark ansteigende Lernkurve hat man irgendwann doch den Dreh raus und schafft die scheinbar unüberwindbare Stelle mit Leichtigkeit. Das Spiel ist absolut nach meinem Geschmack, zumal ich auch damals schon Mega Man 2 auf meinem NES bis zum Erbrechen gespielt habe. Capcom bringt mit dem neuen Teil ein echtes Schmankerl auf die Wii, welches gänzlich auf moderne Technik verzichtet und an welchem sicherlich kein Mega Man-Fan vorbei kommen wird. Neulinge hingegen sollten an dieser Stelle gewarnt sein, denn vermutlich werden diese gerne einmal das Pad in die Ecke pfeffern wollen aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades. Als Minuspunkt könnte man die für Mega Man-Profis eher geringe Spielzeit ankreiden, da das Spiel immerhin mit umgerechnet 10 Euro zu Buche schlägt. Als fragwürdig empfinde ich zudem die kostenpflichtigen Zusatzinhalte, die ab dem 6. Oktober erhältlich sein werden.

Fazit von Marcel Meyer alias thiz-

Dank Capcom fühle ich mich, nicht zuletzt wegen der prächtigen 8-Bit-Grafik, endlich wieder ins Retro-Feeling versetzt. Die Steuerung mit der Wii-Remote funktioniert gut, der Schwierigkeitsgrad ist stets knackig und die fehlende 16:9-Unterstützung nicht tragisch. Zumal alles, was über 4:3 hinaus geht eh ein Exploit wäre. Wer hier seine 1.000 Wii-Points investiert wird es nicht bereuen und ein knackiges Game bekommen, welches für Highscorejäger gerade zu geschaffen ist. Kaufen!

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Packshot Placeholder

Mega Man 9

Release: 26.09.2008
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 1
USK: 6