Testbericht: LEGO Indiana Jones: Die legendären Abenteuer

Hand aufs Herz Freunde, Mac Gyver ist ein Freak wie er im Buche steht und Michael Knight sieht aus wie der uneheliche Bruder von Tony Marschall. Für meinen Teil jedenfalls stand schon früh fest, dass Indiana Jones der Held meiner Kindheit sein soll. Was kann beeindruckender sein als ein intelligenter Frauenschwarm, dessen Job darin besteht Ausgrabungen in fernen Ländern durchzuführen und dabei den Nazis ordentlich in den Arsch zu treten? Um so mehr Grund zur Freude sollte ich haben, als LucasArts mit „LEGO Indiana Jones: Die legendären Abenteuer“ meinen Helden auch auf der Wii zu virtuellem Leben erweckt hat – und wer die „Star Wars“-Vorgänger bereits gespielt hat weiß, dass hier nicht lediglich zwei Lizenzen verbraten wurden. Ob der kleine Plastik-Indy meine Erwartung erfüllen konnte erfahrt ihr in unserem Test.

Pack die Peitsche ein und ab ins Abenteuer

Bei LEGO Indiana Jones: Die legendären Abenteuer handelt es sich um ein waschechtes Jump’nRun, welches die Stories der drei legendären Indiana Jones Filme fast bis ins kleinste Detail durchläuft. Nein, den vierten Teil zähle ich nicht dazu, denn ein Rentner der gegen die Brüder von ET antritt konnte mich eben so wenig überzeugen wie die armselige Fernsehserie.
Zur Auswahl stehen demnach „Der Tempel des Todes“, „Der letzte Kreuzzug“ und „Jäger des verlorenen Schatzes“, die ihr allesamt in beliebiger Reihenfolge spielen könnt. Eure Reise beginnt immer an der Universität an der unser Held unterrichtet. Allerdings dienen die verschiedenen Räume der Uni nicht nur als Ausgangspunkt für die Abenteuer, sondern bieten euch auch die Möglichkeit Artefakte zu sammeln sowie Charaktere und weitere Boni frei zu schalten – und davon gibt es bei Indiana Jones eine ganze Menge.

Die einzelnen Filme werden euch in jeweils sechs Kapiteln serviert die zunächst im Storymodus einmal durchlaufen werden müssen. Ist dies geschafft, gibt es die Möglichkeit jeden Level nochmals im freien Spiel zu bestreiten, wobei ihr jederzeit zwischen allen erspielten Charakteren hin und her schalten könnt. Das hat den Effekt, dass viele versteckte Schätze und Artefakte gesammelt werden können, die euch zuvor im Storymodus durch fehlende Charaktere verwehrt geblieben waren.
Im herkömmlichen Modus steuert ihr immer den Titelhelden sowie ein bis zwei weitere Personen, wie beispielsweise den leicht tollpatschigen Marcus oder die dauerkreischende Willie, die Indy auch in den Filmen zur Seite stehen. Jeder Charakter verfügt über bestimmte Fähigkeiten und nur wer die jeweils korrekte Spielfigur im richtigen Moment einzusetzen versteht, kann die vielen Puzzle im Spiel lösen. So springen Frauen beispielsweise höher als Indy, dieser wiederum kann aber mit seiner Peitsche entfernte Plattformen und Hebel erreichen. Sein volles Potential entfaltet der Titel allerdings wie auch die Star Wars-Teile im kooperativen Multiplayer Modus, der einen zweiten Spieler jederzeit ins Geschehen mit eingreifen lässt. Es macht einfach gleich doppelt Spaß mit einem Freund durch Dschungel, Wüsten oder antike Tempel zu wandern und die, meist relativ leicht aber nicht zuletzt deshalb sehr motivierend ausgefallenen Rätsel zu lösen. Allgemein kann man festhalten, dass der Titel durch das „Respawnen“, ein Sprung ins Bodenlose kostet lediglich einige Münzen, sehr angenehm zu spielen ist, da man nur in den seltensten Fällen unangenehme Passagen mehrmals durchleben muss. Allerdings sind manche dieser Respawnpunkte unglücklich gewählt, da der Held manchmal nach einem Absturz direkt noch ein zweites Mal im Abgrund landet.
Auch in Punkto Langzeitmotivation lässt das Spiel kaum Wünsche offen, denn neben rund sechzig freispielbaren Charakteren bzw. Outfits, massig Schätzen und Artefakten sowie mehreren zusätzlichen Level, ist genug geboten um den Spieler weit über 15 Stunden, die der Storymodus Pi mal Daumen beansprucht, an die Konsole zu fesseln.
Und so hangelt, hüpft und bastelt man sich auch gerne noch ein zweites Mal durch die drei Geschichten und entdeckt immer wieder neue versteckte Schätze. Klasse!

Die Steuerung

Wie man es von Nintendos Fuchtelkonsole gewohnt ist, hat LucasArts auch LEGO Indiana Jones einige Wii-spezifische Steuerungsoptionen spendiert. So kann man durch eine entsprechende Bewegung der Wiimote Indys Peitsche schwingen oder nach Schätzen buddeln. Glücklicherweise kann man das Spiel aber ebenso gut ganz ohne wildes Gestikulieren spielen – und das funktioniert einwandfrei. Springen mit A, Angriff mit B. Nach Schätzen graben oder Hebel betätigen mit Z, Charakter wechseln mit C. So spielt sich der Titel auch auf der Wii präzise und entspannt, und wer mag kann natürlich jederzeit die Bewegungssensorik nutzen ohne die Steuerungsoptionen vorher neu definieren zu müssen.

Grafik und Sound

Natürlich hält die Grafik der Wii-Version nicht mit den anderen Next-Gen Konsolen mit, aber trotzdem geben Indy und Konsorten auch auf Nintendos Flaggschiff ein gutes Bild ab. Liebevolle und detailreiche Texturen, abwechslungsreiches Leveldesign sowie flüssige Animationen der kleinen Plastikmännchen machen einen insgesamt guten Eindruck. Die Zwischensequenzen, welche auch Spielern die nicht jedes Detail der Filme kennen einen guten Einstieg ins Geschehen geben, sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und einer gehörigen Portion Humor versehen worden, die uns nicht selten ein herzhaftes Lachen entlocken konnte. Lediglich die starke Treppchenbildung in den Zwischensequenzen sowie seltene Einbrüche in der Framerate geben hier Anlass zum Punktabzug.

In Sachen Sound gibt es ebenso wenig zu bemängeln, denn das weltberühmte Indiana Jones-Theme ist ebenfalls mit von der Partie wie Musikstücke, die auch in einem Film eine gute Figur machen würden. Lediglich die Tatsache, dass sich die Musikstücke doch relativ häufig wiederholen und die etwas schwach untermalten Cut-Scenes sorgen für Abzüge in der B-Note. Wer die fehlende Synchronisation in den Zwischensequenzen bemängelt sollte sich die Frage stellen, welcher Sprecher in der Lage ist einen Indiana Jones als Plastikminiatur glaubhaft zu synchronisieren. Da ist es mir im Endeffekt viel lieber mit einigen wenigen „Hmmms“ und „Aaaahs“ auszukommen und mich an der tollen Mimik zu erfreuen.

Fazit

LucasArts liefert mit LEGO Indiana Jones: Die legendären Abenteuer ein erstklassiges Jump’n’Run auf der Wii ab, welches kaum Wünsche offen lässt. Die originalgetreue Umsetzung der Story, massig Charaktere und Extras sowie der spritzige Humor sorgen für viele Stunden Spielspaß. In meinem Fall konnte mich das Spiel so sehr fesseln, dass der Titel vom ersten bis zum letzten Kapitel nicht ein einziges Mal die Konsole verlassen hat. Grund für Kritik gibt es kaum, denn auch technisch bietet der Titel im Bezug auf Grafik, Sound und Steuerung sehr solide Kost. Für Kenner der LEGO StarWars-Reihe und Jump’n’Run-Fans ein absoluter Pflichtkauf, aber auch alle anderen dürfen definitiv einen Blick riskieren. Ohne große Überlegung: Silber-Award!

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