Testbericht: Hydroventure

Nintendos WiiWare-Service hat bereits einige Perlen hervor gebracht, mit denen man nicht unbedingt zuvor gerechnet hatte. Dies liegt zum großen Teil darin begründet, dass auch kleine Entwickler hier ohne großen Publisher im Rücken ein Spiel veröffentlichen können. So ist genug Platz für ungewöhnliche Ideen und deren teils ungewöhnliche Umsetzung. Ob das wässrige Adventure „Hydroventure“ auch zu den überragenden Highlights gehört, haben wir für euch herausgefunden. Wasser marsch!

Bücher gehören zum alten Eisen

Nicht nur in unserer immer digitaler werdenden Welt fristen Bücher oftmals nur noch ein Nischendasein. Auch in Hydroventure wurde einem Schmöker übel mitgespielt. Die Bedrängnis kam mit ihrer schwarzen Tinte, bzw. dunklem Schleim und kleisterte das einst stolze, magische Buch Aquaticus komplett ein. Komplett? Nein, denn ein kleiner Teil auf einer Seite war noch unbefleckt und ohne schwarzen Schleim. Glücklicherweise befindet sich genau auf dieser Seite ein Brunnen, aus dem das magische Buch in einer Verzweiflung etwas Wasser sprudeln lässt. An dieser Stelle kommt nun ihr mit einer quer gehaltenen Wiimote ins Spiel und dürft die Kontrolle über die Wasserpfütze übernehmen. Dies funktioniert, indem ihr ganz intuitiv einfach die Wiimote seitlich neigt – und schon neigt sich auch das magische Buch und damit der gesamte Screen. Das Wasser reagiert dabei so, wie man es von Wasser erwarten würde: Es folgt den Gesetzen der Schwerkraft und fließt immer nach unten. Auf diese Art und Weise bugsiert ihr das kalte Nass durch die verschiedenen Abschnitte der insgesamt vier Stages und löst dabei jede Menge Rätsel. Die Abschnitte selbst wirken dabei wie in einem Comic miteinander verknüpft, was viel zur Atmosphäre des Titels beiträgt. Die zu lösenden Rätsel sind dabei anfangs noch sehr leicht. Das Wasser muss an einer bestimmten Stelle gesammelt werden, um dort einen Schalter betätigen zu können. So öffnen sich weitere Abschnitte des Levels, in denen weitere Herausforderungen auf euch warten.

Ziel des Spiels ist es möglichst alle Regenbogentropfen zu sammeln, die dem magischen Buch Aquaticus seine Stärke zurückbringen und so auch euch immer mächtiger werden lasst. Gerade in den ersten Minuten habt ihr nämlich durchaus damit zu kämpfen, dass sich das zur Verfügung stehende Wasser gerne mal an Kanten und Klippen teilt und einzelne Tropfen davon verloren gehen. Da eure Wassermenge durch ein kurzes Schütteln der Wiimote auch in die Luft „springen“ kann, ist es schwierig immer das komplette Wasser zusammenzuhalten. Schwirren diese kleinen Mengen Wasser zu lange alleine durch die Gegend, verdunsten sie und sind somit für euch verloren. Damit dies nicht passiert, sollte man einigermaßen bedacht durch die Levels fließen. Hin und wieder gibt es aber auch zusätzliche Wassertropfen zu sammeln, die in einem Reagenzglas aufbewahrt werden und euch pro gefülltem Glas einen weiteren Versuch bescheren, solltet ihr eure Wassermenge einmal komplett verlieren. Da sich euch brennende Gegner in den Weg stellen und auch der Kontakt mit beispielsweise heißem Wüstensand Spuren am Wasser hinterlässt, kann dies durchaus vorkommen.

Wer dagegen etwas überlegt agiert, kann auch die später im Schwierigkeitsgrad steigenden Rätsel lösen. In den Stages sind dabei nicht alle Bereiche von Beginn an zugänglich, sondern werden durch diverse Hindernisse blockiert. Mal versperrt ein Tor den Weg, welches sich analog zu Mario Galaxy ab einem bestimmten Kontingent gesammelter Regenbogentropfen automatisch öffnet, mal muss das Hindernis anderweitig beseitigt werden. Hierbei kommen euch die verschiedenen Aggregatzustände des Wassers gelegen, die ihr nach und nach erlernt. Zuerst spendiert euch Aquaticus die Fähigkeit „Verdichten“, mit der ihr euer Wasser besser zusammenhalten könnt. So springt ihr leichter und ohne Tröpfchenverlust über Abgründe und weicht Feinden und Hindernissen leichter aus. Wer den 2-Button lange genug gedrückt hält, verursacht zudem eine kleine Explosion, die euer Wasser über den Bildschirm spritzen und euch so höher gelegene Gegenstände erreichen lässt. Später dürft ihr auch als Eisblock oder sogar als Dampfwolke durch die Abschnitte gleiten, bzw. schweben. Wer die im Level versteckten Puzzleteile findet, schaltet zudem Minigames frei. Diese sind zwar recht nett geworden, können mit dem Charme des Hauptspiels jedoch nicht ganz mithalten und lassen zudem einen Mehrspielermodus vermissen. Mit den insgesamt vier verschiedenen Welten sind selbst erfahrene Spieler eine Weile beschäftigt, zumal nicht immer eine feste Reihenfolge der zu absolvierenden Abschnitte vorgegeben ist. Man wird zum Entdecken und Experimentieren förmlich eingeladen, vor allem wenn man alle versteckten Extras finden möchte.

Wie aus dem Bilderbuch?

Rein technisch präsentiert sich Hydroventure dabei mehr als solide. Grafisch ist das zweidimensionale Game schön umgesetzt und enthält durch den Flair des Buches einen ganz eigenen Charakter. Die Hintergründe sind schön gezeichnet und alle Abschnitte strotzen nur so vor liebevollen Details. Alles wirkt wie aus einem Guss und verleiht dem Titel eine einzigartige Stimmung. Dabei überzeugt Hydroventure mit eigentlich eher schlichten Mitteln, denn rein technisch gesehen wird Nintendos Konsole nicht einmal ansatzweise ausgereizt.

Der Soundtrack kann mit der Optik nicht ganz mithalten. Die Soundeffekt sind eher spärlich gesät, die Hintergrundmusik – Achtung, Wortspiel: plätschert eher vor sich hin. Dennoch passt die musikalische Untermalung zum rätsellastigen Gameplay und geht dem Spieler zu keiner Sekunde auf den Keks. Passt also.

Fazit

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass sich einzelne Perlen auf WiiWare finden lassen. Hydroventure ist eine davon. Das kreative Gameplay, welches alle Aggregatzustände des Wassers kombiniert, sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Die technisch saubere Präsentation mit der in sich stimmigen Optik garantieren eine magische Atmosphäre bei der Rettung des magischen Buches vor der finsteren Bedrängnis. Wer gerne rätselt und sich von kreativen Spielkonzepten fesseln lässt, investiert hier seine 1.200 Wii Points mehr als nur gut.

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