Testbericht: Hannah Montana: Welttournee im Rampenlicht

Mit der Sitcom „Hannah Montana“ landete Walt Disney vor allem in den USA einen riesigen Fernseh-Erfolg, und seit dem letzten Jahr singt, tanzt und blödelt sich Hannah auch in die Herzen deutscher Kinder und Jugendlicher. Wer die Serie nicht kennt, gehört wohl einfach nicht zur Zielgruppe des personifizierten, amerikanischen Teenietraums. Für alle anderen bringt Walt Disney Interactive mit „Hannah Montana: Welttournee im Rampenlicht“ die zu erwartende Spielumsetzung. Wir haben mit Hannah getanzt und gesungen bis die kreischenden Teenies vor der Bühne kollabiert sind, und verraten euch jetzt was das Spiel taugt.

Auf die Bühne, fertig, los!

In der Fernsehserie ist Miley Stewart ein fast ganz normales 13-jähriges Mädchen, das heimlich ein Doppelleben als Popstar und Teenie-Idol Hannah Montana führt. Was wäre also nahe liegender als ein Tanzspiel, das vom Look her die Zielgruppe junger Mädchen anspricht? Und genau das hat man im Hause Disney Interactive auch getan. In diesem quietschbunten Wii-Titel gilt es Hannah durch vorgegebene Gesten mit Wii-Remote und Nunchuk im Takt ihrer eigenen Musik über die Bühne zu bewegen. Hat man die Show in einer der großen Weltmetropolen erfolgreich überstanden, kann man seine sauer verdiente Kohle bei einem gepflegten Einkaufsbummel nach Kleidern und Accessoires wieder unter die Leute bringen. Als kleine Abwechslung warten in der Mall auch diverse Minispiele wie Autogramme schreiben oder spontane Fotoshootings.

Wie sich schnell offenbart, mangelt es dem Titel leider an spielerischer Tiefe, da zwar viele verschiedene, teilweise auch nett ausgedachte Bewegungen erlernt und ausgeführt werden müssen, aber damit ist es auch schon getan. Weder liegen die Bewegungen so richtig auf dem Takt der Musik, noch wollen sie zu dem passen, was unsere Protagonistin dann auch auf der Bühne zeigt. So sitzt man am Ende vor dem Bildschirm und schüttelt und wedelt mit den Armen wie es einem von der Laufleiste am unteren Bildschirmrand diktiert wird. Von Zeit zu Zeit kommt Hannah an den Rand der Bühne um näher an Ihren Fans zu sein. Dann gilt es mit immer beinahe identischen Bewegungen zu Winken oder mit den Fans abzuklatschen – eine nette Idee die spielerisch aber leider kaum Abwechslung bringt. Für zusätzlichen Frust sorgt die mangelhafte Erkennung der Gesten. Während die Basisbewegungen meist korrekt interpretiert werden, sorgt die wenig sensible Erfassung der komplexeren Manöver recht bald für Ärger. Da hilft es auch nicht, dass man vor den Shows die neuen Tanzschritte bis zur Sehnenscheidenentzündung üben kann.

Auch bei den Einkaufstouren bietet sich erschreckend wenig Neues, denn außer, dass man massenhaft Geld für allen möglichen modischen Plunder ausgeben kann, was Hannahs beste Freundin Lilly teils mit neidischen, teils mit bewundernden Kommentaren quittiert, warten lediglich bedingt unterhaltsame Minispiele auf die heranwachsenden Konsolendiven. Mit den erworbenen Kleiderstücken kann man Hannah dann vor der nächsten Show einkleiden. Und wer fleißig Autogramme schreibt, vergrößert damit nach und nach die eigene Fangemeinde.

Ein Tanzspiel wäre kein würdiger Genrevertreter, wenn man nicht auch gemeinsam vor dem heimischen Fernseher antreten könnte – da stellt auch Hannah Montana keine Ausnahme dar. Doch leider hält sich auch dieser Bereich in Sachen Abwechslung eher bedeckt und kommt mit gerade mal zwei Varianten daher: Tanzparty und Tanzwettbewerb. Im Endeffekt wartet der Titel dort mit dem identischen Spielprinzip des Singleplayermodus auf, mit der Variation einmal gemeinsam und einmal gegeneinander um die Gunst der Fans zu buhlen.

Grafik und Sound

Grafisch merkt man schnell, dass zwischen der Wii und Playstation 2 Version keine Unterscheide gemacht wurden. Schwache Texturen und hakelige Animationen gehen mit wenig inspiriertem Leveldesign einher. Auch wenn dies die Zielgruppe nur am Rande interessieren dürfte, so ist es doch ärgerlich, dass man der Leistung der Wii nicht annähernd gerecht wird.
In Sachen Sound hingegen haben sich die Entwickler deutlich mehr Mühe gegeben, denn die original Hannah-Montana Songs, so wie die sehr guten deutschen Sprecher, bringen das Lizenz-Spiel nah an die TV-Vorlage heran, was Fans der Serie für die sonst schwache Präsentation ausreichend entschädigen dürfte.

Fazit

Es ist eigentlich wie immer bei fast allen Lizenzspielen. Jüngere Fans der Serie werden ihren Spaß haben, aber alle anderen dürften bei diesem spielerisch sehr dünnen und wenig fordernden Titel schnell die Lust verlieren. Die schwache Grafik sowie die zickige Steuerung trüben den Gesamteindruck außerdem merklich. Lediglich die Originalsongs und die guten Off-Sprecher, sowie der streckenweise unterhaltsame Slapstick können ein paar Pluspunkte sammeln. Hannah Montana: Welttournee im Rampenlicht bietet spielerisch kaum etwas, das man nicht bereits aus unzähligen Partyspielen kennt und kann deshalb nur dem Popstar-Nachwuchs empfohlen werden.

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