Testbericht: Guitar Hero 5

Noch nie waren Musikspiele so gefragt wie in den letzten Jahren. „DanceDanceRevolution“ ist der Vorreiter aus dem Land der aufgehenden Sonne und „Guitar Hero“ das Zugpferd aus den USA. Nun bereits in der fünften Runde erfreut uns Activision mit dem neusten Ableger von „Guitar Hero“. Ob „Guitar Hero 5“ den Siegeszug weiter führen kann, oder ob es seine Schulnote auf der Brust trägt, wollen wir euch in unserer Review zum Titel mitteilen.

Spann die Saiten, öl die Stimme!

Es ist wieder so weit! Ein völlig neuer Ableger von Guitar Hero steht auf der Matte und möchte gerne bei uns durch das Testlabor gejagt werden. Wir lassen uns nicht lange bitten und zerren Karol kurzer Hand aus der Garderobe von Metallica und ziehen ihm den weißen Kittel über. Nach einem prüfenden Blick auf unser neues Opfer … ähm … unseren neuen Patienten, stand eines sofort fest: Guitar Hero 5 ist immer noch Guitar Hero.

Wer die Reihe noch nicht kennt, der stürzt sich für nähere Informationen über eine Review zu einem Vorgänger. Zu finden sind die Reviews in unserer Spieledatenbank.

Immer musst du die erste Geige spielen!

Sicher haben wir schon alle ein solches Szenario erlebt, als wir versucht haben mit Freunden gemeinsam eine Band bei Guitar Hero zu bilden:

Irgendwie wollen immer gleich mehrere Personen ein bestimmtes Instrument spielen. Vor Guitar Hero 5 konnte es hierbei zu der ein oder anderen Rangelei unter Band-Kollegen kommen, aber nun ist Schluss mit der ewigen Streiterei darüber, wer denn nun an die Drums darf und wer sich am Mikrofon behaupten muss. Activision bastelte etwas am Multiplayermodus des Games und siehe da, ein durchaus partytaugliches Spielchen ist entstanden. Jetzt kann eine Band aus jeder nur denkbaren Kombination von Instrumenten bestehen. Das sture Muster von Gitarre, Bass, Drums und Gesang kann getrost in die Tonne gekloppt werden, denn nun kann es auch vier mal Gitarre, drei mal Gesang und ein Schlagzeug oder gleich viermal Lärm aus der Dose sein. Natürlich ist es Voraussetzung, dass auch die gewünschte Anzahl an Plastik-Instrumenten vorhanden ist.

Aber nicht nur die Möglichkeit seine Band willkürlich zusammenstellen zu können ist neu, nein es gibt auch noch den Partymodus. In diesem Modus wird zuerst eine Playlist zusammengestellt, welche aus bis zu 200 Songs bestehen kann. Aufmerksame Fans werden jetzt sagen:„Aber das Spiel hat doch nur 85 Songs auf der DVD!?“ Das mag stimmen, aber es ist auch im neusten Ableger möglich, neue Inhalte im GH-Store gegen Wii Points zu kaufen oder gar seine bereits für Guitar Hero: World Tour herunter geladenen Inhalte einfach in das neue Spiel zu importieren. Dank des Software-Updates der Wii versteht sich der weiße Wunderkasten nun ja auch mit SDHC-Karten, womit das Platzproblem gelöst sein müsste. Wenn man sich nun also für bis zu 200 Songs entschieden hat, kann es losgehen. Der Fernseher in Verbindung mit der Wii verwandelt sich in eine Jukebox und spielt Musik.

Okay, TV und Konsole behalten ihre Form und eigentlich ändert sich nichts, aber Musik wird trotzdem gespielt obwohl niemand an den Instrumenten steht. Wer jedoch meint, dass man sich unbedingt an „Ring of Fire“ von Johnny Cash versuchen muss, so kann sich der Musikwütige das Instrument seiner Begierde schnappen und mitten im Song einsteigen, ohne dass der Song unterbrochen wird. Ebenso kann während des kompletten Songs ausgestiegen werden ohne diesen unterbrechen zu müssen. Eine sehr coole Funktion, die auf Partys sicherlich hohen Anklang finden wird. Wer noch nie mit der Plastikgitarre gerockt hat, braucht keine Angst zu haben, denn bevor in das Lied einstiegen wird besteht die Möglichkeit den Schwierigkeitsgrad einzustellen.

Pass doch etwas auf meine Drums auf, der Lack splittert sonst!

Die größte Baustelle bei Guitar Hero auf der Wii war und bleibt wohl die Grafik sowie der Sound. Es ist uns unverständlich, aber grafisch hat sich das Spiel im Vergleich zu seinem Vorgänger sogar verschlechtert! Die Charaktere sehen kantig aus, die Bühnen strotzen nur so von fehlenden Details und trotz all dieser Ausfälle lädt das Spiel verhältnismäßig zu dem, was es leisten muss, zu lange. Während für das Wechseln einer Frisur in der Rockstar-Fabrik pralle vier Sekunden gewartet werden muss, so kann das Erstellen eines eigenen Charakters eine Angelegenheit von mehreren Stunden werden. Wieso das so ist, erklären wir etwas später in dieser Review. Wir scheinen aber nicht die Einzigen zu sein, die Phänomene wie Ruckler während der Lieder, unscharfe Highways und breiige Grafik feststellen durften. Einige Kollegen haben diese Erfahrungen auch gemacht. Es ist erschreckend, denn im Kontrast zur Wii präsentieren sich die Xbox 360- und die PS3-Versionen in einem Glanz, der einem live Konzert gleicht.

Immerhin hat sich am Sound etwas getan und dieser prasselt nun in der gleichen Qualität aus den Boxen wie bei den Versionen für die Konkurrenzkonsolen. Wer seinen Lieblingssong auch mal ohne Schlagzeug hören möchte, der kann in den Optionen nun jedes Instrument einzeln von der Lautstärke her anpassen. So bieten sich wirklich tolle Möglichkeiten, den einen oder anderen Song vielleicht auf eine etwas anders interpretierte Art und Weise kennen zu lernen.

Ene mene Miste, was ist sonst noch in der Kiste!?

Wie bereits aus Guitar Hero: World Tour bekannt, trifft man auch in Guitar Hero 5 auf die üblichen Modi, die teils sogar Wii-exklusiv sind. Der Mii-Freestyle Modus findet sich ebenso wieder, wie die Möglichkeit online mit bis zu acht Spielern zu spielen. Neu ist jedoch ein Modus, in dem sich der Spieler als Roadie behaupten muss. Roadies sind kurz erklärt die Kerle, die dafür sorgen, dass alles an seinem Platz auf der Bühne steht und sich unser Star um nichts mehr kümmern muss.

In der so genannten „Roadie-Schlacht“ wird mit mindestens einem Nintendo DS oder DSi gespielt. In der Rolle des Roadies muss nun versucht werden einem Bandmitglied auf der Bühne zu helfen ein Duell zu gewinnen. Wie wird das angestellt? Ganz einfach mit dem DS! Durch fiese Anschläge auf das Equipment der gegnerischen Band werden diese beim Spielen gestört, ebenso kann der gegnerische Roadie aber auch der Band des Spielers Schaden zufügen. Nun sind Reparaturtalente gefragt, denn Saiten müssen neu gespannt, Verstärker neu verkabelt oder Brände gelöscht werden. Ein sehr witziger Modus, der besonders mit vier Personen Spaß macht. Zwei spielen dabei ein Instrument und zwei versuchen sich am DS als Roadie-Terrorist.

Wie versprochen nur ein kurzer Kommentar zur Rockstar-Fabrik. Hier kann, wenn genügend Geduld und Zeit vorhanden sind, ein Alter Ego aus Pixeln zusammengeschustert werden. Wieso wir so gesondert darauf eingehen? Nun ja, Activision versucht wohl den Sims von EA Konkurrenz zu machen. Es ist wirklich alles veränderbar, selbst die Größe der Ohrläppchen! Bei aller Detailverliebtheit weisen wir jedoch nochmals darauf hin, dass es rund vier Sekunden in Anspruch nimmt, bis von einem Objekt zum nächsten gewechselt wird.

Ansonsten gibt es im Spiel jedoch keine weiteren großen Neuerungen zu entdecken, das gesamte Setting wurde etwas abgeändert, einige Optionen hinzugefügt, andere dafür weggelassen. Positiv erwähnt sei jedoch, dass nun auch erstmals alle Instrumenten-Controller des Spiels Rock Band kompatibel sind und problemlos mit Guitar Hero 5 zu verwenden sind. Und nun, ab zum Fazit!

Fazit

Ich versuche mich ja schon kurz zu halten und wirklich nur die Neuerungen zu erwähnen, aber irgendwie fällt es mir bei Guitar Hero immer wieder besonders schwer. Ich bin enttäuscht vom Ableger für die Wii. Grafisch ein Desaster, die Auswahl der Songs ist auch etwas sehr gewöhnungsbedürftig und die fehlende Möglichkeit, sich einige Lieder von Guitar Hero: World Tour und Guitar Hero: Greatest Hits zu importieren, schlagen nicht gerade positiv zu Buche. Die Ableger für Xbox 360 und PS3 machen es da deutlich besser. Schade, dass die Wii hier so stiefmütterlich behandelt wird, denn wir wissen spätestens seit Super Mario Galaxy, dass auch die Wii ansprechende Grafik beherrscht. Fans werden sicherlich trotzdem zuschlagen, Einsteiger sollten sowieso immer zum neusten Ableger greifen und der Rest holt sich ein Eis und bekommt einen Keks oben drauf!

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