Testbericht: Gottlieb Pinball Classics

Mit Gottlieb Pinball Classics bringt System 3 nach einer Version für die PS2 und die PSP nun auch das lange in Vergessenheit geratene Flipper-Genre zurück auf Nintendos neue Heimkonsole. Doch kann solch ein Spiel überhaupt noch zeitgemäß erscheinen oder verstauben die klassischen Tische unter dem althergebrachten Spielprinzip?

Ab in die Spielhalle!

Mit insgesamt 11 original Gottlieb-Pinballtischen und einer vorbildlichen Ballphysik kann nun die klassische Highscorejagd, bewaffnet mit Wii-Remote und Nunchuk, auch zu Hause genossen werden. Die detailgetreue Simulation der Originaltische hat einen manchmal doch etwas zu hoch geratenen Schwierigkeitsgrad zur Folge. Doch gerade dieser Realismus macht Gottlieb Pinball Classics aus. Hier ist echtes Können und teilweise viel Geduld gefragt. Die Steuerung fühlt sich so an, als würde man einen echten Tisch vor sich haben und bedienen. Jedoch kann man nicht gerade behaupten, dass Gottlieb Pinball Classics von den besonderen Fähigkeiten der Wii-Controller Gebrauch macht. Zum Auslösen des linken Flippers drückt man die große Z-Taste am Nunchuk, für den rechten Flipper die B-Taste an der Unterseite der Wii-Remote. Um die Kugel anzustoßen muss man lediglich den Analog-Stick des Nunchuks nach hinten ziehen und ihn dann wieder nach vorne schnipsen lassen. Mit den Tasten 1 und 2 lässt sich die Kameraperspektive verändern. Es gibt sowohl fixe Kameras, die den gesamten Tisch überblicken lassen, als auch Kameras die den Ball über den Tisch verfolgen. Auch das Rütteln des Tisches stellt hier kein Problem dar, durch einfaches Schütteln des jeweiligen Controller kann dies regelrecht realistisch durchgeführt werden. Doch vorsicht, auch der gefürchtete ‚Tilt-Sensor‘ wurde hier nicht vergessen. Dieser kann bei zu heftigem Rütteln aktiviert werden und lässt den Ball ohne Bonuspunkte in den Abgrund fallen. Im späteren Spielverlauf wird auch das Kippen des Tisches möglich sein.

Im Trainings-Modus werden, bevor man sich an den jeweiligen Tisch begibt, die Regeln erklärt und man kann sich einige Infos zur Geschichte des Tisches anhören, wenn man denn möchte. Am Anfang stehen nur wenige Flipper frei zur Verfügung. Für alle anderen braucht man Credits, die man beispielsweise im Challenge- und Turnier-Modus durch das Erreichen des Spielziels oder des Highscores eines Tisches verdient werden müssen. Dies fördert die Langzeitmotivation und sorgt dafür, dass man nicht von Beginn an in den Genuss aller 11 Tische kommt. Auch die Tatsache, dass hier nicht nur um das Erreichen des höchsten Highscore geflippert wird, sondern die Erfüllung eines vorgegebenen Spielziels, trägt dazu bei, dass man sich mühlelos auch längere Zeit an einem Tisch aufhalten kann. Jeder dieser Flipper verfügt über ein einzigartiges Design mit verrückten Ideen und den verschiedensten Herausforderungen. Der Tisch ‚Goin‘ Nuts‘ beispielsweise, wartet mit 3 Bällen gleichzeitig auf und an ‚Black Hole‘ kann gleich auf mehreren Ebenen gespielt werden. Auch die verücktesten Tische kommen hier zum Einsatz, wie der „Strikes ’n Spares“. Eine Art in den Tisch eingarbeitete Bowlingbahn, die dem herkommlichen Flipperspiel entsagt.
Doch nicht nur Flipper sind hier zu finden, den besonderen Reiz, der von manch einem auch als ziehmlich unnütz empfunden werden kann, stellen ein paar nett gemeinte Gimmicks, wie etwa ein Liebesbarometer oder ein Wahrsager-Automat dar.
Im eben erwähnten Challenge-Modus gilt es, alle elf Flipper hintereinander zu absolvieren. An jeden Tisch hat man allerdings nur drei Versuche, einen festgelegten Highscore zu erreichen. Gelingt dies nicht, bricht die Challenge ab und es muss wieder von vorn begonnen werden. Das kann durchaus zu mittelmäßig bis schweren Frustrationen führen, macht aber trotzdem Spaß.

Grafik und Sound

System 3 liefert mit Gottlieb Pinball Classics einen Titel ab, der sich, was die Grafik anbelangt, durchaus nicht hinter anderen Wii-Titeln der ersten Gerneration verstecken muss. Die Tische wirken sehr realistisch und sind nah am Original. Auch die bunten Blinklichter der verschieden Flipper wirken sich positiv auf das Spielerlebnis aus.
Sogar die Spiegelung des Glasdeckels wurde hier nicht vergessen. Was optisch sehr viel her macht, kann zu Einschränkungen in der Spielbarkeit führen. Dies kann der Spieler jedoch für sich entscheiden und diesen Effekt nach belieben ein- oder ausschalten.
Auch der Sound wirkt sehr realistisch, da sowohl die Soundeffekte als auch die dazugehörige Musik von den Originaltischen übernommen wurden. Und damit das richtige Spielhallengefühl aufkommen kann, ertönen beim Spielen auch noch die Geraüsche der benachbarten Tische.

Multiplayer

Mit Ausnahme des Challenge-Modus kann jeder andere Modus mit bis zu vier Spielern bestritten werden. Dabei läuft jeder Mehrspielermodus rundenbasiert ab. Sobald der vorherige Spieler den Ball verliert, ist der nächste am Drücker. Pro Flipper gibt es eine Chance und mehrere Ziele, die Punkte bringen. Wer am Ende die meisten Punkte erspielt hat, gewinnt.
Wer es sich leisten kann, verteilt die nicht benötigten Zweit-, Dritt- oder Viertkontrollerpärchen an seine Rivalen. Dies ist auf Grund des rundenbasierten Spielablaufs jedoch überhaupt nicht von Nöten, denn hier genügt eine einzelne Wii-Remote mit dem dazugehörigen Nunchuk.

Fazit

Es geht doch nichts über einen reellen Flipper. Jedoch kann einem der pure Realismus durchaus schnell teuer zu tragen kommen. Denn schnell ist das hart verdient Geld im hungrigen Münzeinwurf, des mit hohem Suchtfaktor belasteten Geräts verschwunden. Für Gottlieb Pinball Classics bezahlt man hingegen nur ein Mal und kann mit anfänglicher Anstrengung, unendlich lange weiterzocken. Jedoch mangelt es dem Spiel, mit nur 11 Tischen, etwas an Umfang. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass man sich viele Stunden mit dem Spiel beschäftigen kann. Gerade Neulinge werden sich am Challenge-Modus einige mal die Zähne ausbeißen und erst später die letzten Tische freispielen. Gottlieb Pinball Classics ist mit Abstand das zur Zeit beste Pinballspiel auf dem Markt und kann von Genrefans und solchen die es werden wollen, schon für knapp 40€ erworben werden.

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