Testbericht: Geisterhaus-Partyschreck!

Partyspiele auf der Wii sind ja keine Seltenheit mehr. Umso erfreulich ist es allerdings, wenn ein Entwickler nicht seinen neuesten Erguss aus dem Genre ins Regal stellt und dafür ordentlich Kohle haben möchte, sondern das Ergebnis über den WiiWare-Service für kleines Geld zur Verfügung stellt. So ist es beispielsweise mit „Geisterhaus-Partyschreck!“ geschehen. Wir haben uns für euch erschrecken lassen und getestet, wie gruselig das Game wirklich ist…

Echt gruselig?

Die Entwickler von Gameloft haben bereits mehr als zehn Titel über den WiiWare-Service von Nintendo veröffentlicht. Einer davon ist Geisterhaus-Partyschreck!, der vor allem Casualgamer vor die Konsole locken soll. Dabei wird euch sogar eine kleine Story geboten, die erklärt, warum ihr euch in eine spukende Villa wagen solltet. Dem Gespenst Jazzy wurde nämlich nicht nur sein Schatz geraubt sondern andere fiese Geister haben ihn sogar aus seinem Heim ausgesperrt. In einer Gruppe von vier Personen macht ihr euch nun auf den Weg und wollt die bösen Geister vertreiben sowie den riesigen Schatz finden. Gelingt euch das und ihr knackt das Passwort zum Tresor, dürft ihr sogar den Schatz für euch behalten. Bis es soweit kommt, müsst ihr aber zuerst einmal einen von vier vorgegebenen Charakteren wählen. Neben einem kühnen Blondschopf, einem steifen Butler und einem alten Greis steht euch dabei noch ein keckes Mädel zur Verfügung. Eine Mii-Integration sucht man aber ebenso vergeblich wie die Möglichkeit die Charaktere auch nur ein klein wenig personalisieren zu können. Zudem treten immer automatisch alle vier Charaktere zum Geisterhaus-Partyschreck! an – die nicht von Mitspielern gewählte Charaktere werden automatisch vom Computer gesteuert.

Vom Prinzip her hat man sich am Genre-Primus Mario Party orientiert. Ihr würfelt also am Beginn eines Zuges (bzw. befragt hier die Glaskugel), rutscht dann auf dem Spielbrett die entsprechende Zahl an Feldern nach vorne und führt gegebenenfalls die Aktion aus, die das Spielfeld verlangt, auf dem ihr gelandet seid. Anders ist in Geisterhaus-Partyschreck! allerdings, dass sich alle vier Charaktere in einer Art Geisterbahnwagen befinden und so nicht nur ein Spieler, sondern immer alle vier Charaktere pro Zug über das Spielbrett fahren. Ihr spielt somit in gewisser Weise immer im Team, da sich auch Feldaktionen wie der Gewinn oder der Verlust von Münzen auf alle Spieler gleichermaßen auswirkt. Lediglich in den Minispielen tretet ihr dann gegeneinander an. Hier gilt es meist einfache Aktionen auszuführen wie Schießscheiben per Pointerfunktion abzuballern, mit quer gehaltener Wiimote Ballons aufzupumpen und zum Platzen zu bringen oder durch eine Art Labyrinth vor dem einstürzenden Boden bis ins Ziel zu flüchten und dabei Münzen sowie Diamanten zu sammeln. Wer also bereits einen einzigen Teil der Mario Party-Reihe gespielt hat, wird die gesamte Palette der hier angebotenen Minispiele wiedererkennen. Innovativ sind lediglich die „Schlag die Ritter“-Einlagen, in denen direkt auf dem Spielfeld vier Ritter auftauchen und Energieblitze auf euch werfen, die mittels Wiimote-Schwung dreimal zurückgeschlagen werden müssen.

Eine ziemlich nette Idee an sich ist auch das Passwort, mit welchem ihr die Schatztruhe im Inneren der Villa öffnet. Denn mit dem erspielten Geld könnt ihr an bestimmten Stellen auf dem Feld Hinweise auf das Lösungswort kaufen. Die Hinweise werden mit der Zeit immer teurer, helfen euch aber natürlich den gesuchten Begriff zu erraten. „Flügel“, „Wasser“ und „Becken“ beispielweise weisen euch auf den gesuchten Begriff „Schwimmen“ hin. Die Anzahl der Buchstaben des Lösungswortes ist dabei vorgegeben, was es euch etwas leichter macht. Dennoch solltet ihr euch bei der Lösung sicher sein, da ein falsches Lösungswort euch ein dickes Minus auf dem Konto beschert. Seid ihr dagegen pleite, bedeutet eine falsche Lösung das „Game Over“. Auf der Jagd nach den Hinweisen durchquert ihr die verschiedensten Räume von der Bibliothek über das Schlafzimmer bis zum Esszimmer, werdet verkleinert um über einen Spieltisch inklusive Roulette zu fahren oder steigt sogar in den Himmel auf. Wem der Partymodus trotz dreier Schwierigkeitsgrade langweilig geworden ist, dürft ihr die Minispiele auch einzeln anwählen – und hier ebenfalls wieder zwangsweise mit allen vier Charakteren antreten. Schade, dass sich Gameloft hier so unflexibel im Gamedesign gezeigt hat. Gepaart mit der geringen Auswahl an Minispielen, die sich zwar durch freischaltbare Games auf knappe 20 Stück vergrößern lassen, dabei aber immer noch weit hinter der Konkurrenz zurück bleibt, hat man hier jede Menge Potenzial verschenkt. Das ist vor allem auch deswegen schade, weil die Steuerung eigentlich gut funktioniert und man durchaus ein paar nette Ideen in das Game hat einfließen lassen.

Gruselige Technik?

Technisch erwartet man von einem WiiWare-Titel sicher keine Sensation. Das ist auch bei Geisterhaus-Partyschreck! nicht der Fall. Dennoch wäre es schön gewesen, wenn zumindest die Charaktere etwas hätten personalisiert werden können. Das Geisterhaus an sich ist grafisch nett gestaltet und recht stimmungsvoll umgesetzt inklusive auftauchender Geister und allem, was sonst noch dazu gehört. Dennoch ist im Endeffekt das Game optisch bestenfalls ganz nett gemacht. Ähnliches gibt es auch in Sachen Sound zu verkünden. Die Soundeffekte passen zur gruseligen Atmosphäre, sofern bei einer Geisterhaus-Party von „gruselig“ gesprochen werden kann. Ein paar Brocken Sprachausgabe wurden den Charakteren ebenfalls spendiert. Die Hintergrundmelodien dudeln dagegen etwas belanglos vor sich hin. Für ein Spiel dieser Art ist die Technik zwar in Ordnung, insgesamt allerdings bestenfalls als mittelprächtig einzustufen.

Fazit

Auf der Suche nach einem passenden Partyspiel ist im Falle von Geisterhaus-Partyschreck! ein kurzer Zwischenstopp erlaubt. Neben dem relativ günstigen Preis von 1000 Wii Points überzeugen Ideen wie das zu findende Lösungswort für den Tresorraum oder die Duelle gegen die Ritter. Unverständliche Gameplay-Entscheidungen wie das erzwungene Spieler-Quartett oder lediglich vier wählbare Charaktere nehmen dem Game zusammen mit seinen wenigen und einfallslosen Minispielen schnell seinen Reiz. Das führt in der Gesamtwertung trotz passabler Ansätze zu deutlichen Abzügen, so dass man sich den Kauf gut überlegen sollte.

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