Testbericht: CRYSTAL DEFENDERS R1

Erneut veröffentlicht Square Enix ein Spiel aus dem Final Fantasy-Universum für Nintendos Wii. Diesmal hat man sich allerdings nicht für einen Retailversion entschieden, sondern nutzt den WiiWare-Service um den Spielern das Game „Final Fantasy Crystal Defenders R1“ zu präsentieren. Wir haben uns in die virtuellen Gefechte gestürzt und verraten euch ob sich der Download lohnt.

Schützt die Kristalle!

Anfang 2008 erschien Final Fantasy Crystal Defenders in Japan ursprünglich einmal für Mobiltelefone. Nachdem das Game dort einschlug wie eine Bombe und über 800.000 Abnehmer fand, wollte man den Titel auch den Konsolenspielern zugänglich machen. Unter anderem findet sich mit Final Fantasy Crystal Defenders R1 nun auch eine Version auf Nintendos Wii wieder. Das Grundkonzept des Games ist dabei schnell erklärt. Wir haben es mit einem „Tower Defend“-Spielsystem zu tun, wovon es in den letzten Monaten ja eine ganze Welle an Flashgames im Internet gab. Außer Defend your Castle gibt es jedoch bisher kein vergleichbares Game für Nintendos Downloadservice. Ihr startet auf einer Karte die euch zu Beginn den Weg der angreifenden Monster vorgibt. Euch wird verraten, wo die Unholde auf dem Screen erscheinen und somit wisst ihr auch gleich wo ihr Ziel sein wird. Dort wollt ihr sie natürlich nicht ankommen lassen, stehlen sie euch sonst einen eurer Kristalle – und diese gilt es unter allen Umständen zu schützen. Mit einem Startkapital von 15 Gil dürft ihr aus Anfangs zwei verschiedenen Charakterklassen eure Abwehr aufbauen, welche die Wellen an Gegnern aufhalten soll. Zu Beginn des Spiels stehen euch dabei lediglich ein Soldat sowie ein Schwarzmagier zur Verfügung. In den späteren Stages dagegen wird auch euer Repertoire an Helden erweitert, so dass ihr auf Bogenschützen, Zeitmagier, Diebe, Mönche und sogar Drachenritter zurückgreifen dürft. Bei der Platzierung eurer Streitkräfte ist allerdings zu bedenken, dass sie jeweils nur in einem bestimmten Umkreis agieren und im Gegensatz zu den meisten anderen Tower Defend-Spielen auch nicht mehr entfernt werden können. Dies erfordert zumindest in den späteren Levels ein eher taktisches Vorgehen, da ein Fehler nicht mehr auszubügeln ist.

Da eure Kampftruppe anfangs nur sehr schwach ist lassen sich gegen Bezahlung auch die einzelnen Truppen aufwerten. Diese haben danach nicht nur mehr Angriffskraft, sondern agieren auch schneller und in einem größeren Umkreis. Besondere Einheiten wie der Dieb oder der Zeitmagier können ebenfalls hilfreich sein. Der Dieb selbst richtet beispielsweise zwar keinen Schaden an, kann aber je nach Level euren Gewinn an Gils erhöhen, sofern er beim Ableben eines Monsters in Reichweite ist. Der Zeitmagier schafft dagegen das, was in Tower Defend-Spielen ebenfalls zum guten Ton gehört: Er macht eure Gegner langsamer. Diese rollen nämlich immer in Wellen an und versuchen eure Verteidigung zu durchbrechen. Zu beachten ist dabei, dass einige der Monster spezielle Schwachpunkte, aber auch Resistenzen haben. Somit ist es nicht sinnvoll, sich nur auf Soldaten oder einzig auf Magier zu konzentrieren. Fliegende Ungeheuer können von euren Bodentruppen beispielsweise nicht angegriffen werden, während andere Fieslinge wiederum immun gegen Magie sind. Stärkere Monster geben euch zwar mehr Gil, können dafür aber auch gleich mehrere Kristalle rauben, sofern ihr sie vor dem Erreichen des Ausgangs nicht besiegen könnt. Immerhin kann das Spiel jederzeit pausiert und sofern es der Geldvorrat hergibt nachgerüstet werden, denn ein Zeitlimit wie bei anderen Tower Defend-Spielen sucht man vergeblich. Haben euch die bösen Kreaturen überrannt und sind alle Kristalle gestohlen, gilt das Spiel für euch als verloren. Wer dagegen gut taktiert und mit seinem Geld haushaltet, erhält nach jeder Angriffswelle eine Abrechnung, auf der es gegebenenfalls einen entsprechend Gil-Bonus zu verbuchen gilt.

Die spielerische Tiefe hält sich in Final Fantasy Crystal Defenders R1 trotz einiger netter Ansätze wie dem Bonus-Gil allerdings stark in Grenzen. Dazu ist die Truppenanzahl einfach zu gering und weitere Boni sucht man vergeblich. Nach gerade einmal 12 Stages sowie einem weiteren Bonuslevel ist nämlich auch schon wieder Schluss. Erfahrene Turmverteidiger werden somit binnen maximal einer Stunde alle Stages absolviert haben und erhalten immerhin beschwörbare Esper als weitere Extras freigeschaltet. Diese sind jedoch nur als letzte Rettung zu sehen, da sie beim Einsatz doch einen der zu schützenden Kristalle verschlingen. Je nach Esper-Typ werden übrigens eure Gegner verlangsamt, alle Resistenzen aufgehoben oder die Kraft eurer Truppen erhöht. Den perfekten Abschluss der Runde könnt ihr dann aufgrund des Kristallverlusts abhaken. Doch genau die Punktejagd ist es, die den Spieler auch noch ein weiteres Mal zur Wiimote greifen lässt. Absolut unverständlich ist dabei nur, dass man seine Punkte lediglich in zwei der 13 Stages in die Online-Highscorelisten laden kann. Eine Zusammenfassung des finalen Scores sowie eine Integration aller Stages hätte eigentlich ohne Frage dazu gehört. So bleibt am Ende jedoch ein sehr schaler Beigeschmack. Dies gilt übrigens auch, wenn man eine Xbox360 oder ein IPhone besitzt und sich die Versionen des Games für die jeweiligen Geräte besorgen kann. Dort ist nämlich das komplette dreiteilige Crsytal Defenders-Paket zum vergleichbaren Preis zu erstehen, den Square Enix hier für R1 (was für „Round 1“ steht) verlangt. Rechnet man also künftig noch mit einem zweiten und dritten Ableger auf WiiWare, wird das Crystal Defenders-Paket eine unverschämt teure Angelegenheit, bei der Nintendojünger definitiv über den Tisch gezogen werden.

Technisch altbacken?

Rein technisch gesehen kann man an Final Fantasy Crystal Defenders R1 nicht viel aussetzen. Die Sprites scheinen allesamt aus dem aktuellen DS-Ableger Final Fantasy Tactics Advance 2 entliehen zu sein. Dies bedeutet für den Spieler hübsch gezeichnete Sprites mit netten Animationen, die sehr zur Atmosphäre des Games beitragen. Das absolute Highlight ist jedoch der Soundtrack. Zwar werden hier teils bereits bekannte Stücke präsentiert, dafür aber in einer derart fulminanten Orchestrierung, wie man sie in einem Downloadspiel nur selten zu Gehör bekommt. Einzig die etwas monotonen Soundeffekte verhindern hier die Höchstwertung in Sachen Sound, den die Musikuntermalung alleine eigentlich verdient hätte.

Die Steuerung wurde übrigens überraschenderweise sehr klassische gehalten. Gespielt wird mit quer gehaltener Wiimote und der Cursor lässt sich mit dem digitalen Steuerkreuz über den Screen dirigieren. Die Tasten 1 und 2 sind für Aktionen, bzw. deren Abbruch zuständig, während der A-Button die nächste gegnerische Welle auslöst. Über die Plus- und Minusbuttons gelangt man noch ins Menü, mehr braucht man für Final Fantasy Crystal Defenders R1 auch nicht. Dass man auf sämtlich Funktionen der Wiimote verzichtet ist etwas schade, denn zumindest der Pointer hätte sich in einem Titel dieser Art sicher sinnvoll einsetzen lassen. Das gewählte Steuerungsprinzip reagiert aber präzise und erfüllt seinen Zweck.

Fazit

Das abschließende Fazit fällt im Falle von Final Fantasy Crystal Defenders R1 mehr als zwiespältig aus. Auf der einen Seite habe ich mich als „Tower Defend“-Fan über das Spielprinzip gefreut, mag den Charme der Final Fantasy-Welt und finde die Musikuntermalung schlicht grandios. Auf der anderen Seite bekommt man als Wii-Spieler allerdings für 800 Punkte nur ein Drittel von dem, was auf anderen Plattformen angeboten wird. Somit fällt der Umfang mehr als unbefriedigend aus und das schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis führt zu deutlichem Punktabzug. Wer keine Alternative hat und das Genre liebt, kann dennoch zugreifen. Alle anderen sollten sich den Titel jedoch auf einer anderen Plattform besorgen, wo deutlich mehr „Spiel fürs Geld“ geboten wird.

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