Testbericht: FIFA 08

Jedes Jahr bringt uns Electronic Arts eine neue Version der Fußballspiel-Reihe FIFA. Mit FIFA 08 gibt die Serie nun ihr Debüt auf Nintendo Wii und wir haben uns selbstverständlich mit Schal und Trikot ins Stadion begeben, um das Spiel genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wichtig ist auf dem Platz!

Wie schon von den Vorgängern gewohnt, so bietet auch FIFA 08 einen riesigen Batzen lizenzierter Inhalte. Insgesamt wurden 570 Teams und mehr als 14.000 Spieler ins Spiel integriert, sodass wohl die allermeisten Fußballfreunde die Geschicke ihres persönlichen Lieblingsclubs bei FIFA 08 leiten können. Neben diesen stehen aber auch noch zahlreiche Original-Stadien, Trikotsätze und Fußbälle zur Auswahl bereit. Wie schaut es aber mit den Spielmodi und der Technik aus? Zuerst sei gesagt, dass die Wii-Version leider keinen Karriere-Modus zu bieten hat, dieser wurde nämlich unverständlicherweise gestrichen. Dafür hält aber die so genannte Trickii-Party Einzug – und das immerhin exklusiv. Dazu jedoch später mehr, schauen wir uns im nächsten Abschnitt zuerst einmal die Spielmechanik genauer an.

Die Steuerung

Um die Steuerung zu erlernen, bietet FIFA 08 ein ausführliches Tutorial an, welches in mehrere Abschnitte aufgeteilt wurde. So gibt es insgesamt 30 interaktive Anleitungen, die jeweils zu den einzelnen Situationen eines Fußballspiels die passende Steuerung parat halten. Die grundlegende Steuerung ist dabei sogar gar nicht so kompliziert, wie man vielleicht denken mag. Den ausgewählten Spieler steuert man mit dem Analogstick des Nunchuk-Controllers, mit dem A-Knopf der Wii-Fernbedienung lässt sich ein anderer Spieler auswählen (es wird automatisch zuerst der am nächsten zum Ball stehende Spieler ausgewählt). In Ballbesitz hingegen fungiert die A-Taste als Passgeber, wobei der Ball immer in Blickrichtung des ballführenden Spielers gespielt wird. Bei längerem Halten von A geht der Pass automatisch nicht an den nächsten, sondern übernächsten Spieler. Möchte man anstatt des normalen Passes lieber in den freien Raum hinein spielen, um eine gefährliche Offensivaktion auszulösen, so drückt man dazu den B-Knopf. Jetzt fehlt nur noch der Abschluss. Um auf das Tor zu schießen kommt der Bewegungssensor der Remote zum Einsatz: Zieht man die Fernbedienung nach oben, so wird ein gerade platzierter Schuss ausgeführt. Möchte man lieber den Ball anschneiden um mehr Effet hinein zu bekommen, so muss die Wii-Remote nach unten geschlagen werden. Bei beiden Schussvarianten gilt: Je schneller die Bewegung, desto stärker der Schuss. Übertreibt man es jedoch mit der Stärke, so geht der Ball gerne gen Stadion-Oberrang. Hier ist also eine gute Dosierung je nach Torentfernung gefragt.
Eine weitere wichtige Taste ist der Z-Knopf des Nunchuk. Mit diesem lässt man den Spieler – egal ob mit oder ohne Ball – schneller laufen. Allerdings wirkt sich dies auf die Kondition aus, d.h. bei zu viel Übermut wird der entsprechende Spieler irgendwann eher keuchend über den Platz stolpern und kaum noch für schnelle Spielzüge zu gebrauchen sein. Übrigens recht witzig gemacht sind die Einwürfe – hierzu werden Nunchuk und Wii-Remote über den Kopf hinweg bewegt, als ob man tatsächlich einen Ball werfen wollte.

Wer nun diese Grundsteuerung beherrscht, der ist schon mal ganz ordentlich gewappnet für einen ersten Kick. Aber selbstverständlich gibt es noch weitere Steuerungsdetails. Sehr effektiv z.B. sind Angriffe über die Flügel, um dann eine Flanke in den Strafraum zu schießen. Um solch eine Flanke auszuführen ist das simultane Drücken von A und B erforderlich. Auf dem Bildschirm zeigt ein Balken an, wie stark dieser Schuss ausgeführt werden wird. Hierbei ist ein wenig Geschick und gutes Timing erforderlich. Wurde die Flanke erfolgreich geschlagen, so steht hoffentlich ein Stürmer in Nähe des anfliegenden Balls. Eine gelbe Markierung auf dem Spielfeld zeigt dabei praktischer Weise an, wo das Spielgerät landen wird. Steht ein Spieler in unmittelbarer Nähe, so kann bereits mit der Wii-Remote eine Auf- oder Abbewegung durchgeführt werden – eine Direktabnahme ist die Folge. Diese wird automatisch entweder per Kopf oder Volleyschuss ausgeführt.
Weiterhin interessant für alle fortgeschrittenen Spieler ist die Verwendung des C-Knopfes. In Verbindung mit einem Schuss lässt sich somit nämlich z.B. ein Lupfer ausführen, um so manchen zu weit heraus gelaufenen Torwart überwinden zu können.

Selbstverständlich ist dies noch längst nicht alles, denn es gibt noch einige weitere Tastenkombinationen um Dinge wie Doppelpässe und Tricks ausführen zu können. Aber wir belassen es erstmal bei den Genanntem und schauen uns jetzt vielmehr die Verteidigung an. Mit gehaltenem B-Knopf nämlich geht man in den normalen Zweikampf und mit einem Schlag der Wii-Remote führt man eine Grätsche aus, wobei diese natürlich gut getimet sein sollte, um kein Foul zu produzieren oder gar eine Karte zu erhalten. Möchte man eine effektivere Verteidung erzielen, so empfiehlt sich das Drücken von Z und C gleichzeitig, um den Gegenspieler zu stellen. Auch lässt sich mit dem digitalen Steuerkreuz schneller ein Spieler auswählen.
Da der Keeper in FIFA 08 leider absolut nicht mit einem menschlichen Spieler zu vergleichen ist, denn wer bleibt schon freiwillig im Kasten stehen, wenn ein Gegenspieler alleine aufs Tor marschiert, der kann mit einem kurzen Druck auf den Minus-Knopf die Kontrolle über den Torwart selbst übernehmen. Hält man Minus gedrückt, so kommt dieser nämlich auch endlich mal aus dem Kasten heraus. Bewegt man den Analogstick während des Drückens der Minus-Taste, so führt der Keeper eine Parade in die entsprechende Richtung aus.

Wie schon bei Madden NFL 08, so integrierten die Entwickler auch in FIFA 08 den Family-Steuerungsmodus. Videospielunbedarfte Familienangehörige können somit auch am Spiel teilnehmen. Alles was sie zu tun haben ist zum richtigen Zeitpunkt zu passen oder zu schießen. Alles andere, also vornehmlich das Laufen, übernimmt nämlich der Computer. Na, wenn da mal nicht die Großmutter zum Goalgetter wird!

An dieser Stelle sei allerdings bereits etwas Kritik angebracht. Wie man sieht, ist der Abschnitt über die Steuerung trotz Reduzierung auf das Grundlegendste sehr lang geworden, was die Komplexität dieser unterstreicht. Und genau das ist leider ein großer Schwachpunkt im Spiel. Um tatsächlich ein flüssiges Fußballspiel an den Tag legen zu können, ohne auf Tricks am Ball und Doppelpässe etc. verzichten zu wollen, ist eine überdurchschnittlich lange Übungsphase notwendig. Bei FIFA-Spielen für die Vorgänger-Konsole Gamecube hatte man es deutlich weniger mit solch komplexen Tastenkombinationen zu tun. Hinzu kommt die Tatsache, dass das Schießen durch die Bewegungen der Remote oft nicht präzise genug erscheint. Teilweise wird sogar ein Schuss trotz deutlicher Auf- oder Abbewegung gar nicht registriert, was natürlich sehr ärgerlich ist. Bei einer herkömmlichen Steuerung reicht ein Knopfdruck aus und der Schuss wird problemlos ausgeführt.

Die Spielmodi

FIFA 08 bietet auf der Wii folgende Spielmodi zur Auswahl:

Anstoss
Hier kann ganz schnell ein Match ausgetragen werden. Einfach die beiden Teams auswählen, sich für eine Mannschaft entscheiden, eventuell menschliche Mitspieler dazu holen und schon kann der Anpfiff erfolgen.

Online
In FIFA 08 besteht die Möglichkeit online gegen andere Spieler anzutreten. Hierzu muss zunächst ein EA-Benutzerkonto eröffnet werden, sofern man nicht schon ein solches hat (z.B. aus Madden NFL 08). Nun gibt es verschiedene Optionen ein Spiel zu bestreiten. Am einfachsten ist die „Jetzt spielen“-Funktion – das System sucht automatisch nach verfügbaren Mitspielern. Eine weitere Option bietet die Lobby. Hier gibt es verschiedene Räume unterteilt nach Fähigkeiten der Spieler. Hat man sich für eine dieser entschieden, kann man entweder selbst ein Spiel eröffnen oder einem bestehendem beitreten.
Nett gelungen ist der EA Messenger, in dem sich alle User wiederfinden lassen, gegen die man zuletzt angetreten ist. In der integrierten Freundesliste lassen sich aber auch User fest ablegen, hierzu müssen jedoch beide Parteien ihre Zustimmung geben. Über diesen Messenger kann dann eingesehen werden, welche Freunde gerade online sind und zudem können vorgefertigte Textbausteine à la „Hast du Lust auf ein Spiel?“ abgesendet werden. Auch lässt sich hierüber eine Bewertung des Gegners abgeben, sprich wie dieser sich im Spiel verhalten hat.
Übrigens läuft im Onlinemenü am unteren Rand ein Newsticker von ESPN Soccernet, der aktuelle Nachrichten und Spielergebnisse aus der echten Fußballwelt einblendet.

Interaktiv-Ligen
Dieser Spielmodus ist ausschließlich online spielbar. Hier wählt man sich zunächst einen Lieblingsverein aus und spielt für diesen nun in Onlinematches Punkte ein. In Summe mit Punkten weiterer Fans des gleichen Vereins ergibt sich eine Gesamtpunktzahl, die dann wiederum in einer Gesamttabelle gegen andere Vereine und dessen Fans gesetzt wird. Die Vereinsauswahl ist hier jedoch auf einen Bruchteil aller Mannschaften beschränkt. Fans von Zweitligavereinen z.B. werden ihren Club vergebens suchen.

Turnier
Was darf es denn sein? 1. Bundesliga, Premier League oder doch lieber die Serie A? FIFA 08 bietet eine umfangreiche Anzahl verschiedener Ligen und Cups, an denen man sich mit einem Verein beteiligen kann. Wünscht man ein Turnier, welches hier nicht auszuwählen ist, so lässt sich sogar eine eigene Liga bzw. ein Turnier zusammenstellen.

Herausforderungen
In diesem Modus stehen zahlreiche historische Spiele zur Auswahl, die dem Spieler ein bestimmtes Ziel setzen. Beispielsweise muss aus einem 1:2-Rückstand noch ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung heraus gespielt werden – allerdings sind dazu nur noch 30 Minuten verfügbar. So oder ähnlich sehen die Herausforderungen aus. Zunächst gilt es die 31 leichten Szenarien zu meistern, bevor die 30 schweren anwählbar sind bzw. eigene kreiert werden dürfen.

Trickii-Party
Dieser Spielmodus wurde der Wii-Version exklusiv spendiert. Es stehen insgesamt drei Minispiele zur Auswahl, die mit den Miis gespielt werden können. In bunter Comicgrafik präsentieren sich „Ball hochhalten“, „Wettschießen“ und „Tischfußball“. In „Ball hochhalten“ gilt es das richtige Timing zu finden und auf dem Bildschirm eingeblendete Tasten zu drücken oder Bewegungen mit der Remote durchzuführen. Mit jeder Runde werden diese jedoch immer schwerer.
In „Wettschießen“ muss auf ein Tor geschossen werden, in welchem verschiedene Zielscheiben mit unterschiedlichen Punktzahlen aufgehangen sind. Im Tor steht aber ein Gegenspieler, der die Schüsse versucht abzuwehren.
Im „Tischfußball“-Modus steht ein solcher Kickertisch in virtueller Form parat. Hier mutiert die Wii-Remote zu Stahlstangen, die mit Dreh- und Stoßbewegungen zu steuern sind. Das Spielgefühl ist hier besonders gut gelungen und macht von allen Minispielen insegesamt den besten Eindruck.

Grafik und Sound

Grafisch präsentiert sich der aktuelle FIFA-Teil auf der Wii wirklich mehr als solide. Klar, zwar ist alles ein wenig grobkantiger im Vergleich zu den Versionen der Konkurrenz-Konsolen, jedoch zählt FIFA 08 sicherlich zur aktuellen Upper-Class auf der Wii im Bereich Grafik. Die Spieler wurden außerdem sehr schön und authentisch animiert und auch die Stadien wirken sehr imposant. Zu bemängeln sind jedoch wie fast immer bei solchen Sportspielen die 2D-Zuschauer, die scheinbar lediglich mittels zwei Frames animiert wurden. Zum Glück richtet sich der Blick im laufenden Spielgeschehen aber nur sehr selten im Detail auf die Fans.

In Puncto Musik kann der Titel richtig auftrumpfen. Zahlreiche Musikstücke bekannter und teils weniger bekannter Künstler wurden lizenziert und trällern während der Menüs im Hintergrund. Durch die große Auswahl der Songs ist vermutlich für viele Geschmäcker etwas Passendes dabei.

Gewohnt schwach hingegen präsentiert sich leider die Stadion-Atmosphäre. Erwartet man doch stark als Heimmannschaft beim Siegtor kurz vor Schlusspfiff einen Höllenlärm der Fans, so scheinen diese in FIFA 08 noch eher mit der Pausen-Wurst beschäftigt zu sein – ein kurzzeitiges und unspektakuläres Geschrei verstummt nach kurzer Zeit schon wieder. Hier hätte man wirklich mal eine Schippe mehr drauflegen können, um eine ordentliche Atmosphäre zu schaffen.
Ebenfalls langweilig wirken die deutschen Kommentatoren, deren Soundqualität zu allem Überfluss auch noch so klingt, als würden sie mit einem 5 Euro Headset ihre sich immer wiederholenden Sätze zum Besten geben. In den ersten zwei, drei Spielen lassen sich die zwei Reporter zwar noch einigermaßen ertragen, aber spätestens dann kennt man alle Kommentare bereits auswendig, die auch leider nicht immer passend zur aktuellen Situation sind bzw. viel zu spät ertönen. Glücklicherweise lässt sich der Kommentatoren-Sound jedoch im Menü komplett abstellen.

Fazit

EA Sports bringt mit FIFA 08 sicherlich einen interessanten Titel für alle Fußballfans auf den Markt. Jedoch ist auch deutlich zu spüren, dass man für den Nachfolger einige Verbesserung einbringen muss. Die Steuerung wirkt einfach noch nicht ausgereift genug und gepaart mit altbekannten Lastern der Serie (KI, Soundkulisse und Kommentare), sollte man nach Möglichkeit vor dem Kauf den Titel lieber einmal angespielt haben. Wünschenswert wäre eine alternative Steuerung mit Classic Controller gewesen. Ein absolutes Plus sind hingegen die vielen Lizenzen und die ansonsten optisch gelungene Präsentation zusammen mit dem gut funktionierenden Onlinemodus, welcher zum Glück ohne Freundescodes auskommt.
Also, Fußballfans ohne Zweitkonsole können ruhig zugreifen, alle anderen sollten vielleicht lieber bis nächstes Jahr auf den Nachfolger warten, bei welchem man hoffentlich die angesprochenen Kritikpunkt behoben hat.

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