Testbericht: Endless Ocean 2 – Der Ruf des Meeres

Mit „Endless Ocean“ hat Nintendo 2007 sicher eines der entspannendsten Spiele der letzten Jahre 2007 auf den Markt gebracht. Nachdem man die Fortsetzung bereits seit einigen Monaten in Japan käuflich erwerben konnte, hat es „Endless Ocean 2 – Der Ruf des Meeres“ auch in unsere Breitengrade geschafft. Wir sind für euch tief in das Abenteuer und haben herausgefunden, ob sich hinter dem Titel erneut ein verborgener Schatz verbirgt.

Darf es etwas Meer sein?

Nachdem die Entwickler von Arika bereits auf der Playstation 2 eher mäßig erfolgreiche Tauchsimulationen programmiert hatten, gelang ihnen mit dem von Nintendo in Auftrag gegebenen Endless Ocean ein kleiner Überraschungshit. Dennoch war es in gewisser Weise überraschend, dass man eine Fortsetzung zu dem Titel ankündigte. Viel geändert hat sich dabei am Spielprinzip nicht. Wer bereits im ersten Teil gerne in die Tiefen des Meeres abgetaucht ist, wird sich in Endless Ocean 2 sicher ebenfalls schnell heimisch fühlen. Für alle anderen sei das Spielprinzip noch einmal kurz erklärt.

Ihr seid Mitglied in einer Tauchertruppe und müsst die Tiefen des Meeres erkunden, um dort Fischarten zu entdecken, verborgene Schätze zu finden und das Geheimnis um das Sagen umworbene „Lied des Drachen“ zu lüften. Ihr schlüpft dabei in die Haut eines Studenten, der bei dem R & R Tauchservice angeheuert hat. Das kleine Familienunternehmen besteht aus dem durch eine Taucherkrankheit geschädigten alten Mann und dessen Enkeltochter, deren Eltern bei einem tragischen Unfall ums Leben kamen. Zu Beginn des Spiels wird zuerst mit Hilfe einiger sehr dezenter Fragen euer Charakter erstellt und dessen Optik ausgewürfelt. Danach geht es auch schon in Begleitung der 15jährigen Oceane ab ins Wasser, wo ihr euer ersten Korallenriff erkundet. Ein kurzer Flashback, wo ihr euch vor einem riesigen, versunkenen Tempel befindet, zeigt euch dabei übrigens schon euer finales Ziel, in welchem ihr dem Lied des Drachens auf den Grund gehen wollt. Doch zuerst einmal gilt es allerlei andere Aufgaben zu erfüllen. Diese sind ebenso umfangreich wie im ersten Teil ausgefallen und reichen vom Entdecken bestimmter Fischarten über Heilung von Meerestieren bis hin zur Rettung der von Haien bedrohten Oceane, als diese auf der Suche nach einem Anhänger alleine auf Erkundungstour geht und prompt in Gefahr gerät. Ihr habt dabei richtig gelesen, denn im Sequel stellen sich nun auch echte Bedrohungen in euren Weg. Wer es also beim ersten Teil unrealistisch fand, dass die umher schwimmenden Haie stets friedlich waren, wird nun eines Besseren belehrt werden. Um euch die hungrigen Raubfische vom Leib zu halten, steht euch dabei ein so genannter Pulsar zur Verfügung. Diese Waffe setzt Elektrostöße frei und kann aggressive Tiere beruhigen. Gleichzeitig werden damit kranke Lebewesen geheilt – eine weitere eurer Aufgaben.

Wer nun allerdings denkt, dass diesmal die Action groß geschrieben wird, hat sich gewaltig geschnitten. In erster Linie wird auch in Endless Ocean 2 in aller Ruhe das Meer erkundet. Hektik kommt so gut wie nie auf. Die im ersten Moment bedrohlich wirkenden Situationen, wenn etwa ein großer Buckelwal Kurs auf euch nimmt oder Tigerhaie hungrig um euch kreisen, können entweder durch kurzes Schütteln der Wiimote mit einer Rolle seitwärts oder ein paar Einsätze eures Pulsars entschärft werden. Zumal natürlich kein Blut fließt, wenn ein Hai euch attackiert. Er verpasst euch lediglich einen Schlag mit seiner Schwanzflosse und raubt euch damit etwas Sauerstoff. Geht euch dieser aus, endet euer Tauchgang und ihr kehrt auf das Boot zurück. Gewalt ist somit genauso wie das klassische „Game Over“ ein Fremdwort für Spieler von Endless Ocean 2. Langweilig wird der Titel dennoch nicht so schnell – vorausgesetzt man freundet sich mit dem langsamen Gameplay an und hat nichts dagegen einzuwenden, wenn man mal eben für ein paar Stunden in die Tiefen des Meeres abtaucht, obwohl das vielleicht gar nicht so eingeplant war. Kenner des ersten Teils finden in Endless Ocean 2 jedenfalls einen ähnlichen Zeitfresser. Fernab der Story gibt es nämlich jede Menge Aufgaben, die man erfüllen darf. Touristen wollen tolle Tauchgänge erleben, Tauchmagazine verlangen nach einzigartigen Fotos, welche über eine SD-Karte sogar exportiert werden dürfen, 300 verschiedene Meeresbewohner müssen katalogisiert werden, versteckte Münzen und unzählige Gegenstände wollen gefunden werden, zudem dürft ihr etliche Zertifikate (vergleichbar mit den „Erfolgen“ bei der Konkurrenz) erlangen. Als Basis steht euch diesmal eine kleine Insel zur Verfügung, auf welcher ihr den Überblick über euren Fortschritt habt und eure Erfolge speichern könnt. Hiervon lassen sich auch Reisen ans andere Ende der Welt zu neuen Tauchgebieten unternehmen. Die Kleidung darf hier ebenfalls gewechselt werden, denn die fesche Nancy kommt auf ihrem Jetski angeritten und verkauft euch tolle Waren oder schätzt eure geborgenen Fundstücke, sobald ihr sie übers Funkgerät ruft.

Die Möglichkeit tierische Gefährten zu trainieren ist im Sequel übrigens auch wieder mit enthalten. Eine Delfinglocke am Bootssteg eurer Insel ruft euren tierischen Gefährten, dem ihr diverse Tricks beibringen könnt. Im späteren Taucheinsatz in den Tiefen des Meeres könnt ihr euren Kumpel dann ebenfalls zur Hilfe rufen. Nachdem im Original bereits ein Onlinemodus integriert war, hat man dies für den Nachfolger glücklicherweise beibehalten. Wo man sich beim ersten gemeinsamen Tauchgang nur etwas unpraktisch über vorgefertigte Wortfetzen und selbst gekritzelte Zeichen unterhalten konnte, ist nun der aktuelle Stand der Technik auch bei Nintendo angekommen. Mittels „Wii Speak“-Mikrofon könnt ihr euch nämlich mit eurem Tauchpartner während des Tauchgangs unterhalten. Dies sorgt für unterhaltsame Tauchgänge, in denen die Zeit nur so verfliegt. Doch auch wenn ihr alleine in den Tiefen des Meeres unterwegs seid, werdet ihr schnell in den Bann des Titels gezogen. Die Stunden verfliegen in Windeseile, sofern man sich richtig auf das Spiel einlässt.

Gestaltete sich die Steuerung schon im ersten Teil als sehr zugänglich und leicht, so wurde dies natürlich auch für Endless Ocean 2 beibehalten. Wie es Kenner des Vorgängers also bereits gewohnt sind, bleibt der Nunchuk der Wiimote fern und wird nicht zum Steuern eurer Tauchbewegungen genutzt. Nein, es genügt das Nutzen der Pointerfunktion der Wii-Remote um die gewünschte Richtung anzuzeigen, in welche es gehen soll. Mit einem Druck auf den B-Button werden dann die Schwimmflossen aktiviert und ihr setzt euch in Bewegung. Die meisten anderen Aktionen wie das Beobachten von Tieren, das Bestätigen einer Auswahl, etc. wird über den A-Button geregelt. Mit dem digitalen Steuerkreuz verwaltet man das Hilfemenü, in welchem sich die wichtigsten Tätigkeiten unter Wasser (Pulsar einsetzen, Füttern, Fotografieren, Tauchgang beenden, etc.) auswählen lassen. Der Pulsar selbst wird übrigens in bester Ego-Shooter-Manier mit der Pointerfunktion der Wiimote gesteuert, wobei mit dem A-Button die Stromstöße verschickt werden dürfen. An wenigen Stellen wird auch ein kurzes Schütteln der Wiimote verlangt, wenn ihr euch beispielsweise mit einer schnellen Rollen aus der Schwimmbahn eines Wals manövrieren müsst. Praktisch ist die Karte, die mit dem 1-Button immer wieder eingeblendet werden kann und euch so zuverlässig den Weg zum nächsten Ziel zeigt.

Wir tauchen tief ein…

Von der technischen Seite her bietet Endless Ocean 2 vor allem während der Tauchgänge eine durchweg fantastische Optik. Die Animationen der einzelnen Meeresbewohner sind wirklich gut gelungen und wirken authentisch. Bereits der erste Teil war, was die Unterwasserwelt betrifft, richtig ansehnlich geworden und gehört in diesem Bereich zum Besten, was man auf der Wii bisher gesehen hat. Endless Ocean 2 steht dem natürlich in keiner Weise nach, stellt optisch allerdings auch keinen Quantensprung dar. Aufgrund der optischen Klasse des Erstlings ist dies jedoch auch nicht notwendig. Bunte Korallenriffs, riesige Wale, dunkle Höhlen und große Fischschwärme – die Unterwasserwelt zeigt sich in all ihren Facetten. Der zweite Ausflug in die Tiefen der Meere macht jedenfalls erneut einen guten optischen Eindruck. Auch das Kantenflimmern hält sich hier in Grenzen, was an Deck eure Schiffes noch verstärkt störend wirkte und nur selten kommt es zu Clipping-Fehlern. Die gesamte Präsentation des Titels ist ansprechend und wirkt in sich stimmig. Kritik musste man sich beim Original an den schwachen Animationen auf dem Boot und den kantig wirkenden Charakteren gefallen lassen. Hier hat man zwar etwas besser gearbeitet, dennoch sind vor allem die Animationen an Land teils etwas hölzern. Schade ist auch, dass es kaum Gesichtsanimationen der Protagonisten zu bewundern gibt. Neben der Lippenbewegung zeigen diese nämlich im Gesicht kaum Regungen. Hier hätte man noch deutlich mehr aus der Wii heraus holen können.

Erneut sehr stimmungsvoll ist der atmosphärische Soundtrack geworden. Zwar verzichtet man auf den SD-Karten Support, wirklich negativ davon beeinflusst wird das Game aber nicht. Zu schön sind die sphärischen Musikstücke, die den Spieler in der Tat in eine komplett andere Welt abtauchen lassen. Dass die Musik an manchen Stellen nun ein wenig bedrohlicher wird, passt zum Spielgeschehen und sorgt für die passende Atmosphäre. Ein wenig unter gehen übrigens die Soundeffekte, die recht spärlich im Spiel eingesetzt wurden. Nur ab und an vernimmt man die Geräusche von Meeresbewohnern wie Delfinen oder Walen, diese können sich dagegen hören lassen. Auf eine Sprachausgabe hat man hingegeben erneut verzichtet. Dies bedeutet im Umkehrschluss für euch, dass es reichlich Textboxen zu lesen gibt, welche euch die Story des Spiels in den Dialogen mit den anderen Charakteren erzählen.

Fazit

Wer den ersten Teil bereits mochte, wird auch Endless Ocean 2 – Der Ruf des Meeres schnell ins Herz schließen. Der Onlinemodus wurde dank Wii Speak-Support verbessert, der Umfang ist ebenfalls dank vieler Nebenaufgaben etwas gewachsen und aufgrund der schnell zu erlernenden Steuerung werden nicht nur Veteranen, sondern auch Tauchneulinge in den Bann des Titels gezogen. Die Verbesserungen im Vergleich zum ersten Teil halten sich zwar in Grenzen, da dieser aber bereits ziemlich gut war, hinterlässt auch das Sequel einen guten Eindruck. Wer sich viel Action in den Weiten des Meeres erhofft, ist bei Endless Ocean 2 nach wie vor falsch. Wer dagegen ein entspannendes Game mit viel Raum für Erkundungen sucht, liegt hier genau richtig!

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