Testbericht: Die Simpsons – Das Spiel

Auch wenn es seit geraumer Zeit zur Tradition geworden ist, zu jedem erdenklichen Kinofilm das passende Videospiel zu bringen, so ist der „Simpsons“-Film in diesem Sommer ohne Spieleumsetzung ausgekommen. Auch der jetzt von Electronic Arts veröffentlichte Titel „Die Simpsons – Das Spiel“ hat mit dem Kinostreifen lediglich die Hauptfiguren gemeinsam. Ob diese Eigenständigkeit dem Spiel gut getan hat und was den Zocker mit der gelben Familie erwartet, haben wir bei einem Ausflug nach Springfield für euch herausgefunden.

It’s Showtime!

Das letzte Jump’n’Run mit den Simpsons liegt schon eine ganze Weile zurück. Von daher darf der Spieler durchaus gespannt sein, wie Homer, Bart & Konsorten seitens Electronic Arts auf die aktuellen Konsolen gebracht wurden. Gleich vornweg muss gesagt werden, dass sich das Game größtenteils an der Serie selbst orientiert. Fans der Simpsons werden sich also direkt heimisch fühlen und das Flair der Serie genießen. Die Story ist in Die Simpsons – Das Spiel dabei recht simpel gehalten und hält immer wieder Paralellen zum TV-Original parat. Dabei nimmt man sich selbst nicht zu ernst und immer wieder aufs Korn, was dem Titel gut zu Gesicht steht. Alles beginnt nach einem Tutorial in Homers Traum damit, dass Bart sich das nagelneue Videospiel „Grand Theft Scratchy“ kaufen will. Marge bekommt das allerdings mit und nimmt ihm das Spiel ab. Durch Zufall flattert Bart ein Anleitungsheft eines Videospiels auf den Straßen von Springfield in die Hände und er muss feststellen, dass es die Anleitung vom „Simpsons-Spiel“ ist. Die Simpsons selbst sind also Teil eines Videogames? Bart findet das natürlich entsprechend cool, immerhin kann er somit der Superheld „Bartman“ sein, was er sich schon immer erträumt hat.

Ab diesem Punkt startet das Game durch viele verschiedene Episoden, die zum einen auf alten Simpsons-Episoden aufbauen, aber auch haltlos die gesamte Welt der Videospiele durch den Kakao ziehen. Egal ob es nun eine Anspielung auf die „Grand Theft Auto“-Reihe gibt oder man gar ein „Medal of Homer“ spielt, die Simpsons machen vor so gut wie nichts Halt. Genau dieser Humor ist es, den Fans dabei sofort erkennen und lieben werden. Die Gags zünden teils sofort, teils sind sie etwas hintergründiger platziert und man erkennt sie nicht gleich. Die Autoren der Story haben sich jede Mühe gegeben, um selbst aus längst vergessenen Simpsons-Episoden kleine Elemente mit einzubringen (die bösen Delfine anyone?) und haben ein glückliches Händchen für urkomische Situationen bewiesen. Denn nicht nur die vielen Anspielungen zünden, auch die dem Game ganz eigenen Momente und Dialoge können überzeugen. Angereichert wurde Die Simpsons – Das Spiel nämlich mit zahlreichen Zwischensequenzen, die teils exklusiv für das Spiel gezeichnet wurden. Sie stellen meist den Anfangs- und Schlusspunkt einer Episode dar. Dreh- und Angelpunkt ist aber das Haus der Simpsons selbst, wo jeweils die neuen Episoden gestartet werden und man auch die erreichten Sammelobjekte einsehen kann.

Leider ist im Vergleich zu den Versionen auf Xbox360 und PS3 Springfield selbst nicht begehbar, was für viele Fans eine Enttäuschung sein wird. Dennoch gibt es in den einzelnen Episoden noch genug zu entdecken. In der Rolle von Bart, Lisa, Homer und Marge gilt es allerlei haarsträubende Abenteuer zu bestehen. Zum Einsatz kommen dabei immer wieder die speziellen Fähigkeiten, mit denen jedes der vier Familienmitglieder aufwarten kann. Während Homer sich unter anderem zu einer vollgefressenen Kugel aufblähen und damit diverse Attacken ausführen kann, setzt Bart gegen Kontrahenten gerne seine Steinschleuder ein und darf als „Bartman“ mit seinem Cape sogar durch die Lüfte segeln. Lisa hingegen kann die himmlischen Kräfte von Buddha zu ihren Gunsten nutzen und mit ihrem Saxophonspiel die Gegner kurzzeitig lähmen, während Marge mit einem Megafon bewaffnet einen wilden Mob organisiert, der ihr zu Diensten ist. Auch wenn die Sonderfähigkeiten nur ab bestimmten Stellen zum Einsatz kommen, so lockern sie dennoch das Spielgeschehen auf. Dieses ist nämlich an sich sehr simpel gehalten und unterscheidet sich kaum von den unzähligen anderen Plattformern, die man als Videogamer in seiner Karriere bereits gesehen hat. Vorsprünge und Ebenen wollen erklommen, Abgründe überbrückt und Gegner durch kleine Punch-Combos erledigt werden. Wären die vielen witzigen Einlagen nicht, könnte Die Simpsons – Das Spiel wohl nur beinharte Jump’n’Run-Freaks überzeugen.

Doch zum Glück hat Electronic Arts weitergedacht und lässt in den meisten Episoden zwei Charaktere gleichzeitig antreten. Dies bringt eine gewisse taktische Komponente ins Spiel, da man ab und an zwischen den Charakteren wechseln muss, um an einer bestimmten Stelle die Sonderfähigkeiten eines gelben Familienmitglieds zum Einsatz zu bringen. Geht die Energieanzeige eines Simpsons zur Neige, verschwindet er kurzzeitig von der Bildfläche, kommt aber schon bald wieder zurück ins Spiel. Auch wenn die Charaktere stets in den Episoden fest vorgegeben und die Rätseleinlagen eher simpel gehalten sind, so kommt auch dadurch Abwechslung ins Spiel. Außerdem kann sich hier ein zweiter Spieler jederzeit in das Spielgeschehen einklinken und mittels Coop-Modus über einen vertikal geteilten Split Screen die Aufgaben in Absprache mit seinem Partner erledigen. Möchte man die Zeitrekorde in den einzelnen Episoden knacken oder die Episoden ohne den Verlust eines Lebens abschließen, ist dies der Schlüssel zum Erfolg und auch zum länger anhaltenden Spielspaß. Schade ist nur, dass das Herausschalten des zweiten Spielers recht umständlich über das Menü erfolgt. Ein schnelles switchen zum Einzelspieler zwecks besserer Übersicht ist also nicht möglich. Die Erkundungstour durch Springfield zu zweit sorgt aber trotz der eingeschränkten Sicht für viel Spaß.

Einzelspieler sollten sich dagegen nach dem ersten Durchspielen, was ca. 6 bis 7 Stunden in Anspruch nehmen dürfte, eher auf die sammelbaren Extras konzentrieren, die es ebenfalls zahlreich in jeder Stage zu finden gibt. Jeder Charakter hat dabei seine eigenen, spezifischen Objekte, die auch nur er aufnehmen kann. Homer sammelt Kronkorken, Bart Karten von Krusty, usw., doch damit nicht genug. In jeder Episode lassen sich so genannten „Klischees“ sammeln, die ein weiterer Beweis für die Selbstironie des Titels sind. Vom bewusst gelangweilt wirkenden Comicladenbesitzer aus Springfield werden diese vorgestellt und bedienen in der Tat alle Klischees, die man aus Videospielen so kennt: Schalter, verschlossene Türen, Fallgruben, Sägeblätter, Levels unter Zeitdruck und dergleichen mehr. Abgerundet wird der Titel von einigen Minispielen, die hier als „Wii-Momente“ bezeichnet wurden. Hat man diese in den Episoden entdeckt, darf man sie später auch einzeln anwählen. Zwar sind manche davon wie das zweite „Wettessen“ recht amüsant geworden, aber insgesamt sind sie nicht mehr als eine nette Dreingabe. Da die Anfangsanimationen der Minigames aber nicht zu überspringen sind und dem Spieler schnell auf die Nerven gehen, wird man sie nach einmaligem Spielen selten noch ein weiteres Mal zocken wollen.

Aus dem Weg, hier kommt der Homerball!

In Sachen Steuerung wurde Die Simpsons – Das Spiel relativ simpel gehalten. Gesteuert werden die Charaktere allesamt mit dem Analogstick des Nunchuk. Der A-Button wird zum Springen verwendet, während B für die Schläge dient. Nachdem teils recht viele Gegner zu erledigen sind, hätte man sich hier eine umgekehrte Belegung dieser beiden Buttons gewünscht, da für derartige Button-Smasher-Aktionen der A-Knopf einfach komfortabler platziert ist. Die Familienmitglieder werden mit dem C-Button gewechselt und mit Z positioniert man die Kamera hinter seiner Spielfigur. Dies ist auch absolut notwendig, denn die Kamera ist wohl der mit Abstand größte Kritikpunkt in dem Game. Obwohl sich die Kamera mit dem digitalen Steuerkreuz der Wii-Mote noch einmal gesondert justieren lässt, wird man im Laufe des Spiels unzählige Male ob der gerade wieder einmal verrutschten und schlecht positionierten Kamera fluchen. Wenn man bereits im Tutorial mangels Übersicht in die ersten Gruben fällt und das Ziel verfehlt, kann das eigentlich kein gutes Zeichen sein. Dem ist in der Tat so, denn im weiteren Spielverlauf macht sich die unpräzise Kameraführung leider immer wieder bemerkbar. Justiert man selbst nach, hakt die Kamera ebenfalls teils und hängt fest, dann ploppt sie wiederum durch Objekte hindurch. Gut gezielte Sprünge, die oftmals erforderlich sind, werden so viel zu oft zum reinen Glücksspiel und müssen mehrfach wiederholt werden, bis sie irgendwann einmal gelingen. Hier hätte man seitens Electronic Arts deutlich mehr Feinarbeit leisten müssen, denn selbst die beiden Sonic Adventure-Teile auf Segas Dreamcast hatten keine derart störrische Kamera zu bieten.

Die restlichen Aktionen gehen einigermaßen zufriedenstellend von der Hand. Ab und an empfindet man die Sprünge eventuell als etwas hakelig, vor allem das Schweben mit Barts Cape aktiviert sich unter Umständen früher oder später als geplant. Der Einsatz der Wii-Fähigkeiten bei einigen Sonderfähigkeiten der Charaktere wirkt auch ein wenig aufgesetzt und hätte geschickter gelöst werden können. Warum um alles in der Welt muss man zum Beispiel wie Wii-Mote schütteln, damit Lisa auf ihrem Saxophon spielt? Immerhin ist die Steuerung des Homerballs recht gelungen und es macht Spaß der dicken Kugel Zunder zu geben und durch die Gegend zu heizen. Mehr der Vollständigkeit halber soll noch erwähnt sein, dass man sich über die Buttons 1 und 2 die Aufgabenliste sowie das Menü aufrufen kann. Einen Kritikpunkt gibt es noch ganz zum Schluss: In den Menüs des Games wurde auf die Pointerfunktion komplett verzichtet. Stattdessen navigiert man in einer antiquierten Art und Weise mit dem Steuerkreuz, bzw. dem Analogstick. Was in den normalen Menüs noch erträglich ist, fällt bei der Benennung des Speicherprofils wirklich negativ auf. Leute, jetzt mal ehrlich: Warum hat denn hier keiner daran gedacht eifnach die Pointerfunktion zum Einsatz zu bringen? Sorry, aber das ist echt nicht zu verstehen.

Knallbunt & mit einem Knall

Nachdem das Game in Bezug auf die Steuerung viel Kritik einstecken musste, gibt es in Sachen Technik weitaus weniger zu meckern. Im Gegenteil, das Spiel ist optisch richtig gut gelungen. Natürlich kann es von der Schärfe der Texturen her nicht mit den beiden Konkurrenzkonsolen mithalten, das muss es aber auch gar nicht. Durch seine bunte Optik sieht Die Simpsons – Das Spiel auch auf Nintendos Wii aus wie gerade erst aus der TV-Serie entsprungen. Gelungen ist das dem Entwicklerteam vor allem auch durch die geschickte Einbindung der animierten Zwischensequenzen, die teils nahtlos in die Spielgrafik überzugehen scheinen. Natürlich merkt man es schon noch, wenn die Sequenz zu Ende ist, aber die farbenfrohe Optik im Cel Shading-Look passt perfekt zum comicartigen Erscheinungsbild des Titels. Ebenfalls ein Lob haben die Animationen verdient, die allesamt sehr gelungen sind. Hier sind es wieder einmal die vielen kleinen Details, die das Game lebendig erscheinen lassen und für den guten Gesamteindruck sorgen. Die Stages selbst sind teils sehr weitläufig und abwechslungsreich gestaltet.

Ebenfalls viel Mühe gegeben hat man sich mit dem Sound. Der Titel kann mit allen deutschen Synchronstimmen der Serie aufwarten, so dass Fans sich sofort heimisch fühlen sollten. Die vielen und mitunter sehr skurrilen Äußerungen der Charaktere tragen auch ihren Teil dazu bei, selbst wenn manche Sprüche sich etwas oft wiederholen. Hervorstechend ist dabei – wie hätte es anders sein können? – übrigens Homer, dessen Sätze immer wieder für einen Lacher sorgen. Die Musikuntermalung hinterlässt zwar nicht einen derart bleibenden Eindruck, passt sich jedoch gut in das Gesamtgeschehen ein. Alle Episoden sind stilecht und passend untermalt, von jazzigen Klängen bis hin zum Orchestereinsatz ist hier alles vertreten, was für Atmosphäre sorgt. Durch stimmungsvolle Soundeffekte wird der technisch durchaus zufriedenstellende Eindruck des Titels komplettiert.

Fazit

Die Simpsons – Das Spiel ist ein zweischneidiges Schwert und ein abschließendes Fazit fällt nicht einfach. Fans der Serie freuen sich über die vielen Charaktere, die tolle Optik und den Einsatz der Synchronstimmen aus der TV-Serie. Zudem sind die vielen Anspielungen immer für einen Lacher gut und man darf sich über viele sammelbare Extras sowie den Coop-Modus freuen. Echte Simpsons-Fans werden sicher auch über Mankos wie das an sich etwas antiquierte Gameplay hinwegsehen. Selbst mit der unterirdisch schlechten Kamera werden sie sich anfreunden. Wer dagegen mit den Simpsons selbst nichts anfangen kann, der findet mit Die Simpsons – Das Spiel einen relativ durchschnittlichen Plattformer wieder, dem trotz gelungenen Ansätzen und vielen Ideen vor allem die etwas unpräzise Steuerung und die einfach nur schlechte Kameraführung eine höhere Wertung kosten. Fans der gelben Familie dürfen dennoch einen Blick riskieren und in Gedanken noch einen Punkt in der Gesamtwertung addieren, alle anderen sollten sich aber nach besseren Alternativen im Genre umsehen.

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